Ich habe Mathematics of Poker. Das ist ein Buch, in dem wirklich viel drinsteht. Spieltheorie spielt dort eine sehr grosse Rolle. Viele Dinge werden aus der Spieltheorie hergeleitet und es wird versucht, sie auf Poker zu übertragen. In vielen Fällen bleibt aber trotzdem nichts anderes übrig, als ein vereinfachtes Modell von Poker zu untersuchen. In diesem Modell sind dann zum Beispiel die Handlungsmöglichkeiten der Spieler eingeschränkt (Wahl des Gegenspiels nur zwischen call und fold, kein raise) oder es geht nur über eine Street oder andere Einschränkungen. Trotzdem kann daraus einiges abgeleitet werden, was für die Praxis relevant ist.
Einige Kapitel sind ohne Vorkenntnisse lesbar, aber man muss ein Interesse für Mathematik mitbringen und man muss mit Algebra vertraut sein. Sonst versteht man nicht, was gemacht wird und es bleibt einem nur übrig, Dinge zu glauben. Für die anderen Kapitel wird eine gestraffte Einführung in die Wahrscheinlichkeitstheorie und die Spieltheorie mitgeliefert. Das Tempo dabei ist nicht so niedrig. Vielleicht knapp unter akademischen Niveau, aber vieles hat akademisches Niveau. Es ist ein Buch, das Mitarbeit verlangt.
Was hat man davon? Ich zum Beispiel habe jetzt das Bluffstacking Modell verstanden, das im Buch vorgerechnet wird. Ich hatte das Buch vorher nicht am Stück gelesen, sondern nur einige Kapitel, und daher wusste ich nicht, dass dieses Modell im Buch vorkommt. Nachdem es aber vor kurzem im Forum aufkam, habe ich danach im Buch gesucht und es auch gefunden. Das ist für FL sogar noch ganz gut verständlich, auch wenn man kein Mathematiker ist. Das hat mir auch geholfen, den Unterschied zu meinem Modell zu verstehen, das ich unabhängig vom Buch entwickelt hatte. Der NL Modus für die gleiche Theorie dreht dann noch ein Stück auf und dafür müsste ich mehr als nur eine Stunde investieren, um es nachzuvollziehen.
Was die Hand betrifft, so hängt es vielleicht auch davon ab, was der Gegner macht. Der Gegner könnte nämlich durchaus die Idee haben, am Flop einige K:c x zu callen, damit er am Turn Semibluffs hat, falls ein Kreuz fällt. Und dann ist es nicht so klar, was man mit den 9ern am Turn macht.
Wenn man immer am Turn checkt, dann räumt man dem Gegner Möglichkeiten für exploitives Spiel ein. Zwar würde ein Check auch mit dem Ass die Valuerange für den Gegner stark einschränken, so dass er nicht viel betten kann, aber er kann es mit leichten Peels am Flop ausnutzen. Gerade backdoor Hände werden dann profitabel (die angesprochenen K:c x mit backdoor Straight Draw). Ich denke, man wird wenigstens eine gemischte Strategie haben müssen (manchmal check, manchmal bet).