Gerade beim Thema Overcards werden viele Fehler genacht.
Wann spielt man sie? Wann schmei�?t man sie weg?
Preise:
1. Preis: 3 Partypoker Startpakete
2. Preis: 2 Pakete
3. Preis: 1 Paket
Deadline:
21. Dez. 05
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1. Platz
von Frank Schneider (Siegfried75)
1. Einleitung
Overcards sind für viele Spieler Problemhände. Wer kennt nicht den Spruch „AK is Anna Kournikova, looks good but never wins“? Auf der anderen Seite sind Overcards die häufigsten Starthände eines tighten Spielers mit guten bis sehr guten Pot Equities. Ca. 60 % aller Starthände eines TAGs sind (expected) Overcards im weiteren Sinne. AKo („Big Slick“) ist die am häufigsten gespielte Hand überhaupt. Deutlicher kann man die Wichtigkeit dieser Hände nicht herausstellen. Lernt man ihre Stärken und Schwächen, ist mit einer enormen Zunahme der eigenen Spielstärke zu rechnen. Starke Spieler machen mit diesen Händen einen nicht unerheblichen Teil ihres Profits, denn sie wissen einerseits das Maximum aus ihnen herauszuholen und andererseits sie beizeiten zu folden.
Das schlechte Image und die Probleme mit diesen Händen können also nur subjektiver Natur sein: „Playing Overcards correctly is tricky. Many players who have studied and played seriously for years still do not feel at ease with them.”
Der Aufsatz ist wie folgt aufgebaut:
Als Basis, vor der Analyse, werden die wichtigsten Begriffe erläutert. Danach werden ausführlich die Eigenschaften von Overcards erörtert. Das dient in erster Linie zum besseren Verständnis der Stärken und Schwächen von AK & Co.
Die eigentliche Analyse beginnt mit dem Spiel am Flop. Für das Spiel am Flop werden drei wichtige Regeln aufgestellt, die es erlauben, die Spielbarkeit seiner Overcards grundsätzlich zu beurteilen. Danach werden Strategien für das Spiel am Flop vorgestellt. Im Zusammenhang damit wird das Spiel an Turn und River diskutiert. Abschlie�?end werden einige Beispielhände aus dem Pokerstrategy.de Forum besprochen.
Der Aufsatz richtet sich vor allem an Spieler in den Microlimits und Low Limits. Verschiedene Ergebnisse sind aber auch in höhere Limits übertragbar. Wie so oft, können aus Gründen von Raum- und Zeitrestriktionen und aufgrund der enormen Komplexität des Themas nur wenige Aspekte beleuchtet werden.
2. Definitionen und begriffliche Abgrenzung
2.1 Overcards: Overcards sind Karten, die höher als alle Karten auf dem Board sind.
Hinsichtlich dieser Definition gibt es eine gro�?e �?bereinstimmung in der Literatur. Dennoch ist sie nicht unproblematisch, da man, abhängig von der Start-Hand, erst am River sicher sein kann, tatsächlich die Overcards zu halten. Aus diesem Grund soll hier das Konzept der erwarteten Overcards (expectet Overcards, EO) eingeführt werden, ohne an dieser Stelle bereits eine Konkretisierung vornehmen zu wollen.
2.2 Expectet Overcards: Das sind Start-Hände, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (P) höher als jede Karte auf dem Board sind.
Das Konzept der „expectet Overcards“ bietet die Möglichkeit, sich in jeder Phase des Spiels eine Erwartung darüber zu bilden, ob man am River tatsächlich die Overcards hält. Das ist insofern wichtig, da am River die meisten Entscheidungen bereits getroffen sind und der Pot weitgehend gemacht ist. Man ist also gezwungen, sich lange vorher zu entscheiden, ob man nun Overcards (oder besser) hält oder nicht.
Overpairs sind nicht Thema des Aufsatzen. Auf sie wird in diesem Rahmen nicht explizit eingegangen.
3. Einteilung von Overcards bzw. EOs
Nachdem man seine Starthand bekommen hat, ist es unter Umständen schwierig zu entscheiden, ob man nun mit hoher Wahrscheinlichkeit Overcards hält oder nicht. Tabelle 1 enthält Wahrscheinlichkeiten (P), ob eine Karte (X) grö�?er als alle Karten auf dem Board sein wird. P (X > Turn) ist beispielsweise zu lesen als die Wahrscheinlichkeit, dass die Karte X grö�?er als die Turn-Karte ist, unter der Bedingung, dass sie am Flop noch eine Overcard war. Die letzte Spalte gibt die Wahrscheinlichkeit wieder, dass sie bis zum River die Overcard bleibt.
Tabelle 1:
P (X > Flop) P (X > Turn) P (X > River) P (X > Board)
T 25, 3 % 61, 7 % 60,9 % 9,5 %
J 36,4 % 70,2 % 69,9 % 17,9 %
Q 50,4 % 78,7 % 78,3 % 31,1 %
Nun sind nicht alle höheren Karten gleich gefährlich. Aus diesem Grund sind aus Tabelle 1 keine Handlungsempfehlungen für das Spiel mit Overcards abzuleiten. Sie dient lediglich als erste Orientierungshilfe und zur Einteilung von Expected Overcards. Als EO im weiteren Sinne definiere ich alle Karten grö�?er/gleich T. Diese Einteilung ist willkürlich. Sie erscheint jedoch insofern plausibel, als dass sie signifikant häufig, nämlich in 25 % der Fälle, grö�?er als jede der Flop-Karten sind. Nun liegt es aber auf der Hand, dass AK anders zu beurteilen ist als JT. Die Wahrscheinlichkeit, dass AK entweder Overcards bleiben oder sich zum Top Pair zu verbessern (oder noch besser) ist 100%. Mit JT wiederum ist es wahrscheinlicher, ein OESD (Open Ended Straight Draw) zu floppen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, eine Teilmenge aus den EOs i.w.S. zu entnehmen und anders als die übrigen EOs zu behandeln. Diese Teilmenge definiere ich als EOs im engeren Sinne (i.e.S.). Sie umfasst AK, AQ, AJ, KQ. Als Konvention gilt: EOs sind immer EOs i.e.S.. Ab dem Flop wird nur noch von Overcards die Rede sein, da das dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht.
