Woche 30 (BSS): Continuation Bets
Einleitung |
von eplc |
Diese Woche beschäftigen wir uns mit einem Thema, das eigentlich zu den Basics gehört, aber deutlich komplexer ist, als man zuerst annimmt. Continuation Bets bereiten vielen Membern noch eine Menge Kopfzerbrechen, das werde ich hoffentlich mit diesem Artikel ändern können.
Hand 1
Heads-Up am Flop / draw-heavy Board
0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is MP3 with J
MP2 folds, Hero raises to $2.00, CO folds, BU calls, 2 folds.
Flop: ($4.75) 3


Hero bets $3.20, BU folds.
Final Pot: $8.25
Hier sehen wir zuerst ein Positivbeispiel. Die Frage des Posters bezog sich an dieser Stelle darauf, ob die Continuation Bet unangebracht gewesen wäre.
Befinden wir uns in einer HU-Situation am Flop und haben die Initiative, betten wir beinahe immer noch einmal den Flop. Durchschnittlich trifft ein Gegner den Flop nur in etwa 1/3 der Fälle, ob ein Pair oder ein Draw, unsere Bet ist hier also auch gegen loose- passive Fische richtig.
Ausnahmen bestätigen hier wie immer auch die Regel. Gegner, die extrem oft floaten oder absolute Callingstations sind, werden uns so oft callen, dass wir auch auf die Continuation Bet verzichten können. In solch einer Situation sind wir allerdings äußerst selten, unsere erste Wahl sollte immer die Bet sein.
Dazu ein wenig Mathematik:
Wir investieren 2/3 Pot, um Pot zu gewinnen.
In nur 1/3 der Fälle, hat unser Gegner eine Hand zum Callen (Hände, die er mit falschen Odds callen würde, miteinbezogen). In 2/3 der Fälle gewinnen wir den Pot direkt mit der Conti-Bet.
Wir gewinnen also 2 x Pot und verlieren 1 x 2/3 Pot --> Net Win: 1 1/3 Pot.
Vergessen wir nicht, dass unser Gegner auch loosere Calls macht und floaten kann, beziehen wir aber auch in Betracht, dass wir meist noch improven können. Selbst wenn wir noch Abstriche am Gewinn machen müssen, eine Continuation Bet als Standard von 2/3 PS gegen einen Gegner ist, auf lange Sicht gesehen, stark +EV.
Eine gute Orientierung ist natürlich der "Fold To Continuation Bet"- Wert.
Zu diesem auch wieder ein wenig Mathematik:
Wieder betten wir 2/3 Pot, um den Pot zu gewinnen.
Break-even sind wir dann, wenn unser Gegner in 40% der Fälle gegen unsere Continuation Bet foldet, denn:
In 2 Fällen foldet Villain --> +2 Pot
In 3 Fällen callt Villain --> -3 x 2/3 Pot = -2 Pot
------------------------------------------------------------
+/- 0
Liegt also Villains "Fold To Continuation Bet"- Wert unter 40%, müssen wir beginnen, unsere Spots sorgfältiger zu suchen, um zu entscheiden, ob wir HU betten wollen oder nicht. Wichtig ist hier aber zu erwähnen, dass solche Entscheidungen erst eine Rolle spielen sollten, wenn unsere Sample Size zu Villain ausreichend groß ist. Auch gut 100 Hände sind hier deutlich zu wenig.
Hand 2
3- handed am Flop / paired Board
PokerStars No-Limit Hold'em, $1.00 BB (6 handed)
SB ($166.05)
BB ($61.25)
UTG ($96.60)
Hero ($100)
CO ($306.40)
Button ($201)
Preflop: Hero is MP with T

1 fold, Hero raises to $4, CO calls $4, 1 fold, SB calls $3.50, 1 fold.
Flop: ($13) 4


SB checks, Hero??
Auch diesen Flop betten wir, paired Flops sind immer eine gute Gelegenheit, den Pot auch völlig unimproved gegen 2 Gegner mitzunehmen.
Sehr selten trifft hier einer der Gegner, Pocket Pairs werden nicht immer, aber noch oft genug gegen eine Bet gefoldet, unpaired Hands beinahe immer, solange sie nicht 4-flushed sind.
Selbst gegen 3 TAGs ist hier eine Bet noch oft genug erfolgreich, um auf lange Sicht profitabel 2/3 Pot zu investieren.
Paired Flops betten wir also beinahe immer, auch gegen 2 Gegner.
Hand 3
3- handed am Flop / draw-heavy Board
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
SB ($163.68) (43/8/2.90/23)
Hero ($130.65)
Preflop: Hero is MP with A
1 folds, Hero raises to $4, 2 folds, SB calls $3.50, BB calls $3.
Flop: ($12.00) 3


SB checks, BB checks, Hero??
Nach 2 Beispielen, die uns zeigen, wann wir betten sollten, sehen wir uns ein Beispiel an, bei dem wir auf die Continuation Bet verzichten.
Bei dieser Hand sind selbst unsere Gegner-Typen recht unwichtig. Die Blinds coldcallen unseren Raise, das tun sie meistens mit Pocket Pairs oder Suited Connectors, beides kann diesen Flop big gehittet haben.
Anders als in Beispiel 1 sind wir hier gegen 2 Gegner am Flop, daher beginnen wir, die Flop-Struktur ein wenig sorgfältiger zu betrachten.
Beide können diesen Flop gehittet haben und wir haben die Möglichkeit, uns die Freecard zu nehmen, da wir gegen beide IP sind.
Wir checken hier also und geben die Hand unimproved gegen eine weitere Bet auf.
Draw-heavy Flops gegen 2 Gegner wollen wir nicht contibetten.
Fazit
- Heads-Up betten wir beinahe immer den Flop.
- Gegen 2-3 Gegner betten wir meistens bei:
+ paired Flops
+ Flops mit 1 high Card, 2 low Cards / 2 high Cards, 1 low Card
+ Flops, die wir hitten
- Gegen 2-3 Gegner betten wir meistens nicht bei:
- draw-heavy Flops
- Flops, die unsere Gegner sehr wahrscheinlich getroffen haben