Sonntagsspecial: TickTack24 im Interview
Zum nächsten Interview haben wir uns diese Woche TickTack24 geschnappt. Er berichtet unter anderem über seine Freundin, Whisky, das Thema Mindset und was Poker mit Tanzen zu tun hat!

PokerStrategy.com: Du hast der Community schon das ein oder andere Coachingvideo und Livecoaching beschert. Dennoch wird es den einen oder anderen geben, der dich noch nicht kennt. Stell dich doch daher erst einmal vor!
TickTack24: Na klar! Hallo an alle Leser! Ich bin TickTack24. Ich bin seit 2007 Mitglied hier in der Community. Ich komme aus dem schönen Süden Deutschlands, bin berufstätig und habe eine Freundin, mit der ich schon lange zusammen wohne. Zur Zeit spiele ich hauptsächlich NL200-6-max-Cashgame, aber auch gerne und immer wieder Turniere, online sowie live.
PokerStrategy.com: Wie bist du zum Onlinepoker gekommen und welchen Stellenwert hat dieses Hobby für dich?
TickTack24: Dazu muss ich ein wenig ausholen. Poker stand ungefähr seitdem ich 11 Jahre alt war seltsamerweise schon auf der Liste der Spiele, die ich schon immer mal können wollte. Wir haben im Urlaub mit Spielsteinen aus dem Spiel Risiko eine eigens entwickelte Stud-Variante gespielt. Natürlich hatten wir keine Ahnung, wie die genauen Regeln sind. So kam der Klassiker zustande: Alle checken und dann setzt der erste Spieler, der bereits gecheckt hatte.
Zu dieser Zeit gab es weder Onlinepoker, noch war die Weltmeisterschaft irgendjemandem ein Begriff. Jahre später erst bin ich dann von Freunden für eine Live-Runde angesprochen worden und habe da von Onlinepoker erfahren. Bereits am Anfang habe ich dann intuitiv konservativ gespielt. Danach meldete ich mich bei PokerStars an und spielte mit Spieldgeld. Kurz darauf stieß ich auf PokerStrategy. Ich holte mir die 50 Dollar, die es damals noch gab und spielte Fixed-Limit auf Pokerstars. Leider wurde PokerStars erst einige Wochen später zum ersten Mal Partnerraum von PokerStrategy, was mich sehr ärgerte. Ist das Umtracken eigentlich möglich, wenn ich mein Interview gegeben habe? Der Rest würde jetzt den Rahmen sprengen, deshalb kürze ich hier ab.
"Nur in die eigene Tasche zu spielen, halte ich für egoistisch"
Das Hobby Poker hatte für mich in der Vergangenheit immer einen großen Stellenwert, besonders als ich alleine gewohnt habe. Es wird auch nie ganz abebben. Ich konnte schon einiges auscashen und mir einige Luxusgüter leisten. Ich habe jedoch auch gemerkt, dass ich meine Beziehung nicht darunter leiden lassen darf und dass menschliche Beziehungen allgemein nicht ins Hintertreffen geraten dürfen. Denn ohne ausreichend soziale Kontakte und Freunde ist das (Poker-) Leben nicht lebenswert. Auch habe ich mir fest vorgenommen, in Zukunft mehr zu spenden. Ausschließlich in die eigene Tasche zu spielen, halte ich für zu egoistisch.

PokerStrategy.com: Du beschäftigst dich viel mit dem Thema "Mindset" beim Poker. Es gibt Spieler, die da nicht so viel Wert darauf legen, andere sagen es würde 70 Prozent eines erfolgreichen Profis ausmachen. Wie ist deine Meinung dazu und wann können wir mit dem nächsten Mindsetcontent von dir rechnen?
TickTack24: Ich bin absolut auf der Seite der 70 Prozent, wenn nicht sogar mehr. Ich habe über die Jahre viele Erfahrungen gesammelt und musste auch oft schmerzlich merken, wie schnell man im Tilt Geld verbrennen kann. Als ich dann nach einiger Zeit mal versuchte, zusammen zu rechnen, wie viel Geld ich vertiltet hatte, kam ich auf mehrere Tausende an Verlusten und das war nur eine grobe Schätzung. Damals war mir noch nicht einmal bewusst, was alles zu dem Themenkomplex Mindset und Tilt dazu gehört und wie viele Facetten von Tilt es gibt. Ich kenne einige Weggefährten, die das Spiel inzwischen aufgegeben haben, aufgrund von Mindsetproblemen. Ich denke, dass Mindsetleaks die meisten Spieler daran hindern, in den Stakes aufzusteigen oder je erfolgreich zu werden. Das Buch "Das Pokermindset" hat mir erstmals die Augen geöffnet und ich kann es nur wärmstens empfehlen.
