Skript zu Lektion 1
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From zero to hero - in 60 Minuten zum Winning-Player mit der MSS(ausgearbeitet und gehalten von Campernator & FaLLout86)
Du spielst bisher ohne wirkliche Strategie?
Du fühlst dich aktuell an den Tischen unsicher?
Du bist auf der Suche nach einer einfach erlernbaren und doch erfolgreichen Strategie?
Du hast nicht genug Pokergeld um die Bigstackstrategie zu spielen?
Dann bist du hier genau richtig!
Du lernst hier eine Strategie für No-Limit Holdem kennen, mit welcher du dich auf den kleinsten Limits bereits gegen deine Gegner durchsetzen kannst.
Du kennst bereits:
- Die Regel von Texas Holdem.
Du lernst hier:
- Wie die Midstackstrategie funktioniert und wieviel Geld du dafür benötigst
- Warum gerade die MSS für Einsteiger so geeignet ist
- Mit welchen Händen du vor dem Flop Geld investierst.
- Und wie du mit deinen Händen nach dem Flop fortsetzt.
1. Was ist die Midstackstrategie und wieso ist sie für dich geeignet?
Die Midstackstrategie (MSS) dreht sich um das Spiel mit einer Stacksize von circa 40 Big Blinds.
---> Du solltest dich also mit 40 Big Blinds an den Tisch setzten.
Um immer im Idealbereich von 30-50 Big Blinds zu bleiben solltest du dich wieder auf 40bb hochkaufen wenn du nurnoch 30 Big Blinds oder weniger hast.
Wenn du soviel gewonnen hast, dass du 50 Big Blinds oder mehr hast solltest du den Tisch verlassen und dich an einem neuen wieder mit 40 Big Blinds einkaufen.
Wenn du die MSS spielst hast du folgende Vorteile:
- Die Midstackstrategie ist relativ einfach erlernbar --> Du kannst schnell mit dem Spielen beginnen
- Aufgrund der geringen Stacksize kostet dich ein einzelner Fehler weniger Geld
- Weil du dich nur mit 40 Big Blinds einkaufst brauchst du für die jeweiligen Limits eine kleiner Bankroll --> Du wirst schneller durch die Limits kommen
- Viele Gegner machen gegen kleinere Stacks große Fehler was logischerweise gut für dich ist
Diese Vorteile machen die Midstackstrategie zu einer guten Einsteigerstrategie!
Und nun kommen wir auch schon zur Strategie selbst!
2. Mit welchen Händen investierst du vor dem Flop Geld?
Ein guter Pokerspieler beantwortet zuerst die Frage "Warum will ich mit meiner Hand preflop Geld investieren?". Die Antwort darauf ist einfach: Um Geld zu gewinnen.
Doch wie geht das genau?
Du musst hierbei zwei Fälle unterscheiden:
Bist du in einer Blind-Steal Situation oder willst du mit dem besten Blatt um einen großen Pot kämpfen?
Um den Unterschied der beiden Szenarien besser zu verdeutlichen hier nochmal ein kurzer Überblick über die möglichen Positionen in denen du dich wiederfinden wirst!
An einem Pokertisch spielen zwischen 6 und 10 Spieler:

Sind weniger als 10 Spieler am Tisch fallen die frühesten Positionen weg. An einem Tisch mit 6 Spielern gibt es also die Positionen von MP2 bis BB.
Den Blinds kommt beim Pokern eine besondere Bedeutung zu. Gäbe es sie nicht, würdest du einfach auf ein Paar Asse warten und damit direkt All-in gehen. Niemand könnte deine Strategie schlagen. Poker ist also ein Spiel um die Blinds. In den Positionen: UTG bis CO kannst du die Blinds nicht direkt angreifen. Hier spielst du nur gute ausgewählte Hände und hoffste damit zu treffen und einen schönen Pot zu gewinnen. Am Button und im Small Blind kannst du hingegen direkt die Blinds angreifen und solltest auch genau das tun!
Damit du die Charts nacher richtig lesen und interpretieren kannst stellen wir dir hier kurz die Bedeutung von den gebrauchten Abkürzungen vor!
Die Buchstaben/Ziffern stehen für die Karten:

