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Gefangen im Pokerteufelskreislauf

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Khrano
Beigetreten: 20.06.2009
PokerStrategist

Hallo zusammen,

es handelt sich bei diesem Beitrag um eine anonymisierte Nachricht im Rahmen unseres Angebots zur Erstellung von Anonymen Threads im Kummerkasten.
Dieser Beitrag, sowie eventuelle folgende Beiträge, stellen somit nicht meine persönliche Meinung oder die von PokerStrategy.com dar.

Viele Grüße
Khrano

************* (Originaltext) *************

Hallo, ich bin hier im Forum schon einige Jahre aktiv und möchte diesen Beitrag anonym verfassen, weil es mir peinlich ist und es mir lange Zeit selber nicht eingestehen konnte.
Zunächst möchte ich euch meinen Werdegang erläutern. Nach meinem Realschulabschluss habe eine Ausbildung zum Speditionskaufmann absolviert und danach 3 Jahre gearbeitet.
Im zweiten Arbeitsjahr habe ich angefangen an einem Abendsgymnasium das Abitur nachzuholen. Allerdings war es aufgrund vieler Überstunden etc. nicht möglich und habe den Beruf an den Nagel gehängt und das Abitur in Vollzeit gemacht.
Währendessen habe ich das Pokerspiel für mich entdeckt. Es war 2006 und die Pokertische waren voll mit Fischen. Ich würde behaupten, dass man heuzutage auf NL 25 ein Niveau erreicht hat, was 2006-2007 auf NL 400 zu finden war.Ich habe immer mehr gegrindet und habe irgendwann NL 600-1000 erreicht. Vom monatlichen Gehalt war es ein Traum! Ich habe das xfache von dem verdient, was ich als Speditionskaufmann bekommen habe, zudem hatte ich ruhiges Leben. Keine Überstunden, keine nervigen Arbeitskollegen oder Kunden, keine Verpflichtungen ..... .

In der Zeit habe ich meinem Bekanntenkreis und Freundeskreis einiges voraus gehabt. Viele waren zu der Zeit noch Studenten und ich konnte mir im Gegensatz zu ihnen ziemlich viel leisten. Wobei ich nie richtig verschwenderisch war, aber ich war viel auf Reisen.
Meiner damailigen Freundin und geplanter Ehefrau wurde es zu viel. Sie hat mich nach 8 Jahren verlassen weil ich durch das Pokern ein anderer Mensch geworden bin. Laut ihr bin ich abgestumpft, vom fröhlichen Menschen zum lustlosen, gelangweilten öden Menschen mutiert. Zudem würde ich immer kindlicher werden(wenn ich mir den Schwachsinn im BBV, 4chan etc. reinziehe und sehe wie ich mich daran beteilige ist es kein Wunder).

Also musste ich aus der Wohnung ausziehen (sie hat gerade ihr Studium beendet und konnte die Wohnung jetzt selber finanzieren) und habe mir was neues gesucht. Gleichzeitig habe ich mich an einer Uni eingeschrieben und Wirtschaftsinformatik angefangen zu studieren. Das war im WS 2008/2009 und theoretisch macht mir das Studium auch Spaß und würde mit dem Niveau klarkommen. Aber die Pokertische wurden immer schlechter und deswegen musste ich immer mehr Spielen damit ich den Stundenlohn halten konnte.
Mein Niveau immer schlechter und musste die hohen Limits verlassen. Es lief alles nicht mehr wie früher. Weder an den Tischen noch im Privatleben. Meine Bekannten haben mich inzwischen alle "überholt". Gründen Familien, kaufen sich Häuser und sind mitten im Leben. Ich bin jetzt Anfang 30, grinde auf den Smallstakes herum und komme nicht vor und zurück.
Inzwischen bin ich elften Semester und habe gerade mal 105 Creditpoints (180 - BA Arbeit brauche ich). Ich wäre unter normalen Umstanden längst fertig. Das Studium ist nicht zu schwer für mich, sondern ich habe einfach keine Möglichkeit zu lernen bzw. mich damit zu beschäftigen. Für mehr als höchstens 2 Klausuren im Semester reicht es einfach nicht.
Wenn ich 8 Stunden am Tag vor den Tischen sitze habe ich danach einen Gehirnfick und an lernen ist nicht zu denken. In die Uni gehe ich schon seiten Monaten nicht mehr und bin dort nur noch wenn Klausuren anstehen. Soziale Kontake sind fast komplett eingeschlafen. Aufgrund meines tristen und einfachen Alltag weiß ich auch absolut nichts mehr zu erzählen. Ich kann meinen Bekannten schlecht erzählen wie es ist 15h am Tag vor dem Rechner zu sitzen. Somit habe ich viele Verabredungen immer abgesagt. Inzwischen werde ich sehr selten von den ehmaligen Freunden angerufen.

