Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 50 (BSS): Bluff-Raises

Einleitung

Oft kommt man in Heads-Up Situationen, wo man nichts getroffen hat. Doch dem Gegner wird es oft genauso gehen. Nun steht man vor der Entscheidung auf welchen Flops sich ein Bluff lohnt.

 

Strategie

Nehmen wir folgende NL200 Hand, beide Gegner haben volle 100BB Stacks:

Preflop: Hero is SB with 8, 8
MP3 folds, CO raises to $8.00, BU folds, Hero calls $7.00, BB folds.

Flop: ($18.00) 5, T, K (2 players)
Hero checks, CO bets $14, Hero raises to $42.00

Hier hat Hero einen schlechten Spot für einen Move gewählt. Das Board ist sehr drawheavy und Villain wird hier selten ein Top Pair weglegen, weil wir einfach viele Straight- oder Flushdraws halten könnten. Aus diesem Grund kann unser Gegner gut pushen. Gegen einen aggressiven Gegner würde ich in dieser Blindsituation wohl auch mit KQ broke gehen, ganz einfach um nicht von reinen Draws exploitet zu werden. Wie oft man sowas machen sollte, ist allerdings etwas komplexere Mathematik und nicht Ziel dieser Kolumne.

Besser wäre dieses Board:

Preflop: Hero is SB with 8, 8
MP3 folds, CO raises to $8.00, BU folds, Hero calls $7.00, BB folds.

Flop: ($18.00) 4, 7, J (2 players)
Hero checks, CO bets $14, Hero raises to $42.00

Villain hat hier so gut wie nie getroffen. Wir können da schon eher etwas halten. Selbst mit einem getroffenen Jack wird CO es schwer haben weiterzuspielen. Sollte er callen, dann kann er eigentlich nur einen J haben. Vielleicht hat er ein Set, aber das ist dann auch die einzige Handrange die einen beat hat und nicht foldet.

Man kann ihn bei einem Call dann, beliebig am Turn oder River rausbluffen, aber auch hier gilt, dass man es stark vom Gegner abhängig machen sollte.

Man sieht also, dass sich trockene Boards eher für einen Bluff-Raise eignen als Boards auf denen Villain nicht so einfach gewillt ist einen schwachen Hit zu folden. Nun sollte man noch schauen wie leicht sich unser Gegner bluffen lässt und ob wir selber sehr aktiv waren in letzter Zeit. Es gibt auch Boards, auf denen unser Gegner oft mit Air callen wird, weil es einfach unrealistisch ist, dass wir etwas halten.

2 2 6 ist ein Board auf dem man euch wohl auf ein schwaches Pocket setzen kann falls ihr bluff-raist. Dementsprechend gibt es vielleicht unerwartet viel Action. In diesem Spot mit 88 zu checkraisen, oder einen IP Raise zu machen, ist sehr gefährlich, da der Gegner auch mit 55 weiterspielen wird und wir dann einen großen Pot haben und nicht sicher sind was unser Gegner hat. Hier kann man also auch nur callen und schauen was unser Gegner macht.

Wichtig ist nicht nur Bluff-Raises zu machen. Der Pot wird sehr groß und bei einem Call ist unsere Hand nicht so stark. Eher auch mal Semi-Bluffs einstreuen. D.h. mit einem Flushdraw oder Straightdraw (8-9 Outs) einfach den Flop checkraisen. Mit diesem Image, also falls der Gegner weiß ,dass ihr das macht, könnt ihr dann auch gut Scarecards betten, kriegt auch Action auf gute Hände die ihr so spielt und seid generell nicht so readable.

 

Quizhand

Preflop: Hero is BU with ???
2 folds, Hero raises to $4, 1 folds, BB calls $3.

Flop: ($8.50) 6, 4, 8 (2 players)
BB checks, Hero bets $6.75

Stellt euch vor ihr wärt BB und hättet Q T, lohnt es auf diesem Board gegen Hero einen Move zu machen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum?

Lösung

Auf diesem Board kann man wohl folden, oder einen Raise machen. Beides ist gut, dies ist eine grenzwertige Stelle, imo. Man hat Backdoordraws und die Overcards sind vielleicht etwas wert. Hero hat oft verfehlt, wenn überhaupt hat er selber einen Draw oder ein schwaches TP wie 98.

99 wird er hier wohl nicht folden, eben weil es drawy ist, aber ich sehe ihn hier nur mit TT+ nochmal drüberraisen, oder halt Flushdraw + Overcards. Bei einem Call ist seine Hand also transparent und man kann entsprechend reagieren.