4. Vor dem Flop – Stärken und Schwächen von EOs
4.1 Entwicklungsmöglichkeiten
Wie fast alle Start-Hände sind EOs Drawing Hands. Sie müssen sich (meist) auf Flop, Turn oder River verbessern um zu wirklich starken Händen zu werden. Die wichtigsten Verbesserungsmöglichkeiten sind:
Top Pair / good bzw. best Kicker: Mit sechs Outs stellt dies die wahrscheinlichste Entwicklungsmöglichkeit von Overcards dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mindestens eine Overcard paired, beträgt auf dem Flop ca. 32,4 %. Hier wird auch sofort deutlich, welche Vorteile EOs haben, denn, wenn man ein Pair floppt, dann ist es Top Pair mit gutem oder bestem Kicker. So etwas kann man von z.B. 73 nicht behaupten. Mit Top Pair werden die meisten Pötte mit EOs als Starting-Hands gewonnen. Das gilt umso mehr, als dass in den unteren Limits, viele Gegner loose sind, mit jedem Ass preflop callen und mit AA / worse Kicker zum Showdown gehen. Genau diese Asse werden vom besseren Kicker dominiert.
Two Pair: Für Two Pair gilt im Prinzip ähnliches wie für Top Pair, nur dass diese Hand natürlich noch wesentlich stärker ist.
Flush: Sind die Overcards suited, dann bestehen Flush-Möglichkeiten. Dies ist übrigens der Grund, warum z.B. AKs eine höhere Pot Equity als AKo hat. Der evtl. resultierende Flush ist gleichzeitig ein Nut-Flush und kann von keinem anderen Flush dominiert werden. Erscheinen auf dem Flop 2 Karten der eigenen Suit, hat man zusätzlich zu seinen sechs Overcard Outs noch 9 weitere Outs. Das ist, auch wenn man die Outs diskontieren muss, eine enorm starke drawing Hand.
Straight: Einer der Nachteile von EOs sind die eingeschränkten Straight-Möglichkeiten. Ist eine der EOs ein Ass, kann kein OESD (Open Ended Straight Draw) geflopt werden. Mit KQ ist das aber sehr wohl möglich, wenn auch nicht so wahrscheinlich wie mit QJ oder gar JT. Allerdings liefert ein Gutshot-Straight-Draw to the Nuts (4 Outs) häufig genug die fehlenden Outs um eine Bet zu callen oder als Semi-Bluff zu betten bzw. zu raisen.
4.2 Raise preflop!
Wie gezeigt wurde, sind EOs Drawing Hands mit Entwicklungspotential. Diese Eigenschaft macht sie aber zugleich auch verletzlich. Overcards müssen von Anfang an verteidigt werden. Mit EOs preflop zu callen ist sträflich und kostet Geld. Statt zu callen sollte man eher folden, aber in den meisten Fällen gilt natürlich: raise preflop!
Gründe:
1. Mit Overcards liegt man preflop meist vorne. Das hei�?t, man hat eine überdurchschnittliche Pot Equity. In Tabelle 2 sind einige Pot-Equities für All in, Heads up gegen eine durchschnittliche Hand (Random) angegeben. Die Equities dienen als Indikatoren für die Stärke der Hand, da man ja preflop im Allgemeinen nicht Heads up, All in ist, und (meist) gegen bessere Karten als dem Durchschnitt spielt:
Tabelle 2:
Starting Hand Equity
AA 85.2 %
KK 82,4 %
QQ 79,9 %
JJ 77,5 %
TT 75,0 %
99 72,0 %
88 69,2 %
AKs 67,0 %
AQs 66,2 %
AJs 65,4 %
KQs 63,4 %
AKo 65,3 %
AQo 64,4 %
AJo 63,6 %
KQo 61,5 %
Von den Pocketpairs sind für die eigene Hand nur die Big Pocket Pairs (AA, KK, QQ, m.E. JJ und TT) wirklich gefährlich. Diese Hände sind aber nicht sonderlich wahrscheinlich. Hält man selbst zwei EOs werden sie noch unwahrscheinlicher. Das hei�?t, hält man zwei EOs, hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit die beste oder eine der besten Hände. Zu diesem Zeitpunkt sollte man also soviel Geld wie möglich in den Pot bekommen.
2. Overcard-Draws haben andere Eigenschaften als z.B. Flush-Draws. Flopt man Top Pair, hat man noch lange nicht gewonnen. Overcards „mögen“ eher eine geringe Anzahl von Gegnern (eine Ausnahme bilden die suited Overcards, bei denen Flushmöglichkeiten bestehen). Je geringer die Gegnerzahl, desto höher die Wahrscheinlichkeit am Ende vorne zu liegen. Ist die Gegnerzahl hoch, sind zwar die Pötte grö�?er, aber die Wahrscheinlichkeit von einem Gegner mit seiner (drawing) Starting-Hand überholt zu werden kompensiert oder überkompensiert den Vorteil der Pot-Grö�?e. Man braucht keine gro�?en Pötte, um mit EOs profitabel zu spielen.
3. Der zweite Punkt schlie�?t an den ersten an. Ein Open Raise macht es für viele Hände unprofitabel (cold) zu callen, da sich Gegnerzahl reduziert und sich zusätzlich die Pot Odds verschlechtern. Das gilt für allem für Small Pocket Pairs und Small Suited Connectors. Prinzipiell nutzt man die Asymmetrie in den Wettrunden aus.
4. Man nimmt die Blinds aus dem Spiel. Wird durchgecalled, muss der Small Blind (SB) nur mit einer halben Small Bet komplettieren und der Big Blind checken um sich den Flop ansehen zu dürfen. Die Hand Range des SB ist also deutlich grö�?er als bei einem Call aus UTG und der BB kann alles haben, da er den Pot gratis sehen darf (sein Blind-Einsatz ist ja bereits Dead Money und gehört ihm nicht mehr). D.h. man hat zwei potentiell gefährliche Gegner im Spiel, die man nicht einschätzen, also auf eine bestimmte Hand-Range setzen kann. Wurde vorher geraised, wird es für SB und BB unangenehm teuer mit Trash zu callen und sie werden deutlich häufiger folden. Folden sie, hat man, je nach gefordertem Wetteinsatz des SB ca. 1,5 SB mehr im Pot und die Blinds sind aus dem Spiel.
6. Man „kauft“ sich den Botton. Raised man bspw. aus MP oder CO, ist es gut möglich, dass zumindest bis zum Button gefoldet wird. Das hei�?t, von nun kommt man in den Genuss der Position und darf seine Wetteinsätze nach allen anderen Gegner abgeben.
7. Hat man Position, kann ein Open Raise eine(n) Freecard Bet/Raise am Flop vorbereiten. Natürlich nur, wenn am Turn eine Freecard benötigt wird.
8. Es wird ein (Semi-) Bluff am Turn oder ein Bluff am River vorbereitet. Abhängig von der Pot-Grö�?e kann am River ein Bluff vonnöten sein, um einen gro�?en Pot gegen eine bessere Hand doch noch zu gewinnen. Es ist häufig davon auszugehen, dass aggressives Spiel in allen Bet-Runden die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Bluffs erhöht, da man selbst keine Schwäche gezeigt hat und somit der betreffende Gegner hinreichend eingeschüchtert ist. Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit P (Fold) bringt man nun eine mittelmä�?ige, aber bessere Hand als die eigene, zum folden. Diese Wahrscheinlichkeit ist die sogenannte Fold Equity.