Ich bekomme weder Bafög noch andere Unterstützungen, von daher kann ich nicht mit dem Pokern aufhören. Obowohl es mir bis auf Depressionen und ein paar Euros nichts mehr bringt.
Donwswings machen mich seelisch kaputt und Upswings werden nur noch akzeptiert. Freude am Leben = Null.
Ich weiß einfach nicht weiter. Wenn ich so weiter mache bin ich nicht vor 35 mit dem Studium fertig und eine andere Möglichkeit sehe ich nicht. Irgendwie muss ich ja mein Leben finanzieren.
Eine Möglichkeit bestünde, aber da müsste ich alle Karten offen auf den Tisch legen und bei meinen Eltern einziehen. Dann könnte ich mein Leben vielleicht mit 1 oder 2 Minijobs finanzieren und wohlmöglich schneller studieren. Aber ich weiß nicht ob ich das kann.
Es geht nicht mehr mit und nicht mehr ohne Poker. Bisher habe ich mich nur meinem besten Kumpel geöffnet und er hat mir eine Suchtberatung empfholen. Aber imo ist das nicht das Problem. Ich bin nicht süchtig nach dem Spiel, sondern nur noch nach dem Geld. Wenn ich nicht darauf angewiesen wäre, würde ich von heute auf Morgen mit dem Pokern aufhören. Inzwischen hasse ich dieses Spiel. Es hat mir ein zwischenzeitliches Hoch ermöglicht, aber auf der anderen Seite meine besten Jahre meine Frau, Freunde und Möglichkeiten genommen. Zusammengefasst kann man sagen durch oder wegen dem Pokerspiel ist mein Leben im Arsch.
Ich erwarte keine Lösung von fremden Leuten, aber hier habe ich die Möglichkeit, dass es überhaupt jemand liest und irgendetwas dazu schreibt und mir vielleicht ein paar Tipps geben kann.


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15 Antworten
Shore
Beigetreten: 11.11.2007
PokerStrategist

Wenn du nur süchtig nach dem Geld bist, dann such dir einen Minijob, nehm einen Kredit auf und konzentrier dich auf dein Studium. Parallel dein Sozialleben in Form von Kochkursen usw wieder aufbauen.

PS: Deine Freunde haben dich nicht "überholt". Das bildest du dir alles nur ein.


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nebosback
Beigetreten: 09.11.2009
PokerStrategist

Original von Khrano
Hallo zusammen,

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Khrano

************* (Originaltext) *************
Es hat mir ein zwischenzeitliches Hoch ermöglicht, aber auf der anderen Seite meine besten Jahre meine Frau, Freunde und Möglichkeiten genommen. Zusammengefasst kann man sagen durch oder wegen dem Pokerspiel ist mein Leben im Arsch.

Ist exakt das, was jeder Suchtkranke im Herbst/Winter seiner "Karriere" sagt. Ob jetzt das Spiel/Geld der Auslöser für die Probleme ist, scheint imo relativ egal zu sein.

Man kann heutzutage relativ unproblematisch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, frei von jedem Stigma.

Sofern deine Eltern ein Haus/größere Wohnung haben, würde ich da für 1-2 Semester wieder einziehen.

Die restlichen CPs kann man auch schnell reinbolzen, scheinst ja nicht vollkommen dämlich zu sein, wenn du trotz mangelnder Anwesenheit die Klausuren bestehst.

Edit: Das mit den Bekannten täuscht, wie Shore schon sagte. Das sind alles nur Momentaufnahmen und dir fehlt der tiefere Einblick. Kenne genug die für die nächsten 30/40 Jahre mit Immofinanzierung festgenagelt sind oder aufgrund anderer Verpflichtungen ihre Träume in den Wind schlagen.


