Original von Mahlzahn
Neben den Apsekten der gesunden Ernährung wird hier imo der Faktor von nachhaltigem Konsum zu wenig berücksichtigt. Eine vegane Lebesnweise ist auch ein Statement in Bezug auf Klima-und Umweltdebatten, Tierschutz, Produktionsstandards und -abläufen sowie nachhaltigen Wirtschaftens mit der Erde, ihren Resourcen und der gerechten Verteilung und effizienteren Nutzung bpsw. von Anbauflächen und den produzierten Lebensmitteln. Kurz: es betrifft viele grundlegende moralische Fragen unseres modernen Konsumverhaltens im Kontext der wachsenden Weltbevölkerung und vorhandener Ressourcen.
Eine aktuelle Studie der Uni Halle kommt z.B. zu folgendem Schluß:
"Wie die Studie zeigt, wäre es besser für die Erde und die nachkommenden Generationen, wir äßen weniger Rind- und Schweinefleisch, weniger Butter und fettreiche Milchprodukte wie Käse, dafür mehr Hülsenfrüchte, Gemüse, Nüsse sowie pflanzliche Öle und Fette. Würde sich die Bevölkerung Deutschlands ausschließlich pflanzlich ernähren, also vegan, und würden keine Lebensmittel mehr auf dem Müll landen, ließe sich der Flächenverbrauch der Landwirtschaft um gut die Hälfte gegenüber heute reduzieren – oder mit der gleichen Fläche doppelt so viele Menschen ernähren. Der Ausstoß des Luftschadstoffs Ammoniak ginge sogar um 95 Prozent zurück.[...]
Am besten für die Umwelt ist es, generell wenig tierische Erzeugnisse zu essen. Meiers Berechnungen zufolge ließen sich allein beim Flächenverbrauch 27 Prozent gegenüber heute einsparen, wenn sich die Durchschnittsdeutschen vegetarisch, also fleischlos, aber mit Eiern und Milchprodukten ernähren würden. Damit müsste die Gesamtbevölkerung 48.000 Quadratkilometer weniger Land nutzen, eine Fläche von der Größe Niedersachsens. 6000 Quadratkilometer davon ließen sich im Ausland einsparen.
Je nachdem, welche Ernährungsweise und welchen der sechs untersuchten Umweltindikatoren man betrachtet, fällt das Einsparpotenzial unterschiedlich aus. Würde sich die Bevölkerung vegan ernähren, entfielen die heutigen Ammoniakemissionen fast ganz, der Ausstoß an Treibhausgasen würde sich um 25 Prozent reduzieren und der Endenergieverbrauch immerhin noch um 15 Prozent."
(Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/wissen/ernaehrung-oeko-bilanz-vegan-ist-am-gruensten,10808894,25896326.html )
Die Experten der UN kamen bereits 2010 zu einem ähnlichen Ergebnis: "A global shift towards a vegan diet is vital to save the world from hunger, fuel poverty and the worst impacts of climate change, a UN report said today."
(Quelle: http://www.theguardian.com/environment/2010/jun/02/un-report-meat-free-diet )
Ich quote mich in dem Kontext mal selbst und verweise auf die Tatsache, dass eine Hinwendung zu einer veganen und vor allem nachhaltigen Lebensweise in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens (das betrifft auch die von Draghkar angesprochenen Punkte einer gesunden Lebensweise abseits der Ernährung, möglichst nachhaltiger und umwelt- bzw. klimafreundlicher Ressourcennutzung usw.) langfristig die einzige Chance ist zahlreiche Probleme unserer Weltgesellschaft zu lösen bzw. maximal zu minimieren und den Planeten und unsere Zivilisation nicht vor die Wind zu fahren. (Siehe exemplarisch oben) Die Faktenlage ist da auch durchaus überzeugend und die Aussagen der UN unterstreichen dies z.B.
D.h. Hillbilly hat recht, wenn er dem Argument widerspricht, dass doch jeder machen kann wie er will und glücklich wird. An einem bestimmten Punkt greift die Freiheit des einzelnen gegenüber dem Wohlergehen der Masse eben nicht mehr. Die wichtige Unterscheidung ist hier "Freiheit von etwas" (bspw. Bevormundung bei der Ernährung, der Ressourcennutzung, Mobilität) und "Freiheit für etwas" (Benachteilgte Nationen und Völker, Tiere, die Umwelt usw.).
Das Problem daran ist, das solche Aussagen recht gefährlich sind und natürlich reflexartige Aufschreie der Bevormundung usw. hervorrufen. Zudem führen diese Aussagen und der Anspruch auf Wahrheit rasch zu Elitismus z.B. in Form von politischem Zwang bei dem eine Minderheit versucht der Mehrheit Dinge zwanghaft vorzuschreiben. (Das wird meist den militanten Veganern, teils zu Recht, vorgeworfen)
Als Konsequenz muss man demnach in der Politik und Zivilgesellschaft, aber auch der Wirtschaft, wo diese Erkenntnis ja bisher auch noch leider eine Randerscheinung ist, für umfassende Aufklärung sorgen und Anreizsysteme schaffen, dass so viele Menschen wie möglich den Weg mitgehen, in ihrem eigenen und im Interesse zukünftiger Generationen. Zwang wird hier nicht helfen und den lehne ich hier auch ab, denn wir leben schließlich in einer freien und demokratischen Gesellschaft wo Gesetze und Regelungen letztlich Mehrheitsfähig sein müssen. Ziel muss es somit sein eben diese entscheidende Veränderung unserer Lebensumstände und Gewohnheiten mehrheitsfähig zu machen und die Leute an den Punkt zu bringen an dem Sie sich hoffentlich in der Mehrheit für das Wohlergehen der Gesellschaft und nicht für den Schutz individueller, aber für die Entwicklung der Gesellschaft schädlicher Freiheiten entscheidet.
Kurz: Man muss den kompletten Zeitgeist durch Aufklärung schrittweise transformieren und auch Menschen wie Dragkhar durch sachliche Argumente davon überzeugen, dass es notwendig und richtig ist. Kinderspiel , oder ♦
Zu guter letzt werden diese Diskussionen meist unnötig emotional, da sie den einzelnen im Kern seines Alltags treffen und tiefgreifende Veränderungen lange einstudierter Gewohnheiten erfordert, was nicht einfach ist und wogegen sich viele erstmal reflexartig und leider auch oft unsachlich zur Wehr setzen. Das kann ich allerdings auch verstehen, denn ich habe genauso reagiert und bspw. knapp 2 Wochen bevor ich Veganer wurde noch steif und fest behauptet, dass das nie passieren wird. Irgendwann machts dann Klick und ich hoffe einfach, dass das schrittweise bei immer mehr Menschen passiert. Klingt utopisch? Vielleicht...aber wie eingangs erwähnt. Es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht utopisch bleibt.