Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Felix 'xflixx' Schneiders: "Es ist möglich, alle 6-max-Stakes zu schlagen"

Der deutsche Team PokerStars Online-Pro spricht im Interview über den Umstieg von Cash-Games zu Turnieren und seine Challenge: Er will aus $80 satte $8.000 machen.

"Ich habe teils gravierende Bet-Sizing-Fehler gemacht"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/04/09/photo.jpgPokerStrategy.com: Felix, du versuchst dich seit einiger Zeit als Cash-Game-Spieler an Turnieren. War der Umstieg bereits von Erfolg gekrönt?

xflixx: In Anbetracht der Ergebnisse würde ich ganz diplomatisch antworten mit "noch nicht". Im Hinblick aber auf den Vergnügungsfaktor und die Verbesserung meines Turnierspiels würde ich sagen "definitiv ja".

Mein Turniervolumen ist immer noch ziemlich niedrig, da mein Hauptfokus auf Cash-Games ausgelegt ist. Deshalb denke ich, dass ich derzeit auch nicht allzu viele Geldsprünge erwarten kann, aber ich arbeite weiterhin daran.

Seit der Aufnahme in das Team PokerStars Online habe ich bei allen größeren Turnierserien wie SCOOP, WCOOP, TCOOP oder MicroMillions Shots gewagt, zudem spiele ich einige Turniere mit größeren Teilnehmerfeldern wie zum Beispiel jede Woche das Sunday Storm-Event. Bislang habe ich es verpasst, bei den höheren Buy-In-Turnieren große Erfolge zu erzielen, aber ich habe beim Storm regelmäßig einige deep Runs hingelegt.

Nach großen Turnieren habe ich mein Spiel unter die Lupe genommen, um vor allem von erfahrenen und erfolgreichen Turnierspielern Meinungen zu Händen zu bekommen - dadurch habe ich deutlich mehr Selbstvertrauen erhalten. Nun freue ich mich auf die großen, prestigeträchtigen Serien und werde in meinen Sonntagsgrind-Zeitplan auch verschiedene Turniere einbauen. Bislang war das bei mir als Cash-Game-Spieler nicht immer der Fall.

PokerStrategy.com: Was sind die größten Herausforderungen für einen Cash-Game-Spieler, wenn er den Umstieg zu Turnieren schaffen will?

xflixx: Für mich ist es das Verstehen der ICM-Konzepte, der Value des Turnierlebens vs. Chip-EV (was ich normalerweise täglich bei den Cash-Games habe) und der relative Blick auf die Größe des Stacks.

Wenn man einen Cash-Gamer und einen Turnierspieler nach ihren Ansichten zu einem 'deepen Stack' fragt, wird man möglicherweise unterschiedliche Ansichten erhalten. Für mich war das immer sehr schwierig zu verstehen und deshalb habe ich teils gravierende Bet-Sizing-Fehler gemacht oder meine Chips in bestimmten Turnierspots einfach verdonkt - diese Spots hätte ich bei einer Cash-Game-Partie komplett anders gespielt.

In den frühen Phasen eines Turniers habe ich es oft leichter geschafft, Chips zu generieren, wenn ich Turniere wie ein Cash-Game gespielt habe. Das Problem dabei ist aber, dass man nur eine geringe Anzahl an Chips gewinnt. In den späteren, wichtigeren Phasen hilft einem das nicht wirklich weiter, wenn die Blinds dann signifikant steigen.

"Für Turnierspieler ist es schwieriger, Cash-Games zu lernen"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/04/09/screenshot_18.pngPokerStrategy.com: Du hast dich vor allem auf die 6-max-Cash-Games spezialisiert. Wie schwierig war es, sich an das Fullring-Format umzustellen, das bei den meisten Turnieren zu finden ist?

xflixx: Um ehrlich zu sein, war es schon ziemlich hart - ich freue mich, dass dies hier angesprochen wird. Ich hatte große Schwierigkeiten, mein Spiel in früher Position anzupassen. Ich hatte auch Probleme gegen Spieler, die in early Position waren. Ich habe es einfach nicht begriffen, dass es nicht profitabel ist, wenn man in bestimmten Spots an einem Fullring-Tisch zu loose spielt. Die Wahrscheinlichkeit ist einfach höher, dass in einem neunhändigen Spiel ein Kontrahent mit einer starken Hand beginnt.

Ich hatte zwar schon Erfahrung im neunhändigen Spiel, da ich an Cash-Game-Partien in Las Vegas teilgenommen hatte. Allerdings konnte ich mein Spiel damals aufgrund der spezifischen Live-Tells deutlich einfacher anpassen - diese Tells sind im Internet natürlich nicht vorhanden.