5. Flop – wenn man nichts getroffen hat
5.1 Drei Regeln: Flop Texture, Gegnerzahl, Backdoor Draws
Zur Erinnerung geht es in diesem Aufsatz darum, dass Spiel mit Overcards zu analysieren. d.h., es wird davon ausgegangen, dass am Flop (Turn, River) nichts getroffen wird. Nichts bedeutet, man hat höchsten einen Backdoor Flush Draw oder einen Backdoor Straight Draw und natürlich nach wie vor beide Overcards. Zudem wird nicht zwischen suited und offsuited unterschieden, obwohl es leichte Unterschiede gibt. Beispiel: Ah, Kh Flop: 4c, 7d, Th. Man hat selbst nur einen Backdoor Flush, aber auch keiner der Gegner kann einen „fertigen“ Flush-Draw haben. Im Gegensatz dazu, ist dies bei Ac, Kh Flop: 4c,7h, Th eher möglich. Im letzten Fall ist ein auf dem Turn erscheinendes Herz nicht so günstig wie im ersten Fall. Die 1-1,5 zusätzlichen Backdoor Flush Outs müssen also diskontiert werden. Au�?erdem hat man evtl. noch ein Out für Top Pair weniger, nämlich Ah und die anderen Top-Pair Outs könnten am River wertlos sein, müssen also auch diskontiert werden. Man sieht, Backdoor Flush Draw ist nicht gleich Backdoor Flush Draw und die Unterschiede müssen bei Overcards beachtet werden. In allen anderen Fällen können suited Overcards praktisch genauso wie offsuited Overcards behandelt werden.
Es gibt drei Regeln, die die Spielbarkeit von Overcards am Flop verbessern :
a) wenige Gegner
b) unkoordiniertes Board
c) Backdoor Draws
ad a: Overcards sind Draws zu mittelstarken Händen. Der Wert dieser Hände nimmt aber rapide mit der Gegnerzahl ab. Bei vielen Gegnern am Flop ist die Chance, dass einer der Gegner am Ende ein Monster macht (z.B. Straight, Flush) grö�?er als bei weniger Gegnern. Au�?erdem ist die Gefahr einer „Reverse Domination“ gro�?. Hält man beispielsweise AK und einer Gegner Ax , ist die Gefahr, dass dieser ein Small Pair getroffen hat real. Damit verliert man 3 der 6 Outs zum Top Pair, da jedes Ass dem Gegner Two Pair macht. Bei loose passiv Gegnern im Low Limit Bereich ist zudem wahrscheinlich, dass man von einem Gegner mit Bottom-Pair „herunter gecalled“ wird. Ein weiterer Punkt ist, dass die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Semibluff Bet am Flop alle Gegner folden, bei grö�?erer Gegnerzahl geringer wird.
ad b) Unkoordiniertes Board hei�?t, ein Board, dass keine (bzw. nicht viele) Straight oder Flushmöglichkeiten eröffnet. Sehr koordiniert wäre beispielsweise Th, 9h, 8h. Es gibt Flush- und Straight-Möglichkeiten und möglicherweise hat einer der Gegner bereits ein fertiges Monster. Unkoordiniert wäre z.B. J, 6, 2 Rainbow. Auch Th, 6d, 6c ist unkoordiniert. Es besteht zwar die Chance, dass einer der Gegner Trips oder sogar Full House hat, aber da nur T und 6 auf dem Board sind sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Split-Pairs. Au�?erdem wird man (meistens) recht schnell merken, ob jemand ein Trip hat, da er dieses schützen („Protection“), also schnell spielen muss.
ad c) Backdoor Draws sind selbst viel zu schwach um einen Call zu rechtfertigen. Sie können jedoch Overcards verstärken indem sie zusätzliche Outs liefern. Optimalerweise hat man ein Backdoor Nut Flush Draw. Z.B. Ah, Kc Flop: Th, 6h, 2d. Aber auch der andere Fall, nämlich Ah, Kc Flop: Tc, 6c, 2d verstärkt die eigene Hand.
Wie man sieht gibt es keine allgemeingültigen Regeln, die immer gelten. Es hängt von den konkreten Gegebenheiten ab, ob Overcards tatsächlich gespielt oder gefoldet werden sollten. Einem Neuling kann man sicherlich guten Gewissens check/fold Flop empfehlen, wenn er mit EOs nichts getroffen hat. Wei�? man allerdings, wie Overcards zu spielen sind, holt man einige Pötte mehr und liegt im +EV-Bereich.
Die angegebenen Regeln bieten eine gewisse Orientierungshilfe bei dieser schwierigen Entscheidung. Noch einmal zusammengefasst
Meist ist es besser nur ein oder zwei Gegner und ein unkoordiniertes Board zu haben. Weitere Draws verstärken die Hand und machen sie evtl. auch gegen 3-4 Gegner spielbar, allerdings bewegt man sich dabei auf dünnem Eis. Ab 5 Gegnern ist fast immer check/fold Flop zu empfehlen. Ist das Board koordiniert, d.h. bestehen Flush- oder Straight –Möglichkeiten und ist am Flop Action, gilt meist auch check/fold Flop!
In jedem Fall ist Vorsicht bei Scare Cards auf dem Flop geboten. Angenommen, man ist am Botton und hält Ah, Qd Flop 3h, 6d, Kc, 2 Gegner. Der auf dem Board erscheinende König ist eine gefährliche Karte. Er liegt in der Playing-Zone und macht aus 2 EOs eine Overcard auf dem Flop. Hat man mehrere Gegner und bettet einer von ihnen, kann man getrost folden, ungeachtet des Backdoor Straight Draws, das in diesem Fall vielleicht ein halbes Out macht. Aus den einstigen 6 Outs zum Paar mit good/best Kicker sind noch drei Outs geblieben, die zudem dominiert sein könnten.
Abschlie�?end in diesem Unterpunkt zwei Beispiele zum Thema Outs:
Beispiel 1:
Wir sind am Button mit Ah, Kd. Alle folden bis auf UTG+2, der called. Wir raisen, UTG+2 called. Pot: 5,5 SB. Der Flop kommt Jh, 6h, 2c. Frage: Können wir eine Bet callen?
Dazu müssen die Outs bestimmt werden: 6 Outs A, K; 1,5 Outs Backdoor Flush; 0,5-0,75 Outs Backdoor Straight. Summe: 8 Outs. 8 Outs entsprechen 5 Odds. Die Pot Odds betragen 6:1. Es sieht so aus, als ob wir callen könnten. Können wir aber nicht, denn,
1. Der Gegner könnte ein Set getroffen haben (mit 66 oder 22) � A, K Outs wertlos
2. Der Gegner könnte A,x, mit x = 2, 6 getroffen aben � A Outs wertlos
usw.
