To Bet or not To Bet (5)
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To Bet or not To Bet (5)
von MiiWiin
Zum Abschluß sollst du ein paar Sonderspots betrachten. Wie ändert sich das Spiel, solltest du selbst der Preflopaggressor sein? Was sind Besonderheiten in multiway Pots oder 3-bettet Pots? Und was geschieht eigentlich, wenn dein Gegner checkt und dieser Spot gar nicht entsteht?
Übersicht:
- Was sind trockene Boards?
- Exkurs zu Gegner/Stats
- Welche Problematiken herrschen dort?
- Balancing/Deception
- Wann solltest du betten, wann nicht?
- Wie kannst du bluffen?
- Wie kannst du maximalen Value extrahieren?
- Das Way ahead - Way behind - Prinzip
- Turn- und Riverplay nach einer Bet am Flop
- Turn- und Riverplay nach einem Check am Flop
- Marginale Holdings
- Wie spielst du out of Position
- Wie spielst du als Preflopaggressor?
- Multiway Pots
- 3-bettet Pots
- Was passiert, wenn Villain bettet?
Du bist der Preflopaggressor
Sofern du der Preflopaggressor bist, entsteht diese Problematik nur indirekt. Spielst du in Position und dein Gegner checkt zu dir, so ist dies normal. Daraus etwas abzuleiten, fällt schwer, kann es doch sein, dass dein Gegner selten bis niemals donkt.
Interessanter wäre es, ob es für dich Spots gibt, in denen du selbst solche Flops checken kannst?
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with XX
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.85) (2 players)
Hero checks, BU...
Gäbe es Situationen, in denen du so spielen würdest? Oder contibettest du hier mit einer 100%-Frequenz?
Solltest du checken, würdest du tatsächlich einige Spots check/folden? Würdest du ab und an checkraisen, oder wäre es meistens check/call?
Ein Check kann hier sinnvoll sein, vor allem gegen recht loose und möglichst aggressive Spieler. Ist deine Hand auf diesem Board eher als marginal anzusehen, kannst du das Way ahead - Way behind - Prinzip hier recht gut anwenden.
Allerdings soll in erster Linie das Spiel gegen Regulars betrachtet werden (gegen schlechte Spieler hast du grundsätzlich mehr Freiheiten). Würdest du gegen einen 22/17er mit normalen Rest-Stats hier jemals checken?
Es sind letztlich unzählige Spots, allerdings musst du an dieser Stelle noch einmal das Balancing in Betracht ziehen. Wenn du für dich selbst sagst, du bettest hier meistens, ab und an check/callst du auch mal, dann dürfte Villain in der Theorie niemals bluffbetten, wenn du checkst.
Solltest du meistens betten und den Rest check/folden, da du wa/wb nicht anwenden möchtest, dann kann Villain immer bluffbetten, wenn du checkst.
Ideales Balancing wäre eine Contibet-Frequenz von 100%, aber nötig ist das nicht. Du kannst selbstredend ab und an checken, nur darf deine Line dann nicht vorher bestimmt sein. Solltest du einen gewissen Prozentsatz deiner Range hier checken, müsstest du zumindest Check/Call- und Check/Fold-Ranges haben. Auf ein Checkraise kann man in diesem Spot zur Not komplett verzichten.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with XX
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.85) (2 players)
Hero bets $1.20, BU calls $1.20
Turn: ($3.25) (2 players)
Hero...
Die Problematik in diesem Spot fängt eigentlich erst am Turn an. Du wirst den Flop recht häufig contibetten, das weiß dein Gegner auch.
Am Turn stehst du jedoch dennoch meistens ratlos da, weil es selten Turncards gibt, die dir helfen. Auch hier hältst du häufig Ausschau nach Händen, die du gut verkaufen kannst, das ist auf solchen Boards aber kaum möglich.
Automatisch verwendest du das wa/wb-Prinzip im Sinne von: „Wenn er den Flop callt, callt er auch am Turn auf eine Blank.“
Das muss nicht richtig sein, denn deine Geschichte einer starken Hand erzählst du nicht durch die Contibet auf diesem Traumflop, sondern durch weitere Action. Sei es die 2nd Barrel, sei es ein 3-Barrel-Bluff oder ab und an ein Checkraise am Turn.
Diese Spots sind letztlich wichtig, denn sie kommen recht häufig vor. Du brauchst da einen guten Plan gegen den jeweiligen Gegner. Sollte dein Kontrahent häufig floaten und du hältst eine marginale Hand, wie wäre das ideale Play?