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Zitat
wasnlos
Beigetreten: 25.12.2006
Elite Grinder

Quit Poker! Auch wenn das immer einfacher klingt als es ist...
Wenn du mal wieder übeslst Bock kriegst, lad deine Kollegen zu nem Homegame ein.

Such dir einen Job innerhalb dessen du wieder mehr unter Leute kommst (z. B. Gastro...). Ist gut fürs Sozialleben und vielleicht lernst du dort auch ein nettes Mädel kennen. Du musst weg vom Rechner, würde daher auch versuchen mehr inner Uni abzuhängen (auch wenn du dich dort "alt" fühlst). Such dir Lerngruppen, setz dich in die Bib, verabrede dich zum Essen.

Wenn es finanziell schwierig wird, zieh halt zu deinen Eltern oder nimm einen Studienabschluskredit.

Mach Sport! Das Internet/Grinden entzieht dir krass viel Energie. Auch wenn es sau schwer ist sich aufzuraffen, bringt dich körperliche Beanspruchung physisch und was noch wichtiger ist psychisch besser drauf.

gl


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Zitat
TheLegend142
Beigetreten: 21.09.2007
Elite Grinder

Kenne das auch ein bißchen von mir. Allerdings hatte ich nie wirklich Geldsorgen, da ich extrem sparsam gelebt habe.

Mir hat es auf jeden Fall geholfen sich ganz von Poker zu lösen. Gerade wenn du keine ordentlichen Winnings mehr einfährst ist deine BR doch sowieso gefährdet. Selbst auf NL100 hast du Swings von 20-30 Stacks, davon kannst du mehrere Monate leben.

Quit Poker. Zahl dir den Rest aus und überbrück mit dem Geld das nächste halbe oder ganze Jahr. Wenn nötig zieh halt wieder bei deinen Eltern ein. Aber konzentriere dich zu 100% auf dein Studium, dann bist du auch in spätestens 3 Semestern damit durch.

Das du Pokern musst redest du dir nur selbst ein. Das Spiel ist einfach mörderisch, gerade wenn du aufs Geld angewiesen bist. Es lenkt zu stark ab und hält dich von den wirklich wichtigen Dingen im Leben ab!

Quit Poker. Wenn du immer noch Small-Stakes spielst, hast du sicher noch ein paar k$, die du dir auszahlen lassen kannst.

Sprich mit deinen Eltern erkläre ihnen die Situation und lege ihnen evtl. deine Finanzen offen verbunden mit einem Plan, wie du dein Studium möglichst bald beenden willst (zumindest wenn du ein halbwegs gutes Verhältnis zu ihnen hast, werden sie froh sein, dass "du endlich dir Kurve gekriegt hast" und "vernünftig" wirst.)

Quit Poker!!


Antwort
Zitat
meistermieses
Beigetreten: 31.12.2006
Elite Grinder

Du schreibst, dass du nicht viel Geld ausgegeben hast. Wieso hast du denn jetzt nichts mehr übrig?


Antwort
Zitat
Rubnik
Beigetreten: 12.02.2006
Oldschool Grinder

Die Geschichte im OP ist schon heftig von der Entwicklung, wie Du sie beschreibst.
Allerdings habe Ich mir etwas anderes erwartet als ich den Threadtitel gelesen haben. Genauer gesagt fehlt mir da etwas, und zwar .... der Teufelskreis in dem sich Ursache und Wirkung immer weiter hochschaukeln.

Du sagst Du grindest 8h täglich und kommst damit über die Runden - aber auch nicht mehr. Das Spiel macht dir keinen Spass und wegen der hvdr Zeit geht dein soziales Umfeld flöten. Du bist aber nicht süchtig nach dem Spiel an sich.

Ich kann in deinem post keinen einzigen Grund erkennen der dich hindert, mit dem pokern aufzuhören, als Student solltest eigentlich einen Job finden können, der dich mit geringerem Zeitaufwand ernährt.

Also ist das Problem atm entweder gar nicht so gross wie es dir vorkommt -> dann höre auf mit Pokern.
Oder Du bist doch süchtig -> dann solltest Du dir auf jeden Fall Hilfe suchen.

