Hallo zusammen,
es handelt sich bei diesem Beitrag um eine anonymisierte Nachricht im Rahmen unseres Angebots zur Erstellung von Anonymen Threads im Kummerkasten.
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Viele Grüße
Khrano
************* (Originaltext) *************
Hallo, ich bin hier im Forum schon einige Jahre aktiv und möchte diesen Beitrag anonym verfassen, weil es mir peinlich ist und es mir lange Zeit selber nicht eingestehen konnte.
Zunächst möchte ich euch meinen Werdegang erläutern. Nach meinem Realschulabschluss habe eine Ausbildung zum Speditionskaufmann absolviert und danach 3 Jahre gearbeitet.
Im zweiten Arbeitsjahr habe ich angefangen an einem Abendsgymnasium das Abitur nachzuholen. Allerdings war es aufgrund vieler Überstunden etc. nicht möglich und habe den Beruf an den Nagel gehängt und das Abitur in Vollzeit gemacht.
Währendessen habe ich das Pokerspiel für mich entdeckt. Es war 2006 und die Pokertische waren voll mit Fischen. Ich würde behaupten, dass man heuzutage auf NL 25 ein Niveau erreicht hat, was 2006-2007 auf NL 400 zu finden war.Ich habe immer mehr gegrindet und habe irgendwann NL 600-1000 erreicht. Vom monatlichen Gehalt war es ein Traum! Ich habe das xfache von dem verdient, was ich als Speditionskaufmann bekommen habe, zudem hatte ich ruhiges Leben. Keine Überstunden, keine nervigen Arbeitskollegen oder Kunden, keine Verpflichtungen ..... .
In der Zeit habe ich meinem Bekanntenkreis und Freundeskreis einiges voraus gehabt. Viele waren zu der Zeit noch Studenten und ich konnte mir im Gegensatz zu ihnen ziemlich viel leisten. Wobei ich nie richtig verschwenderisch war, aber ich war viel auf Reisen.
Meiner damailigen Freundin und geplanter Ehefrau wurde es zu viel. Sie hat mich nach 8 Jahren verlassen weil ich durch das Pokern ein anderer Mensch geworden bin. Laut ihr bin ich abgestumpft, vom fröhlichen Menschen zum lustlosen, gelangweilten öden Menschen mutiert. Zudem würde ich immer kindlicher werden(wenn ich mir den Schwachsinn im BBV, 4chan etc. reinziehe und sehe wie ich mich daran beteilige ist es kein Wunder).
Also musste ich aus der Wohnung ausziehen (sie hat gerade ihr Studium beendet und konnte die Wohnung jetzt selber finanzieren) und habe mir was neues gesucht. Gleichzeitig habe ich mich an einer Uni eingeschrieben und Wirtschaftsinformatik angefangen zu studieren. Das war im WS 2008/2009 und theoretisch macht mir das Studium auch Spaß und würde mit dem Niveau klarkommen. Aber die Pokertische wurden immer schlechter und deswegen musste ich immer mehr Spielen damit ich den Stundenlohn halten konnte.
Mein Niveau immer schlechter und musste die hohen Limits verlassen. Es lief alles nicht mehr wie früher. Weder an den Tischen noch im Privatleben. Meine Bekannten haben mich inzwischen alle "überholt". Gründen Familien, kaufen sich Häuser und sind mitten im Leben. Ich bin jetzt Anfang 30, grinde auf den Smallstakes herum und komme nicht vor und zurück.
Inzwischen bin ich elften Semester und habe gerade mal 105 Creditpoints (180 - BA Arbeit brauche ich). Ich wäre unter normalen Umstanden längst fertig. Das Studium ist nicht zu schwer für mich, sondern ich habe einfach keine Möglichkeit zu lernen bzw. mich damit zu beschäftigen. Für mehr als höchstens 2 Klausuren im Semester reicht es einfach nicht.
Wenn ich 8 Stunden am Tag vor den Tischen sitze habe ich danach einen Gehirnfick und an lernen ist nicht zu denken. In die Uni gehe ich schon seiten Monaten nicht mehr und bin dort nur noch wenn Klausuren anstehen. Soziale Kontake sind fast komplett eingeschlafen. Aufgrund meines tristen und einfachen Alltag weiß ich auch absolut nichts mehr zu erzählen. Ich kann meinen Bekannten schlecht erzählen wie es ist 15h am Tag vor dem Rechner zu sitzen. Somit habe ich viele Verabredungen immer abgesagt. Inzwischen werde ich sehr selten von den ehmaligen Freunden angerufen.
Ich bekomme weder Bafög noch andere Unterstützungen, von daher kann ich nicht mit dem Pokern aufhören. Obowohl es mir bis auf Depressionen und ein paar Euros nichts mehr bringt.
Donwswings machen mich seelisch kaputt und Upswings werden nur noch akzeptiert. Freude am Leben = Null.
Ich weiß einfach nicht weiter. Wenn ich so weiter mache bin ich nicht vor 35 mit dem Studium fertig und eine andere Möglichkeit sehe ich nicht. Irgendwie muss ich ja mein Leben finanzieren.
Eine Möglichkeit bestünde, aber da müsste ich alle Karten offen auf den Tisch legen und bei meinen Eltern einziehen. Dann könnte ich mein Leben vielleicht mit 1 oder 2 Minijobs finanzieren und wohlmöglich schneller studieren. Aber ich weiß nicht ob ich das kann.
Es geht nicht mehr mit und nicht mehr ohne Poker. Bisher habe ich mich nur meinem besten Kumpel geöffnet und er hat mir eine Suchtberatung empfholen. Aber imo ist das nicht das Problem. Ich bin nicht süchtig nach dem Spiel, sondern nur noch nach dem Geld. Wenn ich nicht darauf angewiesen wäre, würde ich von heute auf Morgen mit dem Pokern aufhören. Inzwischen hasse ich dieses Spiel. Es hat mir ein zwischenzeitliches Hoch ermöglicht, aber auf der anderen Seite meine besten Jahre meine Frau, Freunde und Möglichkeiten genommen. Zusammengefasst kann man sagen durch oder wegen dem Pokerspiel ist mein Leben im Arsch.
Ich erwarte keine Lösung von fremden Leuten, aber hier habe ich die Möglichkeit, dass es überhaupt jemand liest und irgendetwas dazu schreibt und mir vielleicht ein paar Tipps geben kann.