DerIkeaElch im Weekend-Interview
Zum nächsten Weekend-Interview haben wir uns diese Woche den neuen Coach DerIkeaElch geschnappt. Er berichtet über Spin & Gos, seine Reiseleidenschaft und die Verhörzelle im Iran.
PokerStrategy.com: Auf PokerStrategy.com bist du seit kurzer Zeit Coach und hast die sehr erfolgreiche Videoserie zu den Spin & Gos produziert. Bevor wir zum Pokern kommen, erst einmal eine andere Frage: Wie kam es zu deinem Namen?
DerIkeaElch: Nachdem ich ja schon zur älteren Generation gehöre, bin ich schon Mitte der 90er-Jahre im Internet unterwegs gewesen, als das noch alles wenig professionell war. Damals wurden die ersten Chats erfunden und dort trafen sich dann die insgesamt wohl rund zwanzig österreichischen Nerds, die es damals gab. Nachdem es noch keine Etikette oder Begrüßungen gab, hat jeder irgendeinen Blödsinn geschrieben, wenn jemand in den Chat neu einstieg. Ein Grazer nannte sich dort "derFinne" und hat virtuelle Ikea-Elche an alle verschenkt. Dann habe ich das als Nickname übernommen, was alle amüsiert hat. Und das ist bis heute so geblieben.
Zum Live-Poker durch Michael Keiner
PokerStrategy.com: Die Spin & Gos sind ja ein sehr neues Format. Hast du vorher auch schon gespielt und wenn ja welche Variante?
DerIkeaElch: Mein erste Partie Poker habe ich mit 14 Jahren mit Klassenkameraden gespielt und da gleich mal mein ganzes Taschengeld verspielt. Später habe ich dann mit meinen Freunden gezockt und irgendwann einmal habe ich mir ein Wochenende in Lignano erspielt. So bin ich auf den Geschmack des Gewinnens gekommen. Wirklich zum Live-Poker hat mich ein Freund gebracht, der mich zur Eröffnung des Montesino in Wien mitgenommen hat. Dort habe ich den deutschen Bracelet-Gewinner Michael Keiner kennen gelernt und nach einem Gespräch mit ihm dachte ich mir, na da spiele ich gleich mal das Eröffnungsturnier mit.
Danach habe ich es auch online versucht. Nachdem ich zunächst 1.000 Dollar ziemlich fischmäßig versenkt habe über ein paar Monate, habe ich doch ernsthaft begonnen. Damals auf Full Tilt mit Cashgame. Als dann der berüchtigte Black Friday kam, war ein großer Teil meiner Bankroll auf FTP eingefroren. Das waren doch einige 1.000 Dollar. Deshalb habe ich mich danach auf Pokerstars herumgeschlagen und irgendwie langsam die Lust verloren. Nachdem dann auch noch das Geld von FTP plötzlich wieder da war, habe ich alles ausgecasht, mir einen großen Fernseher gekauft und einen schönen Urlaub gegönnt. Also ich war sicher keiner von denen, die fünf Dollar einbezahlt haben und dann daraus zigtausende gemacht haben. Irgendwann vor einem Jahr war mir dann mal fad und ich habe 70 Dollar einbezahlt. Kurz danach kamen die Spin & Gos und da war ich gleich von Anfang an mit dabei. Deshalb bin ich wieder da sozusagen.
PokerStrategy.com: Was fasziniert dich besonders an den Spin & Gos?
DerIkeaElch: Sie kommen meinen Vorstellungen von Poker am nächsten, denn ich spiele live mindestens genauso gerne wie online. Auch wenn es viele vielleicht anders sehen, aber bei den Spins ist meiner Meinung enorm viel vom Livespielen drinnen, weil Ranges vergleichsweise relativ unwichtig sind, sondern es darum geht, möglichst rasch herauszufinden: Was für einer Art Gegner sitzt mir gegenüber? Ich finde es toll, wie viel Zeit manche in Rangekonstruktionen stecken. Aber ich halte das nicht für den wichtigsten Ansatz, um die Spins gut zu schlagen. Das versuche ich auch in meinen Videos zu vermitteln.
PokerStrategy.com: Viele User behaupten, dass der Rake bei den Spin & Gos nicht schlagbar ist. Was sagst du dazu?
