Aktualisiert am 12 März 26 von

Gedanken zum Squeeze

» KOLUMNE

Gedanken zum Squeeze

von MiiWiin

In der heutigen Kolumne geht es um einen interessanten Move, den jeder No-Limit Hold’em Spieler in seinem Arsenal haben sollte: Den Squeeze.

Er ist ein sehr interessanter Ansatz, wird jedoch häufig in falschen Spots und mit falschem Denkansatz gewählt. Daher geht es heute um die Frage, was man mit einem Squeeze überhaupt erreichen möchte.

In Zukunft wird es weiteren Content zu diesem Thema geben, der sich mit gezielten Fragen nach dem Gegner und den Ranges befasst.

Was ist ein Squeeze überhaupt?

Ein Squeeze an sich betitelt eine 3-Bet, die gesetzt wird, nachdem es ein Openraise sowie einen Call gegeben hat:

BEISPIEL 1

PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)

Preflop: Hero is BU with A, A
UTG raises to $4.00, 1 folds, CO calls $4.00, Hero raises to $17.00, ...

Dies sollte jedem bekannt sein, jedoch muss hier gleich die erste Frage kommen: Wieso ist es ein “Squeeze”? Du 3-bettest doch einfach for Value.

Squeeze vs Squeezeplay

Genau dies ist korrekt. Daher kannst du grob unterscheiden, ob du for Value squeezt oder als (Semi-)Bluff. Wie immer gibt es diese beide Optionen (Value/Bluff).

Im Allgemeinen redet man bei einem Squeeze eher von einem Valueplay, während man einen Bluff eher als Squeezeplay bezeichnet.

In dem Moment, in dem du dich für einen Valuesqueeze entscheidest, ist die Situation eigentlich glasklar. Im obigen Beispiel hast du einen recht klaren Squeeze, da du in diesem Spot unmöglich slowplayen kannst. Sofern du nur callst besteht die realistische Gefahr, dass sich die Blinds gute Odds geben und ebenso callen. Ein 4-handed Pot mit deinen Aces kann und darf aber nicht dein Ziel sein.

Du protectest und baust den Pot auf. Auf eine 4-Bet hin gehst du natürlich All-In. Es ist somit ein recht einfacher Spot.

Vorteile des Squeeze(-plays)

Interessant wird es erst, wenn du diesen Move anwendest, um bessere Hände zu einem Fold zu bewegen. Wo liegen die Vorteile eines Squeezes?

Es gibt einige Vorteile. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit groß, den Pot preflop mitnehmen zu können. Du hast bereits zwei Informationen: Ein Spieler hat geraist, einer hat nur gecallt.

Der Spieler, der das ursprüngliche Raise nur gecallt hat, wird in den meisten Fällen keine starke Hand halten, da er damit eigentlich hätte erhöhen sollen. Du musst also in erster Linie davon ausgehen, dass er eher eine Hand hält, mit der er billig den Flop sehen will, aber keinen Grund sieht, einen Multiwaypot zu verhindern beziehungsweise seine Hand zu schützen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er auf eine 3-Bet deinerseits folden wird ist also extrem hoch, da er mit gerade diesen Händen keine korrekten Odds bekommen wird.

Bleibt also der Ursprungsraiser. Von ihm hast du nur gesehen, dass er ein Openraise gesetzt hat. Dies kann mit einer sehr weiten Range passieren.

Welche Optionen hat der ursprüngliche Raiser nun? Natürlich ist ein Call denkbar, aber hier gibt es einen weiteren Vorteil: Durch den Caller ist der Pot schon recht groß geworden, dementsprechend fällt natürlich auch dein Squeeze höher aus als eine normale 3-Bet. Es fällt deinem Gegner also deutlich schwerer, einfach nur zu callen, da er mehr bezahlen muss.