Je nach Hand-Range, auf die wir den Gegner setzen, müssen die A, K Outs mehr oder weniger stark diskontiert werden. Halbiert man die A, K Outs, bleiben noch insgesamt ca. 5 Outs übrig. 5 Outs entsprechen 8 Odds und das ist zuwenig! Ein Call wäre also ein grober Fehler. Sind allerdings 8 Small Bets im Pot, so ist ein Call meist zwar immer noch ein Fehler, wäre aber immerhin ein Zug mit evtl. gerade noch positivem Erwartungswert, bzw. EV = 0.
Beispiel 2:
Wie oben, Flop diesmal jedoch 9s, 6s, 2c. Es fehlen die beiden Outs aus den Backdoor Draws. Das Beste, auf das wir noch hoffen können ist Top Pair, Top Kicker. Für einen eventuellen Call haben wir also gerade mal 3 diskontierte Outs. Diese entsprechen 15 Odds. Der Pot müsste also mindestens 15 Small Bets gro�? sein, um einen Call zu rechtfertigen, wenn wir davon ausgehen, hinten zu liegen.
5.2 Spiel auf dem Flop
Beachtet man obige (allgemeinen) Regeln, ist (meistens) klar, ob man mit seinen Overcards überhaupt weiterspielen kann. Es ist aber immer noch nicht klar, wie auf dem Flop nun mit Overcards zu spielen ist.
Jones empfiehlt für folgendes :
Late Position: Call wenn man
1. Position hat
2. nur eine Bet callen muss
3. AKs oder KQ hat
4. keine Scare Card auf dem Flop erscheint, oder man ein 8-9 Outs Draw am Turn machen kann
Mit AKo empfiehlt er in Early Position bzw. in Late Position wenn zu einem gecheckt wird folgendes:
Ein Gegner: bet Flop, bet Turn, check/fold River
Zwei Gegner: bet Flop, foldet einer der Gegner dann bet Turn, check/fold River
Mehr als zwei Gegner: check/fold Flop
wird an irgendeinem Punkt geraised: fold!
Für den Einstieg ist das sicher ein brauchbares Vorgehen und kann jedem Anfänger empfohlen werden und aus diesem Grund wird es hier erwähnt. Au�?erdem werden explizit bzw. implizit die Regeln aus 5.1 einbezogen. Wie alle zu stark vereinfachten Regeln, gibt es Schwächen. Miller/Slansky/Malmuth haben die Kriterien für eine Bet auf den Flop praktisch abschlie�?end aufgeführt. Danach sollte man sich folgende Fragen stellen:
1. Wie gro�? ist der Pot?
2. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man mit den Overcards vorne liegt?
3. Wie stark ist die Hand (vgl. dazu 5.1)?
4. Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist der Pot nach einer Bet sofort zu gewinnen?
5. Kann eine Bet die Gewinnchancen erhöhen, auch wenn nicht alle Gegner sofort zum folden gebracht werden?
6. Erkauft eine Bet eine Freecard am Turn?
Ad 1: Mit Overcards ist prinzipiell so zu verfahren, wie mit jedem schwachen Draw. Bei kleinem Pot ist die Tendenz check/fold. Stimmen die Pot Odds dann sollte man zumindest callen. Raise gilt, wenn man sich damit eine Free Card erkaufen kann.
Ad 2: Dieser Punkt spricht das sammeln von Informationen auf dem Flop an (der letzten „billigen“ Betting-Runde). Was könnten die Gegner haben? Dies ist bei schwachen Draws weit wichtiger als bei starken Draws. Drawing Dead ist eine gro�?e Gefahr.
Ad 3: vgl. 5.1
Ad 4: Hier geht es um die Fold Equity. Bringt man seine Gegner durch eine Bet oder Raise zum folden, gewinnt man den Pot sofort. Eine Bet (Raise) ist in diesem Fall ein Semi-Bluff. Man hat zwar ein paar Outs, hätte aber nichts dagegen den Pot sofort zu gewinnen. Etwas exakter ausgedrückt: Die reinen Outs reichen zwar nicht für eine Bet/Raise aus, die Chance auf Fold macht den Zug dennoch profitabel, d.h., macht aus –EV +EV.
Ad 5: Mittels Bet/Raise übernimmt man die Initiative. Das kann eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung eines Bluffs am River spielen. Vor allem dann, wenn man keine Position hat und keine Free Card am Turn bekommen kann.
Ad 6: Hat man Position, kann Bet/Raise den/die Gegner dazu verleiten, eine Free Card am Turn zu geben. Dies kann für Drawing Hands dann nützlich sein, wenn man am Turn wieder nichts trifft und gerne gratis den River sehen möchte.
Erfolgt ein Raise oder 3-Bet nach der eigenen Bet/Raise, ist man in den meisten Fällen geschlagen und kann ohne einen gro�?en Fehler zu machen folden.
Im Vergleich zu den Regeln von Jones ist diese Spielweise deutlich aggressiver und erfordert erheblich mehr Kenntnisse. Dazu zwei besonders lehrreiche Beispiele aus dem genannten Buch:
Beispiel 3:
Wir haben As Ks auf dem Button. Zwei Spieler callen, wir raisen, beide Blinds callen und die beiden Limper callen. Flop: 9s 9h 4d. Alle checken. Wir betten!
Begründung: Der Pot ist gro�?, die Betting-Sequence preflop spricht nicht hohe Pocket-Pairs, wie z.B. AA, KK, QQ, in den Händen der Gegner. Der Flop ist unkoordiniert, ohne reale Straight oder Flush-Gefahren. Es spricht wenig dafür, dass einer der Gegner eine Made Hand hat und selbst wenn einer der Gegner die 4 getroffen hat, bleiben uns immer noch 6 Outs auf Two Pair / good/best Kicker und ca. 1,5 Outs auf den Backdoor Flush und ein „Reverse Domination“ ist auch nicht möglich. Das selbe gilt für kleine Pocket-Pairs. Es besteht eine reale Chance, dass wir immer noch vorne liegen und müssen unsere Hand protecten. Wir müssen also so viele Gegner wie möglich loswerden und damit unsere Chancen am Ende auch noch vorne zu liegen verbessern. Werden wir nach unserer Bet geraised (check-raise), müssen wir uns allerdings mit dem Gedanken vertraut machen, dass ein Trip aus 9en oder evtl. ein Set aus 4en gegen uns unterwegs ist. In diesem Fall muss man seine Entscheidung vom Spielertyp des Raisers abhängig machen. Handelt es sich um einen relativ loosen Spieler (also dem üblichen Spielertyp auf den niedrigen Limits), der selten blufft, sollte man folden. Einen aggressiven, tricky Spieler könnte das paired Board zu einem Bluff einladen. In diesem Fall kann man einen 3-Bet Flop in Erwägung ziehen.
