Aktualisiert am 12 März 26 von

Leaks

Einleitung

In dieser Woche möchte ich nicht auf ein spezielles Thema eingehen, sondern auf allgemeine Leaks zu sprechen kommen, die mir bei der Bewertung eurer Beispielhände auffallen.

Unter einem „Leak“ versteht man eine spielerische Schwäche, also meist eine Spielweise mit schlechte(re)m Erwartungswert. Manche von ihnen sind für Außenstehende leicht ersichtlich, manche sind nur durch genaue Untersuchung des eigenen Spiels zu finden. Als erstes will ich einige davon aufzählen, sie etwas erläutern und euch damit helfen sie zu erkennen, falls euer Spiel darunter leiden sollte. Anschließend sollen noch Methoden zur Erkennung dieser Leaks gezeigt werden.

 

 

Die Leaks

#1 PFR (PreFlopRaise) und VPIP (Voluntarily Put $ In the Pot) sind zu weit auseinander

Der PFR gibt an wie viel Prozent seiner Hände ein Spieler Preflop erhöht. Entsprechend gibt der VPIP an mit wie vielen Händen der Spieler Preflop freiwillig Geld in den Pot einzahlt. Dazu zählen nicht die Zwangseinsätze, solange ihr nicht bspw. aus dem SB auffüllt.

Es gibt natürlich keine Werte, die ein Spieler unbedingt erreichen sollte, schließlich spielt jeder seinen eigenen Stil. Trotzdem stehen diese beiden Werte in einem Verhältnis zueinander, anhand dessen man Aussagen über das Preflopverhalten treffen kann.

Gut wäre, wenn der PFR bei Shorthanded Tischen ca. 2/3 vom VPIP beträgt oder sogar noch größer ist (Beispiele: VPIP/PFR - 18/14, 21/16). Ist der PFR kleiner als dieses Verhältnis „zulassen“ würde, wird zuviel gelimpt (Callen vor dem Flop) und zu wenig erhöht. Eine Ursache könnte sein, dass ihr zu wenige Hände aus den hinteren Positionen (Cut Off, Button) erhöht, wenn Limper im Pot sind. Weiterhin ist es möglich, dass zu viele marginale (mittelstarke) Hände vom SB aufgefüllt werden. Da ein Raise viele Vorteile gegenüber einem Limp hat, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass wir möglichst oft selber der Agressor sind und die Initiative haben und nur so wenig wie möglich limpen oder coldcallen (eine Erhöhung callen).

 

#2 Protection mit starken Händen

Oft sieht man, dass Spieler die eine starke Hand am Flop halten, diese nicht ausreichend vor Draws schützen. Gerade bei drawgefährlichen Boards ist es wichtig durch große Raises (am besten Potsizeraise) dem Gegner die Implied Odds kaputt zu machen. Diesen berechnet man (nachzulesen in der Strategiesektion), indem man um die Größe des aktuellen Pots + das 3-fache der gegnerischen Bet erhöht.

Überprüft in PokerTracker, ob ihr mit euren Sets/Twopairs/Straights auf entsprechenden Flops genug geraised habt. Tut ihr das nicht, macht ihr es für euren Gegenüber profitabler zu callen, da er nurnoch weniger Geld aus euch extrahieren muss, wenn sein Draw ankommt, um callen zu können.

 

#3 Protection mit mittelstarken Händen

Haben wir eine leicht verwundbare Hand, wie TP oder ein schwaches Overpair, neigen viele Spieler dazu am Turn zu passiv zu reagieren, wenn ungünstige Karten für uns kommen. Erscheint beispielsweise die dritte Flushkarte oder eine Overcard zu unserem Overpair, bietet sich sehr oft bet/fold als Mittel der Wahl an. Bei einem Raise wissen wir wo wir stehen und falls wir noch vorne sind, protecten wir gegen andere Draws.

Ein Indiz für eine zu vorsichtige Spielweise könnte ein geringer (< 2) Turn AF Wert (Agression Factor) sein. Gerade wenn dieser deutlich kleiner als der River AF ist, wird am Turn zu oft in solchen Situationen gecheckt anstatt zu betten. Überprüft eure PT Stats!