Theoretisch wäre es ein Check/Call am Turn. Eine 2nd Barrel gegen Bluffs macht nicht viel Sinn und ein Checkraise erscheint auf einem dry Board auch etwas komisch.
Dennoch brockst du dir mit deinem Check/Call einen nicht ungefährlichen Riverspot ein, denn du legst deine Hand offen. Du wirst Showdownvalue haben, sonst würdest du nicht check/call spielen. Am River hat dich Villain jedoch in der Hand, konsequenterweise müsstest du checken und deinem Gegner überlassen, ob er sich den free Showdown gönnt oder gegen dich valuebetten kann.
Schwächere Hände checken behind, bessere Hände können gezielt for Value betten. Ideal ist dieses Play für dich nicht.
Bliebe ein Checkraise, allerdings hast du nun wieder das Problem, das alles schwächere foldet und du dich gegen sehr gute Hände isolierst. Der Pot am Turn ist noch recht klein, durch ein Checkraise zielst du auf einen All-In-Spot ab, was nicht zwangsweise gut sein muss.
Langsam gehen die Alternativen aus, dennoch gibt es einen guten Tip: Versuche so häufig wie möglich, diese Spots zweimal zu barreln.
Du solltest den Grundsatz hier nicht verwenden, am Turn nicht häufig zu betten, da du nichts verkaufen kannst und Villain dich ohnehin runtercallt.
Meistens stehst du hier mit drei Handgruppen: starken Händen, marginalen Händen oder Air.
- Mit starken Händen bettest du for Value.
- Mit marginalen Händen bettest du ebenfalls for Value, da dein Gegner möglicherweise einiges callen kann.
- Mit Air bettest du gegen seine Floats: Lieber du bluffst ihn raus, als er dich.
Objektiv betrachtet ist die 2nd Barrel das einzig sinnvolle.
- Du weißt, dass dein Gegner der Contibet nicht viel Credit gibt.
- Du weißt, dass dein Gegner floaten kann und häufig nichts gutes hält.
- Du weißt, dass nach einem Check deinerseits das zukünftige Play schwer werden kann.
- Du hast am River die Option der 3rd Barrel.
Wie weit du am River letztlich gehst, lässt sich nicht pauschalisieren. Am Flop wird dein Gegner sehr light callen, am Turn aber eher nicht. Hier kannst du schon sagen, wer am Turn callt (beziehungsweise wer zwei Barrels callt), wird am River nicht mehr vieles aufgeben. Daher ist die 3rd Barrel immer mit Vorsicht genießen.
Merke: Dies soll nicht bedeuten, dass du solche Spots automatisch immer 2nd-barreln solltest. Aber wie oben schon beschrieben, solltest du dir im Falle deiner Checks ein Balancing überlegen. Wie würdest du in obigen Spot grundsätzlich spielen? Erfolgt ein Check deinerseits, was ist hier dein Play? Check/call? Check/fold? Ist dies zumindest gebalanced?
Möglich ist vieles und egal mit welcher Handgruppe ist ein Check am Turn kein Fehler, aber du musst longterm für dich herausfinden, was ein Check deinerseits aussagt und ob es guten Gegner möglich ist, daraus etwas abzulesen.
Dennoch soll es eine kleine Werbung für die 2nd Barrel in solchen Spots sein. Bleibe ruhig aggressiv und denke immer dran, 75% der Pötte gewinnt derjenige, der einfach zuletzt bettet oder raist.
Multiway Pots
In multiway Pots gelten immer andere Regeln. Die Gründe dafür sind offensichtlich:
- Bei vielen Gegnern ist eine sehr starke Hand wahrscheinlicher.
- Viele Hände haben viele Outs, daher ist Protection wichtiger.
- Die (Implied) Odds werden besser, Draws callen häufiger.
- Die Foldequity sinkt daher dementsprechend.
- Es wird weniger geblufft und weniger light for Vale gebettet.
- Es sind unterschiedliche Gegner in der Hand, gegen die eine geeignete Spielweise erst gefunden werden muss.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) Regular
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
UTG raises $0.75, MP calls $0.75, 1 fold, Hero calls $0.75, 1 fold, BB calls $0.75
Flop: ($3.10) (2 players)
BB checks, UTG checks, MP checks, Hero...
In dieser Situation kannst du die Grundsätze dieser Flops nicht anwenden.
Vom Preflopaggressor weißt du, dass er ein solider Regular ist. MP und BB kamen bis dato eventuell etwas komisch spielend daher. Nun checken alle.
