Woche 12 (BSS): Quiz - Pot Control vs Protection am Turn
Einleitung |
von Sleyde |
Diese Woche gibt es wieder Beispielhände im Quizformat. Heute zum Thema "Pot Control vs. Protection am Turn". Dazu habe ich zwei Beispielhände vorbereitet.
Hand 1
UTG+2: $258.09 (31/8/0.4/45) 39h
Hero: $63.20
0.25/0.50 No-Limit Hold'em (9 handed)
Preflop: Hero is CO with A
UTG+1 folds, UTG+2 calls, 3 folds, Hero raises to $2.50, 3 folds, UTG+2 calls.
Flop: ($5.75) Q


UTG+2 checks, Hero bets $4, UTG+2 calls.
Turn: ($13.75) T
UTG+2 checks, Hero ???
Was machen wir hier?
a) Bet Turn zwecks Protection.
b) Check behind Turn zwecks Pot Control und Bluff Induction am River.
Wie verändert sich die Situation, wenn wir das 
Hand 2
SB: $98.40 (25/13/1.0/19) 64h
UTG+2: $59.45 (28/10/0.0/25) 39h
Hero: $106.85
0.25/0.50 No-Limit Hold'em (10 handed)
Preflop: Hero is MP2 with Q
UTG folds, UTG+1 calls, UTG+2 calls, MP1 folds, Hero raises to $2.50, 3 folds, SB calls, 2 folds, UTG+2 calls.
Flop: ($8.50) 6


SB checks, UTG+2 checks, Hero bets $4, SB raises to $10.00, UTG+2 folds, Hero calls.
Turn: ($28.50) 8
SB checks, Hero ???
Was machen wir hier?
a) Bet Turn, da wir oft vorne liegen.
b) Check behind Turn zwecks Pot Control.
Auflösung
Hand 1
Lösung 1: a)
Wir sollten hier den Turn betten. Es gilt wieder, die Argumente für Pot Control und Protection gegeneinander abzuwiegen.
Ein check behind hat den Vorteil, dass der Pot klein bleibt und dass der Gegner am River möglicherweise blufft. Das ist natürlich auch in diesem Fall korrekt. Protection hat logischerweise den Vorteil, dass der Gegner keine Freecards bekommt und schlechtere Hände gegen eine Bet callt.
Auf diesem Board wäre es katastrophal, Freecards zu verteilen.
Protection ist in diesem Fall wichtiger als Pot Control!
Selbst wenn wir noch nicht hintenliegen, was gut sein kann, so werden wir es am River oft tun. Außerdem wird der Gegner einige schlechtere Hände, z.b. Straight- und Flushdraws gegen eine Bet callen.
Eine zusätzliche Frage, die wir uns stellen können, ist:
Haben wir gegen einen check/raise einen einfachen Fold?
Ja, den haben wir hier. Der Gegner kann gut ein Draw gehalten haben und auf diesem Board können wir unsere Hand gegen einen check/raise recht einfach weglegen. Wir sollten 3/4 Pot - Pot auf diesem drawheavy Board betten.
Lösung 2):
Das Ganze sieht nun ganz anders aus. Freecards tun zwar immer noch weh, aber in einem geringeren Maße. Wir haben den Nutflushdraw aufgepickt und wichtig ist nun, dass wir gegen einen check/raise nicht mehr so einfach folden können. Je nach Größe müssen wir wegen der ausreichenden Odds callen. Wenn die Odds nicht gegeben sind, müssen wir folden - und verlieren massig Value, da wir in wahrscheinlich 20% der Fälle am River noch gewonnen hätten, da unser Flushdraw eingetroffen wäre.
Das ist natürlich sehr suboptimal, wir sollten daher check behind Turn spielen.
Hand 2
Lösung: b)
Es gelten wieder die selben Argumente wie bei der ersten Hand. Schaut man sich nun aber das Board an, sind Freecards nicht sehr schlimm. Es liegen kaum Draws. Wichtig zu erkennen ist allerdings, dass der Gegner trotzdem gut und gerne 5 Outs gegen uns haben kann. Mit einer Freecard geben wir ihm also die Chance, eines dieser Outs zu treffen und womöglich in 5/46 der Fälle noch zu gewinnen. Das ist logischerweise schlecht.
Wir sollten es aber trotzdem tun, denn diesmal sind die Argumente für Pot Control schwerer zu gewichten. Der Pot ist schon recht groß, er soll nicht noch größer werden. Wir wollen nicht um zwei Stacks spielen. Wahrscheinlich hätten wir gegen einen check/raise einen recht einfachen Fold, hätten aber a) schon sehr viel Geld investiert und b) callen unsere Bet kaum schlechtere Hände (da eben sehr wenig Draws liegen).
Am River sollten wir dann, in der Hoffnung, dass unser Gegner blufft, einiges callen. 1/2 - 2/3 Pot würde ich als Richtlinie angeben. Alles darüber würde ich allerdings folden, weil unser Gegner gut einen zweiten check/raise am Turn mit einem Monster plante und jetzt eine große Valuebet am River ansetzt, die aussehen soll wie ein Bluff.