Denk doch mal genauer darüber nach, warum Du überhaupt das Gefühl hast, in einem Teufelskreis (0oder meinetwegen auch: Kreislauf) zu stecken.


Antwort
Zitat
mosl3m
Beigetreten: 04.07.2007
Oldschool Grinder

Gerade als Winfo werden einem "angenehme" SHK-Stellen (mit entsprechendem Praxisbezug) beinahe "hinterhergeworfen".
Such dir eine 19h/ Woche- Stelle und mach die restlichen 75 ECTS in 3 Semestern. Das sollte dich vom Aufwand her nicht umbringen (Regel wären ja 90).

Wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg dabei!
Darf man Fragen, an welcher Uni du studierst?

Vielleicht weiß jemand aus dem Forum von einer passenden Stelle für dich.

vg


Antwort
Zitat
AyCaramba44
Beigetreten: 27.04.2010
BlackMember

Das Leben besteht aus Niederlagen und ob andere Bekannte "mehr" haben als du oder nicht sollte doch vollkommen egal sein. Du musst auf dich schauen und dich fragen was du wirklich willst und dann was ändern. Du steckst auch überhaupt nicht in einem Teufelskreislauf! Du studierst und hast bessere Chancen als die Mehrheit der Bevölkerung. Als normaler Student hat man eben kein Geld, geht fast allen so.

Finde folgendes Sprichtwort ganz gut:
"Die Menschen wollen mit Geld, das ihnen nicht gehört, Sachen kaufen, die sie nicht wollen, um damit anderen zu imponieren, die sie nicht mögen."

1) Sozialen Kontakt suchen (Uni, Sportverein, alte Freunde...)
2) Sport machen an der frischen Luft (ganz wichtig, du wirst dich viel besser fühlen auch wenn man sich dazu erstmal aufraffen muss (vielleicht Unisport)
3) Gesunde Ernährung
4) Immer zur gleichen Zeit schlafen und die Hauptmahlzeiten einnehmen, nicht zu spät spielen auch wenn es +EV ist. Spätestens z.B. um 0Uhr aufhören, damit du dann gegen 2Uhr auch einschlafen kannst. Wege finden wie du zur Ruhe kommst. Zum Beispiel 1 Stunde gemütlich ein Hörbuch vor dem einschlafen hören.
-> Das Leben erstmal wieder in den Griff bekommen

Dazu kommt jetzt der Sommer nachdem es der Winter mit den wenigsten Sonnenstunden seit den Wetteraufzeichnungen war. Also wird dir das ebenfalls nochmal einen Schub geben, wenn du rausgehst. Wenn es dir zu blöd ist Spazieren zu gehen alleine, dann kaufst du eben täglich ein und hast ein Ziel + frisches Essen.

Wenn du das alleine nicht schaffst, dann kannst du entweder noch zu deinen Eltern und dort a) weniger Geld benötigen und b) wieder täglich Kontakt haben und auf andere Gedanken kommen oder eben dir prof. Hilfe suchen.

Du siehst also, dass du noch soviele Möglichkeiten hast und wenn du dein Leben auf die Reihe bekommst, dann kommt auch die Freundin mit der du z.B. eine Familie gründen kannst von ganz alleine. Wenn du allerdings nicht aus deiner Wohnung rauskommst, dann wird das nichts.

Vielleicht helfen dir auch "Strafen" weiter:
- Max. 1 Stunde Pokerstrategy pro Tag bzw. nur einmal pro Tag hier reinschauen
- Jeden Tag raus (1x Sport, 1x einkaufen...)
--> Falls du das nicht machst, bleibt am nächsten Tag der PC komplett aus und es wird auch kein Poker gespielt. (Keine wirkliche Bestrafung, aber erfüllt denke ich seinen Zweck)

Ruhetage/Urlaub:
Min. 1 Tag pro Woche komplett nicht Pokern
Ab und zu auch mal 1-2 Wochen Urlaub komplett ohne Poker oder daran zu denken
-> Ohne Pausen geht es einfach nicht und es wird schnell kontraproduktiv


