Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 16 (SSS): Fehlertext - Verschiedene Hände

Einleitung

von iluya

Diese Woche teste ich ein neues Format für die lehrreichsten Beispielhände und erhoffe mir einen verstärkten Lerneffekt.

Ich werde einen Fehlertext erstellen. Das heisst, ich poste die Hände und "bewerte" sie direkt. In diesen Bewertungen werde ich jedoch Fehler verstecken.
Eure Aufgabe ist es nun, diese Fehler zu finden und zu erklären, was und vor allem WARUM man was anders spielen sollte.

Hand 1

Wie liest man eine Beispielhand?

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is BU with Q, A. UTG posts a blind of $0,10. , MP3 posts a blind of $0,10. , CO posts a blind of $0,10.
UTG checks, 2 folds, MP1 calls $0,10, MP2 calls $0,10, MP3 checks, CO checks, Hero raises to $0,90, 4 folds, MP2 calls $0,80, 2 folds.

Flop: ($2,35) 7, 5, J (2 players)
MP2 checks, Hero ??

Preflop hat man ja 5 Spieler, die schon in die Hand eingestiegen sind. Daher muss man 0.4$ +0.5$ also 0.9$ erhöhen. Und wenn das so im Strategieartikel steht, ist das halt so. Am Flop ist man dann protected und muss eh immer All-in.

Hand 2

Wie liest man eine Beispielhand?

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is MP1 with A, A
3 folds, Hero raises to $0,40, MP2 folds, MP3 calls $0,40, CO calls $0,40, 3 folds.

Flop: ($1,35) 9, J, 6 (3 players)
Hero bets $1,80 (All-In)

Hier sollte man vor dem Flop weniger erhöhen. Man will ja nicht alle Leute sofort aus der Hand vertreiben und deshalb sind 4BB zu hoch. Sowas kann man mit schwächeren Händen schon machen, aber mit einer so starken Hand ist es besser, wenig zu erhöhen, um möglichst viele Gegner in der Hand zu halten.

Am Flop sollte man hier wohl auch am besten nur schieben. Man gewinnt ja mit einer so guten Hand eh immer und wartet lieber darauf, dass der Gegner setzt.
Und so hoch sollte man eh nicht setzen (direkt Allin), weil damit verscheucht man ja jeden.

Hand 3

Wie liest man eine Beispielhand?

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is MP3 with K, A
2 folds, UTG+2 calls $0,10, MP1 folds, MP2 calls $0,10, Hero raises to $0,60, 2 folds, SB calls $0,55, BB folds, UTG+2 calls $0,50, MP2 folds.

Flop: ($2,00) 9, 3, 5 (3 players)
SB checks, UTG+2 bets $0,50, Hero ??

Vor dem Flop ist die ERhöhung von 0.6$ (0.4$ +1BB je eingestiegener Spieler) richtig.
Am Flop kann man diesen kleinen Einsatz eher als Schwäche einordnen. Und der SB hat ja eh keine Hand, weil er einfach geschoben hat.
Man sollte hier einfach nur pushen. Oft geht einer mit, aber das kann einem ja egal sein, denn man hat ja sehr viele Verbesserungsmöglichkeiten, mit denen man noch gewinnt.

Hand 4

Wie liest man eine Beispielhand?

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is BB with J, 8
3 folds, MP1 calls $0,10, 2 folds, CO calls $0,10, BU calls $0,10, SB calls $0,05, Hero checks.

Flop: ($0,50) 2, J, A (5 players)
SB checks, Hero bets $0,50, 4 folds.

Final Pot: $1,00

Vor dem Flop sollte man hier natürlich einfach nur schieben! Man hat ja keine gute Hand getroffen. Am Flop hat man nun einen MonsterDraw getroffen. Denn mit Flushdraw plus Möglichkeit auf 2 Paar oder Drillinge hat man hier ja massig Verbesserungsmöglichkeiten und kann das schon als Monsterdraw zählen.

Hand 5

Wie liest man eine Beispielhand?

UTG: $24,65
UTG+1: $15,85
UTG+2: $22,16
MP1: $27,20
MP2: $28,60
MP3: $17,75
SB: $1,50
BB: $11,65
Hero: $4,65
CO: $25,25

0,10/0,25 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is BU with J, J
5 folds, MP3 raises to $1,25, CO folds, Hero ??

Hier sollte man natürlich nochmal erhöhen. Das macht man ja mit JJ gegen unbekannte Gegner immer. Hier sollte man wohl auf etwa 3.75$, also das 3fache der Erhöhung, gehen.

Hand 6

Wie liest man eine Beispielhand?

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

Preflop: Hero is UTG+2 with Q, Q
UTG+1 folds, Hero raises to $0,40, MP1 calls $0,40, MP2 folds, MP3 calls $0,40, 4 folds.

Flop: ($1,35) K, 8, 9 (3 players)
Hero bets $1 (All-In), MP1 folds, MP3 calls $1,00.

Turn: ($3,35) A
River: ($3,35) J

Final Pot: $3,35

Vor dem Flop erhöht man hier ganz normal auf 4BB.
Am Flop sollte man einfach All-in gehen, denn man hat ja die Damen, was die dritt beste Starthand ist!!!!!

