Ok, 17% find ich ein bisschen viel, aber gut. Eine 17% opening range könnte so aussehen:
22+,A9s+,KTs+,QTs+,J9s+,T8s+,97s+,86s+,76s,65s,ATo+,KQo
Du callst vom CO mit dem hier, was ich nicht so gut finde, aber bleiben wir mal bei deinen Fragen:
JJ-22,AdAh,AdAs,AdAc,KdKh,KdKs,KdKc,QdQh,QdQs,QdQc,AQs-ATs,KTs+,QTs+,JTs,T9s,98s,87s,AdKd,AhKh,AQo,AdKh,AdKs,AdKc,AhKd,AsKd,AcKd,KdQh,KdQs,KdQc,KhQd,KsQd,KcQd (122 Kombos)
Wenn wir davon ausgehen, dass Villain, was natürlich unwahrscheinlich ist, ausreichend Hände weiterspielt, wenn du nach seinem Check feuerst, solltest du nicht anytwo betten. Er wird aber kaum ausreichend Hände defenden, wie du sagst, also kannst du mehr Hände betten. Theoretisch wäre anytwo möglich, wenn Villain wirklich 2/3 seiner Hände foldet. Praktisch wäre anytwo aber schlecht, weil du Villain auf die Art mit der Nase auf sein Leak stoßen würdest. Außerdem würdest du extrem anfällig für check/raises. Deshalb würde ich max. 15-20% öfter bluffbetten als normal. Die value range bliebe unverändert. Gegen schwächere Spieler kommst du vll. eine Weile mit deinen anytwo Bluffs durchs, aber auf Dauer klappt das selbst gegen die nicht. Gegen starke Spieler solltest du damit erst gar nicht mit blindem Bluffen anfangen.
Auf dem Board hitten wir nicht schlecht, sodass nicht sehr viele Bluffhände übrig bleiben. Aus dem Grund können wir jetzt auch die kleinen Pockets bluffen, obwohl sie sich ziemlich schlecht für Bluffs eignen. Denn sie haben nur 2 Outs und damit kaum Equity, falls Villain eine gute Hand hält. Würden wir die kleinen Pairs aber weglassen, würden wir sehr wenig Hände bluffbetten, was wir in dem Fall ja ohnehin schon machen müssen aufgrund des konkreten Boards und unsrer range. Normal könnten wir sicher 3,5 bis vll. 4 Bluffs pro starker Madehand gegen diesen Villain betten (weil er zu oft foldet), vorausgesetzt eben, dass wir entsprechend viele Bluffs in unserer range haben. Ohne den Read, dass Villain zu viel check/foldet, halte ich grob etwa 3 Bluffbets pro Valuebet für vernünftig. Die betting range, die ich in dem Spot betten würde, sieht also so aus:
AA,KK,AQ,QQ,88,66 und 55-22,AJs-ATs,KJs-KTs,JTs,T9s,AK
Hände wie KQ oder QJ packe ich neben den mittelstarken Händen gegen den UTG Spieler hier in die checking range, weil wir damit am Turn potentielle Bets callen können oder selbst valuebetten können. Damit betten wir um die 65% am Flop, was noch im Rahmen ist, anstatt 100%.
Am Turn würd ich im Schnitt ungefähr 1/3 meiner Bluffs aufgeben und die restlichen Bluffs betten, River ebenfalls. In dem Fall bluffen wir schon von Haus aus weniger, weshalb wir tatsächlich anytwo weiterbluffen können ohne spewy zu werden. Außerdem können wir jetzt auch ein paar der Madehands, die wir vorhin gecheckt haben betten, wie zb. KQ.
Am River können wir weiterhin anytwo bluffen, weil AK jetzt Toppair getroffen und wir wiederrum weniger Bluffs in unsrer Range haben. Einige Hände sind durch den K schwächer geworden, weshalb wir max. noch AQ, KQ als schwächste Valuehände betten sollten, wobei es stark davon abhängt, wie loose Villain noch callt. Und hier kommen wir zu dem Punkt mit der Betsize. Auf den früheren Straßen bietet sich meistens was im Bereich von ¾ potsize an, weil die ranges nicht so klar sind. Am River sieht das anders aus, weshalb man leichter über Overbets nachdenken kann für um die 1.5x potsize. Im Normalfall sollte man mit seinen Valuehänden möglichst selten beat sein. Je häufiger die Valuebets verlieren, desto kleiner sollte die Betsize ausfallen. Darum bieten sich am River auch verschiedene Betsizes für verschiedene Ranges an. Eine gesamte Valuerange kann nämlich im Grunde nie wirklich groß betten, weil die gegnerische calling range zu stark ist. Beispielsweise will man auf dem Beispielboard AQ nicht so gern groß betten wie QQ oder KK.
Das führt jetzt aber zu weit und ist für dein Limit auch nicht so wichtig. Tendenziell fährst du allgemein sicher recht gut, wenn du am River groß bettest. Die Gegner lassen sich hinten raus noch oft rausdrücken, weil sie eine so große Bet ungern callen. Außerdem ist Villains range in einem solchen Spot sehr oft schwach. AK hält er eigentlich nie. KQ valuebettet den Flop. QJ,QT könnte er mal gecheckt haben. 66,88,QQ hätten gebettet oder irgendwo gecheck/raist. Wirklich stark ist er also fast nie. Und wenn du noch Value bekommen willst, solltest du nicht oft übermäßig groß valuebetten. Bluffen kannst du boardabhängig groß, wobei potsize idR. reichen sollte in so einem Spot. Kleiner geht auch, hängt aber eben von Villains range ab. Im Zweifel würd ich größer betten. Die Bluffs solltest du aber auch auf dem Limit ein wenig mit Valuehänden aufpolieren, vorzugsweise mit 66 oder 88, weil Villain dann öfter ne Q oder vll. doch nen K halten kann.
Kurz würd ich in einem solchen Spot auf dem Limit per Default am Flop oft bluffen aber nicht immer und hinten raus mit großen Bluffbets aufwarten, weil die Gegner oft einknicken. Allerdings muss man auch daran denken, dass man was reppen kann und dass man wenn möglich immer mit Equity blufft. In dem konkreten Beispiel hab ich vorgeschlagen auch 22 etc. zu bluffen, was normalerweise nicht gut ist. Wenn die Range aber eben kaum Bluffs beinhaltet, können auch mal solche Hände herhalten, aber nur dann.
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel auf einmal und nicht zu sehr durcheinander.
Aja, noch zu den preflop ranges: Ich glaub nicht, dass aus UTG so loose geraist wird. Ich halte irgendwas um die 12-13% für realistischer. Da kann ich mich aber auch täuschen. KQo würd ich nicht mehr callen und gegen eine tightere UTG Range würd ich noch weniger defenden. Und ich würde weniger der starken Kombos callen und sie öfter geradlinig spielen, weil man immer noch oft gegen JJ oder mal gegen AQs reinkommen kann. Außerdem wollen wir auch aggressiv 3betten. Wenn wir dann um die Hälfte weniger Valuehände in unsrer 3Bet range haben, werden wir wieder anfällig für 4Bets.
Bzgl. Blanks und Scarecards am River stimme ich oettinger4 zu. Da musst du ein bisschen aufpassen und gegen misstrauische Gegner bei Blanks seltener bluffen aber 0 Bluffs halte ich für zu ängstlich, vor allem weil die Bluffs ja auch durch Valuehände geschützt werden. Einen so einfachen Bluffcatch hat Villain also nicht.