Das ist eines der wenigen Beispiele, in denen Overcards gegen vier Gegner spielbar sind. Noch einmal die Besonderheiten der Hand: Wir haben Position. Keine preflop Aggression der Gegner. Ein ragged Board, wo wir praktisch ausschlie�?lich gegen einen recht unwahrscheinlichen Trip hinten liegen, also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die beste Hand haben und andernfalls genügend Outs bei gro�?em Pot.
Beispiel 4:
Wir haben Ah Qh auf dem BB. Zwei Spieler und der SB callen, wir raisen, die beiden Limper und der SB callen. Flop: 9h 4s 3s. SB, ein aggressiver und überlegter Spieler bettet. Wir raisen!
Begründung: Wir haben preflop geraised, der SB setzt uns also auf hohe Karten oder Overpair. Aufgrund von Wahrscheinlichkeitsüberlegungen geht er davon aus, dass wir eher AK oder AQ haben als AA oder KK. Aufgrund dieser �?berlegungen und seiner Aggressivität ist er bereit eine breite Range möglicher Draws gegen uns zu betten (als Semi-Bluff). Es ist nicht wahrscheinlich, dass er tatsächlich eine gute Hand hat, sonst hätte er check-raise gespielt, den Standardzug gegen den Preflop-Raiser. Au�?erdem ist das Board unkoordiniert, was uns mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die beste Hand gibt.
Der Pot ist mit 8 SB gro�?. Sollten wir tatsächlich hinten liegen, gibt es einige, wenn auch nicht ausreichende Outs, Der Raise, kann aber einige Gegner zum folden bringen, die ebenfalls auf (schwachen) Draws sind, auch vielleicht solche mit 4 oder 3, die momentan noch die beste Hand haben. Raising verbessert, nicht zuletzt aufgrund der höheren Fold Equity, erheblich unsere Siegchancen und unseren EV.
Wieder zusammengefasst die Annahmen: Der Bettor spielt überlegt und aggressiv. Der Pot ist gro�?. Die Fold Equity ist gro�? genug, um die fehlende Value der Hand auszugleichen. Das impliziert, dass die anderen Gegner keine Calling Stations sind, die Bottom-Pair bis zum Showdown callen.
6. Spiel am Turn
Angenommen, man hat den Flop gebettet und trifft nichts auf dem Turn. Nun muss man erneut entscheiden, ob man bettet oder nicht. Einerseits hat sich der Pot vergrö�?ert, andererseits verteuern sich die Bets um das Doppelte. Die wichtigste Grundregel ist:
Ist es wahrscheinlich, den Pot sofort zu gewinnen: Bet!
In den unteren Limits halten viele Gegner schwache Draws oder kleine Paare bis zum Turn. Bets am Flop werden gerne mal gecalled: ist billig und man darf die Turn Karte sehen. Einige Gegner nehmen erst die Bet am Turn ernst und folden, wenn sie ihr Unterfangen als aussichtslos erachten. Je geringer die Gegnerzahl und je schwächer ihre möglichen Hände sind, desto eher bringt man alle Gegner mit einer Bet am Turn zum folden. Vor einer Bet ist es allerdings wichtig sich zu überlegen, mit welchen Händen die Gegner gecalled haben könnten. Bei einem Flop T 7 5 Rainbow ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass der/die Gegner auf einem Straight Draw ist/sind, als bei einem Flop Q 7 2 Rainbow. Die Gefahr, dass die Gegner fertige Pairs bis zum Showdown callen, ist im zweiten Fall deutlich höher.
Laut Miller/Sklansky/Malmuth ist es dann besonders günstig den Turn zu betten, wenn der Flop moderat koordiniert war. War er stark unkoordiniert, ist die Gefahr von Paaren gro�?. Bei einem stark koordinierten Flop könnten die Gegner auf (mehreren) starken Draws unterwegs sein.
Im ersten Fall macht es einen nicht so gro�?en Unterschied, ob man am Turn nur einen oder drei Gegner hat. Mit AK high liegt man gegen jedes Paar am Flop eindeutig hinten. Im zweiten Fall ist der Unterschied grö�?er, denn die Gegner könnten auf unterschiedlichen Draws sein und die Wahrscheinlichkeit, dass einer trifft, ist deutlich höher als im Heads up.
7. River Play mit Overcards
Hat man alles richtig gemacht, sollte man am River noch ein oder höchstens zwei Gegner haben. Typisch sind Heads up Situationen.
Es ist eigentlich selbstverständlich: Am River zu folden, ist selten richtig! Dies gilt insbesondere dann, wenn die Pötte gro�? sind und es eine (geringe) Chance gibt, dass der Gegner blufft. Man gibt ja für eine Bet den ganzen Pot auf. Folgendes aus dem Forum entnommene Beispiel ist sehr instruktiv. Die Kommentare stammen von Korn und sind dem Text nur ein wenig angepasst worden:
Beispiel 5:
Preflop: Hero is UTG+1 with Q , A .
1 fold, Hero raises, MP1 calls, 1 fold, CO calls, 1 fold, SB calls, BB calls.
Flop: (10 SB) 2 , T , 7 (5 players)
SB checks, BB checks, Hero bets, MP1 folds, CO calls, SB folds, BB folds.
Turn: (6 BB) 8 (2 players)
Hero bets, CO calls.
River: (8 BB) 4 (2 players)
Hero?
Bet/Fold wenn Hero glaubt sein Gegner könnte eine bessere Hand am River folden und wird den River nicht mit einer schlechteren Hand als Bluff raisen. Daher kein Bet/Fold gegen super aggressive-tricky Spieler.
Bet/Fold ist gegen Spieler, die ihre Calling Standard nicht an heads-up anpassen. Sie folden zwar am Flop und Turn fast nichts, aber am River dann sehr viel, weil sie denken man sollte mindestens top Pair am Ende haben oä.
Check/Call ist besser gegen Leute die hier mit jedem Pair callen. Bettet der Gegner sogar manchmal mit schlechteren Händen ist Check/Call noch besser. Ideal gegen den normalen loose Gegner
Check/Fold ist nur eine Option in sehr kleinen Pötten gegen loose-passive-conservative Spieler die niemals bluffen, die hier keine bessere Hand folden und bei denen Hero sich so gut wie sicher sein kann, dass wenn sie betten, sie eine bessere Hand haben als er.
