cliffnotes:
-freundin hat nach 3 jahren schluß gemacht ohne unglücklich mit mir zu sein
-für mich die frau meines lebens
-jetzt treibe ich haltlos durch mein leben und weiss nicht was ich tun soll
die lange version:
rückwirkend wurde mir klar das sie schon ein paar wochen distanziert war. realisiert habe ich es erst letzte woche, als ich sie aus meinem einwöchigen urlaub anrief um mal zu fragen wie es geht, und was sie tut, um mit meiner freundin zu reden eben. Da hat sie mir gesagt, dass es ihr nicht gutgeht, sie druck spürt und angst vor der zukunft hat. mir schwante nichts gutes, aber ich habe das gespräch deeskaliert und ihr gesagt sie soll drüber nachdenken und wir würden nächsten donnerstag reden (gemeint ist der vor 6 tagen).
ab dem zeitpunkt wusste ich aber schon irgendwie, das es aus sein würde, war sehr niedergeschlagen und begann mich abzulenken wo es nur geht. auf einer familienfeier habe ich mich mächtig zulaufen lassen, und eigentlich seit dem fast jeden tag alkohol getrunken, gestern nacht das erste mal nicht, aus angst vor alkoholismus. ich sprach zwar etwas mit freunden drüber, aber da die meisten in litauen (bin dort geboren) meine freundin nicht kennen, war das wenig ertragreich.
Als der Tag des gesprächs kam, ich war grade erst zurück, machte ich mich fein, legte kontaktlinsen ein, trug das parfüm auf das sie am liebsten mag und besorgte eine gerbera, ihre lieblingsblume. Entgegen ihres vorschlags bestand ich auf neutralen boden für das gespräch, sie wollte zu mir kommen. Das wollte ich aber schon allein deshalb nicht das meine schwester und eine freundin von mir (dazu gleich) hier waren.
Ich fuhr also dorthin, gab ihr die blume, einen kuss und wir setzten uns ins auto und begannen zu reden. Sie erzählte mir sie habe Angst sich in 10 Jahren fragen zu müssen ob sie nicht etwas verpasst habe. Sie könne sich ein Leben und eine Familie mit mir vorstellen, fühle sich aber zu jung für so eine bindung. Sie sagt sie sei glücklich mit mir (und wir waren es auch - andere haben uns oft dafür beneidet was für eine harmonie zwischen uns herrschte, nicht nur partner, sondern auch beste Freunde und einfach innig liebende).
Wir küssen uns unter tränen. Ich sage ihr das ich sie liebe, sie erwidert "ich glaube ich dich auch". Ich hatte mir vorgenommen das ganze mit würde zu überstehen, an diesem punkt strauchle ich, der schmerz ist überwältigend, ich schaffe es aber noch mich beherrschen, allerdings nicht tränen zurückzuhalten. Sie erzählt sie habe von freunden, bekannten und professionellen psychologen (aus dem umfeld ihrer mutter) gehört das eine trennung manchmal einfach nötig ist, also eine auf zeit. mir haben das leute auch gesagt, ich will ihnen glauben. wir einigen uns darauf nochmal zu reden wenn es geht, wenn wir wollen, und wenn wir auch können.
Ich sage ihr das ich sie nur glücklich sehen will, und wenn sie mit mir nur 90% glücklich sei, dann muss sie eben losgehen und die 10% woanders finden, für mich zählt nur ihr glück.
Als sie schon ausgestiegen ist überkommt es mich und ich renne ihr nochmal hinterher, ich will sie noch einmal umarmen, sie riechen, spüren. Dann ist sie weg, ich steige ins auto und alle dämme brechen. Ein schwarzes loch tut sich unter mir auf, und reisst mich entzwei, ich verliere jegliche kontrolle. nach einer minute beschliesse ich, so schnell wie möglich nach hause zu müssen, ich starte den wagen und rase los. Das quietschen der reifen eines autos mit vorfahrt reisst mich aus meiner rasenden trauer, es war beinahe ein ziemlich krasser unfall der mich mit sicherheit schwer verletzt hätte, die frau wäre mir beinahe volle kanne in die fahrertür gefahren, und es war meine schuld.
ich sammle alle meine kräfte und komme irgendwie daheim an, ich öffne die tür, und spaziere wortlos an meiner schwester vorbei die nicht fragen muss wie es war. ich greife ins tiefkühlfach und nehme erstmal 4-5 kräftige schlücke vodka aus der flasche, es beruhigt mich ein wenig.
2 zigaretten später kann ich überhaupt erst irgendwas sagen, ich bin fassungslos.
