Sehr viele Fragen. Ich werde die Sache mal langsam angehen.
Grundsätzlich rechnet man immer mit den Odds die man zum aktuellen Zeitpunkt hat. Geld was du schon vorher in den Pot investiert hast, gehört dir nicht mehr und wird daher nicht zu deiner Investition, sondern zum Pot hinzugezählt.
Wenn wir das auf den A3s Beispiel anwenden heißt das: 8 Spieler limpen, wir completen den Small Blind und der Big Blind raist. Vier Limper callen und vier Limper folden und wir sind wieder an der Reihe. Es sind jetzt 15 Small Bets im Pot, dass heißt unsere Pot Odds sind 15:1. (Übrigens: Hier im Fixed Limit Forum werden Einsätze mit SB = Small Bet und BB = Big Bet angeben. Wenn es um Positionen geht haben diese Abkürzungen aber wieder die Bedeutung Small Blind und Big Blind.)
Der letzte Call ist also immmer nur eine Frage der direkten Pot Odds. Bei dem ersten Call ist das aber anders. Denn unsere Pot Odds sind nur scheinbar so direkt erfassbar. Denn es besteht ja die Chance, dass der BB noch erhöht. Diese Chance müssen wir in unsere Kalkulation mit aufnehmen. Wenn wir denken der BB checkt zu 80% und wir müssen nur $0.50 investieren und zu 20% raist er und wir müssen dann $1.50 investiren, dann ist unser durchschnittliches Investment $0.70. Unser Pot Odds sinken also immer etwas, wenn die Gefahr besteht, dass nach uns noch geraist wird. Je größer diese Gefahr ist, desto schlechter werden unsere Pot Odds.
Nun aber zu der 11% Geschichte, so einfach ist die Sache nicht. Eins vorn weg. A3s ist in der von dir beschriebenen Situation ein leichter Call. Der Grund ist aber nicht so sehr, dass man zu 11% einen Flush trifft. Denn am Flop steht man oftmals mit anderen Händen als einem Flush da. Einem Flushdraw, Top Pair, Bottom Pair, Overcard+Backdoordraw, 2Pair, usw. Und dann kommt am Flop eine erneute Setzrunde und dann am Turn und dann am River. Bis zum Showdown ist es also noch ein weiter Weg und für die Profitabilität einer Hand sind auch noch viele andere Faktoren wie zum Beispiel Position, Playability, dead money oder Implied Odds wichtig.
Du hast den Finger aber schon auf der richtigen Stelle. Wichtig ist hier unsere Equity, das heißt wie oft unsere Hand gewinnen würde, wenn wir preflop schon all-in wären (also ein Maß für die Stärke unsere Hand). Dafür zählen aber nicht nur Flushs, denn schließlich werden wir auch mal 2Pair oder Trips floppen und selten werden wir auch mal mit einem nackten Top Pair gewinnen. Da unsere Pot Odds preflop aber super sind, da wir nur eine halbe Small Bet zahlen müssen und der Pot schon aus 9,5 SB besteht, wäre unsere Equity mit jeder Hand gut genug um zu completen.