Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 13 (BSS): Semibluffs am Flop

Einleitung

von eplc

Nachdem letzte Woche sehr gutes Feedback zum Thema "Continuation Bets" kam, werde ich diese Woche auf ein weiteres "Basics-Thema" eingehen, das vielen noch Probleme bereitet: Semibluffs am Flop. Viele Spieler machen "fixed limit-like" Semibluffs und betten in viel zu viele Gegner oder verzichten auf den Semibluff am Flop vollkommen.
Ich hoffe, in dieser Woche ein wenig Licht ins Dunkle bringen zu können, mit ein paar ausgewählten Beispielhände zur Veranschaulichung.

Hand 1

Negativbeispiel I

PartyPoker $100 NL Hold'em (5 handed)

Stacks & Stats
BU (77/10/1.07/32)
Hero ($110)

Preflop: Hero is SB with 4, 4
1 folds, CO calls $1, BU calls $1, Hero calls $0.50, BB checks.

Flop: ($4.00) 5, 3, 6 (4 players)
Hero bets $3, BB folds, CO folds, BU calls $3.

Hier bettet Hero in 3 Gegner auf einem sehr draw-heavy Board. Hero kann noch die beste Hand halten, muss sie aber nach einem Call meist schon am Turn aufgeben und kann sich bei den 2 Overcards und den vielen Draws, die unsere Gegner haben können, wenig bis keine FEQ ausrechnen. Man beachte hierzu noch BU's Stats, hier wird ungefähr keine Hand von BU weggehen.
Außerdem müssen wir unsere Outs noch ein wenig auf Grund des 2-suited Boards discounten, denn bei einem unserer Outs, das ein Spade ist, können wir nicht von einem cleanen Out ausgehen. In diesem Fall spielen also sogar reverse implied Odds mit in diese Hand - hitten wir unsere Straight, halten aber nicht die beste Hand, bezahlen wir den made Flush noch viel zu oft aus.
In diesem Fall geben sich viele Spieler noch die vollen Outs auf die 4, was bei einem so stark connected Board zu optimistisch ist. Mit der Straight wird man ebenfalls oft nur splitten (sprich es ist bei einem Call recht wahrscheinlich, dass sogar mindestens einer der 4s dead ist).
Eine Bet ist hier in 3 Gegner, besonders mit mindestens einem Vollfish, nicht profitabel, deshalb checken wir zuerst und callen je nach Odds und Outs eine Bet.

Hand 2

Negativbeispiel II

Stacks & Stats
MP ($25.60) (25/12/2.33/26) (113h)
BU ($16.81) (69/3/0.56/52) (74h)
BB ($52.98) (35/29/oo/0) (17h)
UTG ($4) (17/0/oo/0) (12h)
CO ($25.65)
Hero ($29)

Preflop: Hero is SB with 9, 7
UTG calls $0.25, MP calls $0.25, 1 folds, BU calls $0.25, Hero calls $0.15, BB checks.

Flop: ($1.25) 8, 4, 3 (5 players)
Hero bets $1, BB folds, UTG folds, MP calls $1, BU folds.

Betrachten wir ein ähnliches Beispiel. Hero hat in dieser Hand ein Flushdraw + 1 Overcard gegen 4 Gegner, die Fold Equity ist also wieder beinahe gleich 0. Es sei gleich erwähnt, dass die Overcard natürlich nicht mit mehr als als 1 Out gecountet werden sollte, besonders bei so vielen Spielern. Hier wird oft meist wie folgt für die Bet argumentiert:

"Callen uns 2 oder mehr Gegner, haben wir wieder die richtigen Odds."

In dieser Aussage stecken gleich 2 Trugschlüsse. Zum einen können wir bei No Limit immer stark geraiset werden, gerade auf so draw-heavy Boards werden viele made Hands uns doch for Protection raisen. Raiset hier beispielsweise BB, isoliert er sogar noch weitere potentielle Caller. Zweitens spielen Odds bei den eigenen Bets keine Rolle, nur bei Calls. Wenn wir betten, dann for Value oder weil wir genügend FEQ haben.
Hier spielen wir also wieder c/c und sehen je nach Turncard weiter.

Hand 3

Positivbeispiel

0.50/1 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with J, 8
2 folds, CO calls $1.00, Hero calls $1.00, SB calls $0.50, BB checks.

Flop: ($4.00) 5, 4, A (4 players)
SB checks, BB checks, CO checks, Hero bets $3, SB calls $3.00, 2 folds.

Hier haben wir eine recht grenzwertige Hand, allerdings sprechen 2 ausschlaggebende Faktoren für eine Bet.
Erst einmal ist das Board recht scary mit einer Overcard und 2 Low Cards (siehe lehrreichste Beispielhände letzter Woche), außerdem sind wir IP und können uns möglicherweise am Turn eine Freecard erkaufen, indem wir den Flop betten. Jede Bet in uns würde schließlich eine Donk bedeuten. Sollten wir das Gegnerfeld reduzieren, können wir mit einer weiteren Bet gegen 1 Gegner vielleicht sogar den Pot mit einer 2nd Barrel UI am Turn oder River gewinnen.
Da wir hier einen unraised Pot haben, müssen wir auch nicht damit rechnen, c/raised zu werden, sollten wir hier Aggressor sein, ist ein Cb gegen so viele Gegner aber ratsam.
In diesem Fall ist eine Bet also in Ordnung, wenn auch keine Pflicht.

Fazit

  • Wir semibluffen Flops nur, wenn:

- wir 2 oder weniger Gegner haben und FEQ ausreichend

  • bei etwas mehr Gegnern, wenn (seltener):

- das Board sehr scary ist
- wir IP sind und ausreichende FEQ haben
- wir ein Monster Draw haben