Ebenso wenig weiß er, was der Cutoff im obigen Beispiel für einen Plan hat. Meistens wird der Spieler aus UTG keine Hand halten, die er im mulitway Pot out of Position spielen möchte. Selbstverständlich kann er auch nicht wissen ob der Cutoff nun foldet, callt oder sogar noch einmal raist.

UTG hat eine sehr schwere Entscheidung und wird sich in den meisten Fällen von seiner Hand verabschieden müssen, es sei denn sie ist ihm stark genug für eine 4-Bet.

Und genau an diesem Punkt wird es interessant. Eine 4-Bet ist ein starker Move und beinhaltet nur die Optionen 4-bet/fold oder 4-bet/call. Im NL Hold'em sind solche Entscheidungen nahezu immer eng an die Preflopequity gebunden. Es gibt keine Hand, mit der du preflop deinen halben Stack investierst, danach aber noch foldest. Für einen Move wie 4-bet/fold brauchst du zum einen Reads, zum anderen noch genügend Spielraum, um korrekt folden zu können.

4-bet/fold ist kaum möglich

Sollte sich dein Gegner also genötigt fühlen, gegen deinen Squeeze anspielen zu wollen und möchte 4-betten, so hat er zwei große Probleme.

Problem Nummer Eins wurde oben schon angesprochen. Er muss nicht nur dich zu einem Fold bewegen, sondern auch noch den Cutoff. Er muss sich also gegen zwei Gegner weniger Foldequity anrechnen.

Zum anderen darf er nicht committend 4-betten. Als Grundregel sollte man ca. das 2,5-fache einer 3-Bet 4-betten, um dem Gegner nicht zu gute Odds zu geben. Da du selber schon auf 17BB gesqueezt hast, wäre das Minimum 34BB. Hält er sich an die Regel etwas höher zu 4-betten, so würde er eventuell auf 38BB 4-betten.

Möchte er gar das 2,5-fache betten, um keinen Fehler zu begehen, so müsste er auf 42BB 4-betten.

  • Erhöht er auf 34BB, so bekäme er im Falle eines Pushes deinerseits Odds von 68/205,5 => 33% benötigter Equity.
  • Erhöht er auf 38BB, so bekäme er im Falle eines Pushes deinerseits Odds von 62/205,5 => 30,2% benötigter Equity.
  • Erhöht er auf 42BB, so bekäme er im Falle eines Pushes deinerseits Odds von 58/205,5 => 28,2% benötigter Equity.

Dein Gegner benötigt also eine Hand, die er da noch locker weglegen kann. Für diesen Fall nehmen wir eine sehr starke Squeezerange deinerseits an: JJ+/AKo/s.

Equityanalyse
  Equity Win Split Loss Hand
Spieler 1 68,36% 68,07% 0,57% 31,36% JJ+, AKs, AKo
Spieler 2 31,64% 31,36% 0,57% 68,07% 2 2
Equityanalyse
  Equity Win Split Loss Hand
Spieler 1 70,17% 69,21% 1,92% 28,87% JJ+, AKs, AKo
Spieler 2 29,83% 28,87% 1,92% 69,21% A T
Equityanalyse
  Equity Win Split Loss Hand
Spieler 1 70,47% 70,22% 0,49% 29,29% JJ+, AKs, AKo
Spieler 2 29,54% 29,29% 0,49% 70,22% 54s

Wie du siehst, bewegt sich dein Gegner hier in einem ganz schmalen Bereich. In Abhängigkeit seiner möglichen 4-Bet kann er sich durchaus mit den meisten Händen bereits committen.

Somit sind ihm häufig die Hände gebunden, selbst wenn er dich häufig auf einen Bluff setzt, bleibt ihm meistens nichts anderes übrig, als zu folden. Eine vernünftige Alternative bleibt der direkte Push auf den Squeeze, dies kann jedoch auch unter Umständen ein noch größerer Fehler sein.

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Warum überhaupt Squeezen (bluffen)?

