Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 38 (BSS): 3-Bets

Einleitung

Auf Wunsch will ich mich diese Mal mit dem Thema 3-Bets an Shorthanded Tischen beschäftigen. Unter einer 3-Bet versteht man allgemein einen Raise eines bereits vorangegangenen Raises und somit die zweite Erhöhung in dieser Wettrunde.

 

 

Wieso 3-betten wir?

Da wir durch unsere 3-Bet einen großen Pot spielen, falls wir gecalled werden, sollten wir in aller Regel eine starke Hand halten, die wir Preflop for Value geraised haben. Beispielsweise möchten wir mit unseren Rockets möglichst viel Geld in die Mitte bekommen und letztlich auch um Stacks spielen. Wenn der Pot schon 25 BB am Flop groß ist, wird dies viel leichter sein als bei einem 8 BB Pot.


Ein weiterer Grund für eine 3-Bet ist Fold Equity. Wir 3-betten eine Hand, die nicht unbedingt stark sein muss, weil wir wissen, dass der ursprüngliche Raiser oft folden wird/muss und wir den Pot Preflop mitnehmen können. Auch bei einer starken Hand wollen wir z.B Fold Equity gegen potenzielle Spieler hinter uns, da wir mit einer starken Hand möglichst Heads-Up spielen wollen. Auch haben wir öfters nichts dagegen keinen Flop zu sehen, wenn man z.B an das Play mit AK oder TT auf entsprechend unschönen Boards denkt.

 

Wie immer hängt das ganze auch von von vielen Faktoren ab, daher sollten wir uns immer einige Frage stellen:

 

Sind wir OOP oder IP, falls unsere 3-Bet gecalled wird?

OOP befindet man sich häufig, wenn man in den Blinds sitzt und seine Hand gegen einen BU Openraise defenden will. Blinddefense ist zwar ein Thema für sich, allerdings sollten wir grundsätzlich darauf achten, möglichst IP zu sein, falls wir gecalled werden. OOP haben wir keinen Informationsvorsprung und haben sehr oft schwierige Entscheidungen zu treffen, die bei großen Pötten schnell teuer werden.

Grundsätzlich zeugt eine 3-Bet OOP in einer Nicht-Stealsituation von viel Stärke, wenn sie von einem halbwegs denkenden Spieler kommt. Logischerweise solltet auch ihr in solchen Spots sehr oft eine starke Hand halten, weil ihr von eurem Gegner einfach öfters gecalled werdet und dann auch eine starke Hand braucht, um weiterspielen zu können.

 

Gibt es eine History, weil wir bereits öfters 3-bettet haben?

Defendet ihr eure Blinds sehr light oder schubst ihr einen TAG viel rum, weil er oft foldet, müsst ihr damit rechnen weniger Respekt für eure 3-Bets zu bekommen, egal ob ihr sie mit starken Händen gereraised habt oder mit Trash.

Die meisten Spieler nehmen nur wahr, dass ihr dauernd am rumraisen seid und werden euch entweder lighter 4-betten oder öfters callen und am Flop versuchen gegen euch zu moven. Stoßt ihr nach der dritten 3-Bet im BvsB nun auf Gegenwehr, ist das ein Zeichen mal einen Gang zurückzuschalten und wieder etwas tighter zu werden.

 

Welche Stats hat Villain? Raised er nur sehr starke Hände oder ist er superloose?

Viele Hände sind gegen beinahe alle Gegner eine standard 3-Bet. Ist euer Gegner aber extrem tight und raised nur absolute Monster, spricht nichts dagegen, im Shaggstyle TT oder JJ nur mal auf Setvalue zu callen. Gegen einen Spieler mit 0-8% AtS kann man auch einfach mal kleine Pockets auf Setvalue aus den Blinds callen, was man gegen einen normalen Spieler nicht machen sollte. Auch AQo kann einfach mal gefoldet oder nur gecalled werden, weil man einfach seltener die bessere Hand hält. Genauso kann man gegen einen super loosen Spieler, der 47/26 spielt, auch lighter 3-betten als man es gegen unknown tun würde. Gerade IP kann man deutlich aufloosen, weil man sogar seine Callingrange noch dominiert.

