Du musst berücksichtigen, dass das Equitykonzept quasi annimmt, dass du an den Showdown kommst.
Wenn du am Flop einen OESD hast, dann hast du gegen eine Made Hand (z.b. ein Overpair) im Schnitt damit 33% Equity.
Board: 8♦7♠2♣
Equity Win Tie
MP2 65.76% 65.76% 0.00% { AA }
MP3 34.24% 34.24% 0.00% { Th9h }
Das ist die Gewinnwahrscheinlichkeit im Prinzip, wenn du jetzt sofort an den Showdown kommen würdest. Das Odds und Outskonzept nimmt aber an, dass du erstmal nur die nächste Straße siehst.
-> 4.9:1 Potodds sind die benötigten Potodds vom Flop auf den Turn bzw. vom Turn auf den River und NICHT vom Flop auf den River.
Frage 1:
Sollte mit meiner Ausführung beantwortet werden. Da du 2 Karten siehst und nicht nur eine, würde die benötigte Equity für einen Call bei rund 30% liegen bzw. das Verhältnis von Pot:callenden Betrag darf nicht schlechter als 2:1 sein in der All In Situation.
Frage 2:
Generell kannst du deinen Gegner nie nur auf einen Flushdraw setzen, sondern setzt deinen Gegner auf eine Handrange, die aus Draws, Made Hands, Overcards, Air etc. besteht.
Das Ziel vor einer Bet ist es gegen diese gesamte Handrange am meisten Geld zu gewinnen und nicht nur irgendwas gegen einen bestimmten Teil der Handrange zu machen.
Es ist häufig bei Anfängern der Fall, dass sie gegen Flushdraws und Straightdraws protecten und zwar so krass, dass alle schlechteren Made Hands folden und sie sich gegen eine Range isolieren, die aus
a) soliden Draws
b) stärkeren Made Hands bestehen
Wenn du dir jetzt mal überlegst wie sich deine Hand dort einreiht, dann ahst du entweder die schlechtere Made Hand und hast sehr wenig Potequity oder bist gegen einen Draw irgendwo zwischen 50 - 70% Equity unterwegs und verlierst gegen seine Range effektiv, wenn du es mit der Protection übertreibst.
Die Implied Odds darfst du nie ausser acht lassen (deswegen halte ich das Odds und Outs Konzept halt auch für relativ problematisch, da es nur die halbe Wahrheit enthält und ich meinen Flushdraw für eine Potsizebet am Flop nach diesem Konzept nie callen dürfte, wenn der Gegner mal bettet - durch das Implied Odds Konzept kann ich aber Calls auch für 2:1 Potodds rechtfertigen, obwohl ich direkt 4.2:1 bräuchte und somit landest du dann im Prinzip ganz schnell wieder beim Equitykonzept, weil dies deutlich besser umzusetzen ist).
Wenn du setzt, dann mach dir also vorher Gedanken über die gesamte Rangestruktur und wie du von dieser Rangestruktur am meisten Geld gewinnst. Natürlich ist es sinnvoller auf koordinierten Boards oder Flushdraws größer zu setzen als auf trockenen Boards oder Rainbowboards. Der Grund ist folgender:
1. der Gegner wird auf koordinierten Boards und Flushboards viel öfter callen können -> d.h. er wird dir öfter Geld geben und dein Anreiz groß zu setzen ist hoch
2. der Gegner wird auf trockenen Boards und dry Boards viel öfter folden müssen -> d.h. er wird sowieos öfter folden und dein Anreiz groß zu setzen ist klein
Protection ist immer nur ein Nebengrund für eine Bet, aber fast nie der Hauptgrund für eine Bet. Als Anhaltspunkt mal:
Wenn du eine Bet machst, dann guckst du dir an welche Made Hands der Gegner weiterspielt und wenn du gegen diese Made Handrange gewinnst, dann ist eine Bet fast immer gut. Dann guckst du dir an, ob Draws in der Range sind und wenn ja, dann überlegst du dir wie der Anteil von Draws zu Made Hands beim Gegner ist und bettest immer größe je höher der Anteil an Draws wird.
