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[Geschlossen] Mutter Teresa / Gutmenschen?

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Temmi
Beigetreten: 15.09.2005
Oldschool Grinder

Mutter Teresa war für mich immer ein Sinnbild für Liebe, Aufopferung und Hilfsbereitschaft.

Und jetzt habe ich das hier gelesen und mir ist echt die Kinnlade runtergeklappt.

Auszug aus "mutter theresa info":

Am 19. Oktober 2003 fand in Rom die offizielle Seligsprechung von Mutter Teresa statt. Derzeit wird bereits mit Eile die Heiligsprechung vorbereitet. Schon zu Lebzeiten umgab die kleine Ordensgründerin ein Mythos, der die höchst unerfreuliche Wirklichkeit öffentlichkeitswirksam kaschierte. mutter teresa info dokumentiert die gerne verdrängten Schattenseiten der Ordensgründerin: So hielt die Freundin von Diktator „Baby Doc“ Duvalier die Demokratie für „Teufelswerk“, zweifellos in der Annahme, dass das „Gute stets von oben kommt“.

Die millionenfach eingesammelten Spendengelder setzte sie nicht dazu ein, um die Not vor Ort (beispielsweise in Kalkutta) zu lindern, sondern hortete sie auf Konten des Vatikans. Ihr Leben lang verachtete sie das Diesseits so sehr, dass sie ihren Kranken in Kalkutta keine schmerzlindernden Tabletten geben ließ, da die Kranken in ihrem Leid und ihrem Schmerz dem Herrn Jesu Christi so viel näher seien. Statt irdischer Hilfe bekehrte sie Tausende von Menschen, die Zuflucht bei ihr suchten, zum Christentum (zweifellos in dem Glauben, sie dadurch vor dem Höllenfeuer zu retten).

Lebensrettende oder -verlängernde Maßnahmen waren in ihrem Sterbehospiz jedoch unerwünscht, da Teresa nach erfolgter Bekehrung das Bett frei haben wollte, um weitere Seelen retten zu können. Kein Wunder, dass viele Slumbewohner große Angst hatten, dem „Todesengel von Kalkutta“ jemals zu begegnen…

Für mich bricht jetzt zwar kein Weltbild zusammen, da ich mich von Kirche und Christentum schon lange distanziert habe, aber ich frage mich wirklich: Gibt es überhaupt irgendwelche "Gutmenschen" auf dieser Welt oder ist das alles nur Heuchlerei, da eigene Ziele (wie z.B. der Glaube, dadurch in den Himmel zu kommen oder sein Ego aufzuwerten etc.) immer im Vordergrund stehen?


8 Antworten
Cuoco199
Beigetreten: 23.02.2009
PokerStrategist

im schöne zitate thread hab ich neulig einen spruch gelesen der ging in etwa so: wenn man jeden tag versucht gut zu sein, wird das gute blad langweilig

heißt soviel wie, dass es den 100 % selbstlosen menschen nicht gibt (würde auch gar kein sinn machen), es kommt halt nur aufs gleichgewicht an.


Djax
Beigetreten: 19.08.2006
Oldschool Grinder

Ohne jetzt diese Aussagen zu überprüfen, da das letzendlich nur ne private Homepage ist. Das mit den Spendengeldern ist schon mal sehr zweifelhaft. Laut Impressum irgend nen Atheist. Evtl. führt der auch nur seinen persönlichen Kleinkrieg und formt sein Weltbild sich zurecht.
Aber davon mal abgesehen...
Erstmal ist Gutmensch ein eher negativ besetzter Begriff. Auch ist zu klären ob dein "Gut" auch wirklich als absolutes Gut herhalten kann?! Ich persönlich sehe lebensverlängernde Maßnahmen ein wenig im Widerspruch zur Sterbebegleitung die ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit war. Außerdem muss man das immer im Kontext sehen. Sie hat im damaligen Indien den Slumbewohnern die Alternative zu im Straßengraben zu verecken gegeben.
Schau die mal paar Dokus über Ihr aufopferndes Leben an. Das sagt für mich deutlich mehr aus...


kronenbourg
Beigetreten: 30.01.2006
BlackMember

würde die seite nicht allzu ernst nehmen. wer sowas behauptet, sollte das auch belegen können. ich seh in den texten nur sehr schwammige formulierungen ("so kann es als gesichert gelten, dass...").