PokerStrategy.com: Bist du auf das Thema "Mindset" gekommen nachdem oder bevor du aufgrund eines Bonusgrinds 6k$ verloren hast? Die meisten Spieler reden ja nicht so gern über Verluste oder so große Fehltritte. Wie genau lief das mit deinen 11 "Horrortagen" ab?
"Die böseste Geschichte, die mir je passiert ist"
TickTack24: Offensichtlich danach. Das war die böseste Geschichte, die mir je passiert ist. Das ist schon mehr als 5 Jahre her. Ich hatte einen 2k-First-Deposit-Bonus geholt und wollte jeden Tag 6 bis 8 Stunden 8 normale Tische grinden über 4 Wochen. Dummerweise habe ich das mit einem Limitaufstieg verbunden und das war der fatale Fehler. Ich hatte mir schon so schön ausgerechnet, dass ich mit selbst 3BB-Winrate 10k am Ende des Monats an Profit machen hätte können, inklusive Rakeback. Am ersten Tag habe ich sogar noch 1,2k Profit gemacht. Danach ging es Break Even oder 1k down pro Tag. Das sind für NL200 bei dem Volumen wohl Standard-Swings für einen Tag. Jedoch hatte ich definitiv den Tiltteufel in mir, weil ich mit der erhöhten Preflopaction in Form von 3-Bets und 4-Bets überhaupt nicht klar kam. Ich fing an, Suited Connectors preflop 5b-Push zu spielen und so Scherze. Zudem waren natürlich 30 Stacks für das Volumen viel zu wenig.

Noch ein fataler Fehler war, dass ich kein Stop-Loss hatte. So fiel ich auf $600 runter und dann zog ich die Reißleine. Ein guter Pokerkumpel hat mich damals gerettet. Ich schmiedete mit ihm einen Plan B und grindete bei gleichem Zeit- und Tischvolumen mit den restlichen 600 Bucks auf NL100 mit der alten 20bb-Short-Stack-Strategie den Bonus zu Ende. Im Leaderboard war ich am Ende auf Platz 3. Da gab es noch eine spezielle Promotion. Platz 1 bekam ein 1k-Live-Event, Ticket inklusive Taschengeld und Reisekosten. Platz 2 und 3 mussten um dieses Ticket ein Heads-up-Match spielen. Natürlich habe ich das dann zu allem Überfluss auch noch verloren, obwohl ich Hilfe bekam und "gut" gespielt habe. Am Ende bin ich aus der Nummer nach Bonus und Rakeback nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen, denn ich hatte dann wieder 4k-Bankroll. Als ich mir dann klar machte, dass ich von Anfang an hätte NL100-SSS spielen können, um den Bonus zu schaffen, konnte ich mir nur noch an Kopf fassen.
PokerStrategy.com: Ein Vogel hat mir auch gezwitschert, dass du eine Freundin hast, die leider nicht von Poker zu begeistern ist. Wie habt ihr euch denn kennengelernt und wie arrangiert sie sich mit deinem Hobby Poker?
TickTack24: Kennen gelernt haben wir uns auf einer Geburtstagsfeier eines Freundes. Es war sofortige Sympathie gepaart mit unzerstörerischer Anziehungskraft. Da hat das Mindset ausnahmsweise sofort gestimmt. Leider ist sie für Poker nicht zu begeistern und auch, wenn ich es mir anfangs gewünscht hatte, mal eine Freundin zu haben, mit der ich den Traum vom Pokerpro teilen kann, so bin ich heute doch froh darum, dass wir dieses Hobby nicht teilen. Ich glaube, sonst hätten wir heute beide eckige Augen und wären zwei verlorene Pokersuchtis.
PokerStrategy.com: Wenn du im Urlaub bist, versuchst du fast immer auch einen Casinobesuch einzuplanen. Was waren die interessantesten Casinos in denen du bisher warst und wieso?
