ich habe überlegt ob ich die Artikel der Reihe nach durchgehen sollte, quasi Schulnoten verteilen und im Zweifel anmerken was mir nicht gefällt, was ich für falsch erachte oder wenn etwas Essentielles fehlt.
Aber ich denke auch wenn ich mir das bei den meisten Artikeln zutraue sollte das im Zweifel dennoch jemand machen der mehr FL Erfahrung und damit auch mehr Fachwissen hat als ich.
Zudem bin ich - nach Huckebeins Beitrag - ziemlich sicher, dass die Mühe so gut wie vergeblich wäre, denn wie schon gesagt geht es mir nicht darum, dass ein Satz nicht ganz richtig ist und eventuell abgeändert werden muss, sondern die Gesamtkonzeption ist mMn stark überholungsbedürftig, was vermutlich auf ein gänzliches Neuschreiben (fast) aller Artikel (freilich könnte man einiges Übernehmen was es schon gibt, es ist ja nicht alles schlecht) hinauslaufen würde und dazu ist PS.de nicht bereit.
Aber um es nicht gänzlich im Vagen zu belassen und vielleicht etwas deutlicher zu machen was ich meine, so nehme ich mir doch mal diesen Artikel raus:
(Der Faktor Glück im FL Holdem von Matthias Wahl, aus der FL Bronze Sektion)
http://de.pokerstrategy.com/strategy/fixed-limit/40/1/
Über den Schreibstil von Wahls will ich mich jetzt weiter nicht auslassen, aber die 40h die Hotte an einem Artikel (Gold-Artikel vermute ich) dran gesessen hat würde ich hier auf <40min schätzen...
Was in dem Artikel drinsteht ist schonmal insofern sachlich falsch, als ein downswing durchaus nicht eine Phase ist in der man 100BB verliert, sondern ein downswing ist ein rein psychologisches Konstrukt bei dem man sich subjektiv einredet, dass es schlecht läuft, dass man vom Pech verfolgt wird und bei dem man die Erwartungshaltung entwickelt, dass es auch (für einige Zeit) so weitergeht.
Ich habe mich dazu ausführlicher in der Sorgenhotline Poker geäußert:
[FL] Kann nicht mehr gewinnen
Der Unterschied zwischen einem bad run, also über eine längere Zeit deutlich unter EV zu laufen (wobei auch sehr die Frage ist ob ein bad run wirklich schon bei 100BB down angesetzt werden sollte oder dies nicht völlig normale swings sind) und einem downswing ist wie Tag und Nacht und gerade beim Poker muss es darum gehen Wege zu finden gar nicht erst in einen downswing zu geraten, bzw. einen solchen schnell zu erkennen und dort rauszukommen.
Wenn man weiß was es heißt in einem downswing zu sein, dann ist es ziemlich lachhaft, um es vorsichtig zu sagen, was Wahls hier für Tipps gibt (Pause bis zum nächsten morgen)
- zudem hat sich Matthias soweit ich weiß wegen Problemen mit Tilt/Spielsucht doch vom Poker zurückgezogen - das soll gar nicht hämisch sein, aber wer solche Artikel über das Thema verfasst, der kann nur scheitern am "Faktor Glück".
Die Gewinnerwartungen sind auch nicht mehr zeitgemäß, ebenso die Einschätzungen der Samplesize.
***
Was fehlt in dem Artikel, oder besser: wie man das Thema hätte angehen müssen ist u.a.
- überhaupt erstmal zu erklären und zu veranschaulichen was EV und was Varianz ist, wie extrem die mathematischen Auswirkungen derselben insbesondere beim Poker sind.
- In welchem Zusammenhang dies zur Gewinnerwartung beim Poker steht (u.a. ja den, dass ergebnisorientiertes Denken nicht funktioniert und daher extrem viele Leute ein falsches Bild von sich und ihrer Spielstärke haben und weiterspielen obwohl sie die Limits gar nicht wirklich schlagen - was der Hauptgrund ist, wieso man profitabel Pokern kann).
- Was Equityshifts sind und wie man damit umgeht.
- Welche Sichtweise man auf die Varianz und den Zufallsverlauf haben sollte, z.B. dass man suckouts positiv sieht, weil man EV gewinnt in solchen spots, usw.
- Welche Rolle die Psyche spielt, sprich downswings. Welche Wege es gibt sich davor zu schützen bzw. wie man von Anfang an richtig an seinem mindset arbeitet,
- Was Tilt ist, welche Formen er annehmen kann
- Verweise auf weiterführende Literatur (The Poker mindset, Elements of Poker, Mathematics of Poker
usw. usw.
Man könnte (und müsste) das Thema beliebig erweitern (und schaut man auf die Wichtigkeit des Themas für die weitere Pokerkarriere, so ist eine realistische Einschätzung des Faktors Glück sogar vielleicht das Allerwichtigste zu Beginn, viel wichtiger als zu wissen wie man standardmäßig AK unimprovt HU am Turn spielt) und im Vergleich dazu ist der Artikel von Wahls imho ein Witz und kein guter.
Edit:
Und bevor jetzt jemand sagt, dass das eben ein schlechter unter vielen guten Artikeln ist, viele andere Artikel sind mMn nach nicht viel besser, auch und gerade Artikel zu Spielweisen bei FL - aber darauf will ich wie oben gesagt jetzt nicht näher eingehen.