Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 44 (BSS): Wie spiele ich Low Pocket Pairs nach einer 3-Bet

Einleitung

von MiiWiin

Auch diese Woche dreht es sich bei den lehrreichsten Beispielhänden um die low Pocket Pairs (22-77).

 

Letzte Woche habe ich versucht aufzuzeigen, wie man sich nach einem Raise mit seinem Pocket Pair verhält. Abhängig von Position, Gegner und Stacksizes habe ich erläutert, wann die Varianten fold / call / 3-bet profitabel sein können.


Zudem habe ich letzte Woche kurz umrissen, dass man mit einem Pocket Pair immer first-in raisen sollte, was jedoch entgegen des Starting Hand Chart für No Limit Shorthanded spricht. Hier möchte ich noch einmal erwähnen, dass das shorthanded Spiel sehr dynamisch ist und das Starting Hand Chart nur eine grobe Richtung vorgibt. Es ist natürlich nicht falsch, sich an das Starting Hand Chart zu halten, es ist aber genauso wenig falsch, jedes Pocket Pair first in zu raisen!


First-in raisen wir also jedes low Pocket Pair, wie man sich nach einem Raise verhält, wissen wir nun auch. Was ist aber, wenn unser first-in-raise ge-3-bettet wird?

 

 

Hand 1

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b


Stacks & Stats

BB ($33.26)

BU ($22.40)

SB ($19.08)

CO ($54.37)

MP ($43.04)

Hero ($26.51)


Preflop: Hero is UTG with 3 , 3

Hero raises to $1.00, 2 folds, BU raises to $3.00, 2 folds, Hero ???


Eine Standard-Situation. Wir halten in UTG ein low Pocket Pair und raisen first-in. Wir wollen den Pot entweder preflop gewinnen, ihn durch eine Continuation Bet am Flop einsacken oder durch einen Hit am Flop Villain stacken.


Großes Risiko gehen wir nicht ein, denn am Flop steht unsere Entscheidung bereits fest: Bei einem Hit gehen wir broke, ohne Hit geben wir die Hand bei Widerstand unverzüglich auf.


Nun bekommen wir aber eine 3-bet vom Button, der hier unknown ist.


Wie immer haben wir 3 Möglichkeiten zur Auswahl: fold, call, 4-bet


Diesmal fangen wir mit einer 4-bet an. 4-bet/fold ist gegen unknown ein schlechtes Spiel. Diesen Move kann man mit any 2 cards machen, somit verwandelt sich unser Spiel in einen puren Bluff. Im Gegensatz zu AK/QQ, die wir auch gelegentlich 4-betten und dann einen push callen können, sind wir mit 33 nahezu immer way behind und können einen push nicht callen.


Da wir eher standard spielen wollen und gegen unknown hier nicht bluffen wollen, scheidet eine 4-bet somit aus.

 

Somit bleiben uns die anderen beiden Alternativen: Call or fold.


Wir gehen natürlich weiter davon aus, dass wir die Hand nur im Falle eines Hits weiterspielen können. Wie schauen dafür unsere Odds aus:


Wir müssen 2$ callen. Der Button hat einen Gesamtstack von 22$. Wenn wir callen, haben wir bereits einen 6$-Pot, Button hat noch 19$ left. Also können wir die bereits im Pot vorhandenen 4$ + 19$ gewinnen, sprich 25$. Wir bekommen Odds von 1 zu 12,5. Die Wahrscheinlichkeit für einen Hit am Flop liegt bei ca. 1 zu 7,5.


Das sieht auf den ersten Blick profitabel aus, jedoch wissen wir, dass es die "call15"-Regel gibt. Ganz einfach deshalb, weil wir Villain nicht jedes mal stacken können, wenn wir hitten.


