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[Geschlossen] Aufmerksamkeitsdefizit-(Syndrom)?

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Screenager
Beigetreten: 25.07.2006
Elite Grinder

Hallo, ich hab wohl ein ziemlich weit verbreitetes Problem, und ich könnte mir Vorstellen, dass hier besonders viele damit zu kämpfen haben, und zwar eine eine sehr schwache Konzentrationsfähigkeit, damit wohl zusammenhängend eine andauernde innere Unruhe und Zerstreutheit. Ich glaube am leichtesten könnt ihr das Einschätzen wenn ich ich Beispiele aus dem Alltag gebe.

1: Kann nicht ruhig stehen oder sitzen, ja nicht mal liegen, auch im Bett bewege ich ständig die Beine. Mein Schlaf ist immer sehr leicht brauche mindestens ne Stunde zum Einschlafen, Phasenweise seeeehr schlechter Schlaf über Wochen.

2: Ich vergesse andauernd Dinge. Normal empfinde ich es dabei wenn ich andauernd Sachen bei meiner Freundin liegen lasse oder es verplane zu ner Vorlesung zu gehen. Nicht normal ist es dagegen wenn ich mir was zu essen holen will, bezahle, und einfach gehe ohne das Essen mitzunehmen und dann wohl mit den Gedanken so weit weg bin, dass ich die Verkäuferin nicht höre wenn sie mir nachruft (ok ist mir nur zweimal passiert, aber dass der Verkäufer mich drann erinnern muss mein Zeug mitzunehmen sicher 100 mal).

3: Unfähigkeit einer Tätigkeit länger nachzugehen die Konzentration erfordert, sprich Lernen oder Lesen. Dabei kann ich z.B. meinen Spiegel locker 2 Stunden lange lesen weil ein Artikel schnell bewältigt ist und der nächste etwas neues bietet. Bei Büchern fällt es mir dabei ziemlich schwer wobei ich Literatur eigentlich mag. Obv. verschwende ich unzählige Stunden im Internet beim Sinnlosen umherwandern im Internet weil das einfach zu verarbeitende und ständig neue Reize bietet (aber hvdr ist ja standard). Und mein Pokerspiel ist nach einer halben Stunde dermaßen beschissen dass ich eigentlich mal nachfragen sollte ob man sich für Sessions > 45 min sperren lassen kann.

Naja ich komm trotzdem ganz gut klar. Ich studiere Physik im siebten Semester und das eigentlich ohne große Schwierigkeiten aber eben auf meine Art. Nach dem 2. Semester hab ich vielleicht 10% der Vorlesungen und Übungen besucht weils irgendwann klar war, dass es schlichtweg nichts bringt und Ritalin war bei den meisten Prüfungsvorbereitung behilflich. Habs dabei aber glaub ich nie übertrieben, maximal eine Tablette pro Tag mit der ich 2,5 Stunden durchlernen kann und dann komme ich wenns sein muss auf 4-5 Stunden am Tag in der Zeit direkt vor ner Prüfung, mehr geht nicht. Wenn man bedenkt, dass sich Leute mit ADS mit denen ich geredet hab am Tag die Zehnfache Menge geben denk ich ist das für meine Gesundheit unbedenklich (keinerlei Sucht oder so, außerhalb der Prüfungszeit nehm ichs nie).

Ich probier im Moment viel Sport zu treiben, soll ja helfen auch wenn ich es nicht wirklich spüre. Meditation klingt nach der Lösung aller Probleme, ist aber für jemanden wie mich natürlich ne unfassbar harte Angelgenheit und bisher habs ich nicht durchziehen können und nach drei Minuten von denen ich vielleicht 15 Sekunden bei meiner Atmung war entnervt aufgegeben. Werds mir aber jetzt mal wieder vornehmen.

Noch jemand Vorschläge?

Würde es Sinn machen mit nem Verdacht auf ADS zum Arzt zu gehen oder ist das übertrieben?


5 Antworten

Hallo Screenager,

nach meinem Wissen ist Ritalin verschreibungspflichtig. Du müsstest also bei einem Arzt gewesen sein, um das Zeug zu bekommen.

Ich würde jedenfalls niemandem empfehlen, damit ohne ärztliche Diagnose und Kontrolle zu experiementieren.

Gruß

wespetrev


Waaaghboss
Beigetreten: 09.07.2008
BlackMember

Dumme Frage:
Ich wusste bisher nur, dass diese Krankheit bei Kindern (der neuen Generation?) sehr verbreitet ist. Ich dachte immer, dass sich das irgendwann rauswächst (weil ich halt viele kenne, die früher alles kleines kind immer "amok gelaufen" sind, mittlerweile aber relativ normal sein sollten).
Ist es dann richtig oder falsch, dass die Krankheit meistens mit dem Alter verschwindet?


