Woche 31 (BSS): WA/WB Situation I
Einleitung |
von FirstDarkside |
WA/WB steht zunächst für Way Ahead / Way Behind. Hinter diesen Begriffen versteckt sich die Aussage, dass man entweder eine sehr gute Hand hat und der Gegner kaum Odds zum improven hat, oder dass der Gegner eine sehr gute Hand hat, gegen die wir nur wenige Outs haben.
Hand 1
UTG+2: $9.15
Hero: $10.50
0.05/0.10 No-Limit Hold'em (9 handed)
Preflop: Hero is CO with A
UTG+1 folds, UTG+2 calls $0.10, MP1 raises to $0.20, 2 folds, Hero raises to $0.70, 3 folds, UTG+2 calls $0.60, MP1 folds.
Flop: ($1.75) Q


UTG+2 bets $1, Hero ???
Hier haben wir nun eine klassische WA/WB Situation. Entweder liegen wir mit unseren Overpair gegen ein kleines PocketPair weit vorne, denn unser Gegner hat nur 2 Outs zum improven, oder unser Gegner hat 55 oder eine dritte Dame. Ich dieser Situation wären wir dann Way Behind und hätten nur 2 Outs, um unsere Hand zu verbessern.
Wie verhalten wir uns nun?
Da wir nicht protecten brauchen und ein Raise nur von besseren Händen gecallt wird, werden wir hier die Donkbet einfach nur callen.
Flop: ($1.75) Q


UTG+2 bets $1, Hero calls $1.
Turn: ($3.75) 8
UTG+2 checks, Hero ???
So ist die Hand nun weitergespielt worden. Der Turn hat an der Situation nichts geändert. Entweder liegen wir noch deutlich vorne oder sind weiterhin weit hinten. Der Check deutet hier auch nicht umbedingt auf eine schlechte Hand hin, denn unser Gegner kann durchaus versuchen, uns zu checkraisen. Daher ist hier ein Checkbehind das Beste. Zum einen halten wir den Pot klein und zum anderen sieht unser Checkbehind auch schwach aus, so dass unser Gegner noch oft versucht, uns am River mit einer Bluffbet aus der Hand zu vertreiben.
Flop: ($1.75) Q


UTG+2 bets $1, Hero calls $1.
Turn: ($3.75) 8
UTG+2 checks, Hero checks.
River: ($3.75) 4
UTG+2 checks, Hero ???
Am Turn haben wir nun den Checkbehind genommen und unser Gegner checkt am River erneut zu uns. Das ist hier schon ein Zeichen von Schwäche, denn sollte der Versuch uns am Turn zu checkraisen gescheitert sein, so wird er am River nochmals betten. Daher können wir nun am River eine kleine Valuebet in etwa 1/2 PS anbringen. Auf einen checkraise von unserem Gegner am River können wir dann aber folden.
Sollte unser Gegner jedoch den River betten, so kann es entweder eine Valuebet oder eine Bluffbet sein, daher würden wir die Bet auch nur callen.
Grundsätzlich kann man also sagen:
- Wir brauchen nicht zu protecten. Entweder liegen wir deutlich vorne oder sind deutlich geschlagen.
- Auf einen Raise callen nur bessere Hände und schlechte Hände folden.
- Schlechte Hände werden oft versuchen, uns aus der Hand zu bluffen.
Daher entscheiden wir uns in einer WA/WB Situation stets zum Calldown. Wir halten zum einen den Pot klein und zum anderen geben wir schlechten Händen, wie kleinen PPs, die Chance uns aus der Hand zu bluffen. Sollten wir jedoch sicher geschlagen sein, so ist Fold immer möglich.
Daher ist in einer WA/WB Situation check/call any streets unsere Line.
In der ersten Beispielhand habe ich die Spielweise IP erläutert. Die Regeln zum Calldown sind OOP die selben. Dennoch möchte ich auch kurz auf eine WA/WB Situation OOP eingehen.
Hand 2
CO: $9.25
Hero: $12.08
0.05/0.10 No-Limit Hold'em (9 handed)
Preflop: Hero is BB with Q
5 folds, CO raises to $0.40, 2 folds, Hero calls $0,30.
Flop: ($0.85) K


Hero ???
Hier sollten wir nicht selbst betten. Unser Gegner kann Preflop im CO mit vielen Händen first-in stealraisen, so dass sich auch hier eine WA-WB Situation ergibt. Sollte er AA, einen K oder KQ halten, so werden wir eh geraist. Sollte er eine Hand wie 77 halten, so wird er oft die Continuation Bet machen, welche wir dann callen können.
Flop: ($0.85) K


Hero checks, CO bets $0.50, Hero calls $0.50.
Turn: ($1.85) 5
Hero checks, CO checks.
River: ($1.85) 9
Hero ???
Der Turn ist dann wieder klar check/call, denn die Turnkarte wird die Situation nicht verändert haben.
Allerdings deutet ein cb am Turn schon auf Schwäche, so dass wir hier am River eine Valuebet ansetzen werden. Ein Raise würde uns allerdings in eine schwierige Situation bringen, unser Gegner hat dann entweder am Turn Slowplay betrieben oder versucht, uns am River mit einem Bluffraise aus der Hand zu vertreiben.
Daher sollte man hier am River gegnerabhängig spielen. Gegen recht aggressive Gegner, die gerne den River bluffbetten, würde ich weiterhin einfach check/call empfehlen. Sollte der Gegner eher passiv sein, so werden wir selbst am River eine Valuebet machen, ferner können wir uns auf einen Raise am River gegen einen passiven Gegner sicher sein, dass wir geschlagen sind.