PokerStrategy.com: Ist es deiner Meinung nach schwieriger, als Turnierspieler zu Cash-Games zu wechseln als umgekehrt?

xflixx: Ich denke schon, möchte aber selbstverständlich nicht respektlos gegen über jedem Turniergrinder auftreten. Meiner Meinung nach muss auch ein erfahrener Turnierprofi, der Cash-Games spielen möchte, noch sehr viele Dinge lernen, die sich eben nicht mit Mathematik, Equity, Berechnungen oder Preflop-Entscheidungen befassen: Man hat größere, effektive Stacks, die Spots sind komplexer, man muss sich mit optimalen Ranges und Frequencies auseinandersetzen, gerade auf Turn und River ist dies sehr wichtig.

Als Cash-Game-Spieler war es für mich mehr wie Hausaufgaben machen, als ich zu den Turnieren gewechselt bin. Die Pokermathematik, das Gameplay und die kreativen Möglichkeiten sind bei kleineren MTT-Stacks im Vergleich zu Cash-Games eher begrenzt - ich bin mir aber zu 100 Prozent sicher, dass mir viele Spieler in diesem Punkt widersprechen werden.

"Eine kleine Bankroll erfordert eine gute Arbeitseinstellung"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/04/09/27ce4199b4.jpgPokerStrategy.com: Du hattest vor einiger Zeit im PokerStrategy.com-Podcast über deine $80-Challenge berichtet. Du hattest dir vorgenommen, aus $80 eine Bankroll in Höhe von $8.000 zu erspielen. Wie bist du auf gerade diese Beträge kommen?

xflixx: Als ich mit Poker angefangen hatte, habe ich meine Bankroll innerhalb einiger Monate mit einer einzigen $50-Einzahlung auf einen fünfstelligen Betrag ausgebaut. Ich habe damals alle verschiedenen 6-max-Cash-Game-Stakes (No-Limit) gespielt.

Ich kann mich noch sehr gut an den $8.000-Meilenstein erinnern, da dies ein bedeutender Zeitpunkt war: Dadurch war ich der Lage, mit meinem persönlichen Bankrollmanagement auf NL200 zu spielen - das war ein Limit, das für mich dieses magische 'Midstakes-Gefühl' hatte. Die jetzige $80-Bankroll ist für Anfänger etwas einfacher, da sie mehr Sicherheit vermittelt, und natürlich hört es sich auch besser an, wenn man diese Zahl in einem Satz mit den $8.000 sagt.

PokerStrategy.com: Warum hast du dich zu dieser Challenge entschlossen?

xflixx: Schon bevor ich dem Team Online beigetreten bin, hatte ich bereits seit einigen Jahren diese Bankroll-Challenges, die sehr erfolgreich waren. Für mich sind diese Herausforderungen so etwas wie eine Würdigung oder Anerkennung, wie Poker mein Leben verändert hat. Das wollte ich schon immer mit anderen Menschen teilen.

Außerdem wollte ich meinen Schülern zeigen, dass es immer noch durchweg möglich ist, die 6-max-Cash-Games auf allen Stakes zu schlagen, von den Micros bis zu den Midstakes. Das Spielen mit einer solch kleinen Bankroll erfordert eine gute Arbeitseinstellung und eben nicht, dass man sich darüber beschwert, wie tough Poker geworden ist.

Das Projekt war immer mehr ein Forending in der deutschen Community. Ich habe richtig viel positives Feedback erhalten, wie motivierend es für die Community-Mitglieder ist, und dass ich die Challenges wiederholen sollte. Da ich schon immer gerne Videos gemacht habe, hatte ich auch die Vorstellung, ein neues Projekt zu starten: Eine englische YouTube-Show. Jetzt als neues Mitglied des Team Online ist es eine Möglichkeit für mich, alle meine internationalen Follower zu erreichen.

Meiner Meinung nach ist der gesellschaftliche Aspekt das Coolste an der ganzen Sache. Für einen Online-Grinder kann Poker manchmal ein einsamer und undankbarer Sport sein. Es ist deshalb wirklich großartig, wenn man in der Lage ist, mit anderen Menschen zu kommunizieren, sie zu motivieren, etwas zurückzugeben und Erfolge und Misserfolge mit ihnen zu teilen.

"Die Micros haben sich über die Jahre hinweg verändert"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/04/09/xflixx_440x274.jpgPokerStrategy.com: Wie schwierig ist es, sich auf den Micro-Stakes zurechtzufinden, wenn man normalerweise höhere Limits spielt?

xflixx: Zu Beginn habe ich an meinen Grindtagen sowohl meine regulären als auch die Challenge-Limits gespielt. Das war aber ziemlich verwirrend und dadurch hat mein Spiel auf den höheren Stakes auch etwas nachgelassen.