Dem Check von UTG solltest du nicht zu viel Bedeutung beimessen. Er wird häufig nichts halten und sich gegen drei Gegner kaum Foldequity geben. Er ist im Check/Fold-Modus.
Die anderen beiden können irgendwas halten, aber normalerweise haben sie Outs. Stell dir einfach vor, UTG hält 33 und die beiden anderen Spieler 77 und 99. Ob einer von ihnen deine Flopbet callt, das ist schwer zu sagen. Fakt ist aber auch, checkst du behind, gibt es immer 6 Outs am Turn die deine Hand komplett zerstören und dich in den meisten Fällen deinen ganzen Stack kosten.
Es ist keine Pflicht, hier am Flop zu betten, jedoch deutlich sinnvoller als im Heads-up Pot. Zudem gilt in diesen Situationen das wa/wb-Prinzip natürlich nicht wirklich.
3-bettet Pots
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with XX
2 folds, Hero raises $0.75, 2 folds, BB raises $2.50, Hero calls $2.50
Flop: ($5.10) (2 players)
BB checks, Hero...
In 3-bettet Pots gilt beinahe das Gleiche wie in den bislang behandelten normalen raised Pots. Dein Gegner wird hier selten check/folden, seine Range ist meistens beschränkt auf starke Hände und marginale Hände. Eine Bluff-3-Bet hätte hier auch meistens den Flop gebettet.
Aus diesem Grund gelten die gleichen Regeln, die in Teil 1 behandelt wurden: Theoretisch ist es nicht verkehrt, jeden Flop behind zu checken. Bettest du hier ab und an, müssen sich Value- und Bluffbets einigermaßen ausgleichen.
Eine 2nd Barrel wird selbstverständlich umso teurer, eine 3rd Barrel käme einem All-In gleich. Auf so etwas musst du vorbereitet sein. Viele Spieler haben recht geradlinige Spielweisen in 3-bettet Pots, also dann, wenn es teuer werden kann. Zu häufig gibt es Spieler die ihren wa/wb-Kurs wild durchziehen und auch Hände wie QQ-TT hier einfach nicht weglegen.
Es bleibt dir nichts anderes übrig, als dementsprechende Reads zu sammeln und sie anzuwenden. Zu häufig solltest du solche Flops zumindest nicht attackieren, du wirst mit Bluffs zu häufig runtergecallt und mit marginalen Händen valuebettest du zu häufig für deinen Gegner.
Ergänzend kommt hinzu, dass du mit starken Händen auch an Turn und River problemlos einen großen Pot aufbauen kannst.
Dein Gegner bettet
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with XX
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.85) (2 players)
UTG bets $1.20, Hero...
Dies ist nun der Standardspot. Geschieht dies, sind diese Kolumnen erst einmal hinfällig. Die Bet überrascht dich nicht wirklich, diesen Spielzug wirst du am häufigsten sehen.
Hier geht es nun in andere Bereiche. Es wäre gut zu wissen, welche Blufffrequenzen dein Gegner hat, wie er an Turn und River spielt, ob es sich lohnt, gegen ihn zu floaten (Sprich: Was hat ein Turncheck seinerseits zu bedeuten?) oder ob er auf Raises vieles aufgibt (denke an das Anfangsbeispiel mit KQ out of Position und wie ungern du da geraist wirst).
Zu solchen Szenarien gibt es bereits viel Lehrmaterial, daher sind sie nicht weiterer Bestandteil dieser Serie.
| » ZUSAMMENFASSUNG |
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Du hast gesehen, was in solchen Spots möglich ist. In erster Linie muss dir klar sein, dass diese Spot recht häufig vorkommen. Notwendigerweise musst du dich damit auseinandersetzen und solltest nicht nur versuchen, einen Einzelspot +EV zu spielen, sondern deine Spielweise auch einigermaßen zu balancen. Hast du von allem etwas in deiner Range, wird es schwer für deinen Gegner, seinen Positionsnachteil auszugleichen. Dennoch ist es wichtig, auch hier jeden Spot gezielt zu betrachten und nicht blind in irgendwelche Betmuster zu verfallen, die möglicherweise gar keinen Sinn ergeben. Hinterfrage jede Bluff- und Valuebet. Solltest du dich für einen Weg entschieden haben, dann ziehe ihn auch durch. Grundsätzlich erreichst du mit (Bluff-)Bets auf einer einzelnen Street nicht sonderlich viel. |
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