Ein Beitrag von JSFan
Inhaltsverzeichnis
1. Tight is right!
2. Eigenschaften von Non-Pair Starthänden
3. Domination
4. Der Vorteil der Late Position
5. Der Vorzüge der suited Starthände
6.3 Kategorien profitabler Starthände
6.1 Top Pair Hände
6.2 Spekulative Hände
6.3 Powerhouse Hände
1. Tight is right!
Tightness ist die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Spiel im Limit Holdem. Ein tighter Spieler ist nur mit relativ wenigen Starthänden hoher Qualität in der Hand und verschafft sich schon allein dadurch einen klaren Vorteil gegenüber loosen Mitspielern, welche alle Arten von Starthänden spielen, sowohl starke wie auch schwache.
Glücklicherweise ist eine korrekte tighte Preflop-Spielweise sehr einfach zu erlernen: man druckt sich den Ps.de Starting Hands Chart aus, legt ihn neben seinen PC und spielt streng nach Chart.
Im Poker gibt es keine Silber- und Bronzemedaillen, nur die beste Hand gewinnt den Pott. Deshalb sollte man mit durchschnittlichen oder auch leicht überdurchschnittlichen Starthänden gar nicht mitspielen. Ganz wenige absolute Top Hände (vor allem Big Pairs, z. B. KK aber auch Big Suited Broadway Hände, z. B. AKs) sind hoch profitabel. Zusätzlich gibt es noch eine etwas grö�?ere Anzahl weiterer stark überdurchschnittlicher Hände, welche für einen kleinen Profit gut sind (hierzu zählen Medium Pairs, z. B. 88 und Little Suited Broadway Hände,z. B. QJs)
Recht gut ablesen kann man die Qualität der Startkarten am Pokerroom Expected Value Chart. Es zeigt eine Statistik der Erwartungswerte aus über 122 Millionen Händen an Real Money Tischen im Internet. Die absolut beste Starthand ist AA mit einem Erwartungswert von 2,32 Big Bets (für den Durchschnittsspieler). Geht man den Chart durch, nimmt der Erwartungswert der Starthände sehr schnell ab. Die beste Non-Pair Starthand AKs hat noch einen Erwartungswert von 0,77 (Platz 5 insgesamt). Schon ab Platz 6 ist der EV geringer als die Blinds, eine starke Hand wie AJo hat gerade noch einen EV von 0,19, T9s 0,05 und A2s ist gerade noch break-even (Platz 40 der 169 möglichen Hände).
Vielen unserer Gegner auf Partypoker fehlt die Geduld und Disziplin, nur die profitablen Starthände zu spielen. Sie möchten am Flop dabei sein und gehen oft zu weit mit. Würden alle Spieler ausschlie�?lich eine korrekte Preflop-Spielweise anwenden, wäre die meisten Pötte heads-up oder 3-handed. Die Häufigkeit von Multiway Pots mit 4 oder noch mehr Spielern allein zeigt an, dass oft auch unprofitable Hände gespielt werden. Per Definition haben diese Hände einen niedrigeren Erwartungswert als das getätigte Preflop-Investment. Dieser Unterschied ist sogenanntes “dead money“, welches langfristig den Spielern zugute kommt, welche mit legitimen Startkarten in der Hand sind.
2. Eigenschaften von Non-Pair Starthänden
Die allermeisten Starthände sind Non-Pair Hände (94,1%), nur in 5,9% aller Fälle erhält man ein Pocket Pair. Die Stärke von Non-Pair Händen kann anhand dreier Kriterien beurteilt werden.
In einem Multiway Pot liegt die Handstärke der Gewinnerhand am Showdown üblicherweise zwischen einer One Pair Hand und einem Full House. Alle Non- Pair Hände entwickeln sich bis zum River mit der gleichen Wahrscheinlichkeit zu 2 Pairs, Trips oder einem Full House. Die Hauptunterschiede ihrer Stärke liegen in den unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten für Top Pair, Straigts und Flushes.