Es ist nicht allzu schwierig, mein Spiel auf die Micro- und Small-Stakes anzupassen, da die Gameplans deutlich simpler sind. Zudem kann man die Fehler der durchschnittlichen Gegenspieler viel einfacher exploiten. Allerdings kann es ziemlich tough werden, wenn man dann wieder umdenken muss - gerade im Hinblick auf das Mindset ist es oft etwas schwierig.

Deshalb habe ich mich zu Beginn des Jahres entschlossen, exklusiv nur noch das Projekt zu spielen und versuche jetzt, so schnell wie möglich auf NL200 aufzusteigen. Aktuell wage ich Shots auf NL100, das Ziel ist also gar nicht mehr so weit entfernt.

PokerStrategy.com: Viele Spieler sagen, dass selbst auf den unteren Limits heutzutage im Vergleich zu früher recht ordentliches Poker gespielt wird - siehst du das ähnlich?

xflixx: Die Micros haben sich im Laufe der Jahre definitiv verändert, was natürlich nicht verwunderlich ist, da die Spieler durch das Internet und Pokerbücher mehr Zugang zu Informationen über Pokertheorie bekommen haben. Dennoch sollte man sich nicht davon abschrecken lassen und denken, dass die Micros nicht mehr zu schlagen wären. Die Lernkurve ist nicht sehr steil: Viele Spieler haben mit den profitablen Grundstrategien angefangen und ihr Spiel hier und da etwas angepasst, aber insgesamt gesehen gibt es immer noch die Möglichkeit für jeden Spieler, sich mit einer guten Arbeitseinstellung große Edges herauszuarbeiten.

PokerStrategy.com: Es wird oft behauptet, dass die 6-max-Tische im Allgemeinen ziemlich tough seien. Welche Fehler machen die meisten Regulars auf den unteren Limits?

xflixx: Ich würde nicht sagen, dass 6-max auf allen Limits tough ist. Möglicherweise wird etwas aggressiver als an den Fullring-Tischen gespielt, weshalb die Menschen annehmen, es müsste auch schwieriger zu schlagen sein. Vor allem wenn sie es zum ersten Mal ausprobieren.

Es trifft vielleicht zu, dass die Regulars auf den unteren Limits normalerweise eine solide 'standardisierte' Herangehensweise an das Preflop und Flop-Spiel haben, wie zum Beispiel beim Open-Raisen, 3-Betten oder Conti-Betten. Aber wenn man einen genaueren Blick darauf wirft, wird man oft merken, dass viele dieser Spieler die Strategien falsch anwenden und dann große Probleme haben, wenn sie mit toughen Entscheidungen auf Turn und River konfrontiert werden.

PokerStrategy.com: Gibt es Spielzüge, die auf den höheren Stakes funktionieren, auf den niedrigeren Limits aber nicht? Musstest du quasi 'umlernen'?

xflixx: Bei mir war es eher anders herum: Ich habe es immer leicht gefunden, mein Spiel an die Micro-Stakes anzupassen. Allerdings hatte ich teilweise Schwierigkeiten, die Micro-Style-Gewohnheiten abzuschalten, wenn ich wieder höher gespielt habe.

Mit Micro-Style meine ich diese loose/passive ABC-Herangehensweise, die darauf abzielt, die Postflop-Schwächen der Gegenspieler auszunutzen. Es ist ähnlich, wie ich auch an ein Live-Pokerspiel herangehe: Hier versuchen die Leute konstant, Flops oder Showdowns zu sehen, jagen ihren Draws nach oder gamblen einfach nur. Wenn man dann wieder auf den Midstakes spielt, versuchen einige Spieler daraus einen Vorteil zu ziehen - so wie ich es auch machen würde.

PokerStrategy.com: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

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Felix Schneiders ist Host der Sunday Million, die morgen Abend bei PokerStars PokerStars über die Bühne geht

Wer den sympathischen Kölner aus dem Turnier wirft, kann sich über ein Bounty in Höhe von $215 freuen. Am Final Table wird er dann bei den Dealverhandlungen der Spieler dabei sein, die im Chat stattfinden werden.

Das Buy-In bei der Sunday Million beträgt $215, der garantierte Preispool liegt bei $1 Million.

Um bei diesem wöchentlichen Event mitzuspielen, könnt ihr euch auch ganz einfach per Satellite qualifizieren - bereits ab $1 könnt ihr dabei sein. Die Satellites finden rund um die Uhr statt.

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//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/02/22/71514_443563348174_1472734_n.jpgBarry Carter ist Redakteur bei PokerStrategy.com und Co-Autor von 'The Mental Game of Poker 1 & 2'. Er arbeitet seit neun Jahren in der Pokerbranche und wurde im Jahr 2013 mit einem APAT-Award in der Kategorie "Best Poker Media Provider" ausgezeichnet. Mehr über Barry erfahrt ihr hier

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