In so einer heads-up Situation ist Ace high, Queen Kicker zwar kein Monster, aber man hat durchaus was von einem free Showdown, wenn man sich sicher ist, dass der Gegner kein Pair folden wird.
8. Weitere Beispielhände
Im Forum von Pokerstrategy.de gibt es massig Beispielhände zum Thema Overcards. Viele sind gut, aber auch etliche grauenhaft gespielt. Ich hätte gerne eine komplett kommentierte Sammlung zur Verfügung gestellt , dies scheitert jedoch an dem immensen Zeitaufwand, der damit verbunden wäre. So kann ich nur einige wenige, recht aktuelle Beispielhände präsentieren.
Ein Wort zu den Kommentaren: Wie den meisten bekannt sein dürfte, sind viele Entscheidungen im Poker abhängig von Gegner, Situation, Tisch, usw.. �?ndert man die Parameter, ändert sich u.U. der Erwartungswert so stark, dass eine andere Entscheidung notwendig und richtig ist. Die Kommentare zu den Händen sind so zu verstehen, dass sie im Durchschnitt und nach meiner Meinung so getroffen werden sollten.
Beispiel 6:
Preflop: Hero is Button with A , Q .
2 folds, CO calls, Hero raises, 1 folds, BB calls, CO calls.
Flop: (6.67 SB) 2 , J , 8 (3 players)
BB checks, CO checks, Hero bets, BB calls, CO folds.
Turn: (4.33 BB) 9 (2 players)
BB checks, Hero ?
Flop: Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass der Flop Draw-lastig ist. Hero selbst hat jedoch keine realistischen Draws. Der one-gap-three-straight ist nur nach einer Seite offen und Kd, Td könnte den Gegnern den Flush machen. Einer der Gegner ist der BB, der mit einer relativ gro�?en Hand-Range den Raise preflop callt. Der Pot ist mit ca. 6,5 SB nicht übermä�?ig gro�?. Für Hero spricht, dass er Position und nur zwei Gegner hat, die beide am Flop checken. Hero könnte also möglicherweise noch die beste Hand haben, die er verteidigen muss – vor allem gegen einen möglichen Flush Draw. Heros Bet ist dann berechtigt, wenn er realistische Chancen sieht, dass Feld auszudünnen, d.h. mindestens einen der Gegner zum folden zu bringen.
Turn: Hero hat den CO zum folden gebracht und hat nur noch einen Gegner. Die 9s ist, falls der Gegner auf einem Flush-Draw ist, wahrscheinlich eine Blank Sie befindet sich aber am Rand der Playing-Zone und ist deshalb nicht vollkommen ungefährlich. Callt der Gegner am BB auch mit so etwas wie QT, könnte er nun eine OESD haben – im schlimmsten Fall zusätzlich zum Backdoorflush-Draw. Er könnte aber genauso gut A9 haben, was eine Reverse Domination für Hero bedeuten würde. Hero könnte also hinten liegen und will mit seinen Overcards nicht zum Showdown. Mit dem Call am Flop hat BB jedoch nicht viel Stärke gezeigt, so dass die Variante Backdoor Flush Draw evtl. mit Bottom/Middle Pair am wahrscheinlichsten ist. Hero darf nicht checken und dem Gegner so einerseits eine Free-Card am River verschaffen und andererseits die Initiative abgeben. Ein Check am Turn ist gleichbedeutend mit der Aufgabe der Hand, da so die Wahrscheinlichkeit, den Gegner am River zum folden zu bringen, wenn dieser seine Draws verfehlt und nur Bottom Pair hält, rapide sinkt.
Beispiel 7:
Preflop: Hero is CO with K , A .
UTG raises, 1 folds, Hero 3-bets, 1 folds, SB calls, 1 folds, UTG calls.
Flop: (10.00 SB) 7 , Q , 3 (3 players)
SB checks, UTG bets, Hero ?
Hero sollte folden. Au�?er einem nur nach einer Seite offenen No-gap-three-Straight hat Hero nichts getroffen. Der Pot ist zwar gro�?, das Board ist aber stark Draw-lastig. Es gibt einen Open Raiser aus UTG, der aber die 3-Bet von Hero nicht capt. Die Wahrscheinlichkeit, dass UTG AQ und Flush Draw hat, ist nicht gering. SB hat 2,5 SB cold gecalled. Die ca. 6,5-7 Outs von Hero sind bei zwei Gegnern und dem gefährlichen Board zu diskontieren. Es bleiben optimistisch geschätzt vielleicht noch 2-3 Overcard Outs und 0,5 Outs zum Straight. Ca. 3 Outs entsprechen 15 Odds. Ein einfacher Call wäre bei zwei Gegnern auf dem Button ohnehin nicht gerechtfertigt. Ob man mit einem Raise den SB rausbekommt ist fraglich. Selbst wenn, liegt Hero wahrscheinlich gegen UTG hinten, der mit seinem evtuellen Top Pair / best Kicker + Flush Draw nicht zum folden zu bringen sein wird. Alles in allem ein glasklarer Fold.
Nun einiges zum Thema, wie man Overcards nicht spielen sollte:
Beispiel 8:
Preflop: Hero is BB with K , Q .
2 folds, Button raises, 1 folds, Hero calls.
Flop: (4.33 SB) 5 , 6 , 2 (2 players)
Hero checks, Button bets, Hero calls.
Turn: (3.17 BB) A (2 players)
Hero checks, Button bets, Hero calls.
River: (5.17 BB) 4 (2 players)
Hero checks, Button bets, Hero folds.
Final Pot: 6.17 BB.
Call Flop ist schlecht, call Turn katastrophal.
Begründung: Hero hat am Flop absolut nichts getroffen. Au�?erdem ist der Flop Draw-lastig. Hero hat also höchstens 6 Outs auf Top Pair (nicht diskontiert). 6 Outs entsprechen 7:1 Odds. Im Pot sind zum Zeitpunkt des Calls nur 5,33 SB. Glaubt Hero, dass er hinten liegt, muss er folden. Falls er glaubt vorne zu liegen, muss er raisen und seine Hand protecten. Dies gilt unabhängig davon, ob Hero sich in einer Blind-Stealing Situation befindet oder nicht. �?hnliches gilt für den Turn.
Beispiel 9:
Preflop: Hero is Button with A , K .
1 folds, CO calls, Hero raises, 1 folds, BB calls, CO calls.
Flop: (6.33 SB) 7 , 3 , T (3 players)
BB checks, CO bets, Hero calls, BB folds.
Turn: (4.17 BB) 6 (2 players)
CO bets, Hero calls.
River: (6.17 BB) 5 (2 players)
CO bets, Hero folds.
Final Pot: 7.17 BB.