Antwort
Zitat
chrisbet
Beigetreten: 31.12.2007
Oldschool Grinder
Spoiler

Original von RubnikAllerdings habe Ich mir etwas anderes erwartet als ich den Threadtitel gelesen haben. Genauer gesagt fehlt mir da etwas, und zwar .... der Teufelskreis in dem sich Ursache und Wirkung immer weiter hochschaukeln.(...)Ich kann in deinem post keinen einzigen Grund erkennen der dich hindert, mit dem pokern aufzuhören, als Student solltest eigentlich einen Job finden können, der dich mit geringerem Zeitaufwand ernährt.Also ist das Problem atm entweder gar nicht so gross wie es dir vorkommt -> dann höre auf mit Pokern.Oder Du bist doch süchtig -> dann solltest Du dir auf jeden Fall Hilfe suchen.Denk doch mal genauer darüber nach, warum Du überhaupt das Gefühl hast, in einem Teufelskreis (0oder meinetwegen auch: Kreislauf) zu stecken.

Finde diesen Gedankenanstoß sehr gut. Darüber solltest du dir noch klarer werden.

Btw gibt es keine Regelstudienzeit bei dir?


Antwort
Zitat
Maniac81
Beigetreten: 02.08.2006
PokerStrategist

Ich glaub hier wissen viele nicht, wie es einem geht, der vermutlich noch nie(oder ganz selten) mal normal gearbeitet hat und nach zig Jahren der Isolation mit 15 Stunden/Tag vorm Bildschirm dann nen Job finden soll. Vielleicht schätz ich die Lage auch falsch ein, aber normalerweise entwickelt sich bei einer solchen Isolation auch eine Sozialphobie.


Antwort
Zitat
wasnlos
Beigetreten: 25.12.2006
Elite Grinder

Original von Maniac81
Ich glaub hier wissen viele nicht, wie es einem geht, der vermutlich noch nie(oder ganz selten) mal normal gearbeitet hat und nach zig Jahren der Isolation mit 15 Stunden/Tag vorm Bildschirm dann nen Job finden soll. Vielleicht schätz ich die Lage auch falsch ein, aber normalerweise entwickelt sich bei einer solchen Isolation auch eine Sozialphobie.

Auch wenns sehr schwer fällt muss man den Arsch hoch kriegen:

--> psychotherapeutische Uniambulanz
--> soziales Kompetenztraining
--> Exposition (wenn das nicht therapeutisch unterstützt wird, kann eben mit Hilfe von Freunden Schritt für Schritt versuchen sich unangenehmen sozialen Situationen zu stellen, finde wie oben schon erwähnt sowas wie nen Job inner Gastro ne gute Sache! Da wird man zwar "ins kalte Wasser geschmissen", muss aber einfach interagieren und improved dann auch direkt im sozialen Kontakt und lernt neue Leute kennen.)


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Zitat
Guillaume
Beigetreten: 20.01.2006
Elite Grinder

Irgendwie finde ich den Ansatz : es geht finanziell nicht ohne Poker in deiner Situation etwas falsch :

Man neigt zu vergessen daß von Anfang an Poker als haupt Einnahmequelle einige Probleme mit sich brachte. Es war und bleibt eine legale Grauzone, mit große Ungewissheit was die Zukunft angeht. Der Lohn kann auch stark schwanken, so daß man mit Schwierigkeiten irgendwelche Langzeit Pläne mit dem Geld machen kann. Hinzu kommen viele Nachteile was der Lifestyle anbelangt. Also eine gewisse sozial Isolierung, ungünstiges Lebensrythmus, Mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung und Eventuelle andere Probleme wie eine große Mentale Belastung und vielleicht sogar eine leichte Neigung zu erhöhten Konsum von Alkohol, Zigarretten, Kaffe, oder ähnlichem. Das sind einfach allersamt Nachteile die der Poker gegenüber einen Regularen Job schon immer gehabt hat.

Diese hat man aber damals in Kauf genommen, als die Einnahmen hoch waren, und vor allem als die Aussicht auf einen Aufstieg zu Winning Player auf sehr hohen Limits noch etwas realistisch war.

Es scheint bei dir aber nicht mehr der Fall sein. Du hast keinen Spaß an der Sache mehr, die Gewinne scheinen auch nicht gerade der Rede Wert (ansonsten wurde es dir nicht so schwer fallen dir eine längere Pause zu leisten) und, ohne einen völliger Wandel an deinen Heransgehensweise scheint einen Aufstieg zu richtigen Pro auch ausgeschlossen.