Die 3 entscheidenden Eigenschaften für die Stärke von Non-Pair Händen sind (in Reihenfolge der Wichtigkeit):
a) High Card Strength (Top Pair Wahrscheinlichkeit)
b) Suitedness (Flush Wahrscheinlichkeit)
c) Connectedness (Straight Wahrscheinlichkeit)
Es folgen einige Besipiele für die Einordnung von Starthänden anhand der 3 Eigenschaften:
� AJs hat gro�?e High Card Strength, Suitedness aber relativ wenig Connectedness (es ist nur eine Straight mit beiden Hole Cards möglich)
� 65o dagegen hat gro�?e Connectedness (die maximale Anzahl von 4 Straights ist möglich), aber es hat quasi keinerlei High Card und ist offsuited
� A8o hat einige High Card Strength, ist allerdings offsuited und nicht connected
Um au�?erhalb der Blinds spielbar zu sein, muss eine Starthand normalerweise in mindestens 2 der 3 Kategorien stark sein. Hände wie J2s oder 65o sind keineswegs überdurchschnittlich. Suitedness bzw. Connectedness verleihen diesen Händen einen gewissen Wert, reichen aber lange nicht aus, um damit freiwillig Geld in den Pott zu investieren.
Die wichtigste Eigenschaft ist High Card Strength. Gro�?e Asse wie AKo und AQo sind starke Starthände, obwohl sie offsuited sind und nur eine Stra�?e mit beiden Hole Cards möglich ist. Die übrigen offsuited Broadway Kombinationen (2 Karten T und höher) sind mindestens in late Position in unraised Pots spielbar. Schwächere Offsuit Hände sollten nicht gespielt werden.
Aus folgenden Gründen sind Hände mit 2 gro�?en Karten Händen mit nur einer hohen Karte erheblich überlegen:
a) Es ist mit beiden Hole Cards möglich Top Pair zu treffen
b) Wenn man Top Pair macht, hat man immer einen guten Kicker
3. Domination
Durch die Verwendung von Gemeinschaftskarten kommt es beim Texas Holdem oft zu einer speziellen typischen Situation, Domination genannt. Wenn z. B. ein Spieler AK hält und der andere ein beliebiges Ass mit kleinerem Kicker, so ist der Spieler mit dem kleineren Kicker dominiert. Erscheint auf dem Board ein Ass, macht der dominierte Spieler eine teure zweitbeste Hand und muss bis zum Ende auszahlen. Die Gefahr der Domination ist der Grund, dass man nach dem Starting Hands Chart im Full ring Game sogar AQo folden sollte, wenn der Pot vor einem in Early Position geraist wurde, denn AK ist die häufigste Raising Hand.
Eine noch erheblich stärkere Form der Domination tritt auf, wenn ein Gegenspieler ein Pocket Pair gleichen oder höheren Rangs als die höchste Karte des eigenen Blattes hält, z.B. QQ vs. QT. In diesem Fall ist es für den Spieler mit QT unmöglich mit Top Pair am Showdown zu gewinnen.
Bei dominierten Händen ist die Chance auf Top Pair grundsätzlich stark verringert. Das ist besonders kostspielig in Heads-up und Shorthanded Pots, denn bei wenigen Spielern gewinnt sehr oft derjenige mit dem höchsten Pair. In gro�?en Multiway Pots ist Domination etwas weniger gefährlich, denn je mehr Spieler im Pott sind, desto wichtiger werden Straight- und Flush-Chance; bei vielen Spielern im Pott braucht man meistens eine höhere Hand als Top Pair am Showdown. Aus diesem Grund kann man nach dem Starting Hand Chart eine Hand wie QJs in Late Position auch in Raised Pots spielen, wenn schon mindestens 3 Spieler in der Hand sind, obwohl die ernsthafte Gefahr der Domination besteht.
