Warum Poker als Side Hustle selten sinnvoll ist
Meiner Meinung nach ist es keine gute Idee, mit Poker zu starten und direkt das Ziel zu verfolgen, daraus einen Side Hustle zu machen.
Denn was bedeutet Side Hustle im Poker-Kontext eigentlich?
Ein realistisches Beispiel:
Nehmen wir an, du spielst 30.000 Hände im Monat.
Das entspricht bei vier Tischen gleichzeitig etwa 94 Stunden nur fürs Spielen – ohne Study-Zeit.
Mit einer Winrate von 2 BB/100 kommst du auf:
6 Stacks im Monat
NL10 → 60 $ → ca. 0,64 $/Stunde
NL25 → 150 $ → ca. 1,60 $/Stunde
NL50 → 300 $ → ca. 3,20 $/Stunde
NL100 → 600 $ → ca. 6,40 $/Stunde
NL200 → 1.200 $ → ca. 12,80 $/Stunde
Fazit: Jeder Minijob bringt pro Stunde mehr Geld – und das ganz ohne Lernkurve.
Und wie du in den Foren siehst:
Viele Spieler kommen auch nach Jahren nicht über NL25 hinaus oder hören schon beim ersten größeren Downswing auf.
Der Weg zu NL200 ist lang – und ab NL25 sitzt du bereits mit Fulltime-Grindern aus ärmeren Ländern an den Tischen. Die haben nicht nur zigfach mehr Hände gespielt, sondern auch mehr Stunden in Theorie investiert – und dominieren oft jedes Leaderboard.
Der einzige Weg, um schneller voranzukommen, wäre über ein Coaching-for-Profit-Programm (CFP). Aber: Die guten Anbieter nehmen meist nur Spieler, die bereits NL100 schlagen.
Also bleibt nur noch kostenpflichtiges Coaching: 300 $ pro Stunde bei einem guten Cashgame-Coach ist keine Seltenheit. Und auch dann reichen 10 Stunden nicht, um sofort NL100 zu crushen.
Dazu kommen Kosten für Tools wie Solver oder Apps – und plötzlich bist du tief im Minus, bevor du überhaupt etwas verdienst.
Ganz ehrlich?
Lass es einfach – zumindest als Nebenjob.
Poker lohnt sich heute fast nur noch für:
Spieler aus ärmeren Ländern, die ab NL25 Fulltime grinden und mit 120k+ Händen im Monat besser leben können als mit einem normalen Job vor Ort.
Extrem talentierte, intelligente Spieler aus westlichen Ländern, die sehr schnell ihr Potenzial erkennen, dann alles auf eine Karte setzen, auswandern (z. B. nach UK, Österreich, Asien oder Südamerika) und voll auf Poker gehen – mit dem Ziel, NL500+ zu erreichen.
Früher oder später landen übrigens beide Gruppen meist auch im Livepoker-Bereich, wo die Spiele oft deutlich softer sind.
Fazit:
Aus Deutschland heraus ist ein ernsthafter Grind als Side Hustle kaum machbar.
Entweder du gehst all-in, oder du spielst just for fun.
Oder du gehörst zu den Ausnahmen – und findest nach 6 Monaten NL50 plötzlich superleicht. Dann kannst du immer noch schauen, wie und ob du das weiterverfolgst.
Aber realistisch betrachtet:
Wenn dich der Gedanke nicht begeistert, erstmal 1.000 Stunden zu studieren, nur um mit einer Winrate in den Micros 3 $ pro Stunde zu verdienen, dann ist Poker als Nebenjob vermutlich nichts für dich.
Ich denke man sollte da einfach realistisch sein.
Edit: Der Rake an den Reg-Tischen liegt vermutlich bei etwa 12 BB/100 – um deine eigentliche Frage zu beantworten.
Der Graph in Pokercraft zeigt übrigens keine Rake-Abzüge. Ehrlichere Werte bekommst du nur, wenn du die Hände herunterlädst und in einen Tracker importierst oder eine Excel Tabelle und Buchhaltung führst.
Das sind allerdings Dinge, die man mit einer kurzen Google-Suche leicht herausfinden könnte.
Was wiederum nicht unbedingt für die Fähigkeit spricht, sich eigenständig Wissen anzueignen – eine Grundvoraussetzung, wenn man langfristig im Poker erfolgreich sein will.