AA steht für zwei Asse, während AK für ein Ass und einen König steht. Solltest du auf eine Bezeichnung wie "77 - AA" stoßen, so ist damit jedes Paar zwischen 77 und AA gemeint. Die Farbe der Karten spielt dabei keine Rolle, es ist also nicht von Bedeutung, ob eine der Karten in Karo und die andere in Pik ist.
Die kleinen Buchstaben "s" oder "o" geben an, ob eine Hand "suited" oder "offsuit" ist. Eine suited Hand bedeutet, dass die Karten der Hand die gleiche Farbe haben, zwei Kreuze beispielsweise. Eine offsuit Hand besteht aus zwei Karten unterschiedlicher Farben, beispielsweise ein Herz und ein Karo. Ein Ass und eine Dame der selben Farbe würde somit als AQs (z.B. A :diamond:Q :diamond:) abgekürzt und ein König und Bube unterschiedlicher Farben als KJo (z.B. K :heart:J :club:), etc.
Und nun kommen wir endlich zu den konkreten Ranges!
Es gibt 3 verschiedene Szenarien die auftreten können:
a)Vor dir hat noch kein Spieler freiwillig Geld in den Pot investiert (--> Du benutzt die Openraising Ranges)
b)Vor dir hat mindestens ein Spieler den Blind gepostet (--> Du benutzt die Raise-over-Limper(s) Ranges)
c)Vor dir hat mindesten ein Spieler geraised (--> Du benutzt die 3bet bzw. All-In Ranges)
Openraising
Bei einem Openraise raised du auf 3 Big Blinds wenn du dich in Early Position, Middle Position oder im Cutoff befindest. Im Button und im Small Blind raised du auf lediglich 2,5 Big Blinds, da hier wie oben erwähnt das Stealen des Blinds im Vordergrund steht und nicht das Aufblähen des Pots um postflop viel Geld zu investieren.
Wenn du openraised ist es wichtig das du im Chart die richtige Range für die Postion in der du dich befindest liest!
Das Openraising-Chart:

Wenn ein Spieler nach deinem Openraise ein weiteres Mal erhöht foldest du alle Hände bis auf die Hände in den roten Kästchen. Mit diesen gehst du nach einem Reraise All-In (z.B. KK in Early Position).
Raising-Over-Limper(s)
Wenn vor dir ein Spieler gelimped hat (=den Blind gepostet) benutzt du die Ranges aus dem Raise-Over-Limper(s) Chart. Du raised in allen Positionen auf 3 Big Blinds + 1 Big Blind pro Limper (maximal 5). Wenn also ein Spieler vor dir limped raised du z.B. auf 4 Big Blinds.
Wie beim Openraising-Chart ist auch bei diesem Chart deine Position wichtig um die richtige Raising Range zu haben!
Das Raise-Over-Limper(s) - Chart:

Wenn ein Spieler nach deinem Raise ein weiteres Mal erhöht foldest du alle Hände bis auf die Hände in den roten Kästchen. Mit diesen gehst du nach einem Reraise All-In (z.B. QQ im Button).
3-Betting
Wenn vor dir bereits ein Spieler erhöht hat spielst du selbst nur eine sehr starke Range weiter. Eine 3bet kann dir Geld dadurch bringen, dass dein Gegner foldet oder dass du mit deinen stärksten Händen preflop All-In kommst.
Beim 3betten solltest du auf das 3-fache des Gegnerischen Openraises 3betten (z.B. Gegner openraised in EP auf 3bb, wir 3betten im BU auf 9bb).
Für jeden Spieler der das Openraise gecalled hat gibst du nocheinmal den halben Betrag des Openraises dazu. (z.B. Gegner openraised in EP auf 3bb, MP called 3bb, wir 3betten im BU auf 10,5bb)
Im Gegensatz zu den anderen beiden Charts ist es beim 3bet Chart relativ egal in welcher Position du sitzt. Stattdessen ist es wichtig auf die Position des Openraisers zu achten, da diese die Stärke seiner Range bestimmt. Wir schaun also im Chart immer in der Spalte die gegen die Position deines Gegners gilt!
Das 3Betting - Chart:

