Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 37 (BSS): 4-Bets gegen Raise und Reraise II

Einleitung

Letzte Woche haben wir uns bereits mit einer Situation im Blindbattle befasst, wo eine 4-Bet mit unserem Damenpaar gegen einen Raise und einen Reraise +EV war. Heute werden wir uns speziell mit 4-Bet Bluffs befassen.

 

 

Beispielhand


2.00/4.00 No-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is BB with x , x:

3 folds, BU raises to $14.00, SB raises to $50.00, Hero ???

 

Nehmen wir einfach wieder die selbe Situation wie letzte Woche!

Unsere Gegner sind die selben, gute Regulars mit Stats von 22/18, die etwas von Blinddefense verstehen. Die Stacks sind wieder bei allen $400 groß.


Ganz zu Anfang möchte ich klären, warum wir letzte Woche mit QQ "nur" auf ~150 4-betten und nicht All-in pushen sollte. Ganz einfach, so können wir auch auf 150 bluff-4-betten und gegen einen Push noch folden. Es wäre etwas auffällig, wenn wir unsere starken Hände direkt shoven und unsere Bluffs auf $150 ansetzen.


Nun erstmal zur Theorie. Die Ranges der Gegner werden hier sehr groß sein, sowohl die des Raisers als auch die des Reraisers. Ein Raise unsereseits zeigt enorme Stärke, demzufolge werden die Gegner sehr oft folden - fragt sich nur, ob oft genug.


Sehr wichtig bei der Entscheidung, ob wir einen 4-Bet Bluff ansetzen, ist unser Image. Unser Image beeinflusst die Pushingrange der Gegner, demzufolge auch unseren EV (denn wenn sie pushen, sollten wir folden können, wenn wir das ganze als Bluff ansetzen). Haben wir kaum Hände gespielt, kaum geraist und kaum ge3bettet bzw. ge4bettet eignet sich dieser Spot perfekt. Die Pushingrange der Gegner wird sich auf das wesentliche beziehen, womöglich sogar nur KK und AA, wenn sie keine weiteren Informationen über uns haben.


Sind wir allerdings als looser Spieler in Erscheinung getreten und die Gegner wissen das, müssen wir vorsichtiger sein. Ihre Pushingrange wird deutlich looser werden, z.B. QQ+,AK. Wir müssen also viel öfter folden, was direkt unseren Erwartungswert beeinflusst. Haben wir bereits einmal gegen einen der beiden Gegner in so einem Spot ge4bettet und auf einen Push gefoldet, sollten wir vermeiden, es noch einmal zu tun. Der Gegner weiß nun, dass wir womöglich bluff-4-betten und wird seine Pushingrange demzufolge anpassen. Wir können also schön warten, bis wir eine Premium Hand haben.

 

Jetzt etwas Mathematik.


Unser Erwartungswert berechnet sich wie folgt (angenommen wir 4-betten auf $150 und folden gegen einen Push):


Mit P(Fold) ist die Wahrscheinlichkeit gemeint, mit der beide Gegner folden.

 

E(X) = P(Fold) * 68 - (1-P(Fold)) * $146


oder


E(X) = P(Fold) * $214 - $150

 

Um den Breakevenpoint zu finden, müssen wir die Gleichung also gleich 0 setzen.

 

0 = P(Fold) * $218 - $146


P(Fold) = 0,68

 

Beide Gegner müssen also in mehr als 70% der Fälle folden, damit wir einen positiven EV haben. Ist das gegeben? Nun, dazu müssen wir herausfinden, wie oft unsere Gegner tatsächlich eine Hand haben, mit der sie pushen.


Dazu müssen wir wieder Ranges schätzen. Übernehmen wir doch einfach die Schätzungen der letzten Woche.


BU openraist mit folgender Range:


22+,A2s+,K7s+,Q9s+,J8s+,T8s+,97s+,86s+,75s+,64s+,54s,A2o+,K8o+,Q9o+,J9o+,T8o+,98o,87o


Das sind ziemlich genau 40% seiner Starthände.


Angenommen wir sind völlig Unknown für beide Spieler.


Nehmen wir demzufolge an, BU pusht mit KK+, dann sind das 0,9% seiner Startinghands, demzufolge wird er in 2,25% der Fälle, in denen er openraist, eine dieser Hände halten.

 

Nun das selbe Prozedere für den SB. Seine Range: (gehen wir mal von der tighteren Variante aus)


55+,AJs+,KQs,JTs,T9s,AJo+,KQo

 

Das sind ca. 10% seiner Hände. Wenn er eine Pushingrange von QQ+,AK hat, hält er in 26% der Fälle eine Hand, die er pushen wird.


Es ist egal, wenn beide eine Hand haben, die sie pushen - wir werden folden, sobald nur einer pusht.

 

Unsere Erwartungswertberechnung ändert sich nun etwas, da wir zwischen SB und BU unterscheiden müssen.


P(Fold) wird aufgeteilt in P(FoldBU) und P(FoldSB). Diese Wahrscheinlichkeiten multipliziert ergeben wieder die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass beide folden.

 

E(X) = P(FoldBU) * P(FoldSB) * $214 - $150

 

Unter Annahme der oben genannten Ranges können wir nun Werte für P(FoldBU) und P(FoldSB) angeben.


BU wird in 2,25% der Fälle pushen, also wird er in 97,75% der Fälle folden. SB wird in 74% der Fälle folden.


Für P(Fold) ergibt sich also ein Wert von 0,72335.

 

E(X) = $4,8

 

Unser Erwartungswert ist also leicht positiv. Dass keine größere Zahl zustande kommt, liegt an der relativ tighten Range des Small Blinds und seiner relativ loosen Pushingrange gegen Unknown. Perfekt wäre es, wenn er nur KK+ pusht, wir demzufolge ein tightes Image haben.


Wir sind hier sozusagen vom "worst-case" Szenario ausgegangen. Wenn ihr Spaß daran habt, könnt ihr gerne den Erwartungswert ausrechnen, wenn ihr SB eine loosere defending Range und eine tightere Pushingrange gebt - es wird sich einiges ändern.


Des Weiteren können wir die 4-bet auch auf $130 oder $140 ansetzen - das hat womöglich den selben Effekt. Unsere Gegner werden ohne weitere Reads ihre Pushinrange nicht auflockern und solange wir mit AA und KK genauso 4-betten, werden sie uns auch nicht auf einen Bluff readen können. Wenn wir diesen Bluff jedoch halten, ändert sich unser Erwartungswert auch etwas, da wir einiges weniger investieren.

 

 

Fazit

 

4-Bet Bluffs im Blindbattle können sehr profitabel sein, wenn wir ein tightes Image haben und unsere Gegner loose raisen und 3-betten. Wurde einer unserer Bluffs geschnappt, sollten wir deutlich zurückfahren, da die Gegner nun wissen, dass wir bluff4betten - und das werden sie so schnell auch nicht vergessen. Auch aus Imagegründen sind Bluff4bets demzufolge profitabel. Sie sollten im Repertoire eines guten Pokerspielers vorhanden sein.


Bei einer Bluff4bet ist unsere Hand relativ egal, da wir gegen einen Push folden werde und unsere Gegner die 4-bet fast nie callen werden. Sie werden entweder pushen oder folden. Man sollte sich schon vor der 4bet im Klaren sein, ob man einen Push callt oder nicht. Mit kleinen Pocket Pairs kann es wie letzte Woche erläutert ziemlich knapp werden, da wir fast die nötige Equity gegen die Pushingranges der Gegner haben.