Original von Ghostmaster
Krass fallende Redlines sehe ich regelmässig und sind auf eine Eigenschaft zurückzuführen, die viele Anfänger und Fortgeschritten haben:
Kein Geld zu investieren, wenn der EV nicht mehr ganz klar ist oder knapp ist. Ich höre z.b. in Coachings oft: "Ja könnte ich valuebetten, aber bliblablub..." und dann wird gecheckt und eine ganze Street Value verpasst unter Umständen.
Stark fallende Redlines sind häufig ein Zeichen dafür, dass du Postflop von deinen Gegner ausgespielt wirst (ich vermute dein W$WSF wird sich auch nicht grade im Bereich Richtung 50 aufhalten) - sie machen es vermutlich nichtmal absichtlich, sondern spielen einfach ihren Stiefel runter, während du deinen Stiefel runterspielst.
Der 'Trick' ist es aber dauernd anzugreifen, wenn es profitabel.
- Deine Gegner spielen ihre Blinds zu passiv und folden relativ oft? Wie wärs, wenn du einfach 70% anstatt 35% deiner Buttons openraist?
- Dein Gegner openraist im CO 40% seiner Hände und du sitzt im BU? Wie wärs, wenn du solange auf ihn drauf haust bis er entweder weniger openraist (du bekommst öfter den BU gegen die Blinds) oder anfängt zuviel zu callen oder zu 4-betten?
- Dein Gegner im SB openraist 70% und du foldest 80% deiner Bigblinds? Wie wärs, wenn du ihn mal dafür bestraftst?
Die Gemeinsamkeit der fallenden Redlines ist häufig, dass die Spieler, die ich coache im Prinzip immer versuchen möglichst wenig zu verlieren und nicht möglichst viel zu gewinnen. D.h. bevor sie einen Spot mit ganz wenig EV eingehen, gehen sie ihn lieber nicht ein. D.h. bevor sie einen marginalen +EV Call im BB gegen BU Openraise machen, machen sie ihn lieber nicht etc. D.h. bevor sie eine sehr dünne Valuebet gegen einen passiven Spieler machen, machen sie sie lieber nicht.
Redlines fallen, weil einfach häufig zig Opportunitäten nicht genutzt werden und vor allem zu wenig Blinds angegriffen werden und zuwenig Blinds verteidigt werden und Postflop zu wenig Pötte angegriffen werden.
Du kannst ma folgendes machen:
A. Filter die Blindszwangspost aus deinen Graphen raus und filter nur nach Hände in denen deinen Vpip = true ist. Du wirst sehen, dass alle deine Linien nach oben schiessen. Die Non-SD Verluste resultieren primär daraus, dass du dir dauernd die Blinds wegnehmen lässt und durch wahrscheinlich ZU passives Spiel (Preflop und Postflop) in den anderen Positionen nicht überkompensiert werden können.
B. Filter Spots in denen du Preflop Openraises oder 3-Bets callst. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du in diesen mit deinem aktuellen Ansatz entweder BE oder sogar negative Winnings hast und deine Redline einfach ins bodenlose schiesst - denn du investierst hier wahrscheinlich Geld ohne so ganz genau gewissen wieso das überhaupt profitabe ist. Du brauchst vor jeder Geldinvestition wieso du mit dieser Geldinvestition MEHR Geld gewinnst
Meistens läuft es darauf hinaus, dass ich den Spielern nahelege im Blindangriffsspiel (d.h. CO und BU) ihre Ranges zu erweitern und mehr Blinds anzugreifen und gleichzeitig einen starken Fokus aufs Valuebetting und Showdownbasierte Spiel zu legen (und den Faktor bluffen fast vollständig erstmal zu vernachlässigen) -> d.h. im speziellen, dass auch viele Bluffinducinglines genutzt werden und der Faktor 'Protectionbet' fast völlig in den Hintergrund rückt. D.h. z.b. T7s auf QT2r nach BU OR und BB Call wird dann nicht mehr so häufig am Flop gebettet, sondern in Richtung Showdown gecheckt mit der Intention dort auch hinzukommen.
Zentrales Problem ist nämlich, dass oft solche Hände genommen werden und gebettet werden -> der Gegner callt und dann geht Turn Check Check und Gegner bettet River und Hero foldet und merkt überhaupt nicht, dass er grade am Flop eine super sinnlose Bet rausgehauen hat. Denn wenn du mal so recht drüber nachdenkst, dann bettest du am Flop, um die Range des Gegners anzugreifen und in dem Fall erwartest du Calls von schlechteren Händen - Hände, die unter Umständen bei einem bestimmten Boardrunout am River bluffen könnten -> tatsächlich wird aber dauernd gefolded.
Solche Lines in denen du technisch schlechte Spielzüge machst und die Tendenzen deiner Gegner, diese unter Umständen noch bestrafen (z.b. gegen Callingstations zuviel zu bluffen kompett ohne Equity oder 'Protectionbets' sind solche technischen Fehler oft), führen dazu das deine Redline ins bodenlose fällt.
Es ist jetzt stylebedingt und gegnerbedingt, ob du am Ende mit leicht fallender, waagerechter oder steigender Redline spielst. Diese stark fallende Lines sind aber meistens ein Zeichen dafür, dass du dich mit deinen Lines (und meistens auch nicht mit deinen Mitspielern am Tisch) nicht intensiv auseinandersetzt und zuwenig Spots suchst/findest in denen Geld zu gewinnen ist.
=> Schau dir mal von TwiceT - How I coached a mother an. Nadine spielt in den ersten 2 Videos wahrscheinlich vergleichbar mit dem was ich oft auch präsentiert bekomme. Im Kern erzählt TwiceT dir das gleiche was ich hier erzähle und dann schau dir die späteren Videos mal an wie Nadine plötzlich den 'Killerinstinkt' entwickelt und Spots angreift, die sie kurz vorher nichtmal erkannt hätte. Heutzutage gibt es zuwenig Fisch und zuviel Regfisch, um selber mit tight/passiven Ansätzen noch viel Geld gewinnen zu können.