Bluff prevention ist wahrscheinlich der gesuchte Begriff. Da geht es darum, den Gegner an einem Bluff zu hindern. Man möchte nicht, dass der Gegner blufft, weil man Showdownvalue hat aber auf einen Bluff folden müsste. Dem gegenüber steht das Konzept von Bluff Induction, wo es darum geht, den Gegner zu einem Bluff zu verleiten, den man dann callt und dem Konzept Aufgabe des Pots, weil man davon überzeugt ist, weder mit einer Bet noch mit einem Call nach Check ausreichend Value zu bekommen, um die Kosten der Bet aufzuwiegen.
Die Hand, die Hero hat ist nicht wertlos. Sie kann durchaus noch vorne sein, z. B. gegen Pockets. Sie ist aber nicht geeignet zu bluffen, dafür ist sie zu stark. Es ist nicht anzunehmen, dass der Gegner eine stärkere Hand foldet. Besser geeignete Hände für einen Bluff wären z. B. 44, 33, AQ, die alle weniger Showdownvalue besitzen und in der Lage sind, stärkere Hände des Gegners zum folden zu bekommen. Q9 hat aber Schwierigkeiten, einen Bluff zu callen, weil die Range des Gegners so gut wie keine wertlosen Hände enthält. Praktisch alle Hände des Gegners haben Showdownvalue. Ein Pocket wie 88 liegt z. B. gegen eine Menge Pockets von Hero und gegen Hände wie AQ vorne. Es ist immer schwierig, solche Hände in Bluffs zu verwandeln, weil das nur gut ist, wenn stärkere Hände folden. Mit 88 müsste sich der Gegner annehmbare Chancen geben, dass Hero eine 9 foldet. Das ist die schlechteste stärkere Hand. Die meisten würden das nicht erwarten, sondern halten den Check für eine Einladung zum Bluff, falls Hero eine 9 oder etwas besseres hat. Ein Pocket wie 44 bietet sich für den Gegner eher zum Bluff an, da es dann schon ausreicht, wenn Hero Hände wie 55-88 foldet. Von solchen Händen kann er sich eher einen Fold erwarten als von einer 9, da sie schwächer als die 9 sind. Die Logik bei Bluffs ist es, möglichst die schwächsten Hände zu bluffen, da es dann der Gegner leichter hat, stärkere Hände zu finden, die trotzdem entsetzlich schwach sind, und die er dann foldet. Sobald eine Hand Showdownvalue hat verschwindet die Motivation schnell, sie zu bluffen, da sie einerseits den Pot auch ohne Bluff gewinnen kann und es ausserdem für den Gegner schwer wird, noch stärkere Hände zu finden, die er foldet.
Prinzipiell kann man natürlich schon befürchten, dass der Gegner einige schlechtere Hände bettet. Manche Spieler betten aus Prinzip, wenn zu ihnen gecheckt wird. Gegen solche Spieler check/call die beste Lösung, weil die Möglichkeit besteht, dass man dann noch Value von schlechteren Händen bekommt. Eine Bet wäre schlechter, da man dann keinen Value von schlechteren Händen bekommt und mindestens genau so viel gegen bessere Hände verliert. Nach einem Check besteht die Möglichkeit, dass der Gegner bessere Hände behind checkt (z. B. A9). Nach einer Bet besteht aber kaum eine Möglichkeit, dass der Gegner bessere Hände foldet. Die Bet verliert dann mehr gegen bessere Hände als ein Check.
Also check/call, falls man glaubt, dass der Gegner so oft blufft, dass der Verlust des Pots schwerer wiegt als der Verlust, den man durch den Call gegen bessere Hände erleidet (Verhältnis Bluff : Valuebet > 1:8)
Check/fold, falls man glaubt, dass der Gegner sehr selten blufft (Verhältnis Bluff : Valuebet < 1:8)
bet/fold, falls man glaubt, dass der Gegner öfter schlechtere Hände callt als er sie blufft und er mindestens in 1 aus 8 Fällen eine schlechtere Hand callt (ansonsten ist entweder xf oder xc besser).
Zahl der möglichen Kombinationen für Valuebets:
Nut Flushes 8
QJ/QT/JT 33
QQ-TT 12
99, A2s 3
A9 8
AA, Kx wird er wohl am Turn raisen
gesamt ca. 64
Bluffes:
44-88 30
Check/call wird dann gut, wenn er wenigstens 44 + 55 blufft. Durchaus möglich, erfordert aber trotzdem, dass er ein Pair blufft. So wie ich die Spieler in den Micros kenne, tun sie das ungern. Damit eine Bet gut wird, muss er von 44-88 mehr am River callen als er davon blufft und er muss mindestens 55+44 bluffen, falls man checkt. Schlechtere 9en, die er callen kann, gibt es nicht (Board Kicker = K). Check/fold ist am besten, wenn er weniger als 44+55 bluffen würde, unabhängig davon, wie oft er 44-88 callen würde.
Die Bedingung dafür, dass eine Bet am besten ist, ist sehr speziell. Die Entscheidung ist viel eher zwischen check/call und check/fold. Das liegt nahe zusammen.