DerIkeaElch: Also ich habe bis jetzt rund 15.000 Spin & Gos auf verschiedenen Seiten gespielt und habe bisher kein Dutzend Spieler als Regulars markiert. Ich denke das gibt es in keinem anderen Format. Jeder Cashgamer wäre froh über so eine Situation. Ich kenne viele Spieler, die fünf Prozent ROI und sogar mehr haben. Aber die Spins sind extrem varianzreich und man benötigt ein wirklich gefestigtes Mindset. Daran scheitern viele, obwohl ich mir sicher bin, dass sie die Spins eigentlich schlagen würden. Aber 2.000 Games reinzuklopfen, wochenlang keinen Fehler zu machen und trotzdem keinen Gewinn, das kann passieren und ist eben für die meisten schwer zu verkraften.
PokerStrategy.com: Welchen Stellenwert hat Poker aktuell in deinem Leben?
DerIkeaElch: Poker ist für mich ein reines Hobby. Im Gegensatz zu allen anderen Hobbys kostet es aber nichts, sondern bringt ein wenig Zusatzgeld ein. Ich komme leider viel zu wenig zum Livespielen, dafür würde ich eigentlich gerne mehr Zeit aufwenden. In Wien war jetzt zweimal die EPT und einige Male die WPT und ich habe bis heute nie die Zeit gefunden, auch nur ein einziges Sat zu spielen oder zumindest ein Sideevent. Ich spiele eigentlich online, weil ich keine Zeit habe fürs Livespiel. Alle nennenswerten Pokergewinne fließen bei mir jedenfalls in Reisen.
PokerStrategy.com: Das heißt du reist sehr gerne in der Welt herum? Wo warst du denn schon so und welches Land hat dich am meisten beeindruckt?
Auge in Auge mit einem Gorilla
DerIkeaElch: Das schöne an Reisen ist, dass sie dir niemand mehr wegnehmen kann. Jedes Auto, jedes Haus, alles kann man verlieren. Aber die Erfahrung mitten im afrikanischen Urwald einem ausgewachsenen Gorillamännchen Auge in Auge gegenüberzustehen, die hat man für sein Leben. Von den rund 60 Ländern bisher hat mich sicher Neuseeland am meisten beeindruckt. Wegen der unvergleichlich schönen Natur, aber auch wegen den Menschen. Wenn du allein in irgendein Speiselokal kommst und dich wohin setzt, dann wirst du sofort von anderen zu ihren Tischen eingeladen. Wenn man das bei uns macht, wird man für verrückt erklärt.
PokerStrategy.com: Du warst auch schon in Afghanistan. Wie kam es dazu und hat die Reise dein Weltbild stark geprägt?
DerIkeaElch: Ich war 2002 in Kunduz, einige Monate bevor die deutschen Truppen dort stationiert wurden. Ich habe ein humanitäres Projekt besucht. Dort wurde die erste Schule für Frauen in der Region eröffnet. Die Menschen in Afghanistan waren unheimlich nett und gastfreundlich, obwohl sie kein fließendes Wasser und keinen Strom hatten, in einer Stadt mit zigtausenden Einwohnern. Die Kinder haben in Regenlachen gebadet, weil es nichts anderes gab. Dort habe ich jemanden getroffen, der nicht viel mehr hatte als eine Handvoll Tee. Und er hat mich eingeladen, mit ihm einen Tee zu trinken. Sonst wäre er beleidigt, wenn ich das nicht täte. Seit dieser Reise weiß ich eigentlich, dass Geld und Besitz keine relevanten Größen sind. Ob dein Fernseher 50 oder 250 Zentimeter Bildschirmdiagonale hat oder du den neuesten Luxuswagen hast, das ändert eigentlich sehr wenig. Ich spiele auch Poker weniger wegen dem Geld, sondern eigentlich als geistige Herausforderung.
PokerStrategy.com: Kannst du es auch anderen empfehlen dorthin zu reisen? Afghanistan ist ja bei der Wahl des Reiseziels normal nicht in der Auswahl.
DerIkeaElch: Also ich weiß, dass sehr viele Menschen, die ich damals dort getroffen habe, jetzt nicht mehr am Leben sind. Heute ist das definitiv eine absolute No-Go-Area. Deshalb rate ich jedem ab, einfach dorthin zu fahren. Damals waren ein paar Monate Zeit, wo das halbwegs ging und es war eine abenteuerliche Anreise über Tadschikistan. In der Wüste wären wir fast verdurstet. Auf der Heimreise bin ich im Iran zwischenzeitlich in einer Verhörzelle gesessen, also alles nicht so ratsam. Obwohl das alles in allem für mich nicht einmal die gefährlichste Reise war. Vielleicht ist reisen doch auch ein wenig wie Poker: Man muss viel Zeit in Bücher und Theorie stecken und sich langsam steigern. Wer echt einmal auf eigene Faust mit Rucksack losstarten will, dem würde ich zu Südostasien raten. Dann kann man sich steigern. Es fängt ja auch niemand auf den Highstakes an.