Das ist nicht das erste mal das ich derartiges über Mutter Theresa lese.
Gerade um die Zeit ihrer Seeligsprechung herum wurde viel in den Medien gebracht über Sachen wo sie nicht so ganz korrekt war. U.a. da von den Spenden.

Um auf deine Frage einzugehen: den völlig selbstlosen Menschen habe ich auch noch nicht gesehen. Aber ich bin beeindruckt von Menschen die ihr Leben in den Dienst einer Sache stellen und dabei sich selbst zurück nehmen.

Beispiele solcher Helden sind für mich:

- Mahatma Ghandi: Seine gewaltlosen Leistungen sind unbestritten, er hätte Karriere und viel Geld machen können, hat aber eine Weltmacht in die Grenzen gewiesen und ein Volk befreit. Mir sind jetzt keine persönlichen Laster oder Verfehlungen von ihm bekannt, aber sicher war auch er nur ein Mensch.

- Martin Luther King: Seine religiösen Motive hin oder her. Er war eine Galleonsfigur der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und Obama wäre heute nicht Präsident (egal was man davon hält...) ohne ihn. Nichtsdestotrotz war er ein Mensch mit Lastern. Sehr bekannt sind seine sexuellen Ausschweifungen.

- Malcolm X: Angefangen als Kleinkrimineller, gewachsen zum schwarzen Nationalisten, über sich hinaus gewachsen nach seiner Haddj. Hat viel zum schwarzen Selbstbewusstsein in Amerika beigetragen. Sein größter Makel m.E. er nahm sich selbst und seine Sache für zu wichtig. Seine größte Leistung: er hat sich, sobald er erkannt hat das er auf dem Holzweg war, von den Positionen die er Leidenschaftlich vertreten hat getrennt und neue Ansichten zugelassen und sich diesen dann mit der gleichen Kraft und Leidenschaft kompromisslos gewidmet.

- Nelson Mandela: steht eindeutig für die Befreiung eines Volkes. Haft und Folter konnten ihn nicht davon abbringen dafür einzustehen was er für richtig hielt. Als Mensch jedoch mit Korruption in Verbindung gebracht worden und die Taten seiner Frau, naja, wer willwirklich glauben dass das alles ohne sein Wissen geschah?

Kensaro Wiwa: nigerianische Bürgerrechtler der ermordet wurde weil er gegen die Umweltverschmutzung durch Shell in Nigeria eingetreten ist.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Nicht vergessen darf man auch die Menschen die Zivilcourage gezeigt haben und dadurch etwas verändert haben.

Beispiele:
Die Mutter von Emett Till (wurde wegen einer Nichtigkeit gelynched) hat so lange nicht geschwiegen bis es zum Prozess kommen musste.
Rosa Parks: wieso zum Geier sollte ich den Platz für einen Weisen freimachen, ich hab doch bezahlt?

Meine Liste ist sehr "schwarzenlastig", das ist nunmal der bereich womit ich mich beschäftige. Was ich aber sagen will ist, dass es viele Leute gibt die gutes tun, im Großen, im Kleinen. Einige sind heute fast Popstars,andere verschwinden in der Versenkung und sind ganz kleine Lichter.

Allen gemein ist aber, dass sie für etwas einstehen, da spielt die Hautfarben keine Rolle. Und davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.
Ich brauche keinen Buddha oder Jesus die, ob je existiert oder nicht, nach schriftlichen Überlieferungen ein makelloses Dasein gepflegt haben.
Ich will mich an den Menschen orientieren die trotz aller Wiedrigkeiten, Leidenschaften und Laster übermenschliches geleistet haben, zum Wohle vieler.