Hand 7

Wie liest man eine Beispielhand?

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

Preflop: Hero is CO with 4, 4
UTG+1 folds, UTG+2 calls $0,10, 3 folds, Hero calls $0,10, BU folds, SB calls $0,05, BB checks.

Flop: ($0,40) J, 4, 9 (4 players)
SB checks, BB checks, UTG+2 checks, Hero bets $0,10, 2 folds, UTG+2 raises to $0,20, Hero calls $0,10.

Turn: ($0,80) 8 (2 players)
UTG+2 checks, Hero bets $0,80, UTG+2 calls $0,80.

River: ($2,40) 9 (2 players)
UTG+2 checks, Hero bets $0,75 (All-In), UTG+2 calls $0,75.

Final Pot: $3,90

Vor dem Flop sollte man hier natürlich auf die Chance, einen Drilling ausbezahlt zu bekommen, mitgehen.

Am Flop trifft man seinen Drilling. Da man jedoch eh immer gewinnt, setzt man nur ganz klein, um die Gegner nicht zu vertreiben.

Am Turn setzt man dann, jedoch höher, da man ja einen Pot aufbauen will. Und am River schiebt man einfach noch den Rest hinterher.

Auslösung

Hand 1

Die erste Aussage ist eigentlich teils richtig und teils falsch. Denn man KANN es durchaus so spielen wie hier gemacht!
Man könnte rein theoretisch auch einfach direkt vor dem Flop All-in gehen. So bringt man eher bessere Hände zum aussteigen und mit einem normal hohen Einsatz wie hier comitted man sich eh. Eine eher niedrige Erhöhung (etwa auf 0.6-0.7$) wäre hier auch möglich.

Die zweite Aussage ist jedoch klar falsch. Die Strategieartikel sollen nur eine Grundlage sein, können aber nicht alles behandeln.
Nehmt Änderungen aber nicht willkührlich überall selbst vor, sondern macht das als Anfänger am besten nur, wenn euch dies ein Coach oder ähnliche Person erklärt hat.

Am Flop ist man hier jedoch mit einem normal hohen Stack immer comitted, nicht protected, da der eigene Stack nur noch kleiner als die Hälfte des Pots ist. Dadurch geht man immer All-in.

Hand 2

Vor dem Flop sollte man eigentlich immer gleich erhöhen. Also 4BB+1BB je eingestiegener Spieler. Slowplay ist hier erstens nicht empfehlenswert, da man so marginalen Händen die Möglichkeit geben würde, sich billig den Flop anzuschauen.
Zweitens ist man, wenn man immer gleich erhöht, nicht insofern readable (lesbar), dass der Gegner von unserer Einsatzhöhe die Stärke unserer Hand ablesen kann.

Schieben ist hier gefährlich, da bei diesen Gemeinschaftskarten sehr gut sowie ein Flush,- als auch ein Straightdraw möglich sein können.
Man kann jedoch ein wenig slower anspielen (etwa 2/3 Potgröße), womit man ausreichend protected, aber die Gegner eher in der Hand hält.
Am Turn müsste man den Rest des Stacks hinterherschieben.

Hand 3

Die Erhöhung vor dem Flop ist hier natürlich korrekt.

Am Flop muss man gegen die Donkbet (Einsatz des Nichtaggressors vorm Flop gegen den Aggressor, bevor dieser dran war) weglegen. Erhöhen kann man hier gegen 2 Gegner natürlich nicht, wenn man nichts getroffen hat.
Mitgehen kommt auch nicht in Frage, da das Verhältnis Pot zu Einsatz zu klein ist.
Also kann man ohne Probleme gegen diese Donk seine Hand weglegen.

Hand 4

Das hier ist die einzige Hand, in die ich keinen direkten Fehler eingebaut habe!

Hand 5

Nochmal erhöhen sollte man gegen einen unknown(unbekannten) Gegner natürlich immer. Da man, wenn man regulär auf 3.75$ erhöht, nur noch einen Reststack von 0.9$ hätte, geht man hier direkt All-in.

Hand 6

Vor dem Flop war die Erhöhung natürlich richtig. Am Flop sollte man hier jedoch nicht All-in gehen. Man hat nur das zweite paar und spielt gegen 2 Gegner. Mindestens einer der beiden Gegner wird wohl in nahezu allen Fällen den K haben und so kann man hier einfach schieben und aussteigen.

Hier hatte der Spieler übrigens einen zu kleinen Stack, sonst wäre die Entscheidung zum schieben & aussteigen noch einfacher.

Hand 7

Vor dem Flop sollte man erst ab 2 (bald sogar ab 3) Spielern vor einem mitgehen. Nur so wird man oft genug ausbezahlt, um die Ausgaben durch das Mitgehen zu decken.

Am Flop würde ich dann 1/2-2/3 Potgröße anspielen. Man muss einen Pot aufbauen und außerdem gegen mögliche Draws protecten.
Am Turn sollte man genauso wie am Flop spielen und am River den Reststack hinterherschieben.

In unserem Beispiel hätte der Spieler am Turn auch weniger anspielen können, da der Pot, wie man sieht, am River eh groß genug für ein finales All-in gewesen wäre.