 

#4 Schlechte Tableselection

Gerade auf den unteren Limits gibt es Fische en masse, man ist also nicht unbedingt gezwungen gezielt nach einzelnen Spielern zu suchen, auch wenn dies sicherlich nicht schadet. Allerdings sehe ich immer wieder Spieler, die mit teilweise 2-3 weiteren TAGs am Tisch sitzen. Auch wenn die meisten Regulars (Spieler die regelmäßig auf einem Limit spielen) nicht sonderlich stark sind, beherrschen sie doch meist die Grundlagen und werden sich nicht so einfach stacken lassen wie ein Fisch. Auch wenn ihr gegen sie einen kleinen spielerischen Vorteil habt, solltet ihr solche Tische meiden, da es in der Regel einfach bei weitem nicht so profitabel ist, wie ein oder mehrere schlechte Spieler am Tisch. Programme wie der GLH oder Spadeeye helfen euch gezielt nach schwachen Spielern zu suchen und an die jeweiligen Tische zu gehen.

 

#5 Flopagression

Thema „Continuation Bets“ und „Raise von Flopbets“.

Solltet ihr einen sehr hohen Flop AF (>10) Wert haben, kann es sein, dass ihr auf zu vielen Flops contibettet und/oder zu oft Donkbets eures Gegners raised, obwohl ihr keine Hand habt. Natürlich sind diese beiden Dinge Themen für sich, über die man Romane schreiben könnte, trotzdem lässt sich allgemein sagen: Nicht jeden Flop muss man betten! Gerade gegen passive, fishige Spieler ist es viel profitabler auf ungünstigen Boards oft einfach zu check/folden, als dass man mit Zwang um jeden Pot kämpft, in den man Geld investiert hat. Denn das Geld, das man spart, ist genauso wichtig wie das Geld das man gewinnt. Bettet ihr zu viele Flops, werden eure Bets nicht mehr respektiert und oft geraised. Es kommt darauf an in den richtigen Situationen aggressiv zu spielen und nicht automatisch zu handeln.


Immer wenn von PT Werten die Rede ist, setze ich natürlich eine entsprechend große Anzahl an Händen voraus, die in der Datenbank enthalten sein müssen, damit der Wert repräsentativ ist.

 

 

Wie finde ich meine Leaks?

Alles was dazu beiträgt euer theoretisches Wissen zu vergrößern, wird auch helfen eure Leaks zu finden.

PokerTracker eignet sich, wie gezeigt, wunderbar um offensichtliche Leaks zu finden. Lest den entsprechenden Artikel von PS.de über die Nutzung von PokerTracker und postet bei Unklarheiten eure Stats im Forum.

Sehr wichtig ist auch das Posten von Beispielhänden und ganz besonders das Bewerten von anderen Händen. Durch das bloße Lesen der richtigen Spielweise lernt man weniger, als wenn man sich selber Gedanken zu der Hand macht. Vergleicht eure Spielweise mit der von anderen Spielern und überlegt wieso ihr dies macht und der andere jenes.

Schaut Videos und versucht zu vergleichen was ihr in der jeweiligen Situation spielen würdet und welche Vor- und Nachteile diese Spielweise hätte.

Eine weitere wichtige Möglichkeit sein Spiel zu überprüfen besteht darin, sich von einem anderen Spieler zuschauen zu lassen. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei und viele Leaks lassen sich oft nicht an einer einzelnen Hand erkennen, sondern werden erst bei der Betrachtung über einen längeren Zeitraum deutlich. Sinnvoll wäre natürlich, wenn euch ein Spieler über die Schulter schaut, der dieses Limit schon geschlagen hat und einen Wissensvorsprung hat. Wessen Bankroll es hergibt, sollte sich einfach mal die ein oder andere Stunde bei den PS.de Coaches genehmigen, das stärkt auch gleichzeitig das Selbstbewusstsein und die Zuversicht ins eigene Spiel.

 

 

Fazit

Zwar sind dies nur einige der zahllosen Leaks, die jeder von uns zweifelsfrei hat, trotzdem hoffe ich euch mit diesem kleinen Artikel ein wenig geholfen zu haben. Arbeitet stets an eurem Spiel, denn perfekt ist niemand und manchmal haben kleine Veränderungen einen großen Effekt.