Auch gegen Voll-Fische - oder ich sollte besser sagen gerade gegen Voll-Fische - sollte bzw. muss man sogar man positive NSD's haben, wenn man sich das alles mal etwas logisch ueberlegt. Vieles ist mir allerdings auch erst in den letzten paar Wochen klargeworden, nachdem ich etliche CardRunners und Stoxpoker-Videos gesehen habe.
Gegen Regulars entstehen NSD's im wesentlichen dadurch, dass man gutes Handreading betreibt, moeglichst in Position spielt etc. - d.h. negative NSD's entstehen hier wenn man falsche Entscheidungen trifft oder die Gegner einfach besser sind.
Gegen Voll-Fisch sind jegliche negativen NSD's jedoch ein absolutes Major Leak - trotzdem scheinen jedoch viele Leute gerade gegen Fische echte Probleme damit zu haben. Nachdem ich etliche Videos studiert und etwas bei 2+2, CR etc. im Forum rumgestoebert habe wird mir allerdings so langsam klar, woran das liegt.
Bis jetzt ist's mehr nur eine Theorie - aber ich glaube, viele Leute machen den Fehler zu glauben dass sie unheimlich tricky gegen Fisch sein muessen - oder versuchen, ihre Lines zu balancen und nicht exploitable zu sein gegen Leute die das ueberhaupt nicht merken.
Sehen wir es doch einfach mal von einer streng logischen Seite und stellen uns die absolut grundlegende Frage:
Warum soll ich gegen Fisch Geld in den Pot investieren und dann spaeter folden ?
* Ich denke viele wuerden hier direkt spontan antworten "Big Laydowns".
Swachsinn !
Dann haben wir falsch gespielt. Warum ?
Na ueberlegen wir doch mal, warum sollten wir eine Hand weglegen ?
Doch eigentlich nur, wenn jetzt die eine ultra-schlechte Karte kam mit der Fisch
seine riesige Big Hand gemacht hat und wir aufgrund der Action sicher sein
koennen beat zu sein.
Na und ? Wenn Fisch jetzt einmal seine Big Hand getroffen hat spielt das doch
keine Rolle, wir mucken jetzt einfach (geben also zunaechst einmal ohne SD auf),
aber in der Mehrzahl aller Faelle kommt diese Karte doch eben gerade nicht.
Das Geld holen wir uns doch zurueck in den 80+% aller Faelle in denen die
Karte eben nicht kam und wir immer noch die beste Hand haben - dann zwingen
wir Fisch naemlich dazu entweder zu folden (-> positive NSDs) oder aber einen
noch viel groesseren Fehler zu machen und mit der schlechteren Hand zu callen.
Muessen wir hingegen zu oft am Turn / River folden, dann heisst das doch dass
wir vorher einen Fehler gemacht haben und eben gerade nicht oft genug die
beste Hand hatten.
Wenn wir z.B. multiway staendig grosse Poette mit marginalen Haenden bilden,
dann entstehen negative NSD's weil wir logischerweise zu oft am Turn/River
nicht mehr die beste Hand haben.
Kernpunkt hier ist die folgende Ueberlegung:
Gegen Fisch muessen wir weder bluffen noch versuchen unexploitable zu sein,
wir koennen einfach straightforward for Value spielen.
Das heisst z.B. wir muessen keinen Flop check/raise auf Scary Board callen mit
just one Pair etc. aus Angst sonst kein Value mit unseren Big Hands zu bekommen.
Wir koennen z.B. entscheiden ob Protection oder Pot Control besser ist. Ich
wuerde z.B. A
A
auf 7
8
9
niemals
gegen zwei Fische raisen wenn einer von denen in mich reindonkt und der
andere noch hinter mir sitzt - wenn der andere Fisch druebershoved sind wir so
gut wie immer beat, haben aber einen recht grossen Pot aufgebaut.
Dieses Beispiel war z.B. bei mir frueher ein grosses Leak - bis ich dann gelernt
habe dass ein Protection-Raise nur dann Sinn macht wenn man sich sicher ist
zu 80% die beste Hand zu haben und man damit um Stacks spielen will.
