Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 51 (BSS): Toppair Hände am River OOP

Einleitung

Die schwierigsten Situationen in No-Limit Hold'em entstehen, wenn man out of Position gegen einen guten Gegner spielen muss. Doch manchmal geht es halt nicht anders. Am liebsten will man die Hand schnell am Flop oder Turn gewinnen, solange man kein Monster floppt, doch auch mit TPTK muss man am River noch richtig handeln können.

Generell gilt, dass man OOP besonders gut überlegen muss, wie man mit der Hand weiterspielen will. Pot Control ist oft sehr schwer, ein guter Gegner kann sehr viel Druck ausüben und man darf nicht zu weak spielen, da man sonst leicht exploitet werden kann.

 

Beispielsituation

Gehen wir von folgender Situation aus: Gespielt wird NL200, Hero ist im CO, hat eine gute Hand und wird gecallt vom BU. Beide haben effektive Stacks von 100BB.

Preflop: Hero is CO with Q, A
Hero raises to $7.00, BU calls $7.00, 2 folds.

Flop: ($17.00) 5, Q, T (2 players)
Hero bets $12, BU calls $12.00.

Der Flop bringt Hero TPTK, er ist jetzt nicht so super drawgefährlich, eine normale 3/4 Pot-Size C-Bet reicht vollkommen.

Turn: ($41.00) 9 (2 players)
Hero bets $30, BU calls $30.00.

Der Turn ist interessant, jedoch nicht Augenmerk dieses Artikels. Sowohl c/c, als auch b/f sind hier, je nach Gegner, sinnvoll.

River: ($101.00) T (2 players)
Hero bets $55, BU raises to $110.00, Hero folds.

Nun ist man am River. Man hat 1/4 seines Stacks bereits im Pot und steht jetzt vor der Entscheidung welche Linie am profitabelsten ist. Hierbei muss man bedenken, dass diese Entscheidung auch immer von der Action am Turn abhängig ist! Wie der Gegner am Turn spielt ist wichtig. Hier haben wir gebettet und werden deshalb vor einigermaßen guten Händen und total Air stehen, das ist wichtig in der Entscheidungsfindung. Ebenso ist wichtig, was für einen Gegner wir hier vor uns haben.

 

1. Solider TAG

Gegen diesen Gegner fällt meiner Meinung nach die Linie b/f weg. Er wird sehr viel folden und wir werden kaum Value aus unserer Hand bekommen. Eventuell callt er mit KQ noch, aber oft sind wir bei einem Call beat. Hier könnte man als Bluff gut betten, da er wie gesagt viel folden muss, aber TPTK hat Showdown Value! Ob man nun c/c oder c/f spielt, hängt davon ab, wie aggressiv der Gegner ist und wie oft er hier wohl zweimal mit QJ, etc. callt. Ein TAG wird am Turn nicht so oft eine zweite Barrel callen, wie ein Fisch!

 

2. Callingstation

Eine Callingstation wird hier locker mit QJ, KQ, Q9, oder gar JJ zum Showdown gehen. Wenn so ein Gegner raist, dann hat er die Straight, Trips oder gar das Full House. Viele Hände die er checken wird, callt er jedoch gegen eine Bet. Daher würde ich je nach Gegner 1/3 Pot bis 2/3 Pot betten und auf jeglichen Raise folden.

 

3. Aggressiver Spieler

Ein schlechter Spieler der einigermaßen aggressiv ist, wird versuchen hier die T zu repräsentieren auch wenn es nicht so viele Hände gibt, die er in diesem Kontext halten kann. QT und JT wären wohl so die vernünftigsten, davon, vielleicht auch AT. So ein Spieler callt aber auch gern mit Draws runter, egal ob er sie schon am Flop hatte oder erst am Turn aufgabelte. Deshalb ist hier c/c am besten, oft kommt einfach ein schlechter Bluff und man bekommt sehr viel mehr Value als wenn man betten würde. Einen Bluff-Push zu callen ist auch viel ungemütlicher als eine einfache Bet.

 

4. Unbekannter Spieler

Der Gegner ist unbekannt und man hat keine Reads. c/c ist sicherlich eine Alternative, ich würde jedoch eher zur Block-Bet von 1/3 Pot-Size tendieren. Die bringt Value und wird eigentlich nur von sehr aggressiven Gegnern als Bluff geraist. Da auf Limits wie NL100 oder NL200 immernoch genug Fische unterwegs sind, ist es wohl besser einmal mehr eine Valuebet einzustreuen, als einmal zu wenig.

 

Fazit

OOP zu spielen ist immer schwer und gegen Unknown ist es unmöglich die perfekte Entscheidung zu treffen. Deshalb, sollte man OOP auch nicht zuviel spielen, aber wie so oft, hat man da nicht immer die Wahl. Wenn man dann doch in der Situation ist, sollte man bereits am Turn daran denken, was man wohl am River machen wird. Insbesondere sollte beachtet werden wie die Turn-Action das Verhalten am River bestimmt. Ein Check am Turn wirkt schwächer als eine Bet und wirkt sich somit auch anders auf den River aus.