Screenager Themenstarter
Screenager
Beigetreten: 25.07.2006
Elite Grinder

Original von Waaaghboss
Dumme Frage:
Ich wusste bisher nur, dass diese Krankheit bei Kindern (der neuen Generation?) sehr verbreitet ist. Ich dachte immer, dass sich das irgendwann rauswächst (weil ich halt viele kenne, die früher alles kleines kind immer "amok gelaufen" sind, mittlerweile aber relativ normal sein sollten).
Ist es dann richtig oder falsch, dass die Krankheit meistens mit dem Alter verschwindet?

Naja, ich glaub das ist der häufigste Weg aber wird definitiv auch bei Erwachsenen festgestellt.


Hallo Screnager,

zur ersten Orientierung hier der Artikel bei Wikipedia: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Das Krankheitsbild ist sehr komplex, Ursachen, Verläufe und Therapieansätze können sich stark unterscheiden.

ADHS wächst sich nicht einfach aus. Viele lernen im Lauf ihrer persönlichen Entwicklung, sich mit ihren Eigenarten an die Anforderungen des modernen Lebens anzupassen. Menschen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, haben mitunter auch besondere Fähigkeiten: z. B. Kreativität, sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen, sehr gute räumliche Orientierung.

Original bei Wikipedia:

Voraussetzung für jede Behandlung von ADHS ist eine fundierte Diagnose durch einen mit der Materie vertrauten Psychologen oder auch Arzt, in erster Linie Kinder- und Jugendpsychiater oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut – sog. klinische Diagnose. Dabei müssen auch Differentialdiagnosen und eventuelle begleitende Krankheiten (Komorbiditäten), wie z. B. eine Störung des Sozialverhaltens, Angststörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörung (im Jugend- und Erwachsenenalter), beachtet werden.

ADHS ist nichts, wo man einfach ein bisschen an sich selbst - oder an seinen Kindern - herumexperimentieren darf. Es ist keinesfalls damit getan, ein paar Pillen einzuwerfen.

Diagnose und Therapie müssen sehr sorgfältig von Fachleuten vorgenommen werden.

Ohne dich jemals gesehen zu haben, können wir unmöglich sagen, ob deine Beschwerden auf ADHS hindeuten oder ob es etwas anderes ist.

Entscheidend ist aber etwas anderes: du fühlst dich sehr unwohl in deiner Haut. Das solltest du nicht einfach übergehen sondern abklären lassen. Es gibt mit Sicherheit Möglichkeiten, dich zu unterstützen.

Es ist auf jeden Fall der Mühe wert, für dich den richtigen Weg zu suchen. Auch dafür, dass das möglich ist, zahlen wir schließlich in die Krankenversicherung ein!

Deswegen rate ich dir dringend dazu, dich einem Arzt anzuvertrauen. Wobei ich das Wort Vertrauen besonders betone. Sonst wird das nichts.

Ich wünsche dir alles Gute!

Gruß

wespetrev


doubleJay
Beigetreten: 09.10.2006
BlackMember

die selbstdiagnose adhs ist sehr einfach, aber auch sehr dumm, weil
- der symptomkomplex durch andere psychische oder neurologische störungen ausgelöst werden kann
- es nicht heilbar ist
- aufgrund der komorbidität im erwachsenenalter einen erfahrenen diagnostiker braucht

du wirst in der fachliteratur genügend gründe finden, deine diagnose anzunehmen, weils eben so einfach ist, aber das bringt dich nicht weiter, du fühlst dich nur kurz bestätigt und besser.

dass ritalin dir hilft, liegt an der amphetamin wirkung, es "hilft" jedem.

du hast den thread hier aufgemacht, weil du nach gründen suchst, nicht zum arzt zu gehen (z.b. meditation). ich geb dir aber einen grund, es doch zu tun: du lebst 24/7 dein leben und das einzige, was du sicher weißt, ist, dass du mal stirbst. also warum die zeit bis dahin mit unglücklichsein verschwenden?

das beste, was du tun kannst, ist, zum facharzt zu gehen (neurologe oder psychiater) und dich "dumm" zu stellen, dh. du nimmst die patientenrolle an, schilderst deine symptome aber erwähnst nie das wort "ADHS". der arzt kann so am besten arbeiten und du "riskierst" eben, ihm einfach zu vertrauen und ein wenig selbstrespekt einzubüßen.

das ist alles nicht einfach, aber wenn du darunter leidest, ist das möglicherweise der wichtigste schritt in deinem leben, den du jetzt gehen musst..


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