Hallo zusammen!
Ich bin gerade aus Las Vegas zurückgekehrt und wollte mal kurz Bericht erstatten:
Bin am 1.Juni von New Jersey aus nach Las Vegas geflogen, um am Event #3 (1500 NL) teilzunehmen. Es ging damit los, dass ich am Freitag 4,5 Stunden damit verbracht habe, in der Schlange zu stehen, um mich für das Turnier anzumelden. Unglaublich, was sich dort abgespielt hat. Als dann auch noch die Drucker des Rio den Dienst quittiert hatten, war alles zu spät bzw. das Chaos perfekt. Schließlich hielt ich dann aber doch meine Teilnahmekarte in der Hand. Ich spiele bei der WSOP mit - irgendwie geil :-)
Naja, das Turnier selber wurde eine Stunde später als geplant gestartet, weil sich noch viele Leute anmelden wollten. Schlussendlich waren es angeblich ca. 3900 Teilnehmer. Am Nebentisch nahm nach kurzem Gruß an die Nachbartische Greg Raymer Platz. Ich muss sagen: so dick wie im Fernsehen ist der gar nicht ;-) Die Zeit habe ich jedenfalls dazu genutzt, um mich ein wenig mit meinen Gegnern am Tisch zu unterhalten – Information a la Negreanu, you know ;-) Ich hatte einen bunten Haufen am Tisch sitzen: Einen Afghanistan-Veteranen, der die übelsten Geschichten von Hinterhalten und Schusswechseln erzählt hat, einen Opa, der dann gleich seine Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg hinterher schob, einen Arbeitslosen, der seinen buy-in einem Jackpot einer Slotmachine zu verdanken hatte, zwei Studenten aus Dallas, etc. Alles in allem ein interessanter Tisch und von nicht allzu hohem Spielniveau gekennzeichnet, wie sich herausstellen sollte.
Man startete mit 3000 Starting Chips. Die blinds starteten mit 25/50, nach einer Stunde stiegen diese auf 50/100 und noch eine Stunde später auf 100/200…
Die ersten beiden blindlevel war ich eigentlich carddead und habe mir das zugegebenermaßen lustige Headsup-Duell des Jackpot-Gewinners und des Afghanistan-Veteranen angeschaut, die eigentlich jede Hand gespielt haben. Nach 1,5 Stunden war dann für den Jackpotgewinner Ende im Gelände, weil er mit seinem (preflop geraisten!) J3s – Monster gegen den Veteranen mit noch überzeugenderem Monsterblatt (K3s) auf einem 335-Board all-in marschierte und keine Hilfe mehr bekam. Meine spielbaren Karten beschränkten sich auf zweimal AKo, die ich jeweils auf dem Button und im CO geraist habe, jeweils 3 Caller bekam, den Flop nicht traf und mich nach raise und reraise beruhigt von meiner Hand verabschieden konnte.
So foldete ich dann vor mich hin, in der Hoffnung irgendwann zumindest mal blinds stealen zu können, aber keine Chance. Unser table wurde dann aufgelöst und ich kam an einen neuen Tisch. Auf dem Button fand ich TT und pushte nach einem Limper meine verbliebenen 1700 Chips all-in. Der Big Blind callte mich mit AJs in spade, der Limper foldete. Am Flop erschienen 629 mit zwei spades und massig outs für meinen Gegner, aber meine TT hielten. Somit hatte ich zumindest etwas mehr Luft.
Eine halbe Runde später finde ich nach zwei Limpern in MP JJ und raise auf 700 (Blinds 100/200), mein Nachbar (der ca. 500 Chips mehr hat als ich) callt mich und der Shortstack auf dem Button geht mit seinen restlichen 800 all-in. Mein Nachbar und ich callen die restlichen 100. Der Flop kommt JT6 mit zwei diamonds. YES! Ich spiele 1200 an, mein Nachbar pusht all-in und ich calle logischerweise. Wir decken auf: Der shortstack zeigt Kings, mein Nachbar TT und ich meine Jacks. Großes Raunen am Tisch. Set over Set. Aber das sollte leider noch nicht das Ende des Dramas sein. Am Turn kommt mit der 2 in Herz zwar eine blank, aber am River erscheint dummerweise eine T und mein Nachbar trifft seinen 1 outer. Damit war mein erstes live-Turnier beendet und mir blieb nichts anderes übrig als erst mal einen (oder fünfzehn) trinken zu gehen. Ist schon ein sch… Gefühl beim ersten live-Turnier und dazu noch einem so Prestige-trächtigen von einem 1-outer ins Aus befördert zu werden. Aber wie heißt es so schön? That�s Poker.
Nachdem ich am nächsten Morgen wieder nüchtern war, hab ich mich daran gemacht, zumindest die NL200 Cashgames des Monte Carlo und Excalibur Kasinos erfolgreich für mich zu gestalten, was mir auch ziemlich gut gelang. Auch wenn man mal zwei Stunden nur foldet: Es macht nichts. Hat man dann irgendwann eine Hand wird man hundertprozentig ausbezahlt!
Achso, eine Sache noch zur WSOP. Dieses Jahr gab es neue Kartendecks, die den Glücksfaktor wohl nochmal verstärken sollten. 6s und 9s waren im Grunde nicht voneinander zu unterscheiden. Mike Matusow muss wohl einmal komplett ausgerastet sein, weil er anstatt eines Sets nur ein pair 9s mit ziemlich schwachem Kicker hielt. An meinem Tisch, dachte Mr. Jackpot, er hätte quads - hatte aber nur two pair :-) - und gewann trotzdem. Ziemlich lustig sich diese Geschichten anzuhören, aber zum spielen echt mistig, weil man am besten dreimal nachgeschaut hat, was man denn nun hat. Im Laufe des Samstages wurden die Karten dann aber doch ausgetauscht.
Soweit mein Bericht aus Las Vegas. Wer mehr wissen will, darf fragen!
Viele Grüße
