Aktualisiert am 12 März 26 von

Harman vs. Zeidman WSOP 2005

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Harman vs. Zeidman WSOP 2005

von Unam1337

Die Hand, die ich mir für die Analyse dieser Woche ausgesucht habe, ist wohl eine der spektakulärsten, die beim WSOP Mainevent 2005 gespielt wurden, und das obwohl sich damals durch viele Online-Qualifikanten das Teilnehmerfeld auf über 5600 Spieler gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt hatte.

Somit konnte Joe Hachem das damals größte Turnier der Welt außerhalb des Internets für sich entscheiden, als er mit 7 3 gegen Steve Dannenmann’s A 3 die letzte Hand gewinnen konnte.

Der Flop war 6, 5, 4 und als am Turn das A fiel. wurde Hachems Bet von Dannenmann erhöht, woraufhin er von Hachem All-In gesetzt wurde und gecallt hat, auf dem River kam die 4.Mit dieser Hand war Hachem dann auch um satte 7.500.000 USD reicher.

So erfolgreich war dieses Event aber für Jennifer Harman und Corey Zeidman, die Akteure in dieser Hand, nicht, denn beide schafften es nicht bis ins Geld, trotzdem schafften sie es diese nervenaufreibende Hand zu spielen.

 

Nachdem nun jeder das Video gesehen hat versuche ich mich einmal an einer Analyse dieser Hand, wenn ich mich nicht sehr irre, wurde sie auch von Dan Harrington in einem seiner Bücher behandelt, aber ich kann (leider) von mir behaupten, dass es bei mir so lange her ist, dass ich diese gelesen habe, dass die folgende Analyse wirklich von mir ist und zumindest nicht bewusst von diesem wesentlich besserem Schreiber beeinflusst wurde

 

PREFLOP

Stacks
Harman: 11000
Zeidman: 7700
Davis: 10200

Blinds

small blind 25
big blind 50

Harman raises 200 Q, Q
Zeidman calls 200 9, 8
Davis calls 200 A, 6

Harman macht ein Raise aus früher Position mit ihren Ladys. Das ist wohl nichts Besonderes und macht jeder von uns (hoffentlich) auch. Da wir uns in der frühen Phase eines Deepstack-Turniers befinden, ist der Call von Zeidman mit 98s auch nichts ungewöhnliches, da die Implied Odds auf solche Hände immer gut sind. Ob dies allerdings auch gegen eine Spielerin vom Format der Harman zutrifft, sei einmal dahingestellt, und zu guter letzt steigt auch noch der BB mit einem Babyass ein, sicher eine Hand, die er nicht gerne in dieser Situation spielt, aber da er sehr gute Pot Odds bekommt und am Flop durch einen Check quasi Position auf die Preflopraiserin hat, ist sein Call auch nicht schlecht.

 

FLOP T, J, Q

Potgröße
625

Davis checks
Wie schon erwähnt, ist es nur logisch, dass Davis checkt, aber da er gar nichts getroffen hat, wird er wohl auch nur auf seine Freecard zum Gutshot hoffen und ansonsten seine Hand aufgeben.

Harman bets 500
Das Board wird ihr sicher nicht so sehr gefallen, denn abgeshen vom Top-Set ist das ein Flop, den eben auch viele Draws getroffen haben, nichtsdestotrotz muss sie natürlich bieten.

Zeidman raises 2000
Offensichtlich ist für Zeidman der Flop noch besser, als er es für Harman ist, da er wirklich seine 3rd Nutstraight floppt, aber - wie 3rd schon ausdrückt - überglücklich kann er mit der Situation auch nicht sein, denn wenn er Harman auf eine tighte Openraisingrange aus früher Position setzt, dann kann er annehmen, dass sie wohl 99+ und AQ+ (das ist nicht mal besonders nitty) geraist hat. Wenn wir uns das ansehen, dann ist er gegen AK weit hinten und jede andere Hand hat noch einige Outs, die meisten davon natürlich die Sets. Und er hat gegen diese Range „nur“ 53%, trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass er bereits die beste Hand hält und somit ist sein Raise natürlich nachvollziehbar, da er sie vor all den Draws schützen muss.

Davis folds
Er hat einen Gutshot, und dass hier Ärger in der Luft liegt ist so offensichtlich, dass es kein Wunder ist, dass er foldet.

Harman calls
Wie schon geschrieben, besonders toll ist der Flop nicht, aber sie hat auf jeden Fall Outs und Implied Odds, wenn sie diese trifft. Und es kann natürlich immer sein, dass Zeidman 2pair oder ein kleineres Set getroffen hat, oder sogar ein Overpair slow gespielt hat und somit way behind ist, oder sogar einfach nur blufft. Wenn sie ihn aber auf eine Non-Bluff-Range setze, dann wären das Hände wie 98, TT+, AK.