Meine beste freundin, meine mitte, meine geliebte, meine zukunft hat mich verlassen. doch ich kann nicht lange trauern, denn ab heute ist eine deutschlandreise mit besuch aus kalifornien geplant, da gibt es kein zurück.
Ich konzentriere mich, reisse mich zusammen, doch es hält nicht lange. Also trinke ich noch mehr. Das brennen in meiner Kehle übertönt kurz das brennen in meiner seele, der alkohol macht mich warm, und ich packe hastig und schlecht meine restlichen sachen zusammen.
wir steigen in den zug, der vodka wird mit osaft gemischt, nach hamburg sind es 5 stunden. allein die anwesenheit fremder, einer freundin, mit der ich über sowas nicht sprechen kann, und alkohol lassen mich die fassung halten, auch wenn ich innerlich wie gelähmt bin, ein gedanke beherrscht mich: "es ist aus."
der rest der reise verläuft betrunken, ich halte ein konstantes niveau von betäubung, ich kann mir nicht leisten es rauszulassen, meine freundin ist extra dafür aus den usa angereist, ich habe verantwortung. ausserdem fürchte ich meine träume, die ungeheuer die mich aus meinem unterbewusstsein heimsuchen können. der erste abend auf dem kiez endet im delirium, hauptsache taub.
am nächsten abend geht es nach berlin, dasselbe spiel, irgendein mädel flirtet mich an, ich reagiere abweisend, sie gibt sich nur mehr mühe - ich bin genervt. später, nach mehr tequila, gehe ich drauf ein, wir tanzen etwas, dann gehe ich. am folgenden abend wieder in einen club, diesmal mache ich mit irgendeiner rum die bei uns im hostel wohnt und spontan mitkam, ich will es nicht wirklich, ich fühle mich schlecht, aber vielleicht hilft es mir wenigstens, mich kurz abzulenken? danach beschließe ich erstmal nicht mehr in clubs zu gehen, das mein verhalten möglicherweise nur dazu dient jemandem die schuld geben zu können an allem.
jede sekunde die ich alleine mit meinen gedanken bin, kämpfe ich gegen tränen. ich will drogen, gewalt, exzess - irgendwas um zu leiden, zu betäuben, zu vergessen.
gestern bin ich wiedergekommen, habe einen sehr guten freund besucht, der mich während der ganzen zeit immer anrief und für mich da war, mit ihm zu reden hilft. ich beschließe erstmal nicht zu trinken, ich bin ja nun auch seit fast 2 wochen ununterbrochen dran, mal mehr, mal weniger.
nüchtern ist es nicht besser, im gegenteil. ich gehe meinen verpflichtungen nach, aber alles ist grau, alles schmeckt nach asche, ich empfinde keinerlei freude. was soll ich tun, wenn ich nur eine sache will? alles andere was ich vom leben wollte habe ich bekommen, meinen traumstudiengang in einer tollen stadt, gute perspektiven für die karriere, gesundheit, gute verhältnisse zu meiner familie. nur SIE, SIE kann ich nicht haben. wir waren 3 jahre und 2 monate zusammen, und sind die komplette zeit miteinander und aneinander gewachsen. aber vielleicht war alles einfach nur zu früh. als wir uns trafen war sie 17, ich grade 20. jetzt wird sie bald 21, ich bin 23.
ihre angst vor dem "was verpassen" kann ich nachvollziehen, ich hatte das auch. ich habe nur beschlossen das ich doch nur ein leben mit ihr will. ich wollte ihr in 2 jahren einen antrag machen, sobald das erste gehalt eintrifft, und ich mir eine familie auch leisten kann, davon wusste sie aber nur viel weniger konkret. wir haben ein paar mal darüber gesprochen, eine gemeinsame zukunft...
jetzt sagen mir viele "in ein paar jahren lachst du darüber", und ich möchte jeden einzelnen von ihnen erwürgen. diese behinderten platitüden kotzen mich an. ich weiss nicht viel, aber ich weiss das ich diese frau vergöttere, das ich jede macke an ihr liebe, sie verstehe, so wie sie mich versteht. Sie füllt alle meine lücken, meine bedürfnisse, in meinen augen kann nur sie meine wünsche erfüllen. es war meine lebensaufgabe sie glücklich zu machen, aber vielleicht habe ich ihr das zu wenig gezeigt? oder zu viel? jetzt frage ich mich nur was ich tun soll. natürlich werde ich weitermachen, aber ohne sie hat es schon jetzt etwas robotisches... alleine beim schreiben dieses textes kommen mir andauernd die tränen, wo ich endlich alleine bin. Ich bin halb, ich bin orientierungslos, ich habe keinen halt mehr.