 

Wie sind unsere und Villain's Postflopskills?

Haben wir Probleme KQs im 3-betted Pot mit Initiative zu spielen? Called Villain ständig unsere 3-Bets und moved dann Postflop rum?

Wenn ihr das Gefühl habt mit einer Hand oder gegen einen bestimmten Gegner Postflop nicht gut und profitabel spielen zu können, solltet ihr die Hand lieber nur callen oder sogar folden (was teilweise besser als Call ist). Lasst lieber leichte +EV Situationen aus, als euch mit mangelnder Erfahrung in starke -EV Spots zu manövrieren. Im Zweifel den Tisch wechseln!

 

Besteht die Gefahr von Villain's Callingrange dominiert zu werden?

Domination ist ein Problem, wenn wir Hände 3-betten, die oft von stärkeren Händen gecallt werden. Würden wir z.B KJs 3-betten, wird es oft vorkommen, dass wir von AK/KQ/AJ gecalled werden und dann sehr schlecht dastehen, wenn wir unser TP treffen.

Prinzipiell kann man nie mit gutem Gewissen um Stacks spielen, weil es einfach realistische Hände gibt die uns schlagen und die Villain definitiv Preflop callen kann. Es ist daher viel besser Hände zu 3-betten, die nicht potenziell dominiert sind, beispielsweise Suited Connectors. Die Spielweise gestaltet sich am Flop oft wesentlich einfacher, da wir sicher sein können, nicht outkickered zu sein.

 

Haben wir Fold Equity?

(Sowohl Pre- als auch Postflop)

Wenn Villain sowieso jede 3-Bet und jede Contibet called, egal ob er was getroffen hat oder nicht, macht es wenig Sinn SCs zu 3-betten. Eigentlich ein ziemlich trivialer Punkt, trotzdem sollte man einfach nicht versuchen den Fish aus dem Pot rauszudrängen, wenn der einfach gerne alle Karten des Boards anschauen möchte. Wir warten lieber auf starke Hände und raisen die dann for Value.

 

 

Welche Hände können wir 3-betten?

An Shorthanded Tischen sollten wir limitunabhängig mit folgenden Hände for Value reraisen (gegen unknown): TT+,AQo+,AQs+.

Bei dieser Range spielt Position keine Rolle, ich reraise sie gegen unknown bei vollen Stacks immer.


Sitzen wir am BU und ein normaler TAG raised vom CO können wir deutlich looser 3-betten. Da der CO oft mit einer marginalen Hand raisen wird, um die Blinds zu stehlen, haben wir mit einer 3-Bet viel Fold Equity, zumal er Postflop auch OOP spielen muss. Hier hängt schon viel von den oben genannten Faktoren ab, aber eine Beispielrange gebe ich euch trotzdem mal an: 22+,AJo+,AJs+,KQ,45s+.

Mit Reads 3-bette ich auch weitere Broadwaykombinationen oder suited Gap Connectors. Gerade diese lassen sich IP sehr schön weiterspielen, weil man nur selten auf so eine Hand gesetzt wird.

 

Auf Blinddefense möchte ich jetzt nicht explizit eingehen, daher nur eine mögliche Range gegen einen unknown BU Openraise: 22+,AJo+,AJs+,KQs.

Hier hängt viel von Reads/History usw. ab. Vor allem kann man auch teilweise nur callen statt zu 3-betten, dies sei an dieser Stelle aber nur angemerkt.

 

 

Fazit

Prinzipiell gilt, dass man gegen einen Raise aus den hinteren Positionen lighter 3-betten kann/sollte, als gegen einen Raise aus den early Positions, da die Ranges mit denen geraised wird von vorne nach hinten zunehmen und unsere Fold Equity damit steigt.

Zudem sinken unsere Implied Odds weil die durchschnittliche Handstärke abnimmt, wodurch das Callen auf Set/Flush/Straightvalue immer weiter abnimmt.