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Cash Game Rake verstehen

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Ole101
Beigetreten: 05.08.2017
Legacy Member

Hey zusammen,

ich bin ein deutscher Spieler und versuche, Poker als Side Hustle etwas ernster zu nehmen. Nach einiger Zeit mit MTTs bin ich auf 6max Cash Games umgestiegen, vor allem wegen der Flexibilität, und spiele aktuell auf GGPoker.

Hier ist mein erster kleiner Sample (nur NL5, kein Rush & Cash):

Einzahlung: 100 € | Hände: 3.045 | Gewinn: +5,43 $ (~4,62 €) | Aktueller Kontostand: 94,33 €

Trotz einem kleinen Gewinn ist mein Konto also fast 6 € im Minus. Ich versuche besser zu verstehen, wie dieser Verlust durch Rake zustande kommt.

Ein paar Fragen:

1.) Ist das normal auf NL5?
--> Ist dieser Rake-Effekt zu erwarten, brauche ich eine so hohe Winrate, besonders auf GGPoker und für deutsche Spieler - ist das überhaupt möglich?

2.) Wie hoch muss die Winrate sein, um den Rake zu schlagen?
--> Wird es erst ab höheren Limits realistisch profitabel?

3.) Side Hustle-Potenzial in Deutschland?
--> Ich habe Spaß am Spiel und will, dass sich der Zeitaufwand lohnt. Aber ist das überhaupt realistisch auf den Micros aus Deutschland - oder erst ab höheren Stakes?

Ich würde mich sehr über Input freuen - besonders von anderen deutschen Regs oder Leuten, die sich mit dem GGPoker-Ökosystem auskennen.

Vielen Dank ❤️
– Ole


Antwort
Zitat
7 Antworten

Warum Poker als Side Hustle selten sinnvoll ist

Meiner Meinung nach ist es keine gute Idee, mit Poker zu starten und direkt das Ziel zu verfolgen, daraus einen Side Hustle zu machen.

Denn was bedeutet Side Hustle im Poker-Kontext eigentlich?

Ein realistisches Beispiel:
Nehmen wir an, du spielst 30.000 Hände im Monat.
Das entspricht bei vier Tischen gleichzeitig etwa 94 Stunden nur fürs Spielen – ohne Study-Zeit.

Mit einer Winrate von 2 BB/100 kommst du auf:

6 Stacks im Monat

NL10 → 60 $ → ca. 0,64 $/Stunde

NL25 → 150 $ → ca. 1,60 $/Stunde

NL50 → 300 $ → ca. 3,20 $/Stunde

NL100 → 600 $ → ca. 6,40 $/Stunde

NL200 → 1.200 $ → ca. 12,80 $/Stunde

Fazit: Jeder Minijob bringt pro Stunde mehr Geld – und das ganz ohne Lernkurve.

Und wie du in den Foren siehst:
Viele Spieler kommen auch nach Jahren nicht über NL25 hinaus oder hören schon beim ersten größeren Downswing auf.
Der Weg zu NL200 ist lang – und ab NL25 sitzt du bereits mit Fulltime-Grindern aus ärmeren Ländern an den Tischen. Die haben nicht nur zigfach mehr Hände gespielt, sondern auch mehr Stunden in Theorie investiert – und dominieren oft jedes Leaderboard.

Der einzige Weg, um schneller voranzukommen, wäre über ein Coaching-for-Profit-Programm (CFP). Aber: Die guten Anbieter nehmen meist nur Spieler, die bereits NL100 schlagen.
Also bleibt nur noch kostenpflichtiges Coaching: 300 $ pro Stunde bei einem guten Cashgame-Coach ist keine Seltenheit. Und auch dann reichen 10 Stunden nicht, um sofort NL100 zu crushen.

Dazu kommen Kosten für Tools wie Solver oder Apps – und plötzlich bist du tief im Minus, bevor du überhaupt etwas verdienst.

Ganz ehrlich?
Lass es einfach – zumindest als Nebenjob.

Poker lohnt sich heute fast nur noch für:

Spieler aus ärmeren Ländern, die ab NL25 Fulltime grinden und mit 120k+ Händen im Monat besser leben können als mit einem normalen Job vor Ort.

Extrem talentierte, intelligente Spieler aus westlichen Ländern, die sehr schnell ihr Potenzial erkennen, dann alles auf eine Karte setzen, auswandern (z. B. nach UK, Österreich, Asien oder Südamerika) und voll auf Poker gehen – mit dem Ziel, NL500+ zu erreichen.

Früher oder später landen übrigens beide Gruppen meist auch im Livepoker-Bereich, wo die Spiele oft deutlich softer sind.

Fazit:
Aus Deutschland heraus ist ein ernsthafter Grind als Side Hustle kaum machbar.
Entweder du gehst all-in, oder du spielst just for fun.

Oder du gehörst zu den Ausnahmen – und findest nach 6 Monaten NL50 plötzlich superleicht. Dann kannst du immer noch schauen, wie und ob du das weiterverfolgst.

Aber realistisch betrachtet:
Wenn dich der Gedanke nicht begeistert, erstmal 1.000 Stunden zu studieren, nur um mit einer Winrate in den Micros 3 $ pro Stunde zu verdienen, dann ist Poker als Nebenjob vermutlich nichts für dich.

Ich denke man sollte da einfach realistisch sein.

Edit: Der Rake an den Reg-Tischen liegt vermutlich bei etwa 12 BB/100 – um deine eigentliche Frage zu beantworten.

Der Graph in Pokercraft zeigt übrigens keine Rake-Abzüge. Ehrlichere Werte bekommst du nur, wenn du die Hände herunterlädst und in einen Tracker importierst oder eine Excel Tabelle und Buchhaltung führst.

