Wieso keine Ahnung haben?
Wir sind ja IP und bekommen somit Information, was er als erste Handlung macht. Wenn man aber Preflop jede Hand raised, die eine Equity <50% ist das auf Dauer nicht profitabel, da er ja eine Calling-station ist. D.h. wenn wir angenommen immer mit solchen Händen spielen und er immer mitgeht, haben wir <50% Anteil am Pot (bei einer theoretischen Allin Situation), was Verlust bedeutet.
Wenn er natürlich fast immer foldet Preflop oder auf eine Contibet foldet, dann kann man gern schlechtere Hände mit einbringen.
Aber gegen eine Callingstation any2 zu raisen, halte ich für sinnlos, weil du Postflop halt Probleme bekommst, da du selten vorne bist, aber du ihn nicht durch Contibets vertreiben kannst.
Finde ich
edit: hab das mal versucht in eine Formel zu packen (ich nehm einfach mal an, dass der Smallblind = 1/2 Bigblind ist, was ja nicht auf jedem Limit stimmt):
e * pot - (pot/2 - 1/2 BB) > 0
<=> e * pot > pot/2 - 1/2 BB
<=> e > 1/2 - 1BB/(2 * pot) ; pot != 0 (klar)
<=> e > 1/2 * (1 - 1/pot)
Um profitabel (um Gewinn zu machen) zu spielen, muss e (Equity) größer als der rechten Seite sein.
Die Equity setzt sich jetzt allerdings aus mehreren Sachen zusammen: "Kartenkombinationen" + Foldequity. Somit muss man die linke Seite noch erweitern:
e_fold + e_karten > 1/2 * (1 - 1/pot)
e_karten > 1/2 * (1 - 1/pot) - e_fold
Bei einer Callingstation nehmen wir mal im Extremfall an, dass die Foldequity 0 ist und wir somit uns nur (wie gesagt, Extremfall) auf die Karten konzentrieren können.
Demnach ist die Gleichung:
e_karten > 1/2 * (1 - 1/pot) (1)
Die einzige veränderbare Variable auf der rechten Seite ist der Pot. Betrachtet man den Grenzwert pot -> inf (unendlich), dann hat man eine Allin-Situation.
Demnach ergibt sich:
e_karten > 1/2 * (1 - 1/inf)
<=> e_karten > 1/2
Klar. Hier spielt man nur Karten, die eine Equity von mehr als 50% haben. Alles andere wäre unprofitabel.
Nun ist der Gegner allerdings eine Callingstation und wir können die Potsize selber bestimmen.
Aus der Gleichung (1) erkennt man, dass e_karten kleiner wird (somit eine größere Handrange, die man spielen kann), falls der Pot kleiner wird.
Angenommen der Pot beträgt beim Showdown immer 30BB.
Dann ergibt sich aus (1)
e_karten > 1/2 * (1 - 1/30)
e_karten > 48.3% (ungefähr)
Jetzt kann man seine Handrange schon leicht erweitern.
Nehmen wir mal den Extremfall an.
Wir limpen Preflop nur rein und checken bis zum Showdown. Demnzufolge ist der Pot 2BB.
e_karten > 1/2 * (1 - 1/2)
e_karten > 25%
Es gibt keine Starthand, die diese Anforderung gegen eine random Hand nicht erfüllt (sogar 32o hat 32.3% Equity gegen eine random Hand).
Daraus folgt: je größer der Pot, desto kleiner muss die Handrange sein. Somit ist es besser gegen eine Callingstation mit nicht so guten Händen reinzulimpen und dann den Pot je nach Situation aufzubauen oder klein zu lassen.
Wenn ich an dem mathematischen Modell Fehler gemacht hab, dann berichtigt mich bitte sofort. Hab das noch nie für Poker gemacht