Warum die Late Reg bei einem PKO ein Fehler ist
Ausgestattet mit reichlich Weisheiten aus seinem neuen Buch PKO Poker Strategy verrät uns Dara O'Kearney, warum eine späte Anmeldung bei PKOs dem Zahlen von zusätzlichem Rake entspricht.

Eine der aktuell großen Debatten mit Blick auf Turnierpoker ist, wie lange die Late Reg bei Turnieren zur Verfügung stehen sollte. Es hat sich im Laufe der Zeit gezeigt, dass eine späte Anmeldung praktisch immer profitabel in regulären Turnieren und besonders profitabel in Satellites ist. In meinem neuen Buch PKO Poker Strategy wird genau diese Frage mit Blick auf PKO-Turniere aufgegriffen und die Antwort fällt ebenso eindeutig aus.
Die Late Reg zu nutzen ist mit das Schlechteste, was man in einem PKO machen kann.
Im Buch werden etliche Situationen mit einem detaillierten Blick auf Equity und das Auf und Ab eben jener bei fortlaufendem Ausscheiden anderer Spieler betrachtet. Im Grunde ist ein Solver aber gar nicht vonnöten, um den Nachteil einer späten Anmeldung bei einem PKO zu begründen: Nutzt man die Late Reg, kann man keine Kopfgelder mehr gewinnen, die schon vergeben wurden.
Zusätzlicher Rake für eine Verspätung

Bei jedem Ausscheiden werden mindestens 25% eines Buy-ins aus dem Preispool entfernt. Je später die Anmeldung erfolgt, umso kleiner fällt also auch der Preispool aus, um den man noch spielt. Die verpassten 25% kann man im Grunde wie zusätzlichen Rake sehen, den man bei einer Late Reg zahlen muss. In einem PKO mit $215 Buy-in und 100 Teilnehmern bedeutet jeder bisher ausgeschiedene Spieler zusätzlichen Rake von je $0.50, den man zahlen muss (das Kopfgeld von $50 geteilt durch 100 Spieler). Meldet man sich spät, aber noch relativ zeitig nach dem eigentlichen Start an, sind die zusätzlichen Kosten noch verkraftbar. Steigt man jedoch in allerletzter Minute in ein solches Event ein, ist es ein enormer Nachteil.
Eine späte Anmeldung bei einem $215-PKO mit 500 Teilnehmern ist noch keine Tragödie, wenn erst fünf Leute ausgeschieden sind. Der zusätzliche Rake würde sich lediglich auf $0,50 belaufen. Sind jedoch schon 100 Spieler ausgeschieden, kostet das einen im Grunde mindestens $10, noch bevor man das Turnier überhaupt in Angriff genommen hat. Und da bei PKOs wegen der Kopfgelder deutlich mehr gegamblet wird, kommt es gerade zu Beginn auch schneller als üblich zu den ersten Bustouts, sodass eine Anmeldung später als 15 Minuten nach Turnierstart nur in den seltensten Fällen noch Sinn machen dürfte.
Um es anders zu verdeutlichen: Wer sich pünktlich bei einem PKO anmeldet, gewinnt praktisch Equity von allen Spielern, die sich verspätet anmelden. Die $200 an Equity, die man direkt zu Beginn bei einem $215-PKO mit $15 Rake hat, sind bei einer Reihe von späten Anmeldungen mathematisch etwas mehr wert als $200. Genau wie Implied Odds beim Spielen einer spekulativen Hand, liegt Implied Equity vor, wenn man in einem PKO pünktlich seinen Platz einnimmt. Eine genaue Berechnung dieser gewonnenen Equity ist nahezu unmöglich, aber das Plus ist zweifellos vorhanden, insbesondere bei PKOs mit einer langen Late-Reg-Phase.
Geld verschwindet aus dem Preispool, ohne dass man es sieht

Viele Spieler denken, dass eine späte Anmeldung bei einem PKO von Vorteil ist, weil die Stacks hier und da ihren Besitzer gewechselt haben und bereits ein paar hohe Kopfgelder zustande gekommen sind. Das ist jedoch ein Trugschluss, da man nicht die individuellen Kopfgelder betrachten darf, sondern den Gesamt-Preispool an Bountys berücksichtigen muss. Der wird im Laufe eines Turniers stetig immer kleiner, die Anbieter gehen jedoch geschickt vor, um es nicht zu offensichtlich zu machen, wie viel aus diesem Preispool bereits verloren gegangen ist.
Beim Final Table des WSOP Main Event werden die Millionen an Preisgeldern direkt auf dem Tisch platziert, um zu demonstrieren, um wie viel gespielt wird. Würde man das zu Beginn eines PKOs machen und bei jedem Ausscheiden eines Spielers ein Bündel an Scheinen aus dem Geldhaufen entfernen, würde wohl kaum jemand noch mit einer Anmeldung beim Turnier warten.
Ich würde sogar behaupten, dass ein bisher knapp mit Verlust agierender Spieler im Schnitt +EV spielen könnte, wenn er sich schlichtweg immer pünktlich bei PKO-Turnieren anmeldet. Die Auswirkung einer Late Reg fällt tatsächlich dermaßen gravierend aus, dass man im Grunde EV an die pünktlichen Spieler abtritt.
Wer mehr über PKOs lernen will, kann PKO Poker Strategy als Kindle-Ausgabe oder Taschenbuch bei Amazon kaufen.
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