Und wenn wir schon dabei sind: vielen Dank an die vielen Helden im Alltag, von denen kaum jemand Notiz nimmt und die Ihr Leben z.B. ihren behinderten Kindern widmen, im Pflegeheim Dienst tun, Ärzten die solche sind, die tagtäglich darum kämpfen ihre Familien zu ernähren oder sich in Krisengebieten in Gefahr begeben um das Leben anderer zu verbessern.

Diese Leute halten die Welt am Laufen und die Hoffnung aufrecht.


nervermore
Beigetreten: 13.01.2007
BlackMember

Das eigentliche Problem bei der Frage ist doch inwiefern eine Unterscheidung zwischen Egoismus und Altruismus (in deinem Sinne von "gut") überhaupt Sinn macht.
Letztendlich liegen jedem menschlichen Handeln Interessen/Präferenzen zugrunde. Handelt man entsprechend der eigenen Präferenzen, so handelt man "egoistisch" in dem Sinne, das man versucht seine eigenen Präferenzen zu verwirklichen. Der Inhalt dieser Präferenzen kann auch vermeintlich altruistischer Natur sein (das Wohl anderer Menschen/ der Natur etc), das ändert aber nichts daran, dass es die eigenen Präferenzen sind.
Der einzige Ausweg wäre ein interesseloses Pflichtbewusstsein im kantschen Sinne. Inwiefern dies aber umsetzbar ist bzw. der menschlichen Natur entspricht ist eine andere Frage.


hornyy
Beigetreten: 01.09.2006
Oldschool Grinder

Hab, glaube ich in Dawkins Büchern, auch öfter mal Spitzen gegenüber Mutter Theresa gelesen und daraufhin versucht im Internet oder Bücher irgendwas dazu zu finden, blieb aber erfolglos.
Finde das Thema ganz interessant, falls jemand gute Quellen kennt, bitte hier posten.

Ich persönlich glaube nicht, dass es 100% altruistisch lebende Menschen gibt. Wenn es diese Menschen gibt, dann frage ich mich worauf die Quelle ihrer Motivation basiert. Man will doch durch seine Taten Ansehen in der Gesellschaft erlangen, oder von anderen Menschen gemocht werden. Allerdings sehe ich auch oft keine Eindeutige Trennung. Wenn ich z.B. einem Kumpel helfe eine Prüfung zu bestehen, bin ich dann altruist, weil ich ihm helfe, oder bin ich egoist, da ich es nur tue damit ich ein gutes Gefühl habe, oder er mir wohlgesonnen ist?


Numisma
Beigetreten: 11.09.2009
Oldschool Grinder

Original von nervermore
Das eigentliche Problem bei der Frage ist doch inwiefern eine Unterscheidung zwischen Egoismus und Altruismus (in deinem Sinne von "gut") überhaupt Sinn macht.
Letztendlich liegen jedem menschlichen Handeln Interessen/Präferenzen zugrunde. Handelt man entsprechend der eigenen Präferenzen, so handelt man "egoistisch" in dem Sinne, das man versucht seine eigenen Präferenzen zu verwirklichen. Der Inhalt dieser Präferenzen kann auch vermeintlich altruistischer Natur sein (das Wohl anderer Menschen/ der Natur etc), das ändert aber nichts daran, dass es die eigenen Präferenzen sind.
Der einzige Ausweg wäre ein interesseloses Pflichtbewusstsein im kantschen Sinne. Inwiefern dies aber umsetzbar ist bzw. der menschlichen Natur entspricht ist eine andere Frage.

_thumbsup: _thumbsup:


McKing
Beigetreten: 19.03.2007
PokerStrategist

Weiß nur, dass Christopher Hitchens viel gegen die hat und auch in einer Bullshit Folge (Penn und Teller) auftritt. Wie jede Religion und Religionsfigur gibt es eine Schattenseite, die die Öffentlichkeit nicht kennt oder kennen will.

http://www.slate.com/id/2090083/


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