Wir müssen also abwägen, ob wir genügend implied Odds haben:

  • Wir bekommen Pot Odds von 1 zu 12,5, erfüllen also nicht die "call15-Regel".
  • Villain ist unknown und kann vom Button mit einer weiten Range 3-betten.
  • Gegen unknown wollen wir nicht moven, beispielsweise durch einen Bluffraise, wir werden den Pot unimproved also selten gewinnen.
  • Wir müssen den Rest der Hand Out of Position spielen, somit wird es schwer, Value zu extrahieren indem wir Villain All-in bekommen.
  • Wir sind last to act, es wird kein weiterer Spieler mehr in die Hand einsteigen, der unsere implied Odds verbessert.


Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen, kommen wir zu dem Ergebnis, dass wir wohl kaum genügend implied Odds gegen unknown haben dürften. Unimproved geben wir die Hand durch check/fold am Flop meistens auf, bei einem Hit müssten wir out of position wohl check/raisen, da wir natürlich spätestens am River All-in sein wollen.

 

 

Hand 2

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b


Stacks & Stats

BB ($25.78)

BU ($56.33)

SB ($32.20)

CO ($16.45)

MP ($33.91)

Hero ($30.47)


Preflop: Hero is UTG with 5, 5

Hero raises to $1.00, 2 folds, BU calls $1.00, 1 fold, BB raises to $4.00, Hero ???


Wieder sitzt Hero UTG und raist sein Pocket Pair first in. Der Button callt diesmal nur und der Big Blind squeezed. Beide Gegner sind unknown.


Auch hier bleiben uns nun die Varianten call or fold.


Preflop können wir davon ausgehen, dass bei einem Call unsererseits meistens der Button ebenfalls callen wird. Er bekommt sehr gute Odds und hat zudem Position auf uns.


Wir sitzen postflop jedoch im Sandwich. Wir haben zwar Position auf den 3-Better, müssen jedoch vor dem Button agieren.


Die Pot Odds sind relativ gut. Wenn der Button callt, haben wir keine Probleme. Wie sehe es aus, wenn der Button nun foldet?


Wir investieren 3$. Der Pot wäre ohne unsere 3$ bereits 6$ groß. Unser Reststack wäre 22$. Wir könnten somit 28$ gewinnen, was Pot Odds von 1 zu 9 entspricht.


Grundsätzlich sehen diese Odds natürlich nicht gut aus, jedoch sprechen folgende Punkte für einen Call:

  • Die Odds von 1 zu 9 bekommen wir nur im schlechtesten Fall. Callt der Button, wäre unsere "call15"-Regel erfüllt.
  • Wir könnten uns im Multiway-Pot befinden und eventuell zwei Gegner stacken.
  • Der Big Blind zeigt mit seinem Raise aus den Blinds gegen zwei schon enorme Stärke. Im Falle eines Hits werden wir häufig voll ausbezahlt
  • Wir haben Position auf den 3-Better, können somit gut Value extrahieren.

 

 

Hand 3

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b


Stacks & Stats

SB ($30.56)

UTG ($28.77)

MP ($26.10)

CO ($33.32)

BB ($12.44)

Hero ($26.45)


Preflop: Hero is BU with 4, 4

3 folds, Hero raises to $1.00, SB raises to $3.00, 1 fold, Hero ???


Hier kommen wir nun in eine verzwickte Lage. Wir raisen vom Button aus in der Hoffnung, die Blinds gleich mitzunehmen. Der Small Blind jedoch defendet seinen Blind und raist, der Big Blind foldet.


Der Small Blind wird uns eine weite Range geben und somit mit viel Trash defenden. Die Odds betragen 1 zu 13.5, sollten wir Villain stacken.


Was spricht für einen Call?

  • Der Small Blind ist unknown. Er kann hier durchaus eine starke Hand halten, wenn er aus den Blinds heraus 3-bettet.
  • Wir hätten den Rest der Hand Position auf Villain.
  • Sollte Villain eine schwache Hand halten und hier "bluffraisen", wird er dies am Flop eventuell fortsetzen. Somit würden wir auch von einer schwachen Hand noch Value bekommen.


Was spricht für einen Fold?

