WSOP-Hand-Review: Ist der Preflop-Call von Davidi Kitai mit 4-4 in Ordnung?
Heute schauen wir uns eine weitere WSOP-Hand an, bei der Davidi Kitai und Tony Ruberto am Final Table von Event #15 aufeinandertreffen.

Davidi Kitai gehört ohne Zweifel zu den stärksten Turnierspielern der Welt, vor allem seine Reading-Skills sind teilweise unglaublich. Bei der diesjährigen WSOP schnappte er sich bei Event #15 ($3.000, No-Limit 6-handed) sein drittes Bracelet und gewann mehr als $500.000 Preisgeld.
Der Belgier konnte sich zudem im Jahr 2012 beim Main Event der EPT Berlin durchsetzen und besitzt auch einen WPT-Titel. Insgesamt staubte er in seiner Karriere bei Live-Events bereits knapp $5 Millionen ab.
In dieser Hand ist Kitai Chipleader und hat Position auf Tony Ruberto. Kitai hat ein loose-aggressive Image.
Ruberto erhöht preflop, bekommt eine 3-Bet von Kitai und packt nun mit K-10s eine 4-Bet aus, obwohl er out of Position ist. Was denkt ihr über die 4-Bet von Ruberto und den Preflop-Call von Kitai mit 4-4? Wie seht ihr den Call von Kitai auf dem Flop?
Wie hätten beide Spieler den Turn spielen sollen, nachdem beide Draws bekamen?
Ich mag solche Moves mit kleinen Paaren nicht - Rodgethat
Wenn Ruberto weiß, dass Kitai vor dem Flop auch mit kleinen Paaren eine 4-Bet callt, wäre eine Barrel am Turn gut gewesen. Gegen Spieler mit einer tighteren Preflop-Calling-Range finde ich den Check aber gut, da diese eine stärkere Range haben und meistens auch eine Bet callen würden. Für Kitai macht es meiner Meinung nach wenig Sinn, am Turn zu betten. Er wird nicht von schlechteren Händen gecallt, muss sich aber möglicherweise auf ein Check-Raise einstellen und ist dann in einer schwierigen Situation. Ich hätte hier auch einfach gecheckt. Nach der Riverkarte steht fest, dass Kitai Showdown-Value besitzt. Deshalb wird Ruberto in diesem Spot auch nicht besonders oft bluffen. Im Allgemeinen bin ich jedoch kein großer Fan davon mit kleinen Paaren zu 3-betten: Man hat damit am Flop oft Probleme, blockt keine anderen Hände und es ist nicht einfach, weiter Gas zu geben, da sich die Hand auf Turn und River nur selten verbessert. |
Ruberto hätte den Turn betten sollen - chenny8888
Ich verstehe, warum er diesen Move auspackt. Er denkt, dass Davidi Kitai bei diesen deepen Stacks mit vielen spielbaren Händen 3-bettet und ihn damit zum folden zwingen möchte. Mit seiner 4-Bet möchte er dafür sorgen, dass sein Kontrahent seine Hand vor dem Flop aufgibt. Jedoch sollte man hier über eine ausgewogenere Herangehensweise nachdenken und unsere Opening-4-Bet-Range und passive Defending-3-Bet-Range anpassen. Mit den Pot Odds sollte man einen eher kleineren Pot spielen. Kitai muss nur 160k callen und der Pot wird bei 624k sein. Er ist in Position und hält eine Hand, die schwierig zu readen ist. Zudem hat er noch gut 1,1 Millionen Chips. Ohne mathematische Überlegungen ist es ein ziemlich knapper Spot für Kitai, wenn er auf Setmining geht. Aus Imagegründen ist es jedoch eine gute Sache, in dieser Situation zu callen. Denn wenn die Hand zum Showdown kommt, ist es wie eine besondere Aura, die der Spieler erhält - die meisten Kontrahenten werden dann etwas vorsichtiger agieren und man kann sich über mehr Fold-Equity freuen. Am Turn ist der Pot dann schon recht groß und Ruberto entscheidet sich für einen Check. Ich denke hoffentlich zu sehr ergebnisorientiert, aber meiner Meinung nach ist das nicht gut von ihm gespielt. Möglicherweise hoffte Ruberto darauf, dass Kitai setzt und er dann All-In pushen kann, um etwas mehr Value von Floats zu bekommen. Oder er hoffte, dass Kitai mit einem schwachen Paar oder einer Hand ohne Draw bet/fold spielen würde. Ruberto hat allerdings nicht genug Fold-Equity, wenn Kitai bettet, da er nur noch 882k Chips besitzt und der Pot schon mehr als 1,1 Millionen Chips beträgt. Eine konsequentere Spielweise wäre ein direkter Shove gewesen. Selbst wenn unsere Fold-Equity nicht riesig ist, ist es immer ein profitabler Move, wenn Kitai foldet. Zudem sieht unser Play hier stärker aus, als es eigentlich ist (gerade im Hinblick auf die Größe des Pots, bei der wir eine weite Range haben). Und selbst wenn wir gecallt werden, haben wir immer noch etwas Equity. Der Check von Kitai ist eher Standard, er hat Showdown-Value gegen die Bluff-Range von Ruberto und selbst gegen die Value-Range seines Kontrahenten hat er noch einen Redraw. Zudem bekommt er in Position am River mehr Informationen, bevor er eine Entscheidung treffen muss. Nach dem Check von Ruberto am River ist es verständlich, dass auch Kitai nicht mehr setzt und sich zum Check entscheidet. |
Was denkt ihr über die Hand?
Stimmt ihr mit unseren Coaches überein? Was denkt ihr über die gespielte Hand zwischen Ruberto und Kitai? Hättet ihr vielleicht ganz anders gespielt? Wir freuen uns auf eure Meinungen in der Kommentarspalte.
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Ich denke, dass die 4-Bet von Ruberto in Ordnung ist: Er hat eine Hand, die den Flop gut treffen kann und zudem einige andere Hände (KK, TT, AK) blockt. Den Call von Kitai gegen die 4-Bet mag ich allerdings nicht besonders, denn die Hand ist meistens schwierig nach dem Flop zu spielen und er kommt damit auch nur schwer zum Showdown.
Ich denke, dass wir mit einer 4-Bet vor dem Flop mit K-10s gegen eine weite Range und einer recht kleinen Bet (2,24 x 3-Bet bei Blinds 12k/24k, nachdem wir auf 55k erhöht haben) nur Chips verschwenden.