Woche 51 (BSS): Donkbets am Flop im Heads-up
Einleitung
Häufig kommt es vor, dass wir als Preflop-Aggressor, als der zuletzt Erhöhende vor dem Flop, am Flop mit einer Donkbet konfrontiert werden. Donkbet bedeutet, dass die Bet entgegen dem logischen Verlauf der Hand gesetzt wird. Hat Villain vor dem Flop nur gecallt und eine schwächere Hand signalisiert, so bettet er jetzt als erster ohne eine weitere Information über unsere Hand erhalten zu haben.
Häufig stehen wir jedoch nach unserem Preflop-Raise unimproved, also ohne eine made hand, am Flop und müssen überlegen, wie wir mit dieser Bet umgehen. Ein paar Gedankengänge möchte ich dazu heute erläutern.
Hand 1: Die Problematik
Die Donkbet hat ihren Namen vom englischen Begriff „Esel“, da die Bet an sich wenig Sinn macht und man entgegen der vorherigen Wettrunde handelt. Zu häufig täuscht man sich jedoch darin, denn eine Donkbet muss nicht von einem „Esel“ kommen und kann durchaus Stärke signalisieren.
Stehen wir unimproved am Flop und erhalten eine solche Bet, ergeben sich einige Probleme:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($24.12)
CO ($21.35)
UTG ($42.04)
BB ($23.56)
SB ($28.12) (23/8/2.1/28/677)
Hero ($25.08)
Preflop: Hero is Button with A
3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, BB folds
Flop: ($2.50) 3


SB bets $1.50, Hero...?
Preflop haben wir eine klare Situation, wir raisen mit AK vom Button aus, der Small Blind callt.
Am Flop treffen wir leider nichts, wir halten nur zwei Overcards. Wir machen uns bereits Überlegungen, ob wir contibetten sollten oder nicht. Villain ist preflop eher loose passive, postflop macht er jedoch wahrscheinlich häufiger Moves, ohne dabei übertrieben oft zum Showdown zu gehen.
Bevor wir aber diese Entscheidung treffen können, donkt Villain bereits in uns hinein. Knapp über ½ Potsize wird gebettet, nun stehen wir vor 3 Möglichkeiten: Fold, call oder raise.
Ein Call macht bei einer Donkbet selten Sinn, außer wir spielen in einem großen Pot mit einer starken Hand gegen einen aggressiven Gegner. Da kann man auch mal den Aggro-Spieler durchbluffen lassen.
Hier jedoch bringt uns ein Call nicht weiter. „Drawen“ auf unsere – eventuell nicht mal sauberen – Overcard-Outs lohnt sich meistens nicht. Entweder wir geben die Hand auf oder wir raisen.
Um zu einer Entscheidung zu kommen, müssen wir folgende Punkte berücksichtigen:
- 1.) Befinden wir uns im raised oder reraised Pot?
Im reraised Pot sollten wir meist nur mit starken Händen unterwegs sein, so dass am Flop unsere Entscheidung meist schon steht, wie weit wir mit unserer Hand gehen. Klar ist natürlich, dass die Fold Equity deutlich sinkt, da Villain zum einen eine für ihn relativ starke Hand halten müsste und er zum anderen bei einer Donkbet sich kaum noch aus dem Pot verabschieden will.
Sind wir also unimproved am Flop im reraised Pot, beispielsweise mit AK, ist die Line c/f grunddsätzlich nicht verkehrt. Bei einer Donk von Villain erhalten wir bei einem push weder genügend Fold Equity, noch treffen wir häufig genug eines unserer Outs an Turn und River.
Im normalen raised Pot hingegen kann Villain viele Hände halten und durch eine Donk einfach mal einen Move starten. Der Pot ist zudem noch recht klein, dadurch steigt auch unsere Fold Equity.
-
2.) Was für ein Gegner ist Villain?
Natürlich sind die Entscheidungen, die wir bei Donkbets treffen müssen, meist gegnerabhängig. Wichtig sind hier aber vor allem „Reads“, wie oft und warum Villain donkt. Einzig die Stats geben nicht sonderlich viel Auskunft.
Ein passiver 40/5-Fisch donkt zum Beispiel gerne seine Aces, die er preflop nur slowplayen wollte. Ein 19/16-TAG donkt auch oft sein Set, um uns mit unserem Overpair-Raise zu committen.
Dies soll zeigen, dass alleine die Stats nichts über den Sinn einer Donkbet aussagen. Zudem sollte hierdurch klar werden, dass eine Donkbet nicht unbedingt Schwäche signalisieren muss.
-
3.) Wie hoch ist die Donkbet?
Entscheidend ist natürlich die Höhe der Donkbet. Geht sie in Richtung Potsize, so muss uns klar sein, dass auch unser (Bluff-)Raise dementsprechend hoch ausfallen muss. Wir müssen also sehr viel Geld investieren, um eine vollkommen undurchsichtige Situation zu meistern. Haben wir keine oben genannten Reads, so ist ein fold meistens nicht verkehrt, sollten wir unimproved am Flop sein.
Eine kleine Donkbet kann natürlich auch ein Trap-Versuch sein, jedoch kommen wir dann nach einem Raise sowie folgender 3-Bet von Villain noch relativ günstig aus dem Pot heraus.
-
4.) Warum donkt Villain?
Wie in Punkt zwei bereits umrissen, ist die Frage, warum Villain donkt. Bei einem reasonable Spieler können das durchaus starke Hände, mittelstarke Hände oder Bluffs sein. Ein guter Spieler wird versuchen das zu balancen. Er wird häufiger bet/fold mit Bluffs und teilweise mittelstarken Händen machen, um herauszufinden wo er steht. Ebenso häufig jedoch wird er bet/raise mit starken Händen machen, mit denen er uns committen möchte.
Schwache Gegner nutzen gerne Mindonks, um günstig die nächste Karte zu sehen. Sie wollen angesichts der Potgröße nicht unbedingt eine 2/3 Potsize-Bet unsererseits callen und versuchen so, den Pot klein zu halten. Meistens deutet das auf schwache made hands sowie Draws hin. Hierbei wird Villain seine Hand häufig auf einen Raise folden, manchmal natürlich auch seinen Draw overplayen. Ebenso möglich ist natürlich eine starke Hand, die von Villain preflop slowgeplayt wurde. Zwar macht dieser Move wenig Sinn, wird aber erstaunlicherweise häufig genug vollzogen.
- 5.) Haben wir genügend Fold Equity?
Aus all diesen Punkten müssen wir uns nun zusammenrechnen, ob wir genügend Fold Equity haben, sollten wir unimproved am Flop stehen. Blufft Villain? Hat Villain eine gute Hand, die er aber bei einem Raise unsererseits aufgibt? Oder will Villain, dass wir den Pot durch unseren Raise groß machen?
Dabei spielen natürlich auch Größen wie die Stacksizes und natürlich das Board, eine große Rolle, die wir ebenso mit einließen lassen müssen.
Zurück zu unserem Beispiel:
Wir befinden uns im raised Pot, Villain kann hier mit vielen Karten donken. Er ist ein Spieler der postflop häufiger aggressiv spielt, seine Hand aber auch aufgeben kann. Die Höhe der Bet ist für uns akzeptabel, auf einen Raise könnten wir einfach folden, ohne unnötig viel in diese Hand investiert zu haben.
Der Grund, warum Villain hier donkt, wird auf diesem Board meistens ein weakes Overpair sein. Ein Set wird von solchen Spielern eher weniger gedonkt, diese Spielweise kennen wir eher von LAGs oder TAGs. Seine Range könnte bei 55-66/88+/7x und zwei 
Die Frage ist nun: bekommen wir Villain häufig genug zum folden? Schwache Overpairs könnten eventuell folden, bei starken Draws, eventuell sogar Combo-Draws, ist dies schon unwahrscheinlicher. Ausser 7x sehe ich wenig Hände, die er hier sofort mucken würden.
Man kann in dieser Situation durchaus einen Fold finden!
Hand 2
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($21.32)
UTG ($32.91) (32/21/2.1/23/324)
BB ($33.87)
SB ($25.00)
BU ($17.87)
Hero ($27.77)
Preflop: Hero is CO with A

