Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 32 (BSS): WA/WB Situation II

Einleitung

von FirstDarkside

Letzte Woche habe ich euch zwei Hände auf einem paired Flop präsentiert, in der man entweder weit vorn (way ahead) oder weit hinten (way behind) ist. Diese Woche möchte ich dann auch auf Situationen eingehen, die auf den ersten Blick nicht ganz so offensichtlich eine WA/WB Situation sind.

Hand 1

Hero: $11.48
MP2: $10.18

0.05/0.10 No-Limit Hold'em (8 handed)

Preflop: Hero is BU with A, K
2 folds, MP2 calls $0.10, 2 folds, Hero raises to $0.50, 2 folds, MP2 calls $0.40.

Flop: ($1.15) 9, 3, A (2 players)
MP2 bets $0.80, Hero ???

Nach der Standard Preflop Action treffen wir am Flop TPTK auf einem recht drawless Board. Hier sind weder Straight noch Flushdraws möglich und doch donkt unser Gegner etwa 2/3 Potsize in uns rein. Zunächst müssen wir uns die Handrange des Gegners überlegen. Villian hat Preflop limp/call aus MP2 gespielt, was oft auf ein Pocketpair hindeutet. Somit kann er hier durchaus sein Set getroffen haben. Allerdings ist es fraglich, ob er dann selbst den Flop gebettet hätte, schließlich wird einem Thinking Player klar sein, dass wir auf diesem Flop immer eine Continuation Bet machen werden. Daher würde ich ihn hier nicht auf ein Set setzen, sondern auf ein Pocketpair ohne den Flop getroffen zu haben, aber hofft durch die Donkbet ein Set zu repäsentieren.
Da wir uns aber nicht sicher sein können, ob er ein Set oder nur ein Pocketpair hält, ist es eine WA/WB Situation. Entweder liegen wir gegen ein Set sehr weit hinten oder wir liegen gegen ein Pocketpair mit unserem Toppair ziemlich weit vorne.
Wir werden also die Donkbet nur callen. Ein Fold kommt logischerweise nicht in Frage, ein Raise aber auch nicht. Bei einem Raise werden fast nur bessere Hände callen oder dann sogar pushen. Schießlich müssen wir auf diesem Board nicht protecten und wir wollen auch den Pot klein halten.

So geht die Hand weiter:

Flop: ($1.15) 9, 3, A (2 players)
MP2 bets $0.80, Hero calls $0.80

Turn: ($2.75) J (2 players)
MP2 checks, Hero ???

Wir haben am Flop gecallt und der Gegner checkt nun am Turn zu uns. Die Turnkarte selbst sollte die Situation nicht verändert haben und daher spielen wir weiterhin c/c. Von einem Pocketpair, was uns versucht hat am Flop aus der Hand zu treiben, wird am Turn eh keine Bet callen, allerdings kann ein Set hier durchaus versuchen, ein c/r anzusetzen. Daher spielen wir hier am Turn checkbehind.

River: ($2.75) 2 (2 players)
MP2 bets $1.50, Hero ???

Nach unserem Check am Turn kann unser Gegner sich hier oft noch vorne sehen, so dass er nochmals bettet. Natürlich callen wir hier. Zum einen liegen wir hier nun durchaus vorne und zum anderen haben wir durch den check behind am Turn einen Bluff induziert.

Sollte unser Gegner am River erneut checken, so können wir uns hier vorne sehen und würden daher noch eine Valuebet in etwa 1/2 Potsize ansetzen.

Wie spielen wir aber die Hand, wenn der Gegner auch am Turn erneut donkt?
Nach WA/WB würden wir am Turn erneut die Bet callen. Nur sollte man sich im klaren sein, dass man auch oft noch eine weitere Bet am River callen muss und somit der Downcall ziemlich teuer wird. Wie also verfahren?
Hier muss man dann überlegen, ob der Gegner sein Set auch auf einem trockenen Board so spielen würde, wenn ihr das bejahen könnt, so würde ich am Turn folden. Es macht meiner Meinung in dieser Situation keinen Sinn, sich mit TPTK stacken zu lassen. Sollte der Gegner aber den Turn und evtl. auch den River z.B auch mit einem Pocketpair donken, ist der Calldown in Ordnung.
Man kann aber durchaus auch am Turn die Donkbet raisen, der Raise muss gar nicht groß sein. Sollte man dann gepusht werden, kann man die Hand recht einfach weglegen. Sollte der Gegner unseren Raise callen, so wird er oft am River checken und wir haben uns mit dem Raise den FreeSD "erkauft". Sollte unser Gegner jedoch den Raise callen und am River erneut betten, so sehe ich mich dann definitiv geschlagen und lege mein TPTK weg.
Wie man sieht, kommt es in einer solchen Situation oft auf die Spielweise des Gegners an. Gegen aggressive Gegner tendiere ich eher zum Calldown und gegen passive Gegner tendiere ich bei einer erneuten Donkbet am Turm zum Fold, schließlich wird ein passiver Spieler kaum mit TT am Flop und Turn gegen den PFA donken.

Hand 2

Betrachten wir die selbe Hand nur OOP. Prinzipiell ändert sich nichts an der WA/WB Situation, jedoch haben wir den Nachteil, vor unserem Gegner agieren zu müssen. Am Flop würden wir dann logischerweise die Continuation Bet machen. Nur wie geht es weiter? Was machen wir auf einen Raise oder nach einem Call am Turn?

Hero: $11.48
MP2: $10.18

0.05/0.10 No-Limit Hold'em (8 handed)

Preflop: Hero is MP2 with A, K
2 folds, Hero raises to $0.40, 2 folds,BU calls $0.40, 2 folds.

Flop: ($0.95) 9, 3, A (2 players)
Hero bets $0.60, MP2 .....

Sollte der Gegner am Flop raisen, so müssen wir uns wieder die Frage stellen, was der Gegner hat. Preflop hat er unseren Raise gecallt, was er mit einem Pocketpair bis evtl. JJ macht, aber durchaus in Late Position auch mit AQ oder AJs macht. Sollte er mit einem Pocketpair sein Set getroffen haben, so macht ein Raise keinen Sinn, denn hätten wir z.B. mit JJ geraist, würden wir nun folden, und vor einem Draw muss unser Gegner nicht protecten. Es ist selbst fraglich, ob er mit AQ raist oder lieber versuchtm günstig zum Showdown zukommen.
Unser Ziel ist nach dem Raise: Potcontrol. Daher werden wir den Raise callen und am Turn und River c/c spielen. Sollte unser Gegner am Turn den Checkbehind nehmenm kann man über eine Valulebet am River nachdenken, aber ein erneuter check unsererseits lädt den Gegner oft zu einer Bluffbet ein am River ein.

Sollte unser Gegner am Flop die Continuation Bet callen, so spielen wir ab dem Turn genauso wie in dem Szenario zuvor beschrieben. Schließlich wollen wir um keinen großen Pot spielen und unser Gegner wird meist am Turn auf eine second Barrel nur mit besseren Händen weiterspielen.
Die Handrange ist ungefähr die gleiche, denn schließlich kann der Gegner am Flop z.B. mit einem Set sowohl raisen als auch callen. Jedoch wird unser Gegner, wenn wir am Turn checken, uns hier oft versuchen zu floaten (auf diesem Board aber wohl eher nicht).

Natürlich ist ein Fold immer möglich, wenn man z.B. besondere Reads über den Gegner hat (z.B. Slowplay Set oder call Continuation Bet am Flop mit einem Set) oder die Bets zu groß werden. Es ist nicht richtig immer in solchen Situation runterzucallen.