Zur Illustration folgen noch einige Beispiele von all-in Matchups zweier Starthände (Angabe in Prozent):
AA vs. 77 - 79.7 : 20,3
AKo vs. AQo - 74,4 : 25,6
AA vs. KJo - 86,7 : 13,
KK vs. KJo - 90,9 : 9,1
AKo vs. JTo - 62,6 : 37,4
AQo vs. KJs - 59,2 : 40,8
An den Beispielen kann man leicht sehen, dass beim Spielen dominierter Hände Heads-up die Gewinnchancen deutlich herabgesetzt sind. Besonders gering sind die Chancen, wenn der Gegner ein höheres Pocket Pair hält.
4. Der Vorteil der Late Position
Eine wichtige Variable für die Spielbarkeit von Starthänden ist die eigene Position am Pokertisch. In der Postion UTG+1 in einem Raised Pot sind wahrscheinlich nur ca. 5 Top Hände spielbar, während es am Button nach 3 Limpern bis zu 50 Hände sein können.
Je mehr Spieler vor einem schon agiert haben, um so besser sind die Informationen über die relative Stärke der eigenen Hand und wenn der Pot noch nicht geraist wurde, um so geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Premium Hände wie hohe Pairs mitspielen. Die Anwendung der positionellen Denkweise im Holdem auf die Preflop Strategie kann man am Ps.de Open Raising Chart sehen.
Der Vorteil der late Postion zieht sich im Holdem über alle Setzrunden. Man kann besser auf die Aktionen der Gegner vor einem reagieren und hat somit einen taktischen Vorteil, der sich positiv auf die Profitabilität auswirkt.
Spekulative Hände wie Suited Connectors (z. B. 98s) spielt man am Besten für nur eine Bet Preflop, während bei mittelmä�?igen Top Pair Händen wie KTo die reale Gefahr der Domination besteht. Diese Hände sind in Late Position in unraised Pots leicht profitabel, während in Early und Middle Position eine zu gro�?e Gefahr besteht, dass ein Spieler hinter einem mit einer Premium Starthand raist und man dadurch in die unprofitable Situation gerät in Shorthanded Pots gegen stärkere Hände spielen zu müssen.
5. Die Vorzüge der suited Starthände
Wenn man eine suited Starthand spielt, werden in etwas weniger als 6% der Fälle bis zum River genau 3 weitere Karten derselben Farbe auf dem Board erscheinen. Weil dies relativ selten vorkommt, meinen manche Spieler, dass suited und offsuited Starthände nahezu gleich stark sind. Dies ist definitiv falsch (der Fehler findet sich z.B. in Championship Holdem von Tom McEvoy und T.J. Cloutier).
Obwohl man nur selten einen Flush trifft, ist der Gewinn wenn man seine Hand macht enorm. Mit einem Flush gewinnt man normalerweise am Showdown, selbst wenn die Mehrzahl der Spieler im Full Ring Game den Flop gesehen hat. Solche Multiway Pots können sehr gro�? sein, schon wenige gro�?e Pötte können einen entscheidenden Unterschied in der Win Rate machen. Man sollte bedenken, dass eine Erhöhung der Gewinnwahrscheinlichkeit, z.B. von 16% auf 20% keine Steigerung um 4% ist, sondern eine Steigerung um 25%!
Zusätzlich sollte man noch folgende Faktoren bedenken: 1 Pair am Flop ist oft nur mittelmä�?ig, 1 Pair plus ein Flushdraw ist immer ein starke Hand. Je stärker die eigene Hand am Flop ist, um so bessere Möglichkeiten gibt es für eine aggressive Spielweise. Manchmal startet man am Flop mit einem Flushdraw und gewinnt am Showdown mit einer ganz anderen Hand, z.B. 2 Pair oder Trips. Und weiterhin ist es möglich durch Semibluffing einige Hände vor dem Showdown zu gewinnen, wenn alle Gegner schwache Hände halten.