UTG raises to $1.00, MP calls $1.00, Hero raises to $4.00, 3 folds, UTG calls $4.00, 1 fold
Flop: ($10.50) 3


UTG bets $3.00, Hero...
Preflop raisen wir standardmäßig, der preflop sehr aggressive UTG spielt bet/call. Der Flop ist nun semioptimal, zwar hitten wir selber nicht, jedoch wird auch Villain selten getroffen haben.
Villain donkt nun klein in uns hinein. Im ersten Moment signalisiert das eine klare Schwäche. Villain scheint herausfinden zu wollen, wo er steht. Würde er das mit 3x oder Qx machen?
Wir befinden uns im reraised Pot, wir sind der Preflop-Aggressor und haben Position. Diese müssen wir hier nun nutzen. Wir sollten auf ca.9-10$ raisen, auf einen push natürlich folden. Wir hätten damit zwar beinahe unseren halben Stack investiert, jedoch muss auch Villain hier klar sein, dass ein Call seinerseits ihn nahezu committed. Das Board ist sehr drawless und Villain wird hier ganz selten Bluff-Allin-3-betten. Wir haben bisher deutliche Stärke signalisiert, Villain wird uns meistens eine starke Hand glauben müssen.
Hand 3
Nun ein fast identisches Beispiel:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($21.32)
UTG ($32.91) (15/11/1.9/31/1122)
BB ($33.87)
SB ($25.00)
BU ($17.87)
Hero ($27.77)
Preflop: Hero is CO with A
UTG raises to $1.00, MP calls $1.00, Hero raises to $4.00, 3 folds, UTG calls $4.00, 1 fold
Flop: ($10.50) 3


UTG bets $8.00, Hero...
Im Gegensatz zu Hand 2 haben sich zwei wesentliche Dinge geändert. Villain ist ein eher tight-aggressiver Spieler, der zwar ziemlich aggressiv ist, jedoch eine wohl relativ enge Range hat, mit welcher er out of position eine 3-bet callt. Tendentiell könnte man in diesem Fall AK/AQ/KQ/QQ/JJ vermuten, ebenso slowgeplayte Aces oder Kings, eventuell auch jedes Pocket Pair, wobei sich Villain ausreichende Implied Odds verspricht.
Nun donkt er hart in uns rein, und wir fragen uns natürlich: warum? Sinn macht seine Bet auch hier nicht, so dass man ihn durchaus auf ein kleines Pocket Pair setzen könnte, welches versuchen will herauszufinden wo es steht. Andererseits müssen uns zwei Sachen klar sein: Zum einen liegen wir gegen keine Hand aus seiner Range, die wir ihm gegeben haben, vorne, zum anderen heisst ein Raise unsererseits All-In. Wir müssten also einen Pure Bluf machen und bräuchten dabei genügend Fold Equity.
Die können wir uns hier nicht geben, da Villain wohl mit vielen Händen callen wird. Auch wenn er eine schwache Hand hält, muss sein Modus nicht bet/fold sein. Er steckt schon tief in der Hand drin und kann durchaus versuchen, uns einen Bluffraise zu entlocken, welches er mit AQ/Qx dann callt. Ausserdem ist sein, doch recht hoher, WTS-Wert ein weiterer entscheidender Punkt dafür, hier einfach zu folden.