Pünktlich zu Weihnachten habe ich der Spielbank ein tolles Geschenk gemacht, mein persönliches Xmas Special sozusagen. Ich habe nämlich ein Review verfasst, dass ihr weiter unten gespoilert findet.
Mich interessiert eure Meinung, allgemein zum Inhalt und ob ihr die Bewertung realistisch findet.
(Ich weiß einige von euch würden die Spielbank in der Luft zerreißen, aber versucht bitte objektiv zu bleiben, wie ich es auch getan habe.)
Spoiler

Der rote Teppich ist ausgerollt - der Spaß kann los gehen.
Oder etwa doch nicht?
Das was über der leuchtenden Schrift aussieht wie ein Pokeball, ist eigentlich die Versinnbildlichung der zwei geteilten Pole des ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse, Casino Service und Casino Interessen, Ausgaben und Einnahmen. Wie unschwer zu erkennen, ist der Pokerspieler mittendrin; durch den hellen Punkt dargestellt. Ob er den Kampf heil übersteht oder von den Fronten zerrissen wird, lest Ihr im Review:
Service
Gebühren: 0 / 4
Trotz gesunkener Spielgebühr in den letzten Jahren ist der Rake der Berliner Spielbank der höchste, den ich bisher in einem Casino antreffen durfte.
Einige Sachen, wie das Wasser (8€ für einen Liter stilles Wasser), sind klar überteuert. Andere Getränke befinden sich ebenfalls im gehobenen Preissegment. An Snacks ist preiswertes Junkfood zu haben.
Eintritt beträgt 2€, was sich auf Dauer bei häufigen Besuchen zusammenrechnet.
Organisation: 3 / 4
Der Großteil der Dealer und Floormen ist kompetent.
Die kleinen Turniere und die Cashgames sind fast immer gut organisiert. Es gibt Platzkarten und wenn man auf der Waitinglist ist, darf man den Fortschritt auf einem Display betrachten.
Ich persönlich musste in den 6 Jahren am Potsdamer Platz fast nie länger als eine halbe Stunde auf einen 2/2 Tisch warten.
Der gelegentliche Einsatz von allen neugeschulten Dealern auf einen Streich hinterlässt lebenslange Erinnerungen - und zwar keine positiven. In dieser Zeit fungieren die Spieler sozusagen als Ausbilder, was großen Ärger nach sich zieht. Glücklicherweise gibt es diese Crashkurs-Dealer-Flash-Mobs nur sehr selten.
Ein weiteres organisatorisches Problemchen: Hat jemand mal seinen Stack verpulvert und will er nun Chips nachkaufen, muss er aufstehen und zur Kasse gehen - wurden die Blinds in dieser kurzen Zeit verpasst, müssen diese nachgezahlt werden.
Spoiler
Playerpool
Nachfrage: 3,5 / 4
Cashgame an 4 bis ungefähr 10 Tischen. Ein besseres Angebot sucht man vergeblich in Deutschland.Gespielt wird vorwiegend 2€/2€.
Etwas Punktabzug gibt es für das eher kleine Angebot an Limits über 2€/2€. Sobald es jedoch später wird, macht täglich ein Tisch mit Blinds 5€/5€ oder 5€/10€ auf, manchmal auch 2€/4€.
Ab und zu spielt man auch Omaha 2€/2€, 5€/5€ und 5€/10€
Turniere mit 40 bis 70 Spielern mit kleinen bis mittleren Buy Ins und Blinderhöhungen von turbo bis superturbo finden täglich statt.
Alle paar Monate werden Turniere mit mittelhohem Buy In und guter Struktur angeboten.
Gegnerniveau: 3 / 4
Das Niveau ist entsprechend der vorherrschenden 2€/2€ Blinds relativ niedrig. Die vielen Regulars(gute und schlechte) und die manchmal etwas tighten Tische zu Beginn eines Abends trüben das Bild eher wenig. Die 5/5 Tische können schon mal gute Regs in der Überzahl enthalten.
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Gastronomie: 1 / 4
Die Wartezeiten zum Bestellen können oftmals, trotz des Call-Buttons, sehr lange werden, wohingegen ein bereits bestelltes Getränk oder Gericht normalerweise schnell gebracht wird.
Das Essen ist von mäßiger bis mittelguter Qualität und die Preise sind der Lage am Potsdamer Platz entsprechend angepasst, also auf gehobenerem Niveau.
Ambiente: 2,5 / 4
Ein besseres Feeling für zügige und actionreiche Pokeratmosphäre kann man von einer deutschen Spielbank wohl nicht erwarten. Zu Rush Hour Zeiten wäre das rascheln der Chips bei offenen Türen bis nach draußen zu hören und ebendiese Atmosphäre hat schon so manchen regelunkundigen Touristen an die Pokertische verführt.
Nette Berliner und feierfreudige Berlin-Besucher prägen die oft witzige und lebendige Stimmung am Tisch.
Negativ zu erwähnen sind die manchmal störend klirrenden Automaten. Und auch die aggressiven Rotfarben der Tischbezüge und der Wände haben bestimmt schon so manchen Zocker in den Spew-Wahnsinn getrieben.
Eine gelegentliche Agoraphobie überkommt selbst mich, wenn mein Nachbar am Nebentisch an einem der vielen vollen Tage seinen Stuhlrücken an meinen reibt oder mein Bier beim Aufstehen umkippt. Dieser Platzmangel ist leider vorhanden, obwohl Tische und Stühle nicht von der größten Sorte sind.
Die Palette bei den Angestellten im Gastronomiebereich reicht von sehr freundlich bis äußerst unhöflich, wobei die ersteren in klarer Uberzahl sind.
Spoiler
Endergebnis: 2,16
Fazit
Um es in der Pokersprache auszudrücken: die Spielbank am Potsdamer Platz Berlins hat gewissen Showdown Value. Erwartet man jedoch zu viel, valueowned man sich letztendlich selbst. Es ist nämlich ein paradoxes Spiel. Das beste Pokerangebot Deutschlands für Low-Limit Spieler trifft auf extrem hohe Gebühren und auf Pokerspieler nicht zugeschnittene Gastronomie in einem etwas zwiespältigen Ambiente. Letzgenanntere Negativpunkte ziehen die Spielbank ins Mittelmaß im Bereich Poker. Eine Verbesserung ist zwar mit ein Paar einfachen Tricks zu erreichen, aber ob das im Interesse des Casinos ist, wird sich noch herausstellen. Vorerst spricht aber der große Zulauf auf die Tische der Spielbank für den Erfolg des Casinomanagements und gegen kostenspielige Neuerungen.
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