  • Wir bekommen ganz grobe Odds von 1 zu 13.5, somit wäre die "call15"-Regel nicht erfüllt.
  • Wenn der Small Blind eine schwache Hand hält, werden wir ihn selten stacken können. Wir bekommen eventuell noch eine Bluffbet am Flop, mehr bekommen wir meistens nicht
  • Wir sind last to act, müssen also Heads-Up spielen. Es kann kein weiterer Spieler mehr in die Hand einsteigen

Vergleichen wir nun die Vorteile und Nachteile und nehmen den Fakt hinzu, dass wir gegen unknown am Flop nicht moven wollen, also ohne Hit check/fold spielen, hätten wir in dieser Situation einen knappen fold.

 

 

Zusammenfassung

Wenn wir von unknown eine 3-bet bekommen, müssen wir uns also folgende Fragen stellen:

 

  • Habe ich genügend implied Odds?
  • Können noch weitere Spieler in die Hand einsteigen oder bin ich last to act?
  • Spielen wir im Multiway-Pot oder Heads-Up?
  • Wäre bei einem Call die "call15"-Regel knapp erfüllt?
  • Wie groß ist die Range von Villain? Werde ich ihn häufig genug All-in bekommen können?
  • Habe ich Position auf Villain?


Wenn wir diese Punkte kurz durchgehen, sollten wir häufig die richtige Entscheidung treffen. In einem 3-bettet-Pot ist die Wahrscheinlichkeit grundsätzlich größer, Villain All-in zu bekommen. Jedoch muss dieses auch häufig genug gelingen, ohne Reads auf Villain ist dies meist schwer einzuschätzen!

 

 

Quizhand

Zum Abschluss möchte ich eine Hand zur Diskussion freigeben. Diesmal haben wir Reads auf unsere Gegner.


Macht euch bitte mal Gedanken über diese Hand. Es geht nicht darum, was hier eventuell die "beste" Entscheidung wäre, sondern versucht jeweils zu argumentieren, was für bzw. gegen die jeweilige Option spricht.


Versucht jeweils mindestens 2 Aspekte zu formulieren:



1.) Was spricht für einen Fold?


2.) Was spricht für einen Call?


3.) Was spricht für/gegen eine 4-Bet?


PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b


Stacks & Stats (VPIP/PFR/AF/WTS/Hands)

BB ($34.11)

BU ($22.11) (19/17/2.3/24/561)

SB ($40.21)

CO ($32.76)

MP ($24.61) (45/12/0.1/35/345)

Hero ($36.77)


Preflop: Hero is UTG with 2, 2

Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 1 fold, BU raises to $4.50, 2 folds, Hero ???

Auflösung

1.) Was spricht für einen Fold?

  • MP agiert noch hinter uns und könnte 4-betten, so dass wir folden müssten.
  • Sollte MP folden, hätten wir max. implied Odds von von 1 zu 7 ("call15"-Regel nicht erfüllt).
  • Wir müssen den Rest der Hand out of Position spielen.
  • Gegen einen TAG und eine Calling Station können wir im Multiway Pot keinen vernünftigen Move anbringen, ohne Hit müssen wir check/fold spielen.

 


2.) Was spricht für einen Call?

  • Sollte MP hinter uns auch noch callen, hätten wir max. implied Odds von 1 zu 15 ("call15"-Regel erfüllt).
  • MP ist sehr loose, aber wenig aggressiv. Er wird wohl häufig callen, aber selten 4-betten.
  • MP hat einen hohen went to showdown, somit hätten wir größere implied Odds.
  • Der Button ist relativ tight, so dass wir ihm wohl eine starke Hand zu schreiben können. Auch das erhöht natürlich unsere implied Odds.
  • Wenn wir hitten, können wir aufgrund des bereits großen Pots relativ leicht All-in kommen..

 

3.) Was spricht für/gegen eine 4-Bet?

  • Eine 4-Bet wird MP wohl selten callen.
  • Der Button wird als TAG entweder pushen oder folden. Einen Push könnten wir jedoch nicht callen.
  • Wir werden den Pot wohl nicht häufig genug mit einer 4-Bet einkassieren.
  • 4-bet/fold kann man mit jeder Hand spielen, wir versuchen also einen pure Bluff. Solche Moves wollen wir uns grundsätzlich sparen.