Ich glaube, da kommen ein paar Sachen durcheinander. Ich bezog mich bei meinem Post auf eine hypothetische preflop 3-bet, die nicht stattgefunden hat. Bei einer 3-bet wird BB nicht oft mitcallen. Wenn er es macht, dann verändern sich die Equities natürlich.
Die Showdownequity von JTs gegen T8s ist nur ein Massstab, der dem Vergleich der beiden Hände dient. Die jeweiligen Equities gegen die Callranges sehen ganz anders aus als die Equities gegen die open Range des Raisers. Daher kann man aus den Equities gegen die open Range nicht viel ableiten, was den weiteren Verlauf der Hand betrifft. Aber als Vergleich der Handqualitäten taugt sie schon. Aus Foldequity lässt sich aber der weitere Handverlauf ableiten. Die gewinnt sofort den Pot.
Meine Aussage war, dass man fehlende Showdownequity durch Foldequity ausgleichen kann. Das galt natürlich für eine 3-bet, nicht für einen Call. Nach einem Call hat man gar keine Foldequity. Ich denke, diesen Punkt kann man als gültig ansehen. Es ist aber richtig, dass es sich bei Foldequities und Showdownequities um verschiedene Equities in verschiedenen Situationen handelt, von der die Showdownequity die am wenigsten aussagekräftigste ist für den weiteren Verlauf der Hand, da sie im Fall des Calls nicht gilt, weil sie sich dann verändert. Es ist daher tatsächlich anzunehmen, dass man sie nicht 1:1 verrechnen kann.
Da die Showdownequity nur dann wirksam wird, wenn die 3-bet gecallt wird, hat sie einen kleineren Anteil als die Foldequity. Foldequity ist absolut, da sie den Pot sofort gewinnt, Showdownequity muss mit der Wahrscheinlichkeit multipliziert werden, dass der Gegner die 3-bet callt. Diese Wahrscheinlichkeit ist immer kleiner 1. Ausserdem wirkt die Foldequity nicht auf den Teil des Pots, den man selbst mit der 3-bet in den Pot bringt. Die Showdownequity schon.
Der Wert der Showdownequity hängt ausserdem von der Wahrscheinlichkeit der Realisierung ab. Foldequity nicht, das ist schon realisierte Equity.
Führt man alle Faktoren zusammen, dann ist das eine EV-Rechnung. Die kann dann tatsächlich darüber Auskunft darüber geben, welcher Verrechnungsfaktor angemessen ist. Bei Bluffhänden wird in aller Regel gelten, dass Foldequity alles andere dominiert. Das wird mit Abstand der wichtigste Teil der Rechnung sein.
Die Playability wirkt nur dann, wenn der Gegner auf den Bluff nicht foldet. Das ist bei einem Bluff also eine untergeordnete Grösse. Sie hilft natürlich, aber durch den Bluff entsteht eine Dynamik (Initiative), bei der die Playability der konkreten Hand erst mal eine untergeordnete Rolle spielt. Viel wichtiger dabei ist die Playability der Range, die auch die Valuehände mit einschliesst. Diese bestimmt, wie erfolgreich der Bluff ist und wie erfolgbersprechend ein Folgebluff auf der nächsten Street sein kann (Contibet).
Mit einem Bluff wird also die Playability der Hand durch die Playability der Range ersetzt. Das ist ein extrem wesentlicher Unterschied zum Call.
Aus den genannten Punkten wird also:
*) Wie schauts mit der Playability der Hand aus?
-> sehr gut, denn die Playability der Hand ist ausgezeichnet, wir wissen in der Regel, wo wir stehen und wir haben sehr gute implied Odds auf einen Treffer. Da es um die Playability der Range geht, verbessert sich diese sogar, wenn wir solche Hände mit reinnehmen.
*) Haben wir mit Hit (oder auch ohne) SDV?
-> mit Hit definitiv, ohne sicher nicht. Ausgezeichnet, wir wissen immer, wo wir stehen.
*) Wie spielt sich unsere Hand 3way oop? (da ja der BB oft mitcallen wird)
-> Wird er nicht. Er steht ja einer 3-bet gegenüber. -> Spielt also fast keine Rolle, aber grundsätzlich wird sich diese Hand 3-way sehr gut spielen, da wir nur auf Hit fortsetzen.
*) Und können wir mit unserer capped Range einen Squeeze callen wenn OR callt, und wie performen wir dann in diesen Spots.
-> Unsere Range ist nicht capped, da wir 3-betten. Die Range der Gegner ist gecappt, wenn die Hand fortgesetzt wird, denn sie setzt sich nur dann fort, wenn sie callen. Wenn sie 4-betten, folden wir. -> Vorteil für uns, weil wir die einzigen sind, die in diesem Fall über eine ungecappte Range verfügen.