"Zur Besänftigung Schuhe kaufen"
TickTack24: Es hat bisher leider nicht immer geklappt. In Kroatien z.B. war das Casino zu weit weg. Ich war zwar kurz drin, als wir in der entsprechenden Stadt zum Tagesausflug waren, aber ich bin nicht noch einmal extra hingefahren. In Wien war es deshalb interessant, weil ich das Turnier (leider nur kleines Buy-in und kleiner Preispool) am Ende gewonnen habe für 400 Euro. Ich musste dann aber meiner Freundin zur Besänftigung Schuhe kaufen, da sie sich zu Tode gelangweilt hatte und nicht mit am Tisch sitzen durfte. Am interessantesten war es in Perth, in Australien. Das war bisher das größte Casino und auch das höchste Limit, was ich je gespielt habe. NL500. Leider recht wenige Tische und ich habe auch nur 2 bis 3 Stunden gespielt. Aber es reichte, um aus 300 Dollar 1.000 Dollar zu machen. Unfassbar, wie die reichen jungen Kerle ihre Chips da in die Mitte geschoben haben. Bester Spot war, als ein dicker Wal 400 Bucks im Singleraised-Pot am Flop K x x Rainbow gegen ein Check/Raise in die Mitte bringt und K-4 aufdeckt. Meine Kinnlade muss ausgesehen haben, wie die Ladeöffnung eines Airbus A380.

PokerStrategy.com: Gibt es sportliche Hobbys, die du zum Ausgleich betreibst und wie gut bist du mittlerweile bei League of Legends?
TickTack24: Ich mag etliche Funsportarten, wie Snowboarden, Paintball, Lasertag usw. Ich war schon immer begeisterter Sportler und ich merke es immer wieder, wie mein Köper und Geist streiken, wenn ich nichts tue. Sport ist unglaublich wichtig als Ausgleich. Mit meiner Freundin tanze ich seit einger Zeit und das ist mir sehr wichtig. Es hat unserer Beziehung einen enormen positiven Schub gegeben. Wir trainieren mehrmals die Woche und es macht einen riesen Spaß!
League of Legends ist und bleibt so ein nebenher Fun-Ding. Ich bin da nicht sonderlich gut und spiele es eher, wenn ich nicht die nötige Energie für Poker habe. Ich bin aber immer wieder überrascht, wie viel Skill es in diesem Spiel gibt. Man muss sich aber mit eigentlich allen Charakteren gut auskennen, um das Spiel gut zu beherrschen und das ist mir zu viel Aufwand.
PokerStrategy.com: Pokerspieler scheinen auch sehr oft Genießer zu sein. So zieht es dich nun auch langsam aber sicher in das Lager der Whiskytrinker. Welcher Whisky, den du dir selbst gekauft hast, war denn dein Erster und welcher hat dir bisher am besten geschmeckt?
TickTack24: Also ich muss dazu sagen, dass ich noch ein absoluter Laie bin. Zuerst hatte ich einen Glenmorangie. Der wurde mir als Einsteiger empfohlen. Danach kam ich auf den Geschmack eines "Writers Tears". Der dürfte nicht so vielen bekannt sein. Ein Whisky mit sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis. Jetzt habe ich einen Whisky einer regionalen Brennerei und einen 9-jährigen Old Malt Cask als rauchige Alternative. Da dieser nicht mehr hergestellt wird und nur noch 3 Flaschen vorhanden waren, musste ich die "Katze im Sack" kaufen. War aber eine gute Entscheidung. Ich habe auch einmal den heftig teerigen Ardberg probiert. Interessanter Geschmack. Am besten hat mir aber bisher ein Whisky namens Brigantia geschmeckt. Den werde ich mir demnächst nochmal bestellen.
"Basics, Basics, Basics!"
PokerStrategy.com: Kommen wir zur letzten Frage: Ein Schüler hat 30 Stunden Zeit in Poker zu investieren und ist gerade auf NL25 1,2bb Winner. Welchen Content/Welche Themen soll er sich anschauen?
TickTack24: Wie unser Coach beim Tanzen immer sagt: "Basics, Basics, Basics!" Je nach Situation würde ich natürlich ggf. Mindsetcontent voran stellen. Das Verhältnis hängt sehr stark davon ab, wie viele Mindsetskills derjenige Schüler schon mit in das Spiel bringt, was wiederum stark mit der Persönlichkeit und den Ansichten in Bezug auf das Spielt zusammen hängt. Ich glaube, einer der größten Contentfehler von Spielern auf NL25 und niedriger ist es, sich zu sehr mit "Advanced Content" zu beschäftigen. Das ist früher mal von den Highstakes durchgesickert und heute weiß kaum einer so richtig, was jetzt noch im Kern brauchbarer Content für ihn persönlich ist. Wer Basics nicht beherrscht, braucht fortgeschrittenen Content gar nicht erst anzufangen. Ich selbst hinterfrage auch immer wieder die Grundlagen meines Spiels.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das tolle Interview und weiterhin viel Erfolg an den Tischen!