Das Play mag dir gefallen, aber ist es überhaupt nötig? Ob es zwingend nötig ist, darüber kann man diskutieren, jedoch hat es sehr viele Vorteile:

Profitabilität:

Die Profitabilität des Moves an sich musst du positiv sehen. Deine Gegner können außer loosen 4-Bets und knappen Calls nicht viel entgegensetzen. Häufig wirst du den Pot direkt gewinnen. Letztlich setzt du nur ca. 15-18BB um 7-8BB zu gewinnen. Somit muss das Unternehmen gar nicht so häufig von Erfolg gekrönt sein.

Image:

„If you want action, you have to give action!“

Sofern du sehr tight spielst und schon deine normalen 3-Bets nahezu nur aus Value-3-Bets bestehen, solltest du nicht wie wild auf eventuell zum falschen Zeitpunkt angebrachte Squeezes zurückgreifen.

Ab einem gewissen Zeitpunkt wird dein Spiel aber aufloosen, sei es mit mehr Erfahrung deinerseits oder einfach begründet im Aufsteigen in den Limits und damit verbundenen aggressiveren Gegnern. Du möchtest ein eher looses Image haben, mit deinen guten Händen ausbezahlt werden und solltest daher möglichst viele geeignete Spots nutzen, um dieser Aggressivität Ausdruck zu verleihen.

Balancing:

Es ergibt wenig Sinn, mit starken Händen preflop squeeze/fold zu spielen. Hältst du beispielsweise die Jacks, so würdest du eher einen Call finden, als squeeze/fold zu spielen und damit deine Hand in einen Bluff zu verwandeln.

Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass jeder Squeeze deinerseits ein Valuesqueeze ist und du somit nur squeeze/call (Push) spielen kannst. Das wird auf Dauer zu durchsichtig, da jeder weiß, dass du dies nur aus Gründen des Value machst.

Du solltest dies durch Squeezeplays balancen, daher ist es auch nicht schlimm, wenn die Squeezeplays daneben gehen. Deine Gegner dürfen ruhig sehen, dass du squeeze/folden kannst.

Kaum Fehler möglich (wenige 3-bettet/multiway Pots)

Ein haariger Punkt. Einerseits machen schwierige Entscheidungen das Pokerleben interessant, und umso schwerer es wird, desto eher kannst du deine vorhandene Edge ausspielen. Manchmal ist es mit der Edge aber auch nicht so weit hergeholt und nicht jeder hat auf eine schwere Frage des Postflopspiels eine passende Antwort.

Fakt ist: Mit Squeezes gehst du einigen Problemen aus dem Weg. Vielleicht verwandelst du Hände in einen Bluff, die durchaus eine passable Equity oder Playability hätten. Postflop stehst du jedoch häufig ratlos mit potentiell dominierten Händen im multiway Pot wenn du anscheinend gehittet hast.

Möchtest du also eine solche Hand nicht im mutliway Pot spielen, so wäre ein Squeeze die bequeme, wenn sicherlich auch nicht immer die ideale Lösung.

Zudem verringert, wie oben bereits beschrieben, die Höhe des Squeezes die Wahrscheinlichkeit, einen Call zu bekommen. Du wirst also nicht allzu häufig in unangenehmen 3-bettet Pots landen.

» ZUSAMMENFASSUNG

Heute hast du zunächst den Squeeze näher kennen gelernt. Du solltest die Vor- und Nachteile begriffen haben und dir Gedanken machen, ob du in einigen Spots nicht einfach mal die Option wählen solltest, durch ein aggressives Preflopplay viele Pötte einzusammeln, die du unter anderen Umständen aufgeben oder in ungünstigen Postflopspots spielen würdest.

In naher Zukunft wird es weitere Gedanken zu diesem Thema geben, insbesondere sollst du erstmal anhand verschiedener Gegnertypen überlegen, gegen wen ein Squeeze sinnvoll ist und gegen wen man sich solch ein Play von vornherein schenken kann.