Es ist völlig unabhängig in welcher Spielvariante. Handreading läuft immer nach dem gleichen Konzept ab:
1. Du beobachtest deinen Gegner und schaust dir an ob es sinnvoll ist was er da betreibt
2. Wenn du merkst das er teilweise unsinnige Sachen macht, dann hast du ein Leak entdeckt und kannst daraus Schlussfolgerungen ziehen
Als Beispiel mal folgendes:
Du siehst das dein Gegner am Flop auf einem T62r Board cbettet, den K am Turn allerdings behindcheckt und siehst das er am Showdown mit KQ auftaucht.
Was wissen wir jetzt?
i) er valuebettet potentielle Overcards zum Board die Hände wie 6x, Tx, 88, 99, 77 abschwächen nicht
ii) wenn er auf so eine Karte am Turn bettet (und das kannst du wahrscheinlich auch auf Q, J und A übertragen), dann hat er entweder eine superstarke Hand ODER einen Bluff und hat seine Handrange stark aufgetrennt weil er keine mittelstarken Hände mehr drin hat.
Jetzt musst du nur noch herausbekommen, ob der Gegner solche Karten BLUFFT und falls ja, dann wirst du sehr schnell herausfinden, dass er öfter blufft als eine wirklich starke Hand zu halten.
Ein weiteres Beispiel:
Du openraist in früher Position und dein Gegner called aus dem BB mit einer relativ soliden Range wie du annimmst. Solide heisst hier wahrscheinlich ein paar suited Broadways, Paare und ein paar Axs und hohe suited connectors.
JJ-22,AQs-ATs,KTs+,QTs+,JTs,T9s,98s,AQo-AJo,KQo so z.b.
Du kommst jetzt mit QQ auf einem T72r Board an und dein Gegner C/raist dich und du überlegst dir jetzt wie verbindet sich diese Handrange mit dem Flop:
1. TT, 77 und 22 machen ein Set
2. KTs, QTs, JTs, T9s, ATs machen ein Toppair
3. 89s macht einen OESD
4. ansonsten gibts da nicht viel abgesehen von Overcards und mittleren Paaren wie 88 und 99.
Du stellst schnell fest, dass TT, 77, 22 9 Kombinationen sind gegen die du meilenweit hinten liegst. (du hast nur 2 Outs auf deine Queens)
KTs, QTs, JTs, T9s und ATs sind 14 Kombinationen gegen die du ganz okay vorne liegst. (die haben immerhin noch 5 Outs im Schnitt gegen dich und diverse Backdoorflushdraws)
89s sind 4 Kombinaitonen.
88 und 99 sind ingesamt 12 Kombinationen.
Du kommst auf Grundlage dieser Analyse zu der Entscheidung, dass du gegen seine Range vorne liegst und beschliesst zu setzen (> 50% Equity).
Jetzt macht der Gegner etwas überraschendes und C/Raist. Seine Range verändert sich. Was lassen wir in der Range?
TT, 77, 22, 98s, ATs, vielleicht KTs. QTs, JTs, T9s sind häufig Hände die solidere Gegner nicht C/Raisen werden, weil der Kicker etwas zu gering ist (du musst berücksichtigen, dass du auf dem Flop mit JJ, QQ, KK, AA, ATs, KTs, QTs, JTs selber schon sehr viele Overpair/Toppairkombinationen hast).
TT, 77, 22 sind 9 Kombinationen gegen die wir hinten liegen.
98s sind 4 Kombinationen gegen die wir vorne liegen
ATs sind 3 Kombinationen und KTs sind 1.5 Kombinationen, weil er diese Hand nicht immer C/Raist.
Wir sind jetzt plötzlich gegen 9 Kombinationen weit hinten, 4 Kombinationen OESD vorne und 4.5 Kombinationen vorne.
Zusammengerechnet sind wir gegen 9 Kombinationen weit hinten und 8.5 Kombinationen vorne und werden herausfinden, dass wir jetzt leicht hinten sind gegen seine C/R Range und nicht mehr aggressiv weiterspielen können.
(ich glaub der Equilator wird dir ca. 40% ausspucken)
Diese Herangehensweise ist in jeder Spielvariante ähnlich (je mehr Karten involviert sind, desto komplizierter wird das - daher ist das z.b. bei PLO nicht möglich so klar und deutlich zu strukturieren; das ist übrigens der Hauptgrund wieso PLO so profitabel ist) -> es geht darum, dass du herausfindest mit welchen Händen dein Gegner startet und welche Philosophie er verfolgt mit seinen Händen zu gewinnen. Darauf aufbauend kannst du schlussfolgern wie du dagegen angehst.