Auch hier sollte Hero, abhängig vom Gegnertyp raisen oder folden, aber niemals callen! Dieses Beispiel ist mit Beispiel 4 vergleichbar. Hero hat einen Backdoor Flush Draw (1,5 Outs) und sechs Top Pair Outs. Macht zusammen 7,5 Outs welche ca. 6:1 Odds entsprechen. Die Outs für den Backdoor Flush Draw müssen allerdings etwas diskontiert werden, da Hero nicht die Nuts hat. Die Top Pair Outs ebenfalls, da AK bereits dominiert sein könnte. In der Summe bleiben vielleicht noch 5 Outs, oder 8:1 Odds. Ein weiterer Nachteil des Calls besteht darin, dass Hero Null Information darüber erhält, mit was der Gegner bettet. Bettet er einen Flush Draw als Semi Bluff? Hält er mit TT Top Pair? Mit einem Raise übernimmt Hero zumindest die Initiative, bringt evtl. beide Gegner (mit evtl. besseren Händen) noch am Flop oder am Turn zum folden, oder bereitet einen Bluff am River vor.
Beispiel 10:
Preflop: Hero is Button with A , K .
2 folds, CO raises, Hero 3-bets, SB calls, 1 folds, CO calls.
Flop: (10.00 SB) 2 , 2 , Q (3 players)
SB checks, CO checks, Hero bets, SB calls, CO raises, Hero calls, SB folds.
Turn: (7.50 BB) J (2 players)
CO bets, Hero calls.
River: (9.50 BB) 8 (2 players)
CO bets, Hero folds.
Final Pot: 10.50 BB.
Nach dem check-raise von CO, seinen schwachen Draws und dem gefährlichen Board kann Hero folden.
9. Quellen
Literatur:
Miller E., Sklansky D., Malmuth M.2005: Small Stakes Hold’em. Winning Big With Expert Play, Las Vegas.
Jones L. 2005: Winning Low Limit Hold’em, Pittsburg.
Yao K. 2005: Weighing the Odds in Hold’em Poker, Las Vegas.
Weitere Quellen:
www.Pokerstrategy.de
www.twoplustwo.com
2. Platz
Ein Beitrag von Franz64
Overcards – Wann könnte ich sie spielen und wann sollte ich sie aufgeben
Zunächst versteht man unter Overcards, dass deine beiden Startkarten höher sind als jede der drei Communitycards. Dabei wird die höchste Kombination(AK) „Big Slick“ genannt.
Das Problem bei den Overcards besteht darin, dass sie beim Texas Hold’em häufig vorkommen, da die Chance bei zwei unterschiedlichen Karten am Flop ein Paar zu treffen nur bei etwa 30 % liegen. Hat man preflop z.B. AK wird man selbstverständlich raisen. Wenn dann der Flop nicht getroffen wird, wird in der Regel geraten, die Karten bei mehr als einem Gegner am Flop check/fold zu spielen. Das ist gerade bei den Low-Limit-Tischen, an denen überwiegend loose-passive oder loose-aggressive gespielt wird, richtig. An diesen Tischen ist es eher unwahrscheinlich, die Gegner mit einem Semi-Bluff zum folden zu bewegen. Es kommt dann eben darauf an, am Schluss des Spiels mit der besten Hand zu gewinnen. In der Regel können aber nur Outs zum Paar gezählt werden und das Blatt wird leicht mit einem niedrigen Doppelpaar geschlagen. Dies bedeutet aber auch, dass bei einem Sieg möglicherweise wenig aus dem Pott gezogen wird, weil deine Gegner oft auch nicht viel auf der Hand haben oder du bei einer Niederlage mit dem zweitbesten Blatt relativ viel einzahlen würdest, wenn du ein Doppelpaar bis zum River verfolgst. Zu bedenken ist deswegen auch, dass du in Bezug auf die Pot Odds meist schon folden solltest, wenn du am Turn keinen Treffer erzielst.
Bei nur einem oder zwei Gegnern am Flop hat man jedoch grö�?ere Chancen sogar mit Highcard zu gewinnen. Hier lohnt es sich bisweilen den Gegner durch betten unter Druck zu setzen und so zum folden zu zwingen. Wird man jedoch am Flop geraised, sollte man folden, es ei denn, die Pot Odds lassen das Spiel profitabel werden und man hofft auf einen zumindest guten Turn.
Da also die Entscheidung mit Overcards zu spielen nicht eben leicht ist, sollte man weitere �?berlegungen hinzuziehen:
� Die Möglichkeit und Bewertung von Drawing Hands
� Kenntnisse über deine Gegenspieler
� Deine Position
� Wie sieht das Board aus
Backdoor Draws. Auf starke Drawing Hands mit Overcards, bei denen man vier Karten zum Flush oder Straight am Flop findet, braucht nicht weiter eingegangen werden. Sie sind bei guten Pot Odds offensichtlich spielbar und können gebettet oder sogar geraised werden.
Schwieriger wird es, wenn am Flop mit den Overcards ein Backdoor Draw gefunden wird. Dabei werden zwei Karten zur Realisierung des Flush oder Straight benötigt. Hier kann bei suited Starthänden die Auszählung aller Outs das Blatt mit Overcards allerdings anhand der Pot Odds gegen mehrere Gegner ein profitables Spiel versprechen. Bei Zählung der Outs zum Flush oder Straight sollten am Flop die Outs der Overcards nicht vergessen werden. Wurde preflop und am Flop nicht geraised, kann ohne Weiteres Top Pair gefunden werden, das unter diesen Voraussetzungen die stärkste Hand am Tisch darstellen kann. Die Zählung aller Outs macht das Blatt also profitabel. Dabei ist klar, dass Overcards wie AK, AQ oder AJ niedrigeren Overcards vorgezogen werden, weil sie bei Paarbildung und Nichtrealisierung des Draws am River zumindest die Gefahr verringern, durch ein hohes Paar wie z.B. JJ des Gegners geschlagen zu werden.
In dieser Situation sollte aber nicht die Diskontierung der Outs vergessen werden, wenn z.B. durch suited Cards im Flop der Gegner selbst gro�?e Chancen auf Flush hat und sich dein Blatt zum Weak Draw entwickelt.
Kenntnisse über deine Gegner sind beim Spiel mit Overcards genauso wichtig wie bei jedem anderen Spiel. Dabei hilft die Kategorisierung in tight-aggressive, tight-passive, loose-passive und loose-aggressive. Wie schon anfangs erwähnt, ist das Spiel gegen loose-aggressive oder loose-passive Spieler eher schwierig, weil sie schwerer einzuschätzen sind. Sie halten teils schlechte Hände und callen dabei bis zum River, warten auf einen Glückstreffer oder aber man erkennt ihre guten Blätter nicht, weil sie nicht konsequent auf gute Value betten und so für eine �?berraschung sorgen können. Auch gegen Maniacs hat man mit Overcards nicht ein sicheres Spiel.