Das heißt du betreibst gerade einen Job der deutlich ungesunder, Mental stärker belastend, sozial destruktiver, Unbefriedigender und völlig unsicherer ist als einen Belibiegend anderen Job. Und finanziell scheint er nur leicht interessanter zu sein als diesen anderen Job. Vor allem wenn man bedenkt daß die ZUkunftsaussichten scheinen nicht gerade blended beim Poker zu sein, was sie bei einen kleinen Job und Abschluss deiner Studium schon eher wären.

Also für mich hat in der Form Poker bei dir ausgedient. Entweder bist du in der Lage dermaßen an dir und deinen Spiele zu arbeiten daß du wieder ziemlich hoch einen Winning Player sein kannst (aber dafür scheinst du mir das Spiele gegenüber zu unmotiviert zu sein) oder der Poker soll höchsten das wieder werden was es einmal war : einen Hobby.


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Zitat
carlosgigi
Beigetreten: 09.10.2006
Elite Grinder

a


Antwort
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TheLegend142
Beigetreten: 21.09.2007
Elite Grinder

Original von carlosgigi
kann nur sagen wie es bei mir war. ich habe auch 4 jahre lang mehr oder weniger professionell gepokert und mir dadurch viele sachen leisten können, die sich andere halt nicht leisten konnte. (studiumkollegen) ich war viel auf reisen, konnte mir praktisch kaufen was ich wollte und machen wozu ich lust hatte, wann ich es wollte. das studium litt darunter natürlich. in 3 semestern habe ich nicht eine einzige klausur bestanden. irgendwann kam dann halt der punkt, wo es zum einen pokertechnisch immer schwieriger wurde und ich mir zum anderen gedanken über die zukunft gemacht habe und in dieser poker keine rolle spielen sollte. mann muss sagen,dass ich allerdings freunde ausserhalb des pokerns hatte und welche, die damit auch was zu tun hatten. somit war ich nie wirklich nur in dieser pokerszene isoliert.

ich spiele jetzt seit november 2011 kein poker mehr und der ausstieg zu beginn viel mir schon schwer. die umstellung des lifestyles von "ich sehe was, was mir gefällt und kaufe es" zu "nur noch das nötigste kaufen" ,ist schon gewaltig. im ersten semester nach dem pokern habe ich wieder keine klausur bestanden und das war irgendwie frustrierend, aber ich brauchte halt meine zeit um wieder auf ein geregeltes leben klar zu kommen.

mittlerweile bin ich an meiner diplomarbeit dran und werde im september mein studium abgeschloßen haben. ich lebe im moment von 400 € im monat, die ich mir bei herz autovermietung verdiene. früher habe ich leuten 18 euro die stunde bezahlt damit sie meine hausübungen machen und heute wasche ich autos für 8 € die stunde.

ich hatte mir halt nie irgendetwas zur seite gelegt, sondern habe es direkt für reisen etc. ausgegeben.

dennoch bereue ich nichts von dem was ich gemacht habe und das ich für 8 € die stunde jetzt arbeiten gehe, stört mich auch nicht.

das viele geld hatte mich schon verändert. ich bin froh diese erfahrung gemacht gehabt zu haben und ich weiss, dass ich jetzt auch anders damit umgehen würde als damals.

ich kann dir nur sagen, wenn du bereit bist auf einige dinge zu verzichten, kannst du den austieg schaffen. es braucht seine zeit um sich auf die neue situation zu gewöhnen aber der mensch gewöhnt sich mit der zeit an alles.

ich bin extrem spielsuchtgefährdet aber ich habe irgendwie nie ernsthaft daran gedacht wieder mit dem pokern anzufangen. ich wusste damals als ich die entscheidung quit poker getroffen habe: ok das wars.

vielleicht hilft dir das ein wenig weiter. du musst halt selbst entscheiden...

Glückwunsch, dass du die Kurve gekriegt hast! War sicher nicht einfach.


Antwort
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ich erkenne viele parallelen zu meinem eigenen leben,das wird wohl den meisten hier auch so ergehen.viel glueck an alle aussteiger!


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