Also allgemein gesagt sollte man gegen Fisch nicht raisen und dann folden -
oder einen Raise callen und dann folden. Stattdessen ermoeglichen uns unsere
Pot-Flop Skills doch den Fisch einigermassen auf eine Range zu setzen, dann zu
wissen wie unsere Equity gegen diese Range ist und welche Karten am Turn / River
gut fuer uns sind und welche nicht. Wenn man sich also am Flop / Turn klar
ahead sieht, dann ist es aber eher selten dass man am Turn / River beat ist - und
man hat eine recht gute Idee bei welchen Karten das sein wird.
Dadurch koennen wir aber optimal spielen.
* C-Bets
Hier gilt dasselbe wie bei allen Bluffs - man muss einfach ueberlegen wie das
Risk-Reward Verhaeltnis ist.
Grundsaetzlich _muss_ man ueberhaupt nicht C-betten - und wenn man hier
negative NSD's einfaehrt macht man irgendwas falsch, dann waere es ja wirklich
besser ueberhaupt nicht zu C-betten.
Allerdings hat die C-Bet doch einen Vorteil: richtig eingesetzt gewinnt man Geld
weil man weniger investiert als man zurueck bekommt.
Mich haben bis vor ca. 2 Monaten meine NSD-Losses einfach nur zerstoert - und dann hab' ich angefangen systematisch zu analysieren, wo ich Geld ohne SD liegenlasse und ich hab' mich am Anfang darauf konzentriert das auf gegen Fische gespielte Haende zu betrachten.
Dabei hab' ich dann sehr schnell erkannt dass vieles dadurch entstanden ist, dass ich mich mit marginalen Haenden in grosse Poette verwickeln liess und dann zu oft auf spaeteren Streets aufgeben musste. Vor allen Dingen hab' ich viel zu oft versucht, Haende zu protecten deren Equity gegen Fisch's Calling-Range nur marginal profitabel war - meistens Big Overpairs auf drawy Boards.
Noch ein Wort zu Varianz:
Die Redline sollte - richtig angewendet - sehr viel "glatter" nach oben gehen als die Blue Line (SD-Winnings). Groessere "Zacken" in der Kurve - vor allen Dingen nach oben ! - deuten oft auf falsche Bluffs hin.
Hintergrund ist eine mathematische Ueberlegung:
Bei einem Standard-TAG Style spielen wir in der Regel ca. 20% unserer Haende (ich nimm' mal einen glatten Betrag um leichter rechnen zu koennen), den Rest folden wir. Wenn wir dann einmal einen Flop sehen gehen wir allerdings nur in 33% aller Faelle auch zum Showdown.
Die allermeisten unserer Haende werden also am Flop bzw. Turn entschieden ohne dass wir einen River oder gar einen Showdown sehen.
Darueberhinaus wird ein TAG in der Regel eher starke Haende zum Showdown fuehren, d.h. der Pot ist in aller Regel recht gross.
Vereinfacht gesagt heisst das unsere SD-Winnings entstehen aus wenigen grossen Poetten - unsere Non-SD Winnings hingegen aus vielen kleinen Poetten.
Beides - sowohl die Samplesize als auch die Potsize - hat jedoch einen wesentlichen Einfluss auf die Varianz. Diese ist also bei den NSD's wesentlich geringer als bei den SD's - wodurch die Redline recht kontinuierlich nach oben gehen sollte.
Grosse Swings nach unten in der Redline kommen vor - diese entstehen z.B. dann, wenn Fisch ueberdurchschnittlich oft am River seine Big Hand trifft und wir einen Big Laydown machen muessen.
Grosse Swings nach oben jedoch koennen ein Indiz dafuer sein, dass wir zuviele riskante Bluffs in grossen Poetten machen - unsere NSD's sollten jedoch ueberwiegend aus vielen kleinen Poetten kommen.
Spielstil:
Es gibt bei CardRunners eine Video-Serie "Myth of the Redline" von Zaitsev, die zeigt wie sich positive NSD's auch mit Standard TAG-Style auf niedrigen Limits erzielen lassen.
Klar lassen sich durch extremen LAG-Style die NSD's zu Lasten der SD's erhoehen und umgekehrt - darum geht es jedoch nicht.
Darum geht es aber nicht - wenn wir gegen Fisch mit solidem TAG-Style negative NSD's haben, dann muessen wir uns einfach bei jedem Pot, den wir zu ihm folden die zentrale Frage stellen:
Warum haben wir hier ueberhaupt erst any Money investiert - Fisch ist doch so schlecht dass er in Zukunft nicht anders gegen uns spielen wuerde wenn wir hier einfach gefoldet haetten
Jack