Das sind allerdings Dinge, die man mit einer kurzen Google-Suche leicht herausfinden könnte.
Was wiederum nicht unbedingt für die Fähigkeit spricht, sich eigenständig Wissen anzueignen – eine Grundvoraussetzung, wenn man langfristig im Poker erfolgreich sein will.


Antwort
Zitat
bigdog63
Beigetreten: 24.10.2011
Oldschool Grinder

Alles wahr, aber warum mußt Du noch zum Schluss noch sowas hier

Spoiler

Was wiederum nicht unbedingt für die Fähigkeit spricht, sich eigenständig Wissen anzueignen – eine Grundvoraussetzung, wenn man langfristig im Poker erfolgreich sein will.

rauspacken? Und fang nicht damit an, dass man sich selbst belügen würde etc. Es ist einfach unfreundlich und kann verletzend wirken.


Antwort
Zitat
2NLSurfer
Beigetreten: 05.02.2025
Legacy Member

Super Post Supi. Es ist einfach die Wahrheit, dass Eigenrecherche und Co. zum erfolgreichen Pokern dazu gehört. Ist das etwas schroff? Vielleicht, aber es ist und bleibt die Wahrheit.


Antwort
Zitat

Original von bigdog63
Alles wahr, aber warum mußt Du noch zum Schluss noch sowas hier

Spoiler

Was wiederum nicht unbedingt für die Fähigkeit spricht, sich eigenständig Wissen anzueignen – eine Grundvoraussetzung, wenn man langfristig im Poker erfolgreich sein will.

rauspacken? Und fang nicht damit an, dass man sich selbst belügen würde etc. Es ist einfach unfreundlich und kann verletzend wirken.

Wenn die Ausgangslage ist, dass man Poker als Side Hustle betreiben will, dann gehören Zahlen, Fakten und eine realistische Einschätzung einfach dazu – und nicht Emotionen.

Ich würde ja auch keinen Imbiss eröffnen oder irgendein E-Commerce-Business starten, ohne vorher die grundlegenden Zahlen durchzurechnen und eigenständig zu recherchieren.

Die Diskussion hier ging ja nicht los mit:
„Ich hab Bock auf Poker, aber der Rake scheint hoch, mal sehen, ob sich das lohnt.“
Sondern direkt mit:
„Wie viel muss ich gewinnen?“
„Ich will damit Nebeneinkünfte erzielen.“
„Lohnt sich das als Side Hustle?“

Zur eigentlichen Frage – GGPoker-Rake, das reduzierte Rakeback für Deutsche etc. – das sind alles Dinge, die man in wenigen Minuten googeln kann.
Ob sich das Ganze lohnt, lässt sich in fünf Minuten mit einer einfachen Excel-Rechnung grob abschätzen.

Und ganz ehrlich: So ein kleiner Seitenhieb darf auch mal sein.
In anderen Foren wird bei solchen Fragen einfach geschlossen oder auf die Suchfunktion verwiesen – ich habe immerhin noch sachlich geantwortet.


Antwort
Zitat
Dogdo
Beigetreten: 19.06.2008
Oldschool Grinder

Dafür bist du leider ein paar Jahre zu spät dran. Natürlich sind die Microstakes nach wie vor schlagbar. Allerdings wird das Umfeld einfach immer schlechter wenn man es mit dem von vor ein paar Jahren noch vergleicht.
Immer höherer Rake bei gleichzeitig immer niedrigerem Rakeback bei zugleich immer weniger Fischen und besser werdenden Regs.

Der Rake für deutsche Spieler ist mittlerweile einfach so absurd hoch das man schon sehr gute Tische braucht um das langfristig zu schlagen. Und diese Tische zu finden ist heutzutage auch nicht mehr ganz so einfach wie es früher mal war.

Alleine das 4 Table Limit drückt massiv auf die Winrate.
Kann aber jeder entsprechend mit dem Variance calculator spielen.

Gehe ich jetzt mal von 3bb Winrate aus und 300 Händen die Stunde (realistisch mit 4 tisch Limit und Table selection) dann ist es keine seltenheit das man hin und wieder 100k Hände Break even runnt was dann 330+ Stunden entspricht. Als Hobbygrinder mit 2-3h am Tag kann sich ja jeder selber ausrechnen was das an Tagen bedeutet.
Sieht man dann bei einer 3bb Winrate gleichzeitig das man stellenweise 10bb+ an Rake bezahlt bei gleichzeitig quasi 0 Rakeback dann ist das ganze einfach nur absurd.

Würdest du im Real life einen Job annehmen bei dem du 80% Steuern und Abgaben auf deinen Lohn zahlst?


Antwort
Zitat
josch2001
Beigetreten: 25.03.2006
BlackMember

Glaub es kommt stark auf die Definition von Sidehustle an. Bist du tatsächlich auf einen Nebenverdienst angewiesen und brauchst die Kohle, oder ist es ein Hobby, bei dem man sich dann vielleicht noch ein paar Kröten dazu verdienen kann? Bei ersterem würde ich den Vorrednern recht geben, bei letzterem wäre es ja egal, wenn es nicht viel wäre. Trotzdem muss man es auch da erst mal schaffen überhaupt Winner zu sein. Als unüberwindbar würde ich den Rake nicht bezeichnen, leicht ist es sicher aber auch nicht.


Antwort
Zitat
Ole101 Themenstarter
Ole101
Beigetreten: 05.08.2017
Legacy Member

Lieben Dank für die Inputs, das war genau die Nachricht, die ich gebraucht habe.


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