Bei tight-Spielern kann man zumindest bet und raise respektieren, so dass die preflop Phase einem oft Information zu guten Blättern der Gegner gibt. Da ist es leichter, bei konsequenten Bets oder Raises dieser Spieler zu folden, um nicht als zweiter mit z.B. Doppelpair geschlagen zu werden und unnötig Bets zu investieren.
Die Position am Tisch spielt natürlich dabei auch eine gro�?e Rolle. Es ist klar, dass man den Tisch am Besten in late position beurteilen kann. Man wei�?, wie viel gebettet oder sogar geraised wird und kann reagieren, so dass ein Bet bei nur check der anderen manche Spieler zum folden zwingt. In early position wird die Sache schwieriger. Spielt man nicht check sondern bettet ohne Sicherheit, besteht das Risiko durch nachfolgende Spieler geraised zu werden. Die Investition erhöht sich und die Pot Odds machen den Einsatz vielleicht nicht mehr profitabel.
Zuletzt ist zu allen �?berlegungen wichtig, wie das Board aussieht. Bei einem Spiel mit Overcards sollte man einen Flop mit suited cards oder cards in Reihenfolge mit äu�?erster Vorsicht betrachten. Die Chance der Gegner made hands wie Flush oder Straight oder aber starke Draws zu treffen ist relativ hoch, wenn man z.B.selbst nicht Highcard zum Flush Draw besitzt, so dass man mit eventuell gefundenem Top Pair verliert. Vorteilhafter ist da ein Rainbow Flop, oder Flop mit einem mittleren oder unteren Paar, der diese Gefahr minimiert, so dass auch deine Gegner sich nicht verbessert haben könnten.
Wir gratulieren den Siegern!
Der Beitrag von Frank spricht für sich. Die wissenschaftliche Akrebie ist beeindruckend. Leider sind die ganzen Fu�?noten auf der Strecke geblieben.
Hmm hab erst einmal in dieses Forum geguckt sehe aber grad, dass die Artikel eigentlich ziemlich gut sind :-). Grats an die Sieger ^^
mfg
auch von mir ein grosses lob für die beiträge... konnte übrigens soeben erfolgreich etwas davon umsetzen ♦ ♦
Sehr schöne Artikel. Leider kann ich in dem ersten Artikel die Suits bei den vielen Beispielhänden nicht sehen. Ok es ist mehr oder weniger aus dem Text ersichtlich, aber trotzdem...
Besonderes Lob nochmal an Siegfried75, wenn ich das richtig sehe spielst du erst seit einem Monat überhaupt Poker? Das macht den Artikel umso beeindruckender. Nur eine kleine Anmerkung: Wenn man von Odds (englisch für Wahrscheinlichkeit, Chance) spricht, dann sagt man nicht "Odds von 15", sondern "Odds von 1:15". Das bedeutet eben, dass in einem von 16 Fällen das Ereignis, über das man spricht (meist also das Treffen des Draws) eintritt, und in 15 von 16 nicht.
@Siegfried75
von mir auch ein ganz gro�?es Lob, super Artikel
und das nach erst 1 Monat pokererfahrung, beeindruckend wie du mit fachausdrücken um dich wirfst !
ich hab den artikel von siegfried jetzt nicht ganz im detail komplett gelesen, aber auf den ersten blick sieht dieser artikel absolut hervorragend aus!
NICE1:)
Eigentlich wollte ich schon eine verbesserte Version aufgeladen haben. Leider sind die Formatierungen hier ziemlich umständlich. Auf der anderen Seite ist der Aufsatz aufgrund fehlender Suits i.T. wertlos. Ich glaube es wäre das beste, wenn diejenigen, die am vollständigen Aufsatz, incl. Suits und Fu�?noten interessiert sind, mir einfach eine kurze Nachricht mit Email-Adresse in meiner PN-Box hinterlassen, bzw. mich anmailen. Dann gibts den Aufsatz als Word-Dokument.
Gerade das Thema 'Overcards' ist wichtig.
Die Artikel sind echt super Zusammenfassungen und helfen sicher jedem Anfänger weiter.
Thx.
eine anmerkung:
beispiel 10. auch wenn ich jetzt die suits nicht sehe. nach dem C/R von CO hat hero 15:1 auf einen call am flop. es ist SEHR unwahrscheinlich, dass CO eine 2 hat, es ist HU nach dem C/R. hier zu folden wäre meines erachtens ein klarer fehler.
hero hat im schlechtesten fall 3 outs, wenn er gegen AQ oder KQ spielt, aber in vielen fällen halt CO hier auch 55-JJ oder, da es sich hier schon um einen steal handelt gar QJs-Q8s oder QJo-QTo vielleicht, wogegen hero 6 volle outs hat. im mittel setze ich hero hier auf 4,5 outs, was den pott odds nach ein klarer call am flop ist.
durch den gutshot kommt dann natürlich auch am turn ein fold für 8,5:1 nicht mehr in frage. ein turn raise für free SD kommt für mich hier auch nicht in frage, weil man gegen 3 bet nicht folden kann und das die hand nur unnötog teuer machen kann.
finde, die hand ist korrekt gespielt, so wie sie da steht, auch wenn sie als schlechtes beispiel deklariert ist.
Endlich mal jemand, der zu den Beispielhänden was schreibt. Das Dumme ist halt, dass man die Suits nicht sieht. Vielleicht kann ich Dir ja mal den Artikel zum kritischen überlesen zuschicken, OnkelHotte?
Schöner Artickel!
aba hab ma ne generellle frage zu solchen tabellen wie die der "Starting Hand Equity" aus dem artickel, gibs irgendwo ne seite wo es änliche tabellen gibt für z. B. die prozentuale wahrscheinlichkeit das AJo - TT schlägt?
Original von Siegfried75
Endlich mal jemand, der zu den Beispielhänden was schreibt. Das Dumme ist halt, dass man die Suits nicht sieht. Vielleicht kann ich Dir ja mal den Artikel zum kritischen überlesen zuschicken, OnkelHotte?
okay..da hero nun noch nen baclkdoor flushdraw hat, verstärkt sich meine meinung, dass es ein klarer call am flop bei hand 10 ist:)
weitere anmerkungen schick ich dir dann per email.
gruss
Tobi
Ich hoffe mal für diesen Artikel bekommt Siegfried75 inoffiziell ein bisschen mehr als 4 Startpakete
Verdient hätte er es, sehr schöner Artikel!
Original von sammy
Ich hoffe mal für diesen Artikel bekommt Siegfried75 inoffiziell ein bisschen mehr als 4 Startpakete![]()
Verdient hätte er es, sehr schöner Artikel!
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