Wie Mati312 vom Spielgeldspieler zum Team PokerStars Online-Pro wurde
Wir haben uns mit PokerStratege Matthias ‘Mati312’ Brandner unterhalten, der früher viel an den Spielgeldtischen unterwegs war, und nun Badugi auf den High-Stakes spielt.
"Ich baute mir meine Bankroll durch den Verkauf von Spielgeldchips auf"

PokerStrategy.com: Du bist einer der wenigen Profispieler, die ich kenne, die viel Zeit an den Spielgeldtischen verbracht haben, bevor sie ihre richtige Pokerkarriere starteten.
mati312: Das ist wirklich eine lustige Geschichte, denn noch während der Schulzeit begann ich mit Freunden, bei Facebook zu pokern. Ich habe es einfach versucht und konnte mir anschließend eine große Spielgeld-Bankroll aufbauen. Einen Teil der Chips verkaufte ich sogar und dadurch bekam meine Echtgeld-Bankroll einen großen Schub - das war wirklich der Beginn meiner Pokerkarriere.
PokerStrategy.com: Warum kaufen sich Leute Spielgeldchips?
mati312: Die gleiche Frage habe ich mir auch gestellt, ich würde sie nicht kaufen. Ich denke, dass manche Spieler gerne auf den Spielgeld-High-Stakes unterwegs sind. Ich weiß auch nicht warum, aber vielleicht fühlen sie sich dadurch besser. Sie können auf den High-Stakes spielen, auch wenn es eben nur um Spielgeld geht.
PokerStrategy.com: Nehmen die Spieler das Game überhaupt erst, wenn nur um Spielgeld gespielt wird?
mati312: Eine Menge Leute nehmen es nicht allzu ernst. Deshalb war der Sprung auch ziemlich groß, von den Spielgeldtischen an die Echtgeldtische zu wechseln - selbst wenn man statt Spielgeld-High-Stakes plötzlich die Echtgeld-Micro-Stakes spielt. Gerade zu Beginn war es ein großer Sprung, plötzlich mit Echtgeld zu hantieren. An den Spielgeldtischen war ich Winning-Player, aber als ich an die richtigen $0,05/$0,10 Ring-Game-Tische gewechselt bin, war ich Losing-Player.
PokerStrategy.com: Sollte man mit Spielgeld oder Echtgeld anfangen?
mati312: Spielgeld ist sicherlich der einfachere und risikofreie Weg, um mit Poker zu beginnen. Ich denke aber nicht, dass man viel dabei lernt, da die Skill-Unterschiede nachher dann zu groß sind. Ich würde deshalb den Menschen empfehlen, auf den untersten Echtgeld-Limits anzufangen.
"Bei Badugi ist es einfacher, Reads zu sammeln"
PokerStrategy.com: Du bist vor Kurzem Mitglied im Team PokerStars Online gewurden. Warum denkst du, wurdest du aufgenommen?
mati312: Ich denke, dass sie Spieler gesucht haben, die sich auf spezielle Spielvarianten spezialisiert haben und ich ja eine ziemlich exotische Variante (Badugi) spiele. Es wurde nach Spielern gesucht, welche diese Nebenformate bewerben können, und es sieht so aus, als ob ich der Richtige für diesen Job bin.
PokerStrategy.com: Ist der schwierigste Faktor bei Badugi, dass man geduldig sein und auf gute Tische warten muss?
mati312: Leider gibt es nicht allzu viel Traffic bei solchen Varianten. Das ist der Knackpunkt und ich möchte versuchen, dies als Mitglied des Team Online zu ändern. Im Allgemeinen habe ich immer einen Blick auf die Lobby gerichtet, um zu schauen, ob es Action gibt. Manchmal muss ich mich auch einfach nur an einen offenen Tisch sitzen und darauf warten, dass jemand Platz nimmt. Meiner Meinung nach ist es gut möglich, dass der Traffic in der Zukunft zunehmen wird.
PokerStrategy.com: Der Spielerpool bei Badugi ist noch relativ klein. Ist es also wichtig, dass man seine Gegenspieler kennt und sich anpasst?
mati312: Es ist natürlich schon ein kleiner Vorteil. Badugi ist wie eine kleine Stadt, alle Regulars kennen sich untereinander. Es ist aber bei jeder Variante, egal ob exotisch oder nicht, sehr wichtig, dass man seine Kontrahenten kennt und Reads aufpickt. Bei einem solch kleinen Spielerpool ist es selbstverständlicher einfacher, Reads zu sammeln.
"Bei Badugi muss man sich viel selbst weiterbilden"
PokerStrategy.com: Bislang hält sich der Content zu Varianten wie Badugi noch stark in Grenzen. Es dürfte also wichtig sein, dass man sich selbst weiterbildet?
mati312: Das ist definitiv richtig. Es gibt im Internet wirklich nicht so viele Informationen zu solchen Varianten, deshalb steht jede Menge Selbststudium auf dem Programm.
Glücklicherweise hatte ich einen Pokerkumpel, der sich ebenfalls für diese Variante interessiert hat, und so haben wir uns gegenseitig auf verschiedene Arten und Weisen beim Lernen und Analysieren des Games geholfen. Man muss sich selbst weiterbilden, aber wenn man Leute hat, die ebenfalls interessiert sind, dann kann man Lerngruppen bilden.
PokerStrategy.com: Aufgrund des fehlenden Lernmaterials dürften die Games deutlich profitabler sein als andere Varianten?
mati312: Das ist genau der Punkt, denn nur wenige Menschen wissen, wie man bei diesem Spiel agieren muss. Wer also Lust darauf hat, Zeit zu investieren und sich selbst weiterzubilden, der hat eine ziemlich gute Edge bei diesen Varianten.
PokerStrategy.com: Du bist seit einiger Zeit bei uns angemeldet. Kannst du uns etwas zu deinem Werdegang bei PokerStrategy.com verraten?
mati312: Ich denke, ich habe im Jahr 2010 festgestellt, dass es PokerStrategy.com gibt - damals habe ich auch Badugi zum ersten Mal gesehen. Ich bin also zufällig auf die Seite gekommen und habe gemerkt, dass es die größte deutsche Poker-Community im Internet ist.
Im Jahr 2011 habe ich dann für andere Badugi-Spieler meinen Blog gestartet. Damals habe ich auch angefangen, regelmäßig zu posten. Mein Lieblingsbereich bei PokerStrategy.com ist das Forum, da ich sehr gerne poste und die Posts von anderen Spielern lese. Mein Blog ist die einzige Badugi-Quelle, die ich in der deutschen Poker-Community kenne.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Zukunft.
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Barry Carter ist Redakteur bei PokerStrategy.com und Co-Autor von 'The Mental Game of Poker 1 & 2'. Er arbeitet seit neun Jahren in der Pokerbranche und wurde im Jahr 2013 mit einem APAT-Award in der Kategorie "Best Poker Media Provider" ausgezeichnet. Mehr über Barry erfahrt ihr hier.
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