Original von cjheigl
Flush Draw für Value am Flop: die Idee ist, dass ein Flush Draw im Vakuum 36% Equity hat und er für Value gebettet werden kann, wenn die Durchschnittsequity kleiner ist. Die Durchschnittsequity ist 100% geteilt durch die Anzahl der Spieler.
Das ist grundsätzlich richtig, allerdings benenne ich sowas nicht Valuebet, sondern Protection Bet (Wir beschützen unseren "meist" geringen Equityvorteil gegen die Equity mehrerer Ranges). Im konkreten Fall werden wir allerdings wsl eher 30% als 36% haben.
In einer konkreten Spielsituation existiert die Möglichkeit, dass jemand anderes einen besseren Flush Draw hat. Diese Gefahr ist aber relativ gering. Zwar sind suited Hände ein erheblicher Teil anderer Ranges, in Kartenkombinationen gezählt aber weniger, da eine offsuit Kartenkombination 3 mal so viele Kartenkombinationen hat wie die gleiche suited Kombination. Ausserdem gibt es noch Pockets, die immer offsuit sind und jede für sich mehr Kartenkombinationen hat als eine suited Hand. Hat ein Gegner eine suited Kombo, dann ist die Chance, dass er nicht die Flushfarbe hat, ca. 4 mal so hoch als dass er die Flushfarbe hat. Das ergibt sich aus dem Card Removal Effekt. Die Removal-Effekt ist sogar noch höher, wenn eine sichtbare Flushkarte eine Face Card ist, weil Spieler eher höhere Karten spielen als kleine.
Das ist alles korrekt. Nur möchte ich zu bedenken geben: Spielen wir vs solide Spieler, haben diese nicht so viele offsuit Combos in der Range und unsere Equity sinkt. Spielen wir eher gegen schlechte Spieler, haben diese zwar mehr offsuit Hände, werden auf so einen Board aber kaum Kx Hände folden, auch gegen mehrere Barrels solange der Flush nicht ankommt und die Equity dieser Kx Hände vs unsere Equity ist halt doch bei ~65%.
Wenn man drei Gegner hat, sollte ein Flush Draw im Schnitt mehr Equity haben als die Durchschnittsequity selbst unter Berücksichtigung des Risikos besserer gegnerischer Draws. Bei zwei Gegnern ist das nicht der Fall, da dann die Durchschnittsequity viel näher an der Equity des Flush Draws liegt.
Oder sogar drüber
In dieser Hand gibt es noch ein paar weitere Überlegungen. Hero hat eine schlechte Position (spricht gegen eine Bet), er hat die Initiative (spielt eine untergeordnete Rolle im multiway Pot), er trifft die Flopkarten besser als die anderen (Nutvorteil, made Hand Vorteil; spricht für eine Bet), 9 high gewinnt keinen Blumentopf im Showdown (spricht für einen Bluff).
Der Nutvorteil macht Hero resilient gegen loose Raises. Der made Hand Vorteil schützt Bets. Es ist für einen 9 high Flush Draw von grossem Vorteil, backdoor Flush Draws aus dem Pot zu bekommen. Eine Bet schützt Outs. Der backdoor Straight Draw mit der 6 ergibt noch etwas weitere Equity für Hero, die nicht unter der Zahl der Gegner leidet.
Dieser Vorteil kommt imo eher nur auf höheren Limits zu tragen. Auf NL2 schaut man imo kaum auf Nutsvorteil bzw, Range Vor- oder Nachteil. Dieser Vorteil kann sich bei sehr weaken Gegner, die ZB Kx am Flop raisen und auf eine Blank am Turn All in pushen, sogar in einen Nachteil verwandeln, weil wir oft unsere Equity aufgeben müssen.
Ich denke, das spricht überwiegend für eine Bet. Einen Nut Flush Draw würde ich hier nur sehr selten betten. Der hat zwar mehr Equity, weil er gegnerische Flush Draws nicht fürchten muss, er hat aber auch bessere implied Odds, weil Zahltag ist, wenn mehrere einen Flush treffen. Der hat den Schutz der Outs nicht nötig. Eine Bet am Flop eröffnet ausserdem die Möglichkeit zu späteren Bluffs, wenn Gegner folden. Die Betting Linie von Hero am Flop ist ja sehr stark und voller Monster (Sets, top 2-Pair). Das ist auch gut so, da der Pot am Flop schon ziemlich gross ist. Sie sollte aber nicht nur aus Monstern bestehen, damit man auch was zum bluffen hat, wenn sich die Chance darauf ergibt.
Generell gilt, Hände mit wenigen implied Odds, aber guter Equity bevorzugen Bets, speziell in grossen Pötten, da das die implied Odds der Gegner verringert. Hände mit guten implied Odds bevorzugen Checks.
Das bedeutet, in der bet Flop Linie hat Hero nur selten einen Flush Draw, in der check Linie hat er ihn öfter auf Grund seiner preflop Range. Er hat ihn aber in beiden Linien. Wegen der möglichen Kombodraws für Hero in der bet Flop Linie kann Hero jeden Flush am Turn treffen (und auch einige Straights). Die Straights trifft er in der check Flop Linie auch, da er Straight Draws ohne Flush Draw nicht bettet. Es ist immer gut, wenn man in jeder Linie für jede Boardentwicklung Monster hat.
Du zählst hier die Vorteile einer Bet auf, welche sicher teilweise stimmen, gehst aber auf keine Nachteile der Hand ein:
1. Wir isolieren uns mit der Bet und einem Call von Villain gegen eine Range, die deutlich vorne ist gegen uns. Zudem spielen wir die Hand am Turn immer OOP vs jeden Gegner und unser Gegner kann mit seiner Calling Range ziemlich perfekt gegen unsere Range spielen. (Wenn wir auf ankommenden Flush betten, kann er easy einen K folden, kommt eine Blank - kann er einen K easy callen ... wie spielen wir außerdem am Turn weiter, wenn er blankt?)
2. Wir haben kaum FE gegen 3 Ranges - dieses Board hittet zumindest einer unserer 3 Gegner so, dass er callen wird. - Hier kommt wieder der Punkt von oben: Wie spiele ich den Turn weiter?
3. OOP werden wir nie 100% (auch nicht annähernd soviel) unserer Range realisieren. Schon gar nicht gegen 3 Gegner. --> unsere Equity, die im Vakuum ~36% beträgt, fällt aufgrund von Flushdominanz auf rund 30% und aufgrund Realisierungsproblemen nochmals deutlich.
4. Kommt der Flush an und es geht rein, sind wir meist toast (= neg. Implieds)
5. Kaum pos. Implieds - kommt der Flush an, wird Villain kaum mit einer marginalen Hand recht viel Geld investieren - außer er hat selbst einen Flush - und der ist meist besser als unserer.
6. Besser den Pot klein halten und gegen die weakeren Ranges unsere Equity realisieren, als gegen die Calling Ranges die uns stark beat haben in einem größeren Pot zu stehen