Bsp: Auf einem AT2r Board gibt es nur Gutshots und ansonsten wird der Gegner eine Bet mit Ax, Tx, QQ oder so möglicherweise callen. Es gibt hier keinen großen Anreiz eine riesige Bet erstmal rauszuschiessen theoretisch, weil der Gegner halt nicht allzuviele spekulative Hände hat UND auch nicht allzustarke Made Hands halten kann.
Auf einem T92hh Board ist es jetzt so, dass du einen Anreiz hast groß zu betten
1. dein Gegner kann viele Draws halten
2. dein Gegner muss annehmen, dass du möglicherweise selber semibluffst und wird Tx, 9x runtercallen bzw. valueraisen
=> eine große Bet wird wesentlich produktiver, weil der Gegner viel mehr Hände weiterspielen wird in vielen Fällen.
Wenn du jetzt gegen sehr sehr schlechte Spieler spielst, dann kannst du diesen Ansatz über den Haufen werfen und auch auf trockenen Boards sehr groß setzen, wenn du z.b. weisst, dass der Gegner mit KQ und Ax und KK sowieso auch eine Potsizebet called. Auf drawlastigen Boards kannst du dann aber auch mal sehr klein setzen, wenn der Gegner dazu neigt dauernd kleine Bets zu (semi)-bluffraisen und gegen größere Bets eher nur callen würde.
Um deine Frage konkret zu beantworten: Der Gegner würde in diesem Fall einen Fehler machen, wenn du ihm eine Bet vorsetzt, die ihm direkte Potodds von schlechter als 4.2:1 gibst unter deinen Annahmen.
Frage 3:
Die Potodds müssen BESSER sein als deine Hand Equity. D.h. wenn du 2:1 Potodds bekommst und mindestens 33% Equity benötigst, dann brauchst du mehr als 33% Equity für einen Call. Bei der ganzen Sache musst du mit Draws auf deine Implied Odds achten (z.b. wird es in Single Raised Pots fast immer profitabel sein für 100BB mit einem Flushdraw am Flop eine Potsizebet zu callen - in 3-Bet Potdds sind die Implied Odds etwas kleiner und der Call könnte nicht mehr profitabel sein und ein Bluffshove wäre ein sinnvolle Alternative, weil du damit Foldequity aufbauen könntest) und mit Made Hands, ob du die Equity am Flop auch realisieren kannst.
Wenn du mit einer Made Hand am Flop callst, dann hast du das "Problem", dass du nicht für den Preis der Flopbet an den Showdown kommst, sondern möglicherweise noch eine Turn und Riverentscheidung treffen musst. Hier musst du dir also immer überlegen, ob sich der Flopcall mit einer grenzwertigen Hand lohnt und eine Idee hast wie du die Hand auf späteren Streets gewinnen kannst bzw. an den Showdown kommst für einen guten Preis.
Das ist z.b. das zentrale Problem vieler Spieler in 3-Bet Pots -> sie callen mit Händen wie 88 Preflop und callen die Cbet auf einem T24r Board und FOLDEN auf die 2nd Barrel am Turn. Sie spielen ihre Hand quasi als Bluffcatcher am Flop, weil sie gegen die vermutliche CbetRange genug Equity haben könnten, aber können diese Equity nicht realisieren für diese eine Bet, wenn der Gegner nicht grade der Kandidat ist, der am Turn nicht blufft. Es ist daher bei Calls am Flop relevant, dass du deine Idee hast wieso du mit dieser Geldinvestition möglicherweise später Geld vom Gegner gewinnst
=> bei Draws ist das halt relativ einfach, weil du dir Implied Odds geben kannst; bei marginalen Made Hands oft schon etwas schwieriger.
Bei der Analyse vom Turn auf den River ist das ganze Konzept, dann mit dem Odds und Outs Konzept vergleichbar, weil es nur noch um den Schritt von Turn auf River geht und nicht von Flop auf River.