Board: A72r
Strategie des CO:
• Cbet-Range & Cbet Size
Eine imo sehr valide, gut anwendbare und in der Realität nicht exploitete nahe maxEV-Strategie dürfte hier sein, die ganze Range halben Pot oder etwas darunter zu betten.
• Defend vs Checkraise
Wir werden hier wohl sehr selten mit einem Checkraise konfrontiert, falls doch sollten wir hier sehr gegnerspezifisch entscheiden. Je nachdem kann es sinnvoll sein, sehr viel zu folden, sehr viel zu callen, relativ viel backzuclicken, etc. Readless sollten wir wohl einfach sizeabhängig etwa soviel vom Top unserer Range callen, dass wir nicht zu hart von Bluffs exploitet werden, auch wenn ich hier denke, dass wir vs unknown Reg in praktisch jeder Population auch ohne schlechtes Gewissen overfolden können.
• Barrel-Plan nach Cbet und Call.
Wir sollten hier auf brickenden T+R relativ komfortabel AJ+ 3mal for Value betten können, gegen eine so weite Range, wie wir sie vom BB annehmen, sicher auch AT+ und vielleicht sogar A9 oder A8+. Als Bluffs bietet sich jegliche Art von Equity an, die wir am Turn aufpicken (BDFDs, Straightdraws) und ansonsten Hände wie QJ, mit der wir die Downcallingrange (AQ,AJ) des BBs noch ein wenig blocken. Die optimale Frequenz lässt sich je nach Betsize ja berechnen; wir sollten aber generell auf T+R größer und polarisierter (obv, wenn wir am Flop ganze Range betten) sizen, wahrscheinlich in Richtung 70%-Pot. In den meisten Populationen würde ich behaupten, dass auf diesen Boards zu wenig ge3barrelt und daher von soliden Regs auch viel auf 3barrels gefoldet wird, von daher kann man hier denke ich sogar mit etwas höherer Frequenz durchbarreln, als man spieltheoretisch sollte (oder deutlich weniger, sobald man History/ den Read hat und Villain Ax niemals foldet).
• Delayed Cbet-Strat. und Strategie vs Turn-Donks.
Delayed Cbets erledigen sich natürlich durch das Betten der gesamten Range am Flop; dafür wird die Rangekonstruktion am Turn natürlich umso wichtiger. Ich würde am Turn readless Showdownvalue backchecken, die ich nicht 3mal valuebetten kann (schwache Ax, Pockets, 7x) und Aufgaben wie z.b. Q9s ohne FD am Turn. Auf eine Riverbet müssen wir dann schauen, wieviel wir defenden müssen; generell sollte man ja meinen, dass Villain nach dem Flopcall nicht mehr allzu viel Air in der Range hat, das den River blufft, aber kommt natürlich auf das Level an, auf dem er da denkt. Ax sollten wir aber wohl fast immer catchen am River und den Rest von der Population und Villain abhängig machen.
Turndonks sieht man auch nur sehr selten, wohl am ehesten mal, wenn sie die 7 am Turn pairt. Aber selbst dann werden wir hier imo wenig mit Donks konfrontiert und sollten ansonsten einfach wieder solide Ranges und Frequenzen defenden und diese je nach Population und Villain anpassen. Zu beachten ist auch, dass wir hier durch unsere any2-Cbet-Range noch alle 7x unserer Opening-Range haben können und dadurch uncapped sind (was auch der Grund ist, warum hier eine Donkingrange nicht so viel Sinn machen wird).
• Play vs Donkbet
Dieser Spot wird von Regs imo nie gedonkt, falls doch einfach halbwegs solide Ranges defenden, ähnlich wie vs Checkraise, s.o.
• allgemeine Ideen für CO in dem Spot in Worten (keine konkreten Ranges)
Gameplan auf diesem Board sollte relativ straight-forward und ohne zu große Überraschungen sein, eigentlich sollte oben alles klar werden, was ich hier in dem Spot spielen würde.
Strategie BB:
• Mit welchen Händen haben wir eine berechtigte Chance mehr als 22% Equity zu realisieren?
Alle Pairs, K-highs, Floats, die hier am ehesten BDFDs und die (seltenen) Gutshots ala 53s sein dürften.
• Wie spielen wir gegen eine Cbet? (Fold/Checkraise/Call)
Eine Checkraise-Range macht hier als Standard nicht allzu viel Sinn, kann jedoch als Exploit in einigen Fällen funktionieren. In der Theorie sollten wir wohl eine (wenn auch kleine) Check-Raise-Range haben, praktikabler in der Praxis ist mMn. das auf den Turn zu delayen.
• Wie sehen typische Turnszenarien aus nach Call
Donken sollten wir imo keine einzige Turnkarte (s.o.), womit wir am Turn nach Check entweder entscheiden müssen, wie wir unsere Range vs eine 2. Barrel oder einen Checkback spielen. Gegen eine Barrel sollten wir wieder solide Frequenzen defenden und nun mMn auch über eine c/r-Range nachdenken, in die wir einige unserer Nuts und ein paar Flopfloats/Hände, die zu schwach zum c/c reinpacken. Grund dafür ist, dass das Board von der Population wohl zu selten ge3barrel-blufft wird und wir uns daher generell sowohl um eine gecappte Riverrange nicht so viel Sorgen machen müssen und außerdem mit unseren Nuts tendenziell mehr Value durch c/r-Turn, bet/shove River generieren als mit c/c, c/decide River.
• Wie sehen typische Flop/Turnszenarien aus nach 3-bet/Call?
entfällt durch die fehlende c/r-Range am Flop
• Wie sehen unsere Adaptions gegen verschiedene typische CO-Strategien aus? (zu weite Cbet-Range? zu dünne Valuebets)
Interessanter Punkt, eine 100%-Cbet-Range wie von mir oben für den CO empfohlen sollte natürlich irgendwie exploitbar sein. Ich denke am praktikabelsten ist es hier dennoch, den Flop nicht zu c/r, aber dafür relativ viel zu callen (viele BDFDs und K-highs), um damit dann nach einem checkback am Turn seitens des CO (der relativ oft folgen muss, wenn er so weit cbettet) den River damit zu bluffen. Natürlich könnte man auch für eine relativ blufflastige c/r-Range argumentieren; ich denke jedoch, dass wir uns damit in der Praxis sehr oft auf dünnes Eis begeben und in einen Spot kommen, in dem wir keine Ahnung haben, wie der CO reagiert und ob er uns grade hart owned, indem er viel floatet oder backclickt etc.
Auch mit einer weiten Floatrange kann CO natürlich sehr schnell adapten und uns dann light am River catchen und damit ownen, aber es ist hier einfach sehr schwer, als BB gute Exploits zu finden und der CO wird es immer einfacher haben, zu readapten, als der BB, weil der Spot allgemein vorteilhaft für ihn ist.
• allgemeine Ideen für BB in dem Spot in Worten (keine konkreten Ranges)
Allgemein kann und sollte man auf diesem Board wohl nicht besonders kreativ werden, sondern einfach solide Ranges c/c spielen und versuchen SDV und Equity zu realisieren.
Ich habe jetzt mal keine konkreten Ranges angegeben, weil es erstens mit den vielen unterschiedlichen Runouts natürlich stark variiert und weil ich außerdem denke, dass die allermeisten Leser viel mehr mit verbalen Meinungen was anfangen können, als mit einer random Zeile mit einer Range, die kaum einer genau anschaut.