6. 3 Kategorien profitabler Starthände
6.1 Top Pair Hände
Top Pair Hände bestehen aus 2 gro�?en Karten, T und höher (auch Broadway genannt) und sind normalerweise offsuited. Mit diesen Händen gewinnt man häufig kleinere und mittelgro�?e Pötte durch Top Pair. Sie verbessern sich nach dem Flop nur relativ selten zu sehr starken Händen und sind deshalb am Turn und River oft in der Defensive gegen Spieler mit Drawing Händen. Man sollte Top Pair Hände Preflop und auf dem Flop sehr aggressiv spielen, so lange man gegen Spieler mit spekulativen Händen favorisiert ist. Auf den späteren Stra�?en werden Gegner mit Drawing Händen oft folden, wenn sie ihr Draw verpassen, aber raisen wenn sie Ihre Hand treffen.
Top Pair Hände gewinnen öfter gegen wenige Gegner am Flop als gegen eine gro�?e Anzahl. Allerdings profitieren die stärkeren Top Pair Hände (ATo sowie KJo und besser) mehr von dem “dead money“ von Gegnern mit schwachen Händen im Pott als sie durch die Multiway Action an Wert verlieren. Deshalb sollte man seinen Equity Vorteil ausspielen und Preflop mit diesen Händen gegen zu loose Gegner raisen. Schwächere offsuited Hände wie K8o oder A6o sind multiway nicht spielbar, sie eignen sich höchstens zum Blind Stealing aus Late Position.
Gute Top Pair Hände gewinnen erheblich häufiger als Durchschnittshände, vor allem wenn niemand eine bessere Hand als Top Pair macht. Dieser Vorteil sollte grundsätzlich durch einen Preflop Raise maximal ausgenutzt werden.
6.2 Spekulative Hände
Spielbare spekulative Hände sind vor allem kleinere Pairs wie z. B. 55 oder Suited Connectors wie z.B. 98s. Diese Hände gewinnen nur relativ selten, aber wenn man mit ihnen einen guten Flop trifft, besteht die Chance auf eine sehr starke Hand mit der man einen gro�?en Pott gewinnen kann. Mit kleinen Pairs kann man am Flop ein Set treffen mit Suited Connectors vor allem starke Draws wie ein Flush Draw oder OESD. Schon am Turn passiert es oft, dass die Gegner keine Chance mehr haben, die eigene Hand einzuholen, wenn man trifft (“drawing dead“). Dadurch kann man mit spekulativen Händen auf den gro�?en Stra�?en eine Menge Bets gewinnen.
Weil man seine Hand nur relativ selten macht, die Hand allerdings wenn man trifft sehr stark ist, spielen sich spekulative Hände pre-flop am Besten gegen möglichst viele Gegner. Vor allem relativ schwache spekulative Hände wie kleinere Suited Connectors können nur in Late Position für eine Bet gegen viele Gegner oder in der Blind Defense gespielt werden. Etwas stärkere spekulative Hände wie kleine Pairs sind in Multiway Pots auch für 2 Bets noch spielbar. Grundsätzlich sollte man mit spekulativen Händen versuchen, den Flop so billig wie möglich zu sehen.
6.3 Powerhouse Hände
Die allerstärksten Hände vereinen die Vorteile der Top Pair Hände und der spekulativen Hände auf sich und sind frei von den spezifischen Nachteilen. Diese sogenannten Powerhouse Hände haben den höchsten Erwartungswert aller Starthände. Dazu zählen Big Pairs wie z.B. KK aber auch Big Suited Broadway Hände wie z. B. AQs. Im Gegensatz zu offsuited Top Pair Händen können diese Hände häufig auch auf dem Turn und River weiter offensiv gespielt werden. Diese Premium Hände sollten auf jeden Fall pre-flop geraist werden, um die Equity Vorteile bestmöglich zu nutzen.
Quellen
Small Stakes Hold�em
EdMiller, David Sklansky, Mason Malmuth; USA 2004
Weighing the Odds in Hold�em Poker
King Yao; USA 2005
Harrington on Hold�em Volume 2: The Endgame
Dan Harrington, Bill Robertie; USA 2005