Verhörzelle und "Steinigung auf Bewährung"
PokerStrategy.com: Du bist in einer Verhörzelle gesessen? Wie kam es denn dazu und wie hast du dich aus der Situation wieder befreit?
DerIkeaElch: Also wir wollten eigentlich von Dusanbe in Tadschikistan direkt nach München fliegen. Die Zöllner wollten uns aber offenbar nicht mitlassen, weil wir ihnen ihr Kilo Opium nicht abkaufen wollten. Deshalb wurden wir wieder ausgecheckt. Und den einzigen Flug diese Woche gab es nur nach Teheran. Dort sind wir nur Transitpassagiere, hieß es. Deshalb seien auch unsere zwei Flaschen Wodka aus Tadschikistan kein Problem. Ja und wie wir dann ankommen, war das am Terminal 1 und wir mussten zu Terminal 2. An dem Tag war aber ein Staatsbesuch angesagt und wie wir aus dem Terminal 1 kommen, schauen uns dort ungefähr 5.000 Iraner an mit schwarzen Turbans. Das war wie in einem Film. Da konnte man auch keinen Wodka auspacken und irgendwo verschwinden lassen. Also sind wir dann in Terminal 2 und dort wurden wir gleich Mal festgenommen und zur Befragung gebracht. Nach einstündiger Verhandlung und unserer Ehrerbietung an die iranische Republik haben wir dann einen Zettel auf persisch unterschreiben müssen. Vielleicht so eine Art Steinigung auf Bewährung, keine Ahnung. Jedenfalls durften wir dann doch weiterreisen.
PokerStrategy.com: Was war denn die gefährlichste Reise, wenn du sagst, dass es nicht Afghanistan war?
DerIkeaElch: Sicher die Rucksacktour quer durch Südamerika. Da sind wir zweimal ausgeraubt worden. Einmal sind so 12 Menschen auf mir draufgesessen und haben mir alles vom Leib gerissen, was ich dabei hatte, inklusive Kleidung. Ein paar Monate später sind zwei Österreicher bei einem Überfall in Südamerika getötet worden. Auf diesem Kontinent sollte man vorsichtiger sein. Das war vielleicht etwas jugendlich leichtsinnig. Und dann gab es noch die Notlandung in Sri Lanka, wo unsere Maschine eingegangen ist und wir ein paar hundert Meter über dem Meer durchgestartet sind. Da hatte ich eigentlich mit dem Leben abgeschlossen, aber glücklicherweise hat der Pilot die Maschine dann doch noch landen können irgendwie. Ich hatte eigentlich immer Glück. Im richtigen Leben habe ich noch keinen Bad Beat verpasst bekommen, obwohl es doch noch einige Male sehr knapp war.
PokerStrategy.com: Welches deiner Reiseziele war denn bis jetzt das Schönste? Welches würdest du am liebsten nochmal besuchen bzw. kannst es unseren Usern als Ziel empfehlen?
DerIkeaElch: Also ich liebe Neuseeland. Die Südinsel muss man einmal besucht haben, denke ich. Das ist sicherlich die Nummer eins. Sehr schön ist auch die Vulkaninsel Fogo. Der Vulkan ist aber leider kurz nach meinem Besuch ausgebrochen und die zwei Ortschaften da oben gibt es nicht mehr. Aber zu den Must-Sees des Lebens gehören für mich sicherlich: Angkor in Kambodscha, Iguacu in Argentinien/Brasilien und man sollte einmal eine Fotosafari in Afrika gemacht haben, egal ob in Tansania, Kenia oder Uganda. Und wer in Europa etwas sucht, dem würde ich Norwegen empfehlen. 22 Stunden Sonnenschein am Tag sind etwas großartiges. Und natürlich gibt es dort auch Elche!
PokerStrategy.com: Hast du auch ein paar Fotos von den schönsten Plätzen an denen du warst gemacht, die du unseren Usern gerne zeigen möchtest?
DerIkeaElch: Aber sicher, gerne (Die Fotos findet im ganzen Interview verteilt und noch mal am Ende).
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das tolle Interview und weiterhin viel Erfolg an den Tischen und viel Glück, dass du bald einen großen Jackpot gewinnst!