Wenn ein Spieler nach deinem Raise ein weiteres Mal erhöht foldest du alle Hände bis auf die Hände in den roten Kästchen.
Für den Fall, dass vor dir mehr als einmal erhöht wurde gehst du nur mit den Händen der dunkelroten Kästchen direkt All-In, alle anderen Hände foldest du. (z.B. EP openraised auf 3bb, CO 3bettet auf 9bb, du sitzt im BU und gehst mit AA direkt All-In.)
Nachdem du nun für preflop bestens ausgerüstet bist wird es Zeit zu lernen, wie du deine Hände postflop weiterspielen solltest!
3. Wie spielen wir unsere Hände postflop?
Welche Boardtexturen gibt es
Es ist wichtig dass man versteht wie gewisse Boards auf gebaut sind und ob die trocken oder drawlastig sind.
Draws sind Karten die deinem Gegner helfen könnten seine Hand zu komplettieren. Je weniger Draws möglich sind, um so trockener ist das Board.
Trockene Boards:
Ein trockenes Board ist ein Board wo wenige bis keine Draws möglich sind.
Beispiele für ein trockenes Board:
A :spade:2 :heart:7
Q :heart:6 :club:3
T :diamond:A :heart:7
5 :diamond:8 :club:Q
Je trockener ein Board ist umso kleiner können wir unsere Continuation Bet machen (ca. ½ Potsize)
Drawlastige Boards:
Dies sind generell Boards auf denen sehr viele Draws möglich sind (Karten die dem Gegner helfen könnten seine Hand zu machen).
Beispiele für ein drawlastiges Board:
6 :spade:7 :spade:8
T :heart:J :heart:Q
T :club:J :club:5
7 :diamond:8 :diamond:Q
Je drawlastiger das Board ist, umso größer muss deine Continuation Bet sein, damit du deine Hand vor potentiellen Draws schützen kannst.
'Handstärken'
A58 Flop - wir halten AK - Top Pair Top Kicker
A58 Flop - Wir halten 87 - 2nd Pair Weak Kicker
6 :spade:7 :spade:J
Flop - wir halten A :spade:5
- Flush Draw
TJ3 Flop - Wir halten QK - OESD
TJ3 Flop - Wir halten AQ - Gutshot
6 :spade:7 :spade:J
Flop - Wir halten A :heart:Q
- 2 Overcards, Backdoor Straight + Backdoor Flushdraw
Continuation Betting:
Beim C-betten musst du mehrere Faktoren berücksichtigen. Als erstes solltest du dir anschauen wie die Board Textur ist also trocken oder drawlastig. Also nächstes musst du schauen wie viele Gegner du gegen dich hast und wie groß der Pot ist, denn daran muss sich deine Betsize orientieren. Als letztes musst du entscheiden ob du c-betten willst und ob es eine Value oder eine Bluffbet ist.
Betsizing:
Trockene Boards: ca. 50% Potsize
Drawlastige Boards: 65 – 100% Potsize
Heads Up:
In position:
- Jede Hand als PFR
Out of position:
- Jede Hand die gute Equity besitzt
(Jedes Paar, alle Draws, Backdoor Draws + Overcards)
Multiway:
- Nur relativ starke Hände
- 2nd Pair+, Straightdraws, Flushdraws, Backdoor-Draws (im Idealfall mit Overcard(s))
Reagieren auf Raises:
Generell sind Raises auf den Micro und Lowstakes eine sehr starke Hand (Drilling) oder ein sehr starker Draw.
Aus dem Grund solltest du sehr viele deiner Hände auf ein Raise aufgeben.
So stark sollten deine Hände sein mit denen du weiterspielst:
Top 2Pair, Sets, Flushes, Straights
In gewissen Situationen kannst du aber auch schwächere Hände auf ein Flopraise weiterspielen zum Beispiel wenn du einen sehr guten Preis bekommst.
Diese Hände wären dann:
Straight Draws, Flush Draws, Top Pair
Turn Play:
Continuation Betting:
Unser Gegner hat am Flop gecallt deshalb sollten wir nicht mehr alle Hände weiterbetten sondern auch einen Teil davon check-folden.
Hände die Heads-Up Stark genug sind um noch einmal zu betten sind:
Heads Up:
2nd Pairs+,
Flush Draws und Straight Draws auf Overcards
Bei mehreren Gegnern müssen unsere Hand Anforderungen etwas steigen, weil wir gegen 2 Spieler vorne sein müssen. Hier bettest du nur noch die folgenden Hände:
Multi Way:
Top Pair Good Kicker und Besser
Flush Draws und Straight Draws auf Overcards
River Play:
Continuation Betting:
Die letzte Street ist erreicht. Wenn unser Gegner den Flop und den Turn gecallt hat ist seine Range recht stark und deshalb sollten wir nur diese Hände weiterbetten und alles andere check-folden.
Heads Up:
Top Pair Good Kicker und Besser
Wie am Turn gilt auch hier je mehr Spieler umso stärker muss unsere Betting Range sein. Diese Hände bettest du am River auch bei mehreren Gegnern:
Multi Way:
Top Pair Top Kicker und Besser
Zusammenfassung:
Die Midstackstrategie befasst sich mit dem Spiel mit einer Stacksize von 40bb. So kosten dich einzelne Fehler im Schnitt weniger Geld. Zudem kannst du schneller die Limits aufsteigen weil du für jedes Limit eine kleinere Bankroll im Vergleich zur BSS brauchst.
Ein positionsbezogenes Spiel ist extrem wichtig und unsere Preflop Charts helfen dir dabei die idealen Preflop-Ranges für dein Spiel festzulegen
Durch das korrekte Analysieren der Boardtexturen und durch einen guten Continuation-Bet-Gameplan wirst du besser sein als deine Gegner und in deiner weiteren Entwicklung auf ein solides Grundverständnis für postflop Situationen aufbauen können.