Original von Taranis05
Hi Korn,
ja ich kenne deine Formel auch, doch wenn ich das ganze richtig vertanden habe, befinden wir uns doch eher in einer Heads up Situation, was praktisch sämtliche Formeln relativiert, und den Faktor Glück sehr viel weiter nach vorne rückt. Deshalb habe ich hier auch slanskys bekanntestes Stück ins spiel gebracht.
Deshalb muss ich auch mich korrigieren, in so einer Situation (kommt auch darauf an was für einem Tisch ich sitze und vor allem wie locker das Geld), würde ich nicht nur callen sondern einen hohen reraise ansetzen. HU spiele sind doch sehr oft sehr intuitiv geprägt, und ein schneller und hart gespielter reraise, kann so manchen Gegner ins Wanken bringen. Das ist natürlich ein riskanter Zug, doch auch wenn man gecallt wird, hat man zumindest eine Information mehr, über seinen Gegenüber.
Grade Heads up ist so eine Entscheidung sehr individuell und nur schwer von Formeln abhängig zu machen. Es hängt viel zu viel mit den Erfahrungen zusammen, die man über seine Mitspieler gesammelt hat, als dass ich hier irgendeine Formel wirklich greifen lassen würde. Denn grade im Heads up haben schwächere Hände eine Chance zu gewinnen.
Hallo Taranis,
ein gut gemeinter Tipp von mir an dich ist, diese in Pokerkreisen - gerade bei self-tutored players - weit verbreitete Denkweise schleunigst abzulegen.
Grundsätzlich gilt, dass jede gute Pokerentscheidung eine rationale Begründung hat, die sich auf den Erwartungswert bezieht. Diese Begründung muss einem guten Spieler nicht aktiv bewusst sein - vielleicht ist er einfach von Natur aus ein Genie. Aber sie lässt sich dennoch mathematisch-strategisch erfassen und nachvollziehen.
Umgekehrt kann man somit die korrekte Spielweise einer Hand anhand von Analysen herleiten - natürlich in Abhängigkeit von Annahmen über die Gegner.
Wenn du von "Glück", "Gefühl", "Intuition" usw sprichst dann redest du de facto auch nur von Wahrscheinlichkeiten. Wenn deine "Intuition" bzw dein "Gefühl" dir sagt, dass ein Gegner gerne blufft, ist es mathematisch nichts anderes als die Bluffwahrscheinlichkeit des Gegners höher einzuschätzen.
Bei der von dir genannten Reraise Frage musst du dir zweifelsohne die Frage stellen, wie hoch die Chance ist, dass du noch vorne liegst, bzw die Chance, dass wenn du hinten liegst, der Gegner gegen deinen Reraise foldet. Kurz gesagt: Du musst zunächst einmal die Grundsituation gut abschätzen
Wenn du diese Abschätzung nun vollzogen hast, ist aber immer noch nicht klar, was nun die beste Vorgehensweise ist. Poker ist da sehr oft tückisch. Und gerade hier hilft eine mathematisch-analytische Methode weiter. Wenn du schätzt, in 25% der Fälle vorne zu liegen und vermutest, dass der Gegner in 25% der Fälle gegen einen Raise foldet oder so ähnlich, dann kann dir eine Formel definitiv sagen, was unter diesen Voraussetzugen die korrekte Entscheidung ist.
Zum Thema Heads-Up:
Bei heads-up ist der Skillfaktor enorm hoch. Aber heads-up ist auch hochkomplex. Deshalb erscheint es vielen Leuten so, als sei viel Glück mit im Spiel. Ab einem Gewissen Grad von Komplexität neight man dazu, etwas als chaotisch zu betrachten. Wenn ein Kind einen Ameisenhaufen sieht, wird es kaum denken, dass dort alles sehr geordnet und systemmatisch abläuft. Ein Verhaltensbiologe, der sich auf Ameisen spezialisiert hat, wird dies aber ganz anders sehen.