Odds und Equity hängen zusammen, funktionieren aber anders. Zunächst werden Odds nicht in Prozent geschrieben, sondern in der Schreibweise x : 1, wobei x eine Zahl grösser 1 ist. Dieser Bruch bezeichnet das Verhältnis zwischen dem, was du gewinnen kannst (Potgrösse) und dem, was du dafür bezahlen musst. Der Zusammenhang mit der Equity ergibt sich aus folgender Formel:
Equity = 1 / (x+1), wobei das x genau das gleiche x wie in der Pot Odds Schreibweise ist.
Beispiel: Odds sind 2:1. Das entspricht 1/(2+1) = 1/3 = 33% Equity.
Wenn du das x suchst und die Equity hast, dann musst du die Formel umformen. Es ergibt sich
x = 1/Equity -1
In deinem Beispiel: x = 1/0,36 - 1 = 2,8 -1 = 1,8. Die Odds, die du von Flop bis River benötigst, wären also 1,8:1.
Zu beachten ist, dass Equity immer bis zum Showdown gerechnet wird. Bist du am Flop, dann ist die Equity die Gewinnwahrscheinlichkeit am Showdown. Das ist nicht die Wahrscheinlichkeit, am Turn Outs zu treffen. Da es dir am Flop meistens um die Frage geht, ob du einen guten Preis für die Turnkarte bekommst, musst du die Wahrscheinlichkeit für eine gute Turnkarte in Beziehung zu den Odds setzen. Zum Glück gibt's da ein einfaches Verfahren:
Schlechte Karten : Gute Karten = Odds
Beispiel Flush Draw:
9 Karten von 47 verbessern dich, also verbessern dich 47-9 = 38 Karten nicht. Es wird also gerechnet 38 : 9 = 38/9 : 1 = 4,2:1 ~ 4:1. Das sind die Odds, die du für das Ziehen auf einen Flush von Flop zu Turn benötigst, vorausgesetzt, du hast keine anderen Outs.
Von Flop zu River rechnest du dann, wenn du am Flop all-in kommst. Dann ist garantiert, dass du die Riverkarte sehen kannst, also kannst du da mit der Equity rechnen. Genauso am Turn, da da nur noch eine Karte kommt, so dass du die Riverkarte immer siehst, wenn du den Preis für die nächste Karte bezahlst.
Wenn du nicht am Flop all-in kommst, dann kannst du nicht mit der (Showdown-)Equity rechnen, da nicht garantiert ist, dass du für den Preis am Flop auch die Riverkarte sehen kannst. Es kann durchaus sein, dass du am Turn noch mal etwas bezahlen musst. Deshalb rechnet man für das Ziehen eines Draws nur eine Karte weit.
Es gibt noch eine weitere Anwendung der Equity am Flop. Wenn mehr als nur zwei Spieler im Pot sind und jeder Geld bezahlt, dann kannst du damit ausrechnen, ob ein Einsatz unmittelbar Gewinn bringt, weil deine Equity grösser ist als der Durchschnitt unter allen Spielern.
Beispiel:
2 andere Spieler bezahlen Geld am Flop. Du bist der dritte Spieler und hast einen Flush Draw mit der Equity von 35%. Der Pot wird zwischen 3 Spielern gespielt, also ist der Durchschnitt vom Pot 1/3 = 33%. Dein Anteil am Pot ist wegen deiner Equity grösser als der Anteil der anderen, da die anderen die übrigen 65% unter sich aufteilen müssen. Macht für jeden 32,5%, was weniger ist, als du hast. Du kannst also in diesem Fall sogar erhöhen! Und zwar auch dann, wenn du nicht all-in kommst. Wenn die anderen beiden deine Erhöhung bezahlen, dann machst du mit dieser Erhöhung unmittelbar Gewinn, weil du mehr vom Pot hast als die anderen beiden im Schnitt.
Der Haken: die Rechnung kannst du nur dann machen, wenn garantiert ist, dass du auch die Riverkarte siehst. Nur dann kannst du deine Showdown-Equity ausspielen. Du musst also mit einrechnen, was am Turn passieren kann. Da dürfen die Stacks nicht mehr so gross sein, dass ein Gegner dich am Turn aus dem Pot werfen kann, weil er dir am Turn inkorrekte Odds für einen Draw zum River verpasst. In Limit Poker ist das nie ein Problem, in NL kann das bei grossen Stacks am Flop zum Problem werden. Da muss man aufpassen!