Wann foldet man Pocket Aces in einem Satellite?
Dara O'Kearney teilt mit uns einen Ratschlag, der gegen den Instinkt jedes Pokerspielers geht, aber essenziell ist, wenn man dauerhaft bei Satellites ein Ticket für große MTTs abräumen will.

Die mathematisch korrekte Strategie, um bei Satellites Erfolg zu haben, unterscheidet sich radikal von allen anderen Formen von Poker. Nichts verdeutlicht diese Tatsache mehr als der Umstand, dass es in der späten Phase von Online Poker Satellites häufig die richtige Entscheidung ist, sogar Pocket Aces preflop zu folden, wenn man Gefahr läuft, durch ein All-in des Gegners auszuscheiden.
Wenn diese Aussage euch nur Verwunderung abringen kann, ist es zunächst wichtig, sich bewusst zu machen, dass der fundamentale Unterschied zwischen Satellites und normalen Turnieren darin liegt, dass man um Preise spielt, die für gewöhnlich denselben Wert haben – im Gegensatz zu immer größeren Preisgeldern, je weiter man in einem normalen Turnier vorankommt. Egal ob man also ein Satellite mit der Hälfte aller im Spiel befindlichen Chips beendet oder lediglich mit einem Big Blind, man gewinnt am Ende denselben Preis.
In meinem Buch Poker Satellite Strategy, bei dem PokerStrategy.com-Redakteur Barry Carter als Co-Autor fungiert hat, geben wir euch nicht nur die Tools an die Hand für sinnvolle All-ins, Calls und Folds an der Satellite-Bubble, sondern vermitteln auch einen Rahmenansatz, wie ihr jede Phase eines Satellites in Angriff nehmen solltet. Es mag sich für unerfahrene Spieler absurd anhören, aber etliche Spieler, die das Buch gelesen haben, teilen uns mit, wie sie mittlerweile immer und immer wieder Aces und Kings in den richtigen Spots folden. Wir veranschaulichen im Detail die Informationen, die ihr benötigt, um solche Folds an der Bubble bewerkstelligen zu können. Grundsätzlich hilft aber auch bereits die folgende kurze Hilfestellung:
Wenn man sich in der Bubble befindet und es mehr Spieler zwischen einem selbst und dem letzten Platz im Geld gibt, als Spieler außerhalb der Bubble, dann ist einem für gewöhnlich ein Preis sicher.
Befindet ihr euch zum Beispiel aktuell auf Platz 70 von 120 Spielern, von denen 100 im Satellite einen Seat gewinnen, dann befinden sich 30 Spieler zwischen euch und der Bubble und weitere 20 außerhalb der Bubble. Ihr könntet schlichtweg herunterblinden und das Geld erreichen, denn die letzten 20 Spieler müssen einen Move machen, um noch eine Chance zu haben, und insgesamt 30 andere Spieler würde das noch vor euch selbst in Schwierigkeiten bringen.
100% aller Hände einfach folden

Die korrekte Strategie in solch einem Fall wäre es, tatsächlich jede einzelne Hand zu folden, sogar Aces und Kings. Die einzige Ausnahme wäre ein All-in in einer Höhe, die eurem Stack bei einem Call kaum etwas anhaben kann. Ist das aber der Fall, ist der Nachteil bei einem möglichen Verlust der Hand dermaßen größer als der Vorteil beim möglichen Gewinn der Hand, dass ein Fold jeder Hand schlichtweg mathematisch diktiert wird.
Das kann man nicht klar genug betonen. Unzählige Anfänger haben mit Sicherheit schon einen sicheren Seat in einem Zielturnier vergeigt, weil sie doch noch direkt an der Satellite-Bubble eine Premium-Hand spielen mussten, obwohl es keinerlei Grund dafür gab. Die meisten Bad-Beat-Storys rund um Satellites dürften mit der Einleitung "Ich hatte Aces und dann..." beginnen.
Wen man sich im Beispiel von oben auf Platz 90 von 120 Spielern befindet und 100 Seats im Satellite vergeben werden, erst dann sieht die Situation anders aus. Man sollte immer noch extrem tight spielen, da es immer noch sehr wahrscheinlich ist, dass man die Preisränge erreichen wird. Ein langsamer Bubbleverlauf und ein paar Double-ups von Shortstacks könnten aber zu Problemen führen. Viele starke Hände gehören in solch einem Fall nach wie vor gefoldet und einer Konfrontation mit Spielern, die einen in Chips covert haben, sollte man aus dem Weg gehen. Bekommt man allerdings ein Monster oder landet man in einem Spot, in dem man einen zu tighten Spieler exploiten kann, kann man nach wie vor Druck machen.
Befindet man sich hingegen selbst auf einer Position außerhalb der Preisränge gilt es einen sinnvollen Move zu machen, um seine Chancen im Satellite zu wahren. Wer sich auf Platz 110 von 120 Spielern bei 100 Seats befindet, kann nicht erwarten, dass noch zehn Spieler, die einen Vorsprung haben, einen Horrorfehler begehen und man doch noch mit simplem Herunterblinden durchkommt. Sieht man einen profitablen Spot, sollte man seine Chips unbedingt in die Mitte kriegen.
Den Fold-Button zu drücken, wenn man Pocket Aces hält, dürfte für Pokeranfänger mit das Schwierigste sein, was man ihnen abverlangen kann. Will man jedoch ein guter Satellite-Spieler werden, führt kein Weg daran vorbei. Es gibt kaum etwas Unprofitableres, als in einem Satellite an der Bubble zu scheitern, obwohl man sogar mit einem Sitout im Geld hätte landen können.
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