Ich würde 99 und AQ für ihn ausschließen, da er damit wohl eher gecallt hätte und versucht seinen Draw zu treffen, denn wir sind noch früh im Turnier und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass er mit diesen marginalen Händen einen großen Pot aufbauen würde.

Und wie auch Zeidman, ist Harman gegen die Range, auf die wir ihren Gegner setzen, knapp vorne, nämlich mit 51,5%, somit ist ihr Call natürlich auch gerechtfertigt. Hier noch einmal zu pushen oder zu reraisen halte ich auch für sinnlos, weil auf die Aktion sicher 2pair, aber wohl auch kleinere Sets folden werden und sie somit im Falle eines Calls fast sicher die schlechtere Hand hält.

 

TURN T


Potgröße
4625

Reststacks
Harman: 8000
Zeidman: 5500

Harman checks

Schöne Karte für sie, aber da Zeidman die Initiative am Flop an sich gerissen hat, ist das auch eine gute Gelegenheit für ein Checkraise.

Zeidman bets 1000
Ihm gefällt der Turn sicher nicht, aber andererseits hat er einen Flushdraw, und sogar den open-ended Straightflushdraw getroffen. Ich finde es auch gut, dass er hier bietet, denn wenn wir uns überlegen, dass Harman zum Beispiel AK hat, dann kann es sein, dass sie die Hand foldet, weil sie ihm nun das Full House gibt, aber ich mag die Größe der Bet nicht, denn es ist nur knapp 1/5 des Pots, allerdings muss ich auch gestehen, dass ich die Spieler nicht kenne und er hier mit einer Hand, die sehr stark und somit fast nicht auszudrawen ist, die gleiche Summe bietet, wie mit seiner nun mittelprächtigen Hand.

Harman raises 3000
Sie hat doppeltes Glück. Sie hält jetzt die 2nd Nuts und bekommt von Zeidman auch weiterhin Aktion, somit kann sie hier den Pot so groß machen, dass ihr Gegner am River nur einen ganz schweren wenn überhaupt noch einen Fold finden kann, denn wir dürfen nicht vergessen, er kann hier gerade mit dieser Karte auch das kleinere Full House gemacht haben.

Ihre Bet ist wie die von Zeidman auch wieder relativ klein, aber wie auch schon bei ihm geschrieben - wenn die zwei eine Geschichte mit dieser Art von Bets haben ist das absolut verständlich und sogar der richtige Weg, gefährlich wäre so etwas nur, wenn man durch solche Bets die Stärke der eigenen Hand offenbart.

Zeidman calls 2000
Hier sehe ich eigentlich den ersten Fehler in der Hand, denn es ist meiner Meinung nach offensichtlich, dass Zeidman hier geschlagen ist. Wenn wir Harman noch einmal auf eine Range setzen möchten, dann wäre diese sicher QQ, JJ, TT und AK, wenn sie sich am Flop für ein Slowplay mit den Nuts entschieden hat.

Gegen diese Range hat er sogar die Odds, denn es sind über 9000 im Pot und seine Gewinnwahrscheinlichkeit gegen Harmans Range liegt bei 28,5%. ABER er spielt hier mit seinem Turnierleben und hat keine Möglichkeit, sich wie beim Cashgame neu einzukaufen. Außerdem hat er nur 2 Outs (er weiß ja nicht, dass seine Gegenspielerin die Q hält), mit denen er seine restlichen Chips am River gerne in die Mitte schiebt. Und da er nur noch 3000 Chips übrig hat, werden ihm am River Odds von knapp eins zu vier geboten.

Das heißt dann, da er auf dem River nach seinem Turncall eigentlich nicht folden darf, dass ihm Harman am Turn nicht eine Entscheidung für 2000 Chips sondern eine für seinen gesamten Stack, nämlich 5000 Chips stellt, und dafür hat er mit seinen 28,5% einfach nicht die Odds.

 

RIVER 7


Potgröße
10625

Reststacks
Harman: 5000
Zeidman: 2500

Harman bets 3000
Auch sie ist mit ihrer Hand effektiv am Turn All-In gegangen, denn auch sie kann am River nicht folden. Da sie nicht folden kann, aber noch von schlechteren Händen gecallt werden kann, ist das eine einfacher Valuepush.

Zeidman calls and is All-In
Tja was soll man dazu sagen?^^ Er hittet seine Miracle Card.