Hallo Leute,
ich stehe grade am Scheideweg meiner „beruflichen“ Laufbahn und bin mehr oder weniger ziemlich ratlos und verzweifelt. Daher werden die folgenden Textpassagen sicherlich auch nicht komplett strukturiert und in logischer Abfolge zu lesen sein, aber ich will mir das alles jetzt einmal von der Seele schreiben!
Kurz zu mir:
Mittlerweile bin ich 24 und studieren aktuell Sozialwissenschaften im 4. Semester. Nach dem Abi habe ich meinen Zivildienst abgeleistet, daraufhin habe ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen abgeschlossen. Allerdings wollte ich nicht in diesem Berufsfeld weiterarbeiten und habe mich daher für mein Studium entschieden.
Ein guter Kumpel von mir, der mittlerweile fertig ist, hat genau jenen Studiengang empfohlen und ich habe mich, da wir beide die relativ gleichen Interessen verfolgen, relativ blind in mein Studium gestürzt. Das Studium kombiniert Politikwissenschaften, Soziologie und etwas BWL/VWL – leider habe ich relativ schnell gemerkt, dass es mich bis auf den politischen Aspekt eher langweilt und nicht sehr reizt. Das war bereits im 2. Semester mehr oder weniger der Fall.
Ich habe mich dann, anstatt dies meinen Eltern, die mein Studium teil finanzieren, zu kommunizieren, für einen Lebensstil entschieden, den ich heute bereue. Ich habe mich auf Poker fokussiert und mein Studium komplett schleifen lassen – meinen Eltern aber vorgegaukelt, dass es weiterhin gut liefe etc.
Da war der Zug eigentlich schon komplett abgefahren, denn a) würde ich die verpassen Inhalte eh kaum noch aufholen ohne nicht in 8 oder mehr Semestern fertig zu werden und b) will ich dieses Studium eigentlich auch gar nicht weiterführen.
Daher habe ich mich, leider viel zu spät, für den gehobenen Polizeidienst in meiner Heimat (Schleswig-Holstein) beworben und nach dem Einstellungsverfahren leider eine Absage erhalten. Das war heute.
Jetzt stehe ich also vor einer ungewissen Zukunft. Ich weiß selber grade nicht, was ich jetzt machen soll – meine Interessen (Sport, Geschichte, Politik) sind beruflich nur schwer zu vereinigen. Auf ein weiteres Studium habe ich, Stand heute, überhaupt keine Lust. Habe auch gemerkt, dass es mir ganz, ganz schwer fällt, mich für uninteressante Studieninhalte zu motivieren und die Arschbacken zusammenzukneifen. Bin für ein Studium wohl schlecht geeignet, es sei denn, ich brenne dafür. Das wäre aber wahrscheinlich nur bei o.g. Themenbereichen der Fall – zudem bin ich auch nicht mehr der Jüngste und will nicht mit 30 noch in der Berufsfindungsphase versauern.
Was ich auch merke ist, dass ich meine Heimat vermisse. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich bei meinen Eltern wieder einziehen muss oder direkt in die Kleinstadt, in der wir leben. Aber ich vermisse meinen Fussballverein (leider gibt es hier keinen annähernd vergleichbaren Verein), mein soziales Umfeld (habe dort etliche gute Freunde/-innen, mit denen ich jederzeit was starten könnte, während es sich hier auf ein relativ überschaubares Umfeld beschränkt sowie, und das mag sich jetzt lächerlich anhören, die Küste und das Meer. Ich fühle mich hier einfach nicht wirklich heimisch, bin aber ein Mensch, der das Gefühl von Geborgenheit benötigt.
Meine Eltern wissen zwar, dass ich mein Studium nicht mehr in der Regelstudienzeit absolvieren würde und das ich es abgebrochen hätte, wenn ich bei der Polizei hätte anfangen können. Doch wollen sie, dass ich es irgendwie durchziehe, was ich natürlich verstehen kann. Wüssten sie, dass ich mich quasi schon verabschiedet habe, wäre das ein bitterer Schlag für sie.
Ich fühle mich grade richtig dreckig. Zum Einen wegen der ganzen Lügen, die ich speziell meinen Eltern aufgetischt habe, aber auch weil ich mich selber stetig belogen habe und mir nicht eingestehen wollte, dass Poker mich nur davon abhält, was Sinnvolleres mit meinem Leben anzufangen. Ich habe gutes Geld gemacht und konnte, abgesehen von der Monotonie und Langeweile, ein relativ unbeschwertes Leben führen und für einen „Studenten“ einen Lebensstil führen, den sich andere so nicht zu erträumen wagen.
Mein Plan war jetzt eigentlich, dass ich ab August in Kiel bei der Polizei durchstarte und bin dahin mir soviel Geld erpokere, dass ich meine Eltern finanziell entschädigen kann und für mich noch was übrig bleibt, was ich anlege.
Aber der „Traum“ ist ausgeträumt
Keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen soll. Ich könnte sicherlich ein Jahr als Pokerpro leben, will das aber nicht. Will wieder ein geregelten Tagesablauf, will nicht den ganzen Tag am Computer versauern, sondern was Sinnvolles machen.
Ich weiß selber nicht, wie ich es formulieren soll. Vielleicht könnt ihr hier trotz der wenigen Informationen Vorschläge liefern, die mir den richtigen Anstoß geben.
Die Absage ist auch noch sehr frisch und ich werde die nächsten Tage sicherlich noch sehr viel nachdenken und in mich hören, aber objektive Aussagen von mir unbekannten Personen, die möglicherweise einen ähnlichen Weg gegangen sind und/oder die einfach nur gute Tipps haben, können sicherlich nicht schaden!
Ich bedanke mich schon einmal im Voraus bei Euch!